Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 12 (20.3.1908)
- Date
- 1908-03-20
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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G-tte 282 Dr. Lloeb's Mocbenscdrltt. Nr. 12 Wie«. (Humanitärer Verein „Rudolfs bund".) Am 29. Februar fand in den Sälen des „Hotel Central" ein vom humanitären Verein „Rudolfsbund" veranstaltetes, zahlreich besuchtes Tanzkränzchen statt, dessen Reinertrag dem Kinderbekleidungsfonde dieses Vereines zufließt. Zn finniger und allseits beifällig aufgenommener Weise benützte der Vereinsvorstand die Kotillonguadrille, um seinem Obmanne Herrn Dr. Leopold Brady das Diplom seiner Ernennung zum Ehrenmitgliede des Vereines durch den Obmann-Stellvertreter Herrn Leopold Weiuwurm zu überreichen. In der Ansprache hob derselbe die großen und dauernden Verdienste, die sich Herr Dr. Leopold Brady um den Verein erworben hat, hervor und gab dem allgemeinen Wunsche Ausdruck, daß er auch fernerhin, eingedenk des humanitären Zweckes, dem Vereine unermüdlich seine' allseits anerkannten Dienste zuwenden möge. Tief bewegt dankte Herr Dr. Brady. worauf der unterbrochene Tanz fortgesetzt wurde, um bis in die Morgenstunden zu währen. Beth-Hamidrafch „Moutefiore" II. Bezirk, Taborstraße 38. Sonntag dev 22. März. 6 Uhr abends, Vortrag aus Midrasch- Rabba. Mittwoch den 28. März, 6 Uhr abends, Psalmen. Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim. Die musikalisch-deklamatorische Produktion, die am Sonntag Nachmittag in dieser Anstalt stattfand, gestaltete sich zu einer besonders gelungenen. Die Zöglinge der Anstalt — sechzig an der Zahl — zeigten sich für die ihnen dargebotenen Kunstgenüffe sehr empfänglich und waren dankbar dafür, daß ihnen Gelegenheit geboten wurde, an einer so idealen Unterhaltung teilzunehmen. Stürmischen Beifall fand insbesondere die Deklamation der Frau Anna Friedjung, die mehrere Gedichte mit solcher Gemütstiefe und so vollendeter Sprechweise vortrug, daß alle Anwesenden zu Tränen gerührt waren. Das Schülerensemble der Gesangsprofessorin Frl. Alice Goldberg trug unter Leitung des Kapellmeisters der Volksoper, Herrn Schrecker, sowohl Solopiöcen als.Duette und das Septett aus den Hugenotten vor und ließ ein brillantes Stimmaterial sowie eine vorzügliche Schulung erkennen. Frl. Goldfarb exzellierte durch ihre glänzende Koloratur, Frl. Jioinsky erwies sich als eine treffliche dramatische Sängerin; Herr Moriz Reich ist ein Bassist, deffen Stimme einen besonders schönen Wohllaut hat; als gute Tenoristen produzierten sich die Herren Skenmanu, Noe und Zeisl, durch schönen Vortrag zeichneten sich die Herren Wltmann (Bassist), Dr. Lewy und Hammerschlag (als Baritonisten) aus; Frl. WM (Altistin) sang geschmackvoll mit Herrn Ältmann ein Duett. Viele Vereinsmitglieder und Gäste wohnten der Produktion bei und gaben ihrem Beifall lauten Ausdruck. Im Namen des Vorstandes dankte der Präsident allen Mitwirkenden und der Veranstalterin Frl. Selma Lichteustadt. die als Präsidentin des Jugendhilfskomitees es für ihre Pflicht erachtet hat, auch für die Unterhaltung der Zöglinge zu sorgen. Wie«. (Verein der Kinderfreunde für den XVI. und XVII. Bezirk.) Sonntag den 22. c., um halb 3 Nachm., veranstaltet dieser älteste humanitäre Verein der westlichen Bezirke Wiens im k. k. priv. Carltheater eine Wohltätigkeitsvorstellung und gelangt die romantische