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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-03-27 · 13 (27.3.1908) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Llocb's Mocvenscdrtrr. Seite 835 Geschichten faßt von den verschiedensten Seiten her das von einem unbefangenen Denker neu errungene Verhältnis zum Leben in sich; die Schätzung überkommener Philosopheme, traditioneller geschichtlicher Größen wird hier nach ganz neuen Maßstäben vollzogen, den Selbsttäuschungen der Menschen das Gegenbild ihrer uneingestandenen inneren Vorgänge entgegengehalten. Nirgends verfällt der Verfasser in Rhetorik oder Lehrhaftigkeit, aber aus jeder der Geschichte springt die selbständige Auffassung eines Lebensproblems, wie sie sich der ruhigen, heiteren, über den Leidenschaften schwebenden Ueberlegenheit erschließt, hervor. Das Buch, das die Früchte der Lebensweisheit in goldener poetischer Schale bietet, drang gleich nach seinem Erscheinen in weite Kreise hinaus; das Aufsehen, das es erregte, wurde noch dadurch vermehrt, daß Politiker vom Schlage der späteren Verteidiger der Isx Heinze in Deutschland, christlichsoziale Dunkelmänner sich im österreichischen Parlamente gegen die „Phantasien eines Realisten" ereiferten und ein — seither längst überwundenes — Verbot des Buches erwirkten. Popper ließ sich weder durch solche Opposition bestimmen, in die Arena der erhitzten Polemik hinabzusteigen, noch durch den großen Erfolg zur literarischen Massenproduktion verleiten, die als gefährliche Folge einer Sensation zum Verhängnis so mancher Modeschriftsteller geworden ist. Er verblieb im Gleichgewicht seiner ruhigen Denkerstimmung und sandte vor einigen Jahren von der Höhe seiner Lebensanschauung ein neues, gedanklich tiefes Werk hinaus, ein umfangreiches Buch über Voltaire, an dem sich einige Zopfphilologen geärgert haben, weil sie sich eine derartige Monographie ohne den Schweiß der textkritischen Anmerkungen und der Nummern der Originalpaginierung nicht vorstellen können. Diejenigen aber, du den Autor verstanden, die begriffen, daß es sich in dieser Analyse des Voltaireschen Lebens und Wirkens um ein Buch in der Art des vielgenannten „Rembrandt als Erzieher" oder-- umhöher zu greifen,. vom Schlage des Carlyleschen „Schiller" handelt, nämlich darum, an dem Wesen Voltaires (gegen das die menschlichen Schwächen verschwinden) das Vorbild einer der Aufklärung, dem Wahrheitsdrange und der Humanität hingegebenen Existenz zu entwickeln, zählen auch dieses Buch Poppers zu den reichsten und bedeutendsten, die er uns geschenkt hat. Wie es heißt, arbeitet der originelle Denker seit einer Reihe von Jahren an einer Aesthetik, deren vermutlich naher Vollendung man mit höchstem Interesse entgegensetzen darf. Popper hat sich, ohne jemals auf dem lauten Markte für sich zu werben, eine große Gemeinde von aufrichtigen Verehrern erworben, die zu seinem siebzigsten Geburtstage aufs herzlichste wünschen, daß er die Genugtuung über seine bedeutsame Wirksamkeit noch lange empfinde und daß sich ihm zum Glücke der selbsttätig errungenen inneren Harmonie noch viele Jahre die kraftvollste Gesundheit geselle und die Ausführung weiterer bedeutender Pläne ermögliche.^ _' ^5 Korrespondenzen. Aus der öffentlichen Sitzung des Kultusvorstandes vom 22. März 1808 unter dem Borfitze des Präsidenten Herrn Dr- Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags. Spenden. Von Herrn Dr. Adolf Stein noe. der Verlassenschaft, Moriz Gruber, Paris, für das Spital der israel. Kultus gemeinde ... . K 400.— „ Herren Brüder Julius und Dr. Alfred Stern als Stifter-Beitrag für das Kaiserin Elisabeth-Institut für jüdische Krankenpflegerinnen.„ 200.— „ Herrn Dr. Jakob Engel für das Attersversorgungshaus . . . . K 50.— „ das „Ferienheim" . . . . . . . . „ 35 — „ den Studenten-Unterstützungsverein . „ 2b.