Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 14 (3.4.1908)
- Date
- 1908-04-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 14 Dr. Llocd s Mscdenscdr'^ Seit« 253 Wir dürfen ruhig behaupten, daß in keinem Lande Europas — weder in Deutschland oder in Frankreich, noch in England oder sonst irgendwo — eine „jüdische Zeitung" mit derartigen geschäftlichen „Ankündigungen" vor die Oeffentlichkeit zu treten wagen dürfte; nur in Oesterreich reisen solche giftige Blüten und sie bilden somit die Spezialität der jungen Wiener „Zionistenführer". In einer weiteren Ankündigung — auch für eine Abwechslung und Auswahl ist weislich gesorgt — werden für die Leser und Leserinnen einer „Jüd. Zeitung", den Freunden und Freundinnen des Wiener zionistischen Parteiorganes, Mittel und Anleitung feilgeboten, — dem bösen Storch, der ja begreiflicherweise manchmal vielleicht ein unwillkommener Gast sein mag, eine Nase zu drehen — eine zweifellos sehr wichtige Sache, die in schöner, deutlicher und bildlicher Darstellung angepriesen wird: Keycket ZO Hreurei» in Briefmarken. Ihr erhaltet 3 hochfeine hygien. Muster, 6 Muster. 90 kr., 12 Muster fl. 1.70, 25 Muster fl. 3 40, nebst neuester illustr. Preisliste u. Gebrauchsanweisung über franz. u. amerik. G'jmtnlartikci von 45 kr. per Dutzd. autw. Lager alkrZuriOSiSätea, viele Neuheiten. Anfertiguag jedes Gummiarükcis, Billigste direktoEinkaufsquellenur geq. briefliche Bestellung. Diskrete Zusendung. HA TTU’D GUfSMIWAREMVABRIKS-KISBEItLAGE AU üirv, WIEN, IX |2, Nusadorfsrstrasoe Hr. 3-80 Was gibts Willkommeneres für eine „jüdische" Familie? So geartet ist die Arbeit für die sittliche Volkserziehung. Die Unzucht wird öffentlich verschleißt, Geschäft ist Geschäft. Sollten zionistische Jünglinge und Jungfrauen, denen diese „Spezialitäten" zugemutet werden, von der Empfehlung auch Gebrauch machen, so haben sie sich ausdrücklich auf das Parteiorgan zu berufen. So wird es besonders gewünscht: „Jeder Gesinnungsgenosse kann der »jüdischen Zeitung« wertvolle Dienste erweisen, wenn er seine Einkäufe bei den in der »Jüdischen Zeitung« inserierenden Firmen besorgt und sich dabei auf die »Jüdische Zeitung« beruft.“ Wenn solcherart das Gift der Unzucht unbedenklich in die Familien getragen wird, sobald es nur einige Silberlinge trägt, so ist es nicht erstaunlich, daß um des Profites willen auch die Geschäftsinteressen von Täuflingen und Renegaten geschützt und gefördert, den Lesern und Gesinnungsgeuoffen empfohlen werden. An bevorzugter Stelle liest man folgende Ankündigung: „OPSERVER“ I. österr. behördl. konz. Unternehmen für Zeitungsausschnitte Wien,!., Goncordiaplatz 4. Vertretungen in Berlin, Budapest, Chicago, Christiania, Genf, Kopenhagen, London, Madrid, Mailand, Mineapolis, New-York, Paris, Rom, San Francisco, Stockholm, St. Petersburg. Der Eigentümer und Inhaber des „Observer" ist bekanntlich ein jüdischer Renegat, ein Täufling. Für das zionistische Jnnerösterreichische Distriktskomitee jedoch gilt der Grundsatz des römischen Ariers: „non ölet“. Es ist vielleicht eine Pflicht der Gerechtigkeit, nicht zu verschweigen, daß zionistischerseits unsere Aufmerksamkeit aus diese, die Satyre stark herausfordernden Preßausschreituugen gelenkt wurde; es mangelt die Erkenntnis nicht, daß es für die zionistische Organisation kaum etwas