Oper von F. v. F l o t o w „Aleffandro Stradella" in erstklassiger Besetzung zur Aufführung. Die noch vorhandenen Logen und Sitzplätze sind an den Kaffen des Carltheaters erhältlich. Wien. (Jüdischer Wählerverein.) Die Generalversammlung dieses Vereines findet am Donnerstag den 26. d. M. statt. Eine Forschungsreise durch Mesopotamien. Der naturwiffenschastliche Orientverein von Oesterreich bereitet eine Forschungsreise durch Mesopotamien vor, an welcher unter anderem auch Delegierte des Botanischen Universttätsinstitutes, des Naturhistorischen Hofmuseums und der Direktor des Museums in Sarajewo Dr. Reiser teilnehmen werden. Die Reise, die hauptsächlich der Erforschung des Bodens, dieses Stammlandes von Kulturpflanzen, die des Weizen, gewidmet sein w rd, soll im April 1909 beginnen und über Baffa, Bagdad, Mosul, Anah, Mardin, Diabetka fortgesetzt werden. ie Rückreise dürfte durch Syrien « der Armenien führen. Für die ganze Expedition ist etwa ein halbes Jahr in Aussicht genommen. Die Rothschild scheu Ausgrabungen in Egypten. Wie aus Alexandrien berichtet wird, weilt Baron Edmond de Rothschild gegenwärtig in Egypten, um die auf seine Kosten vorgenommenen Grabungen, von denen eine große jüdisch-archäologische Ausbeute erhofft wird, selbst zu überwachen. Ei« jüdischer königlicher Oberchemiker. Der ungarische Ackerbauminister hat dem mit dem Titel und Charakter eines Oberchemikers bekleideten königlichen Chemiker Salomou Szekely zum königlichen Oberchemiker beim chemischen Landesinstitut ' und bei der chemischen Zentral-Versuchsstation in Budapest ernannt. Klattau. (Kinderfest.) Neber Anregung der Präsidentin des hiesigen Kaiser Franz Joseph-Jubiläumsfrauenvereines Frau Matilde Feig! wurde am 15. März im großen Saale des Hotels „MenAk" ein herrliches Kinderfest veranstaltet, das im Zeichen des Purim und des Jubiläumsjahres stand. Eingeleitet wurde das Fest durch einen vom Herrn Rabbiner Dr. S. Bret verfaßten Prolog, den die Lehrerin Frl. Regina Ueberall, als Esther gekleidet, vorzüglich zum Vortrage brachte. Hierauf sangen sämtliche isr. Schulkinder Klattaus zwei Lieder, die Herr Oberkantor N. Grünwald aufs sorgfältigste mit ihnen einstudiert hatte. Dann gelangte das zweiaktige Theaterstück „Bei den Wichtelmännchen" von P. Frieden, das einen hohen sittlichen Kern enthält, zur Aufführung. Sämtliche „Kräfte", die sich zum erstenmale auf den Brettern, welche die „kleine Welt" bedeuten, produzierten, führten ihre Rollen so exakt durch, daß sie mit tosendem Beifall und zahlreichen Blumenspenden ausgezeichnet wurden. Die kleinen Jünger, Me sich in ihre Rollen so tatsächlich eingelebt hatten, heißen: Oskar Löwy, Selma Fleischer, Ludwig Fleischer, Marta Steiner und Georg Lanner. Dann folgten mehrere Reigen, welche Frl. Ueberall und Herr Hustoles mit den Kindern eingeübt hatten und die ebenfalls allgemein gefielen. Den Glanzpunkt des Festes bildete das vom Herrn Dr.N.Reiser mit seltenem Geschicke arrangierte lebende Bild „Huldigung dem Herrscher", ber welchem die kleine Paula Schütz ein passendes Gedicht mit vorzüglicher Betonung deklan ierte. Das Bild mußte ungefähr zehnmal entrollt werden und erweckte eine allgemeine Begeisterung. Das zahlreich versammelte Publikum und die Kinderschar stimmte die Volkshymne an. An die Kabinetskanzlei Seiner Majestät ward eine Huldigungsdepesche gerichtet. Den Schluß des Festes bildete ein