Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 12 (20.3.1908)
- Date
- 1908-03-20
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Dr. Llocb's Mocbenscbrlkt. «ett» sss Nr. 12 ' Hamburg Aus Anlaß seines 70. Geburtstages stiftete der Seniorchef der Firma M. M. Marburg u. Co. Moritz Wa r b u r g 75.OOO Mk. und seine beiden Söhne 100.000 Mk. zum Bäu einer neuen Talmud-Thoraschule. : . Amftetten. (Todesfall.) Am 10. d. M. (7. Wcadar) verschied hier das älteste Gemeindemitglied Herr Markus Sommer im hohen Alter von 95 Jahren. Der Verblichene erfreute sich ob seiner Einfachheit und Bescheidenheit allgemeiner ^Ächtung, sowohl bei seinen Glaubensgenossen als auch "im Kreise der andersgläubigen Bevölkerung. Die überaus rege' Teilnahme aller Schichten der Bevölkerung von Amstetten und Umgebung bewies, welch großer Beliebtheit sich dieser strenggläubige: Jude erfreute. In der Zeremonienhalle auf dem israelitischen Friedhöfe in Mbs a./D. hielt unser Ehrw. Herr Rabbiner Ch. G. Bertisch an der Bahre die Trauerrede, in welcher er die Vorzüge und Charaktereigenschaften des Verblichenen in ergreifenden Worten schilderte. Herr Religionslehrer S. Fried in Purgstall exekutierte die Trauerpsalmen und mit dem „El* Boole rachamim“ schloß die Trauerfeier. Friede seiner Asche! . ‘' Jassy. Der Kampf gegen die barbarischen Formen des Judeneides erregt hier die Gemüter. Herr Oberrabbiner Dr. I. Memirower verweigert nach wie vor hie Funktion bei solchem Eide. Der Friedensrichter verurteilte ihn zu einer Geldstrafe, wogegen er Rekurs erhob. Der Tribünalsprasident forderte ihn auf, ein Memorandum in dieser Frage zir übergeben. Wie die Tageszeitungen melden, drohte der Staat.- anwalt mit einem Strafantrag wegen Rebellion und Landesverweisung. Herr Dr. Niemirower läßt sich nicht einschüchtern und die Judenschaft des Landes hofft, daß beim Kassationshof ein günstiges Urteil wird zu 'erlangen Mn. Das Atelier des Bildhauers Moses Ezekiel in Rom. Die Diocletianischen Bäder in Rom, welche im Jahre 305 errichtet wurden, sollen laut Beschluß der italienischen Regierung restauriert und der öffentlichen Benützung übergeben werden. Das in herrlicher, malerischer Gegend gelegene architektonische Kunstwerk aus dem Altertum diente bis jetzt verschiedenen Künstlern als Atelier und Arbeitsstätte. Hier hat auch der bekannte jüdische Bildhauer Moses Ezekiel seine herrlichsten Kunstwerke geschaffen. Vielen, die in Rom weilten, find die musikalischen Abende unvergeßlich geblieben, die im Atelier Ezekiels alles, was in Rom zyr Gesellschaft gehört, zu vereinigen pflegten. Zwischen Hammer und Ambos. ' Eine lustige Geschichte aus Galizien. Von Nathan Samuely.; ■ (Schluß.) ■* ' IX. Kapitel. - Draußen durchzog währenddessen der aus zahllosen Kehlen sich, losringende Ruf alle Gassen und Gäßchen, und Ms ' allen Häusern kamen Männer, Frauen und Kinder halbnackt-herausgestürzt-und schrien, ohne zu wissen warum, mit unter der. anderen dahinkeuchenden Menge: „Gewalt! Gewalt!"' - ,Mas ist denn eigentlich geschehen?" fragte Einer einen Änderen, der, ohne die -Ursache zu kennen, sich von der Menge.,fortreißen, ließ, „Was ist geschehen?" - v- „Weiß es selber nicht, aber es scheint mir, es brennt", erwiderte dieser mit keuchender Hast, indes eine sich