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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-03-20 · 12 (20.3.1908) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
12 (20.3.1908)
Date
1908-03-20
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 284 Dr. Slocb’s MocbenscbrtN. Nr. 12 Kurze Zeit darauf fiel Esterka mit lautem Freudenrufe ihrem Vater um deu Hals. * * * X. Kapitel. Dem arme», hartgiprüften Beuzion, wollte schier das Herz bersten, als er bei sich zu Hause die große Umwälzung gewahrte, die in der Zwischenzeit sich hier vollzogen halte; sein Wohnhaus gewandelt in einem Armenasyl, sein Vermögen unter den Kindern verteilt und große Summen in den Händen der Vorsteher als Legate. Dem Armen war es, als hätte mau ihm einen Dolch zehnmal in dem Eingeweide umgedreht. Von einer besseren in ihm jetzt keimenden Regung — das muß anerkannt werden —- war dieser so herbe Schmerz, den ^er bei dieier Wahrnehmung empfand, nicht frei. Das grausame Geschick nämlich vertrat ihm überall deu Weg, der zur Gutmachung der alten Fehler führen könnte. Es zeigte ihn gleichsam, jenes grausame Geschick, überall eine höhnische Fratze und scheint ihm zuzurufen: „Da gibts nichts mehr für Dich zu tun, ich habe es bereits für Dich besorgt!" Statt ihm nämlich führte jenes grausame Geschick die Tochter in die Arme des geliebten Mannes — es richtete die von Not und Sorge gebeugten Kinder wieder auf — es streute Segnungen unter die Armen aus. Was bleibt noch für ihn übrig zu tun? Wie elend hat ihn jenes grausame Schicksal gemacht, es verwandelte ihn aus einem steinreichen Mann in einen Bettler. Nichts gehört ihm jetzt, nichts hat er in Händen, womit er die alten Jrrtümer wieder gutmache! Was jetzt beginnen? Soll «r mit der eisernen Macht des Rechtes das ihm geraubte Gut wieder zurückforderu? Darf er mit einer solchen Tat sein zuNuftiges Leben einleiten? * Es ist jedoch sehr fraglich, ob die harte, eingewurzelte Natur in ihm nicht über jene kaum iu ihm aufkeimeude bessere Regung gesiegt hätte, denn schon murrte und knurrte sie in ihm: „Was man mit Unrecht Dir geraubt, darfst, ja mußt Du durch Dein gutes, ehrliches Recht wieder zurückoerlaugeu!" Aber in diesem Dilemma, aus dem er keinen anderen Ausgang s h, als nur den des eisernen Rechtes, brachte ihm die erfolgreiche Tätigkeit Siegmuuds die günstigste Löiung: An demselben Tage noch versammelten sich um ihn seine Kinder und jedes von ihnen brachte ihm gutwillig das in so eigentümlicher Weise ererbte Vermögen wieder zurück. An demselben Tage auch erschienen bei ihm die Vorsteher und erstatteten ihm die bei ihnen als Legate erlegten Summen wieder zurück. Anfangs sträubte sich sein besseres Gefühl, die letzteren Gelder anzunehmen. Der Anblick der breiten, verführerischen Tausender jedoch rief mit elementarer Kraft iu ihm die alte Geldgier wieder wach und er strich nach einem kurzen Bedenken jene Summen ein. Kaum jedoch, daß er diese in der Tasche fühlte, übermannte ihn ein Gefühl, das er nie früher kannte, es geschah ihm nämlich, als hätte er brennende Kohlen sich in die Tasche geschoben. Es gab ihm die ganze Nacht in seinem Bette, das ihm ein Folterbett dünkte, keine Ruhe. Es jagte ihm aus demselben, und nachdem er eine zeitlang ruhelos sich im Zimmer umhertrieb, griff er, fast unbewußt, nach dem Gebetbuche und betete andachtsvoll den ueunundvierzigsten Psalm. Dieser, schien es ihm, schmolz jedesmal ein Stück Eisrinde von seinem Herzen weg. Kaum daß der Morgen zu grauen aufing, begab er sich zum ältesten der Vorsteher und übergab ihm, zu seinem nicht geringen Staunen, eine bedeutende Summe mit den Worten: „Was einmal den Armen, durch welchen Zufall immer, zugedacht war, gehört nicht mehr mir. Nehme» Sie dieses Geld zurück!" Bis zum heutigen Tage kann man auf dem ehemaligen Hause Benzious mit großen Lettern die Inschrift lesen: „Armenasyl, gestiftet von Benzion Geldhaber. Beuzion lebte noch viele Jahre und am jeden 