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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-03-27 · 13 (27.3.1908) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Mocb's MocbenscbrLN. Seite 339 nehmen. Unter seiner Leitung wuchsen die Geschäfte des Hauses stetig an. An den großen überseeischen Finanzoperationen der Mitte des vorigen Jahrhunderts, insbesondere an denjenigen des Baron Hirsch war auch die Firma Bischoffsheim beteiligt. Den größten Verlust durch den Tod des Dahingeschiedenen erleidet die jüdische Gemeinde, zu deren größten Wohltätern er gehörte. Im Einverständnissemitseiner Frau schuf er im Jahre 1903 das große Sanatorium für jüdische Lungenkranke in Bedfordshire. Die verstorbene Baronin Clara de Hirsch hatte einst die Absicht, ein Krankenhaus für heilbare Lungenkranke zu errichten. Sie gab jedoch später diesen Plan auf und errichtete anstatt dessen das noch heute bestehende und ihren Namen tragende Rekonvaleszentenheim. Um jedoch den Wunsch der Baronin Hirsch zur Ausführung zu bringen, gründete Bischoffsheim das genannte Sanatorium, während er im Anschluffe an das Clara de Hirsch'sche Rekonvaleszentenheim einen großen Trakt für rekonvaleszente jüdische Kinder errichten ließ. Dem großen Fonds für Krebsforschung widmete der Verstorbene 100.000 Mark und war auch Vizepräsident des Kuratoriums dieses Fonds. Er gehörte fast jeder großen Wohlfahrtsanstalt als förderndes Mitglied an. Ebenso war er Mitglied des Rates der „Jca". Anläßlich der Feier seiner goldenen Hochzeit im Jahre 1906 spendete er zusammen zwei Millionen Mark für wohltätige Zwecke, wovon 400.000 ausschließlich jüdischen Zwecken zufielen. Auch seitdem widmete Bischoffsheim sehr viel für jüdische Schulzwecke. Im Jahre 1856 heiratete Henry Louis Bischoffsheim die Tochter des bekannten Wiener Großkaufmannes Biedermann, das Fräulein Clarissa Biedermann, die während ihrer langen glücklichen Ehe alle Wohlfahrtsbestrebungen ihres Mannes aufs Wärmste unterstützte. Das gastliche Haus Bischoffsheims war immer der Sammelpunkt der besten englischen Gesellschaft und der jetzige König von England war als Prinz von Wales häufig Gast im Hause Bischoffsheim. Bischoffsheim war auch ' ein bedeutender Kunstkenner und seine Kunstgalerie repräsentiert ein großes Vermögen. Eine neue Rede Zangwills. Vorige Woche fand in London eine Versammlung der Londoner „Jto"-Association statt. In der massenhaft besuchten Versammlung hielt der bekannte Publizist Lucien Wolf eine längere Rede, in welcher er die Bedeutung der jüdisch-territorialistischen Bewegung auseinandersetzte, welche heute die einzige praktikable Lösung der Judenfrage darstelle. Der Führer der „Jto", Israel Zangwill sprach, über „Zionismus und Territorialismus" und wies unter großem Beifalle darauf hin, daß heute selbst die offiziellen Zionisten zur Ueberzeugung gelangt seien, daß Palästina dermalen kein geeignetes Gebiet für eine größere jüdische Einwanderung sei. Besonders wichtig sei jedoch, was Dr. Paul Nathan, der sich soeben persönlich über die Verhältnisse in Palästina informieren konnte, über die Frage sagt. Während er von einer jüdischen Masseneinwanderung in Palästina entschieden abrät, schreibt er an Zangwill, daß er sich mit dem ihm in allen Details bekanntgegebenen nordafrikanischen Projekten vollständig einverstanden erkläre und nur wünsche, daß so rasch als möglich die geplante Expedition dahin entsandt werde. „Es bedarf nicht erst des Nachweises", schreibt Doktor Nathan u. a., „wie wichtig es für das gesamte Judentum, besonders aber für die Juden des Ostens wäre, wenn zu den vorhandenen Einwanderungsplätzen in fremden Ländern noch ein neuer hinzukommen würde, der überdies noch den Vorteil hätte, daß durchwegs jüdische Siedlungen geschaffen werden könnten." Die Auswanderungsbewegung nach Galveston mußte natürlich ebenfalls unter der allgemeinen amerikanischen Krise leiden und es werden gegenwärtig nur diejenigen durch die „Jto" befördert, die mit Sicherheit in lohnende Arbeit gestellt werden können. Aber selbst die Krise hat die in Galveston untergebrachten nicht so hart