neu httanwälzende Menschemvoge ihn mit sich fortriß. „Es brennt! -Es brennt!" erhob sich im nächsten Augenblick ein hnndertstimmiger Ruf, „Rettet, es brennt! Es brenn tM- „Es brennt! Es brennt!" tönt es wie Meeresbrausen von allen Seiten und die vielköpfige Menge wogt der Brandstätte zu. „Wo ist die Brandstätte?" Niemand wußte wo. Alles, was Beine hat, keuchte dahin. Inzwischen verließ auch Benzion die Synagoge und gelangte auf die Gasse, wo er die vielköpfige Menge mit dem wahnsinnigen Rufe: „Es brennt!" dahinstürzen sah. „Wo brennts?" fragte er einen der Mitlaufenden. Der Angeredete erblaßte, als er aufblickend den toten Benzion gewahrte und fiel jählings zu Boden. Die Dahineilenden, welche einen Zusammengebrochenen auf dem Boden liegen sahen, drängten sich heran und als sie vor dem Ohnmächtigen den toten Benzion erblickten, erfaßte alle eine Todesangst und alle flohen entsetzt mit dem Rufe: „Der Tote! Der Tote!" Der bejammernswerte Benzion, der gleich dem Todesengel Grauen und Entsetzen um sich 'verbreitete und von allen Lebenden gemieden wurde, faßte sich in seiner Berzweifluug beim Kopfe und fing an laut zu weinen und zu schluchzen. „Bei Gott!" rief» plötzlich hinter ihm. „Er und kein Anderer kann es sein und wenn ich auch taufend Beweise hätte, daß er gestorben ist. — Sicher, er und kein Anderer ist es, er lebt —." Und bevor noch Benzion Zeit gewann, sich nach dem Sprechenden umzusehen, stand Siegmund vor ihm, beide Hände ihm entgegenstreckend. „8ebalom!“ rief er ihm jubelnd zu. „Gottlob, daß alles nur ein böses Gerücht war! Gottlob, daß Sie leben!" In einem Anfall von fast wahnsinniger Ueberraschung erfaßte Benzion die ihm dargereichten Hände und bedeckte eine nach der andern mit stürmischen Küssen, so daß Siegmund es nicht abwchren konnte. „Sie sind mein Retter, mein Helfer, mein Befreier!" rief er unter Schluchzen. „Sie retten mich vom Tode, vom Wahnsinn, Sie, den ich so giftig verleumdet. Doch ich will wieder Alles gutmachen, Alles. Gott, der barmherzige, bat Sie mir entgegengeschickt . . . Ach, mein armer Kopf! Was habe ich nicht seit gestern erlebt! Alle Qualen der Holle sind eine Spielerei dagegen . . . Doch was fange ich jetzt an? Stehen Sie mir bei ...!" „Fassen Sie sich zuerst! Sie sind leider das Opfer einer höllischen Jntrigue — doch wird Alles wieder gut werden!" „Werden Sie mich zu meiner Frau, zu meiner Familie führen? Werden ja auch Sie bald zu meinen Kindern gehören. Bei Gott, ich habe es mir heilig zugeschworen!" „Leider hat die Jntrigue mich zu dem gemacht, zu was mich der Vater machen sollte — Die Jntrigue ... so weit ist es gekommen. — Doch nein, auch das hat ja Gott so gefügt. Ach, ich mochte ja bei meiner Frau, bei meinen Kindern sein, mochte, daß die Menschen mich nicht so fliehen .. . Wie fangen wir das an?" „Alles wird mit Ruhe sich schon machen lassen. Vorerst wollen wir zu mir nach Hause gehen. Da werden Sie eine kleine Weile draußen warten, damit mir nur Zeit bleibt, meine Esterka auf die große Ueberraschung vorzubereiteu. Inzwischen wird auch die verwirrte Menge zur Besinnung kommen ..." „Ich folge Ihnen freudig. Sie sind mein Reiter, mein Befreier!" Alsbald gelangten sie vor die Wohnung Siegmunds, wo Benzion draußen blieb, während Siegmnnd allein ins Haus ging.