25. Dezember, nämlich an jenem denkwürdigen Tage, der für ihn so bedeutungsoll wurde, feierte er seine geistige Wiedergeburt in einem großen Feste, an welchem alle Leute der Stadt, Reiche und Arme, teiluahmen. Benzion war seit dieser Zeit allgemein als Wohltäter bekannt und lebt in Reichtum und Wohlstand, umgeben von seinen Kindern, die in reicher Fülle die Glücksgüter ihres Vaters genaßen und von welchen Siegmund und Esterka seinem Herzen die Nächsten waren. Und die beiden Säulen der Gemeinde, die Frömmigkeit und die Klugheit? Nun letztere blieb treu ihrem Grundsätze und ließ sich ein Hinterpförtchen offen, durch welches sie rechtzeitig aus der Stadt verschwunden ist, und die Frömmigkeit? — nun, auch sie sah ein, daß sie „zu Ehren Gottes und zum Wohle der Gemeinde" etwas tun muß und beeilte sich kurze Zeit drauf das Zeitliche zu segnen, ein Segen, der der ganzen „Kehila" zugute kam. Kitrratnr. Duekesz E., Chachme Ahu. Ins Deutsche übertragen von S. Goldschmidt. Hamburg 1908. A. Goldschmidt. Der Titel verheißt „Biographien und Grabsteininschriftcn der Dajanim, Autoren und der sonstigen hervorragenden Männer der drei Gemeinden Altona, Hamburg, Wandsbek" und läßt eine willkommene Ergänzung des in diesen Spalten seinerzeit besprochenen Buches von M. Grunwald „Hamburgs deutsche Juden" erwarten. Zunächst staunt man, unter den Größen der Dreigemeinden einen Abraham Metz, einen Chajim Hameln, den Löbauer Rabbiner Zebi Caro u. A. aufgeführt zu finden, die entweder gar nicht dort gelebt oder doch jeder erwähnenswerten Bedeutung entbehren. Sodann aber vermißt man in der Vorrede jeden Hinweis auf Vorarbeiten. Bezeichnend ist die Art, wie, wenn überhaupt, die Quellen, besonders das genannte Grunwaldsche Buch, angeführt werden, z. B. „findet sich in den Archiven, auch bei Grunwald" (S. 30 und sonst), obwohl fast ganze Seiten (wie S. 41) nach ^Hamburgs deutsche Juden" ohne jeden Schaden hätten erspart' werden können. Geradezu als eine Unterstellung muß es aber bezeichnet werden, wenn der Verfasser (S. 22, 42, 59 und sonst) bei der Behandlung des EmdeN-Eybeschützschen Streites Grunwald entgegenhält, er habe nur jene Akten aus dem Hamburger Staatsarchiv herangezogen, die gegen Eybeschütz zeugen, die ihm günstigen jedoch unterdrückt. Diese Verdächtigung fordert umso schärfere Zurückweisung heraus, als gerade der angeblich von Grunwald verschwiegene Aktenfaszikel in dessen Buch (S. 92) als Quelle ausdrücklich genannt wird, was selbst flüchtiger Einsicht nicht entgehen kann. Das Einzige, was, als von Grunwald verheimlicht, tatsächlich angeführt wird, ist die Charakteristik eines Freundes Emdens, die aus dem Munde eines Gegners stammt. Man braucht aber über die ganze, leidige Angelegenheit nur ganz flüchtig aus den Akten ein Bild zu gewinnen, um den Wert eines solchen Urteils richtig zu ermessen, um überhaupt zu erkennen, daß Jeder, der nur die Wahrheit sucht, über den Streit nicht anders und nicht objektiver als Grunwald urteilen kann. Herr Duekesz hat vor einigen Jahren in der Behandlung desselben Gegenstandes sich Ausfälle gegen Gr ätz gestattet, die Professor Sim o n se n öffentlich gebührend zurückgewiesen hat. Duekesz versucht es neuerdings gegen Grunwald; er sollte das unterlassen, er hat damit kein Glück. Zur Kennzeichnung seiner Art, Geschichte zu schreiben, genügt die Scharffinnsprobe, mit der, nach allen möglichen ftommen Reservationen, auf S. 42 aus dem unglücklichen Ende eines Gegners des —von Duekesz um jeden Preis geretteten — Eybeschütz auf den Charakter des Mannes geschloffen wird. Zur Sache sei zum Schluffe bemerkt, daß der eigentliche Streit mit all seiner Gehässigkeit und seinen unerfreulichen Folgen weit mehr auf Rechnung übereifriger Anhänger Emdens und seines Gegners, als auf deren eigenes Konto zu setzen ist. Dies ist auch der Eindruck, den man aus der Darstellung bei Grunwald gewinnt. M.,H—g.

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