Kinderkostümball. Der Reinertrag der äußerst gelungenen Unterhaltung fließt ausschließlich wohltätigen Zwecken zu. Dem rührigen und verdienstvollen Komitee gehörten außer dem Gesamtausschuffe des Frauenvereines noch an die Herren: Rabbiner Dr. S. Brei, M. U. Dr. R. Reiser, Oberlehrer A. Baum und Brauhausbesitzer F. Lanner. Achtundvierziger-Antisemitismus. Diese sonderbare Pflanze wächst auf magyarischem Boden. Sie blüht nicht im Verborgenen, sondern schießt keck und kräftig in die Höhe. Hier ein Jllustrationsfaktum. In Raab besteht seit vierzig Jahren eine Achtundvierziger-Komitatspartei. Ihr Begründer war der Jude Karl Tauber. Dreißig Jahre hindurch war Tauber der Präsident der Partei, die er seit ihrem Bestände aufs Tatkräftigste förderte. Seinen unablässigen Bemühungen ist es zu danken, daß die Partei im Komitate stetig wuchs und daß heute dort Kossuth und Achtundvierzig Trumpf sind. Die alten Mitarbeiter Taubers beschlossen, der Volksversammlung der Partei vorzuschlagen, daß Tauber in Anerkennung seiner unvergänglichen Verdienste um die Verbreitung der freiheitlichen Ideen zum Ehrenpräsidenten der Partei gewählt wurde. In der vorige Woche stattgefundenen Vollversammlung kam es aber anders. Die jüngeren Mitglieder der Partei bekannten sich offen zum Antisemitismus, hielten die aufreizendsten Reden gegen „die jüdische Horde von Freimaurern" und trugen schließlich mit überwiegender Majorität den Sieg über das kleine Häuflein „alter Achtundvierziger" davon. Im neuen Vorstande sitzen lauter „Achtundvierziger-Antisemiten". Handelsminister Franz Kossuth hat der ihm vorher vorgelegten Liste seine Sanktion erteilt. So feiert der Sohn Ludwig Kossuths die sechzigste Jahreswende der Freiheitskämpfe vom Jahre 1848. Noch ein zweites Faktum sei hier erwähnt. Unmittelbar nach der Hinrichtung des Abraham Huß in Marmaros-Sziget hält ein bekanntes Mitglied des landwirtschaftlichen Verbandes in einer kleinen Ortschaft des Alföld eine Wahlrede. Er lobt Kossuth über den grünen Klee, preist den Grafen Apponyi und vergißt auch die Verdienste des Grafen Zichy nicht. Ein Unzufriedener ruft dazwischen: „Es ist ja alles recht schön, aber was ist eS mit dem versprochenen Systemwechsel, von dem ist halt gar nichts zu sehen!" — „Was! Kein Systemwechsel!" ruft empört der Kandidat aus. „Haben Sie je etwa früher davon gehört, daß man in Ungarn einen Juden aufgehängt hätte?" — Das Argument wirkte. Der Kandidat hatte Recht, der Haß gegen die Juden ist das einzige Zeichen eines Systemwechsels in Ungarn, dessen Geschicke heute von Franz Kossuth gelenkt werden. D Eine halbe Million für ei« Kinderfpital. Czernowitz. Der Großgrundbesitzer Dr. Hermann F i f ch e r hat aus Anlaß des 60jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers den Betrag von 500.000 Kronen für die Errichtung eines Kinderspitals in der Landeshauptstadt Czernowitz gespendet. Dr. Fischer entstammt der rumänischen Millionärsfamilie Fischer, deren Mitglieder seit Jahren zum größten Teile in Czernowitz ansässig sind, obzwar rumänische Minister fich wiederholt darum bemühten, sie zur Rückkehr nach Rumänien zu bewegen. Ein Mitglied der Familie Fischer, die man die Getreidekönige von Rumänien nennt, Herr Jancu Fischer, hat vor zwei Jahren eine große Geldsumme für einen Zubau zum Franz Joseph-Universitäts-Studentenheim und zur Errichtung einer Mensa academica in Czernowitz gespendet.