Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 13 (27.3.1908)
- Date
- 1908-03-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 13 Dr. Llocb's Mocbenscbrtrr. Stfc 237 keinen Miets> oder Pachtvertrag oder irgend eine Verpflichtung mit den Einwohnern der Gemeinde ein zu gehen (!!!), um am Tage der Vollstreckung der Beschlüsse sich nicht in der Klemme zu sehen. Indem ich Ihnen das auftrage, glaube ich, daß Sie keinen Anlaß geben werden, Ihnen das unter Hinzufügung der disziplinarischen Maßnahmen nochmals in Erinnerung bringen zu müssen. F. d. Präfekt: C. Motet m. p. Das jüdische Quartier in Konstantinopel eingeäschert. Konstantinopel war am vorletzten Freitag den 13. d. M. der Schauplatz eines großen Brandes. In der Vorstadt Haskeny. fast ausschließlich von armen spaniolischen Juden bewohnt, wurden 377 Häuser, darunter drei Schulen und eine Synagoge, ein Raub der Flammen. Kaum vier Stunden haben genügt, um über 1500 jüdische Familien obdachlos zu machen und ihrer ganzen armseligen Habe zu berauben. Das Feuer nahm seinen Anfang im Laden des jüdischen Händlers Abram Leon, wo von einem fortgeworfenen Streichholz ein Petroleumbehälter in Brand geriet. Mangel an Wasser verhinderte, den Brand im Anfang zu ersticken und mit Blitzeseile wurden die eng aneinander gebauten Holzhäuser vom Feuer erfaßt. Viele, die ihr Hab nach entfernteren Straßen gebracht hatten, wurden auch dort vom verheerenden Element überrascht. Die wenigsten waren versichert, und selbst unter diesem Häuflein Glücklicher gibt es eine große Anzahl, für die die Auszahlung der Versicherungssumme fraglich ist, da sie infolge ratenweiser Zahlung der Versicherungsprämien an die Agenten nicht in den Besitz der Polizzen find. Seine Majestät der Sultan hatte sofort den Stadtpräfekten S. E. Rechid Pascha beauftragt, sich auf den Unglücksplatz zu begeben und die Hilfeleistung zu organisieren. In einigen Synagogen, Schulen, Kirchen und Privathäusern wurden die Unglücklichen zu Hunderten zusammengepfercht, untergebracht und 'Mt'"Brot, Käse und Oliven gespeist. Auch wird auf Ordre des Sultans eine Listen der Betroffenen aufgestellt, die dem Souverän präsentiert werden wird. Das Großrabbinat empfing Kondolenzen'von diversen Notabilitäten, unter anderen auch vom rumänischen Patriarchen. 30 Telegramme find von hier an philanthropische Gesellschaften des Auslandes abgegangen, einstweilen hat nur der Hilfsverein deutscher Juden die Summe von 1000 Franks als erste Hilfe telegraphisch an Rabbiner Herrn Dr. Markus überwiesen. Erst gestern um 7 Uhr abends vereinigten sich die Vertreter des Großrabbinats, des Konsistoriums, des Hilfsvereins und der Alliance, um über die Beschaffung der Mittel zu beraten, die zur Linderung der großen Not notwendig find. Als erste Zeichnung einschließlich der 1000 Franks des Hilfsvereins find 600 türkische Pfund (13.800 Franks) aufgebracht. Das Zentral-Komitee der Alliance hat seinem Konstantinopeler Hilfskomitee 10.000 Franks telegraphisch überwiesen. Auch ist ein Teil der Obdachlosen in den Schulgebäuden der Alliance, die glücklicherweise keinerlei Beschädigungen erlitten haben, vorläufig untergebracht worden. Der Vorstand der „Israelitischen Allianz zu Wien" hat sofort nach Bekanntwerden des großen Brandunglückes in Konstantinopel telegraphische Berichte eingesordert und zur Linderung der ersten Not dem dortigen Komitee der Alliance einen Beitrag von 2000 Franks überwiesen. Krise in einem Heiratsausstattungsverein. Eine gesprengte Vereinsversammlung. Im Hotel „Baierlscher Hof" in der Taborstraße hielt Sonntag Nachmittags der erst vor einem Jahre gegründete „Israelitische tzumanitätsverein zur Ausstattung heiratsfähiger Töchter" seine Generalversammlung ab, bei der es überaus stürmisch zuging. Die Versammlung, an welcher nahezu tausend Personen teilnahmen, während eine fast doppelt so große Zahl von Mitgliedern des Vereines, die im Versammlungslokale keinen Platz mehr gefunden hatten, auf der Straße in erregten Diskussionen da- Ende der Versammlung abwarteten, wurde von der Opposition, die sich seit einiger Zeit gebildet hatte, gesprengt. Es kam hiebei zu sebr lebhaften Auseinandersetzungen und tumultuösen Szenen, so daß schließlich die Wache einschreiten und den Saal räumen mußte. Ueber die Veranlassung dieser stürmischen Vorgänge wird uns berichtet: Der Verein, der im vorigen Jahre gegründet wurde, erfreute sich gleich in der ersten Zeit seines Bestehens eines großen Zulaufes von Mitgliedern. Die Möglichkeit, heiratsfähigen Töchtern