— „ 100.— Bon Herrn Simon Rosenthal für die Talmud-Thoraschule X 30 — „ Rabbiner Dr. Arnold Frankfurter noe. der Schüler der Realschule im XVIII. Bezirk, zur Verteilung an arme Schüler.. 18.— Für die Brigittenauer Schulküche: Durch die Administration der „Neue Freie Presse" „ 50.— Von Herrn Dr. Schlesinger.. 10.— Vom Konfektionshaus „Jenny und Fritzi" . . . „ 3.20 Den Spendern wird der Dank votiert. Weiters befindet sich im Einlaufe eine Abschrift des Testamentes des am 30. Jänner ly 08 in Wien verstorbenen Großgrundbesitzers Julius Frankl, welches unter anderem nachfolgende Zuwendungen enthält: 1. Der israel. Kultusgemeinde in Wien für das Altersversorgungshaus K 50.000, 2. Der israel. Kultusgemeinde in Wien zur Verteilung an Arme jüdischer Konfession binnen Jahresfrist X 20.000. 3. Für eine Kaddisch-Stiftung für den Verstorbenen und dessen Vater K 2000. 4. Für eine „Julius und Emma Fränkische Familienstiftung", die unter gewissen Modalitäten in eine allgemeine Armenstiftung umgewandelt werden kann, K 500.000. Das Vertreterkollegium beantragt eine Preiserhöhung der ersten acht Reihen der Bethaussitze des Leopoldstädter Tempels, durch welche sich ein Mehrerträgnis von L 5588.— ergeben würde. Dr. Markus Spitzer erklärt sich in längerer Rede gegen jede Erhöhung. Der Gottesdienst ist die edelste Mission, die der Kultusgemeinde obliegt, und es wäre schön, wenn in dieser Beziehung auch die ärmsten Glaubensgenossen unentgeltlich teilnehmen könnten. Nachdem überdies in Wien hohe Kultussteuern bezahlt werden, sollte man schon deshalb die Tempelsitze eher herabsetzen. Er habe in der letzten Sitzung des Plenums mit Vergnügen für eine Erhöhung der Beerdigungstaxen für die I. und II. Klasse gestimmt. Luxus solle bezahlt werden. In dem vorliegenden Falle beantrage er Ablehnung der Vorlage. Kultusvorsteher Ad. S ch r a m e k bittet um Annahme des Antrages, da er eigentlich keine Erhöhung, nur eine Ausgleichung sei. Die Preise wurden nur für die ersten Sitzreihen erhöht, warum soll ein Sitz in der achten Reihe so viel kosten als der in der ersten und zweiten Reihe? Der Antrag enthalte schon darum keinerlei Ungerechtigkeit. Vizepräsident Dr. Gustav Kohn meint, es sei gewiß keine Annehmlichkeit, Erhöhungen zu beantragen. Allein durch Kassierung mehrerer Sitze infolge der neuen Notausgänge ist die Maßregel unabwendbar geworden. Der Mehrertrag ergebe allerdings nur K 5000.—. Dr. Spitzer habe von der hohen Wiener Kultussteuer gesprochen; dem müsse Redner widersprechen, er verweise nur auf Berlin, dort sind die Kultussteuersätze ungleich höher. Präsident Dr. Alfred Stern bemerkt, daß der Antrag nur eine gerechte Regulierung tendiere. Da durch die Renovierung 72 Sitze verloren gingen, so mußte man doch den Ausfall decken. Der Vorstand sei leider gezwungen, auf Erhöhung der Einnahmen Bedacht zu haben. Im übrigen schließe er sich diesbezüglich Herrn Dr. Kohn an, auch in Bezug auf die Bemerkung des Herrn Dr. Spitzer, betreffend die Höhe der Kultussteuer Berlin habe bei 80- bis 100.000 Juden Mk. 1,600 000 Steuererträgnis, Wien mit über 160.000 jüdischen Einwohnern bloß K 1,250.000. Allerdings unterscheide sich in den zwei Städten die Form der Einhebung, welche in Berlin durch die offene Personalsteuerliste erleichtert wird. Auf die Bemerkung des Herrn Kommerzialrates Simon, der zu bedenken gibt, ob eS sich wegen der geringfügigen Summe lohne, mit einer gewiß unpopulär wirkenden Erhöhung vorzugehen, entgegnet Vizepräsident Dr. Gustav Kohn, daß auf alle von ihm vorgebrachten Momente Rücksicht genommen wurde. Es würden auch viele Plätze an würdige und verdiente Männer verschenkt, die ersten Reihen haben aber Käufer. Populär sei keine Erhöhung; aber die

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