getroffen, wie wenn sie nach New- Aork gegan'gen wären. Die Versammlung nahm einstimmig ein Vertrauensvotum für Zangwill und dessen Tätigkeit an. Eine Resolution des amerikanische» Senats gegen die russischen Greuel. Aus Washington wird gemeldet: Der Senat beschloß eine vom Senator Hopkins aus Illinois vorgeschlagene Resolution, in welcher die Vorgänge in Rußland scharf verurteilt werden. Die Resolution weist zunächst darauf hin, daß der Kaiser von Rußland der Anreger der Haager Friedenskongresse ist, wofür ihm die zivilisierte Welt den Dank und die Anerkennung nicht verweigert habe. Dann setzt die Resolution fort : „Mit Rücksicht darauf, daß dem Kongresse der Vereinigten Staaten eine von zahlreichen, angesehenen, amerikanischen Bürgern Unterzeichnete Petition zugegangen sei, in welcher auf Grund offizieller, russischer Daten nachgewiesen wird, daß Frauen und Kinder, Greise und Krüppel — Menschen, die mit den Unruhen in keinem Zusammenhänge stehen — verfolgt und gemordet werden, daß Gefangene in den Festungen und Gefängnissen gefoltert und gemartert werden, um aus ihnen Geständnisse und Denunziationen zu erpressen, daß ferner von der Polizei und Militär Pogrome angezettelt werden, um die Bevölkerung einzuschüchtern; mit Rücksicht weiter darauf, daß die Witwen und Waisen der Ermordeten, sowie in Armut geratene Opfer der Plünderungen in großer Zahl in dieses Land ausgewandert find und hier — oft ihrer natürlichen Ernährer und Brotgeber beraubt — in großer Not leben, wird beschlossen, daß der Kongreß der Bereinigten Staaten sein Bedauern ausspricht über derartige Gewalttaten und llnmenschlichkeiten, welche das Schaudern der zivilisierten Welt erwecken und den allgemeinen Fortschritt hemmen." Untersagte Judenmisfio« auf Ellis Island. Die unglaubliche Zudringlichkeit und Rücksichtslosigkeit, mit welcher New-Iorker Judenmissionäre die jüdischen Einwanderer auf der Landungsinsel Ellis Island in letzterer Zeit belästigten, hat den Einwanderungskommissär Robert Watchhorn veranlaßt, die nachfolgende Verordnung zu erlassen und am schwarzen Brett in Ellis Island anbringen zu lassen: An die „Missionäre in Ellis Island! Ich habe bereits bei verschiedenen Anlässen darauf hingewiesen, daß es der Vertreter christlicher Kirchen und Organisationen unwürdig sei, ihre Propaganda-Literatur unter den jüdischen Emigranten, die in Ellis Island ankommen oder zur Deportation zurückgehalten werden, zu verteilen. Nun wird mir gemeldet, daß mein Wunsch unberücksichtigt blieb und daß die Miffionsliteratur nach wie vor den jüdischen Emigranten ausgedrängt werde. Ich betrachte diese Tätigkeit als eine Propaganda zur Züchtung des Renegatenwesens gegenüber der angestammten Religion des Einwanderers. Ich fordere Sie daher noch einmal auf, ihre Tätigkeit hier einzustellen, da ich es unter keinen Umständen dulden werde, daß diese staatliche Stelle zu einem Felde solcher Tätigkeit benützt werde, welche unbedingt zu unliebsamen Konflikten und Auseinandersetzungen führen muß und geeignet erscheint, eine Störung der Beamten in ihrer amtlichen Arbeit herbeizuführeu. Gez.: Robert Watchhorn m. p. Petersburg. Im finnländischen Landtag wurde bekanntlich vor einiger Zeit , von den Sozialdemokraten ein Entwurf eingebracht, der endlich die Gleichberechtigung der finnländischen Juden mit der übrigen Bevölkerung Finnlands durchführen sollte. Dieser Gesetzentwurf fand damals den lebhaftesten Widerspruch bei den Altfenomanen. Diese beantragten nun dieser Tage im Landtag, den Entwurf ohne Diskussion von der Tagesordnung abzusetzen. Die Majorität erklärte sich indessen dagegen, und so wird also der finnländische Landtag demnächst seine Judendebatte erleben. Ob der Entwurf praktische Folgen für die Juden haben wird, ist freilich eine andere Frage, denn wenn auch die altfinnischen und stark antisemitischen Herren selbst nicht genügend Stimmen gegen das Gesetz sollten aufbringen können, so wird die russische Regierung schon ein Mittel finden, um dem Gesetz gewordenen Entwurf in der Praxis den Garaus zu machen.

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