Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 13 (27.3.1908)
- Date
- 1908-03-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
- Mohel 1× ep/1006163
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Sette 238 Dr. Llocb's MocbenscbrM. Nr. 13 wird. Wenn die Tochter eines spanischen Juden heiratet, stellt der Bischof dem Brautpaar seine Prachtkaroffe zur Verfügung. Auch der im Vorjahre verstorbene Vorgänger des Grasen Majlath, Bischof Lönhart, war ein Freuud der Karlsburger Juden und es wird erzählt, daß der greise Kirchenfürst nicht nur die älteren Mitglieder der spanischen Judengemeinde gekannt hat, sondern auch deren Kindern und Enkeln, die den Bischof schwärmerisch verehrten, das größte Wohlwollen und Interesse entgegenbrachte. Die Jude« im Sudan. (Die Synagoge des Wiener Rothschild. — Die Familie Costi. — Die Ehrenkompagnie. — Das Offert des Generalgouverneurs an die russischen Juden.) Vor kurzem berichteten wir, daß der Oberrabbiner von Alexandrien, Chasan, eine Inspektionsreise nach Chartum unternommen habe. Nun ist der Herr Oberrabbiner, wie aus Alexandrien berichtet wird, von seiner Reise heimgekehrt und hat dem Vertreter des „Jewish Chronicle" die folgenden interessanten Mitteilungen über dieselbe gemacht: In Assouan fand der Herr Oberrabbiner bloß vier jüdische Familien und einige jüdische Hausierer vor, die im Innern des Landes ihre Ware, von Dorf zu Dorf wandernd, feilbieten. Die Stadt besitzt eine hübsche Synagoge, die der Wiener Baron Nathaniel Rochschild vor einigen Jahren errichtet hatte, der fast jedes Jahr einige Monate hier zu verbringen pflegte, weil ihm das hiesige Klima besonders Wohltat. In der Synagoge wird bloß an Sabbaten und Feiertagen Gottesdienst abgehalten. Von Assouan giugs nach Wadi Haifa, wo es keinen einzigen Juden gibt. Hier wurde der Chief-Rabbi vom Stadtkommandanten im Namen des Generalgouverneurs vom Sudan begrüßt. In Chartum kam der Oberrabbiner mit seinem Gefolge um 11 Uhr nachts an. Zu seinem Empfange hatten sich im Stationsgebäude eiugefuudeu: Generalgouverneur Sir Reginald Wingate, der Sirdar Slatin Pascha, eine Ehrenkompagnie sudanesischer Soldaten und fast die ganze jüdische Bevölkerung von Chartum und Omdurman. Der Empfang war ein äußerst feierlicher und euthufiastischer. Von hier wurde die Reise nach Omdurman fortgesetzt. Diese Stadt zählt vierzig jüdische — teils arabische, teils spaniolische Familien, von denen bloß drei Familien nach aschkenafischem Ritus leben. Wie in unserem vorigen Berichte erwähnt wurde, führte der Oberrabbiner einen Mohel mit, welcher auch gleich am ersten Tage drei Kinder in den Bund Abrahams einführte. Im Zusammenhänge hiemit erzählte der Chief-Rabbi dem Berichterstatter, daß ein Jude namens Benzion Costi, der aus Magnesia (asiatische Türkei) nach dem Sudan gekommen war, von dem Mahdi, der die Provinz terrorisiert und jedem, der nicht zum Islam gehört hatte, mit der Todesstrafe drohte, gezwungen wurde, zum Islam überzutreten und eine sudanesische Sklavin zu heiraten. Diese ganze Familie Costi ist nun zum Judentume zurückgekehrt. Am zweiten Tage versammelte der Oberrabbiner die jüdischen Gemeindemitglieder und es wurde die erste Gemeinderepräsentanz gewählt. Benzion Costi wurde Präsident und ein aus Alexandrien eingewanderter Kaufmann Eduard Castro Schriftführer. Die Regierungsbehörde wurde offiziell von der erfolgten Gemeindegründung verständigt und noch am selben Tage erhielt der Herr Oberrabbiner ein herzlich gehaltenes Antwortschreiben, in welchem die Regierung ihre Freude über die Maßnahmen des Oberrybbiners ausspricht und der jungen Gemeinde ein rasches Aufblühen wünscht. Die jüdische Gemeinde mietete eine eigene Jacht, die den Oberrabbiner nach Chartum brachte, von wo er die Reise per Bahn nach Alexandrien zurücklegen sollte. Im Bahnhöfe hatten sich zum Abschiede abermals der Generalgouverneur und die übrigen offiziellen Persönlichkeiten mit einer Ehreukompagnie eingefunden. Der Generalgouverneur Sir Wingate zog den Oberrabbiner in ein längeres Gespräch, das auch eine große politische Bedeutung hatte. Se. Exzellenz sprach sich äußerst lobend über die Juden der