Schädlicheres und Kompromittierenderes geben dürfte als dieses sonderbare Parteiorgan. Nichtsdestoweniger wiffen wir, daß unser Unterfangen unmöglich ohne Ahndung bleiben wird. Die rentabeln Inserate, insbesondere jenes mit der schönen Illustration von dem betrogenen Storch, werden geräuschlos verschwinden. Da wir uns hiedurch einer empfindlichen Geschäftsstörung schuldig machen, so werden die „Betroffenen" darin ein ruchloses Attentat gegen den Zionismus und die „Ehre der Partei" wittern; mit Hinweis auf unsere traditionelle angeborene Sündhaftigkeit neuerdings eine exemplarische Bestrafung fordern und in dem alten Wahn, durch lautes, lärmendes Schimpfen das nüchterne Urteil terrorisieren und betäuben zu können, mit Kübeln voll Jauche, mit Waggonladungen voll Mist uns beschütten. Das alles hält uns nicht ab, eine offene Wunde bloßzulegen, die bereits zu eitern anfängt, gegen eine Preßverluderung, welche — ein Erzeugnis der geistigen Minderwertigkeit und moralischen Unreife — den jüdischen Namen billigem Spotte und gerechter Mißachtung preisgibt, das öffentliche Urteil anzurufen und in historischen Dokumenten Zeugnisse festzuhalten über Vorgänge und Geschehnisse, die unseren Nachkommen ganz unglaubwürdig und unmöglich erscheinen dürften. Vom Zabrmarkt des Lebens. Der Pogrom von Jaffa. Das Zionistische Zentralbureau in Köln ersucht uns, nachstehende eingelaufene Nachrichten über die bereits durch die Presse bekannt gewordenen Exzesse gegen Juden in Jaffa zu publizieren. Die schweren Ausschreitungen stellen sich darnach als die Missetat des Jasfaer Kaimakams Asses Bei heraus, unter dem die jüdische Bevölkerung auch schon vorher schwer zu leiden hatte. Schon seit 6—7 Monaten werden die Juden aufs Empfindlichste von ihm unterdrückt und geschädigt. Er reizt die arabische Bevölkerung in Stadt und Land gegen die Juden aus und schickte wiederholt, ohne jede Veranlaffung Gendarmerie in die Kolonien, um die Kolonisten zu schrecken und die Araber gegen die Juden aufzureizen. Auch kam es in letzter Zeit mehrfach vor, daß Juden von Arabern auf der Straße geschlagen und mißhandelt wurden, ohne daß die Täter bestraft wurden. Am Montag den 16. v. M. abends (Erew Purim) kam es neuerdings zu einem Zusammenstoß zwischen einem Araber und einem jüdischen Arbeiter, wobei der Araber verwundet wurde. Diese Rauferei dehnte sich in einen größeren Auflaus zwischen Arabern und Juden aus, wobei beide Seiten sich der Sodawasserflaschen aus einem arabischen Laden, deffen Besitzer zu den arabischen Rädelsführern gehörte, als Wurfgeschosse bedienten. Bald jedoch liefen die Araber davon, die Juden gingen auseinander und es kehrte wieder Ruhe ein. Nach einer Stunde etwa erschien ein türkischer Polizeibeamter in Begleitung des Dragomans des russischen Konsulats und einiger Araber, die an der Rauferei beteiligt gewesen waren, in dem Hotel Baruch, in dem viele jüdische Arbeiter wohnen. Hier wurden von den Arabern dem türkischen Beamten sechs Leute als Teilnehmer an dem Auflaus bezeichnet, deren Schuld indessen durchaus nicht feststeht, und unter Zustimmung des russischen Dragomans von einer Eskorte Soldaten nach dem Serail abgesührt. ' Hierauf begaben sich der türkische Beamte, der russische Dragomau und die arabischen Zeugen nach dem Hotel Spektor, wo gleichfalls jüdische Arbeiter wohn'u, ver-