durch geringfügige Beitragsleistung eine verhältnismäßig reichliche Aussteuer sichern zu können, bewog viele Eltern, dem Verein beizutreten. Nach den Statuten des Vereines bat jedes Mitglied nebst den geringfügigen Mitgliedsbeiträgen zur Ausstattung jeder Braut eine Krone als Aussteuerbeitrag zu entrichten. Zuletzt belief sich die Zahl der Vereinsmitglieder auf 4000, die Aussteuer jeder Braut würde demgemäß 4000 Kronen betragen, und unter Hinweis auf diese Ziffer war es dem Ausschuffe des Vereines, an dessen Spitze als Obmann der Dienstmann Herr Gelber stand, ein Leichtes, immer neue Mitglieder zu werben. Die ersten vier vom Vereine aus gestatteten Bräute wurden am 19. Jänner an einem Tage getraut und diese vierfache Trauung gestaltete sich sehr festlich. Bald darauf gründete der Verein in Prag eine Zweigniederlassung, der jetzt ungefähr 800 Mitglieder angehören. Mit diesem raschen Wachstum des Vereines ging aber eine ebenso rasch wachsende Unzufriedenheit in den Reihen der Vereinsmitglieder Hand in Hand. Es bildete sich eine Oppositionspartei, die die Gebarung des Ausschusses zum Gegenstände heftiger Kritiken machte. Man warf dem Ausschuffe vor, daß er seiner Aufgabe in keiner Weise gewachsen sei, daß die Vorstandsmitglieder ihren Verwandten zu vorteilhaften Stellungen und gut dotierten Stellen im Vereine verholsen hätten, daß sie sich als Akquisiteure zur Anwerbung von unterstützenden Mitgliedern für diese Leistung sehr splendid auf Vereinskosten entlohnen ließen, so daß 50 Prozent der Unterstützungsbeiträge — angeblich 10.000 Kronen — auf diese Weise dem eigentlichen Vereinszwecke entzogen worden seien. Auch in dem Umstande, daß die Kosten einer Reise nach Prag, welche der Gründung des dortigen Zweigvereines galt, aus Vereinsmitteln allzu freigebig gedeckt worden seien, erblickte die Opposition einen Grund zum Mißtrauen gegen den Vereinsvorstand und der Ausschuß wurde aufgefordert, sich gegen diese und ähnliche Vorwürfe zu rechtfertigen. Zu diesem Zwecke wurde die so stürmisch verlaufene Generalversammlung, an welcher auch eine Deputation des' Prager Vereines teilnahm, anberaumt. Drr Obmann Herr Gelber unternahm den Versuch, den Ausschuß zu rechtfertigen, kam aber nicht über die einleitenden Sätze hinaus. Herr Ignaz S u e ß, der Wortführer der Opposition, brachte unter großem Beifalle seiner Anhänger die obenerwähnten Anwürfe gegen den Ausschuß vor und forderte die Herren auf, diese Anwürfe zu entkräften oder sofort zu demissionieren und neuen Männern Platz zu machen. Die Anhänger des Ausschuffes, die sich in der Minorität befanden, suchten die Opposition zu übertönen. Ihre Bemühungen waren vergeblich, und als der Obmann Herr Gelber, anstatt die gegen den Ausschuß erhobenen Vorwürfe zu beantworten, die Versammlung für geschlossen erklärte, kam es zu dem eingangs erwähnten Tumulte. Die Opposition drängte den Ausschuß aus dem Saal und wollte sofort zur Wahl eines neuen Ausschusses schreiten, doch wurde diese Absicht durch die lärmenden Szenen und das Einschreiten der Wache vereitelt. Nun hat die Opposition die Neuorganisation des Vereines in Angriff genommen und der Kultusgemeinde einen Einfluß auf die Verwaltung des Vereinsvermögens zugesichert. Ein Bischof als Protektor einer Judengemeinde Nach einer Meldung aus Karlsburg hat der neue römischkatholische Bischof von Siebenbürgen Graf Gustav Majlath das Protektorat über die dortige Judengemeinde übernommen. Historischen Daten zufolge fiedelten stch nämlich einige aus Spanien vertriebene Judenfamilien im XVIII. Jahrhundert in der Stadt Karlsburg an, wurden aber nicht nur von den Christen, sondern auch von den dort bereits wohnhaften Juden als Eindringliche angesehen. Kaiser Josef, der dies in Erfahrung brachte, kam den jüdischen Ansiedlern wohlwollend entgegen und stellte sie damals unter den Schutz des fiebenbürgischen römischkatholischen Bischofs. Auf diese Weise wurde einer der Vorgänger des Grafen Majlath zum erstenmal Protektor der jüdischen Gemeinde. Die formelle Patronanz erlosch zwar im Sinne der 48er-Gesetze, tatsächlich dauert sie aber noch heute fort. Auch Graf Majlath scheint der jüdisch-spaniolischen Gemeinde großes Wohlwollen entgegenzubringen. Anläßlich seiner Ernennung zum Bischof begrüßten ihn die spanischen Juden korporativ als ihren Protektor, und der Bischof übernahm auch das Amt. Interessant ist, daß dem Festdiner beim Bischof der Rabbiner zugezogen wird und der Bischof stets dafür Sorge trägt, daß dem Rabbiner koscher zubereitetes Esten vorgesetzt