Provinz aus, deren Verhalten niemals Anlaß zu Klagen gegeben habe. Er ließ sich mehrere anwesende jüdische Gemeindemitglieder vorstellen, richtete an sie eine Ansprache, in welcher er sie aufmunterte, im Lande zu bleiben und nach wie vor rechtschaffene Arbeit zu leisten. Dem Oberrabbiner gegenüber, mit dem er in ftanzöfischer Sprache konversierte, sprach Se. Exzellenz den Wunsch aus, daß die russischen Juden, welche ihre Heimat zu verlassen gezwungen find, sich im Sudan anfiedeln und dort landwirtschaftliche Kolonien gründen mögen, wie sie es in Palästina und Argentinien tun. Der Oberrabbiner meinte, daß die russischen Juden, die aus einem kalten Klima kommen, vielleicht nicht das warme Klima des Sudan vertragen würden, besonders im Sommer, wo die Hitze überaus groß ist. Der Generalgouverneur hingegen versicherte, daß die russischen Juden sich dem Klima im Sudan leicht anpaffen würden. Als Beweis hiefür verwies Sir Wingate darauf, daß er selbst, als geborener Engländer, ebenfalls an ein kaltes Klima gewöhnt war und sich niemals wohler befunden habe, als seit seinem Aufenthalte im Sudan. „Eminenz," schloß der Generalgouverneur die Unterredung, „sagen Sie doch, ich bitte, Ihren Glaubensbrüdern in Europa und Amerika, daß der Sudan der beste Boden für ihre unglücklichen Brüder ist und daß England nicht ermangeln wird, ihnen alle nötigen Erleichterungen zu gewähren!" Der Berichterstatter erinnert hiebei daran, daß der Herausgeber der Zeitung „Vara", Abraham Galante, vor ungefähr zwei Jahren in derselben Angelegenheit ein Memorandum an hervorragende Juden Europas und Amerikas gerichtet hatte. Diese Aktion hatte damals keinen Erfolg. Der Chief-Rabbi von Alexandrien hat sich gleich nach seiner Rückkehr aus dem Sudan des ihm gewordenen Auftrages entledigt, indem er an die Anglo Jewish Association, die Alliance Jsraelite Universelle und die „Jca" Bericht erstattete, und hofft, daß diese Organisationen zumindest eine Expertenkommission behufs Studiums des Anbotes entsenden werden. Die alexandrinische Gemeinde ist bereit, ihnen einen Arzt, einen Ingenieur und einen Astronomen beizustellen. Der bekannte Philanthrop H. & Bischoffsheim gestorben. London, 12. Marz 1908. Gestern starb hier in seinem Palais South-Audley-Street der auch außerhalb England bekannte Finanzier und Philanthrop Mr. H. L. Bischoffsheim im Alter von 80 Jahren. Die Familie Bischoffsheim ist eine alte Bankiersfamilie. Der Begründer des Hauses Rafael Nathan Bischoffsheim wurde 1773 in Bischoffsheim an der Tauber — daher auch der Name der Familie — geboren. Seine beiden Söhne widmeten sich dem Bankfache. Louis, der Vater des soeben Verstorbenen, gründete ein Bankhaus in Amsterdam, Mit Filialen in Antwerpen, London und Paris. Der zweite Sohn Raphael Jonathan (der Vater der Baronin Clara de Hirsch) begründete ebenfalls ein Bankhaus in Antwerpen mit einer Niederlassung in Brüssel. Beide Söhne waren nicht nur erfolgreiche Finanziers, sondern auch hervorragende Wohltäter. Der jüngere, dessen Hauptätigkeit in Belgien sich abspielte, hatte sich einen so guten Ruf erworben, daß anläßlich seines Todes die Straße, in welchem sich sein Wohnhaus befand, der Boulevard de l'Observatoire den Namen Boulevard Bischoffsheim erhielt. Raphael Louis, der ältere Sohn dieser belgischen Bischoffsheim, der sich in Paris niederließ, war nicht nur ein bedeutender Finanzmann, sondern hat sich auch im öffentlichen Leben hervorgetan. Seine besondere Neigung für astronomische Forschungen veranlaßten ihn, die Observatorien von Paris und Montsouris in der freigiebigsten Weise zu unterstützen. Ebenso zeichnete er große Summen für die Sternwarte auf dem Pic du midi, während die größte und modernste Sternwarte in Europa auf dem Mont-Gras nicht nur von ihm gegründet, sondern auch mit der gewiß namhaften Summe von 1*/, Millionen Francs dotiert wurde. Der jetzt verstorbene Henry Louis Bischoffsheim war ein jüngerer Bruder dieses Raphael Louis Bischoffsheim und wurde im Jahre 1829 in Amsterdam geboren. Im Alter von zwanzig Jahren kam er nach London, um die von seinem Onkel S. H. Goldschmidt geleitete Londoner Filiale seines Paters zu über-