Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 12 (20.3.1908)
- Date
- 1908-03-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 248 Dr. Llocb's MocbenscbrlN. Phrasen wird sofort mit ernster Arbeit begonnen, die Axt an die Wnrzel gelegt und da- Uebel von Grund aus beseitigt. So eine Unternehmung, die die vernünftige Abficht hat, unter allen Umständen das jüdische Galizien kulturell und ökonomisch zu festige», trägt eine hohe politische Mission in sich. Thekla Blech. Oeffeutliche Prüfung au der Talmudschule der israelitischen Kultusgemeinde. Samstag den 14. d. M. nahm Herr Rabbiner Doktor S. Rubin, der an der Talmudschule der israelitischen Kultusgemeinde den Talmudunterricht erteilt, in Gegenwart Sr. Ehrwürden 'des Herrn Oberrabbiners Dr. Güdemann, des Herrn Rektors Dr. Schwarz, des Herrn Lektors Friedmann, des Herrn Prof. Dr. Kraus, des Herrn Rabbiners D. D a v i d, des L Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Herrn Dr. Gustav Kohn und des Herrn Dr. Leopold Kohn, Mitglied des Vertreterkollegiums, eine öffentliche Prüfung der Schüler der genannten Schule vor, die ein glänzendes Resultat ergab. Zuerst kam die untere Abteilung, die aus Mittelschülern im Alter von 13 bis 15 Jahren besteht, an die Reihe. Es war eine währe Freude, zu sehen, wie die Knaben, die aus einer der schwierigsten Talmudpartien geprüft wurden, die kompliziertesten Fragen mit vollem Verständnis vortrugen. Dann kam die obere Abteilung, die aus Obergymuasiasten, worunter einige Maturanten sich befinden, besteht, an die Reihe. Auch diese Schüler beherrschten ihre schwierigen Partien vorzüglich. Die Herren Oberrabbiner Dr. Güdemann, Rektor Dr. Schwarz und Lektor Fried mann, die an der Prüfung sich lebhaft beteiligten, zollten den Leistungen uneingeschränktes Lob und vollste Anerkennung. Ebenso drückte der I. Vizepräsident Herr Dr. Gustav Kohn seine Freude über das Gesehene und Gehörte aus und Herr Rektor Schwarz betonte in seinem kurzen Schlußworte, daß eine Schule, in welcher unsere gebildete Jugend unsere Lehrer von dieser Seite, nämlich als Lenker und Geisteshelden, kennen lernt, eine der besten Stützen des Judentums ist. Bereinsjubiläurn. Donnerstag den 12. März fand im Restaurationssaale des „Hotel Guth" die festliche Generalversammlung des Allgemeinen Krankenunterstützungsvereines „Nächstenliebe" (II., Praterstraße 50) statt. Der Vorsitzende und Obmann des Vereines Herr Dr. Leopold Weiß begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und besprach in längerer, formvollendeter Rede die Entwicklung des vor 40 Jahren gegründeten Krankenvereines. Aus kleinem Anfang hat der Verein sich zu einer mustergiltigen Organisation gestaltet, die heute 400 Mitglieder zählt. Durch weise Sparsamkeit und korrekte Geschäftsführung ist es dem Vereine gelungen, ein bedeutendes Vereinsvermögen auzusammelu und einen ehrenvollen Platz unter den Vereinigungen der Residenz einzunehmen. Eine besondere Weihe erhielt die Versammlung dadurch, daß den 8 ältesten Mitgliedern des Vereines, und zwar den Herren Emanuel Haslinger, Ignaz Haslinger, Moriz Kohn, Josua König, Jakob Lunzer, Nathan Maß, Karl Rocher und David Schacher! künstlerisch ausgeführte Erinnerungsdiplome überreicht wurden. Im Anschluffe an diesen feierlichen Akt gedachte der Vorsitzende des in diesem Jahre stattfindenden Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Allergnädigsten Kaisers und schloß unter begeisterten Hochrufen seine Ausführungen. Im Sinne dieser Kundgebung wurde ein Huldigungstelegramm an die k. k. Kabinetskanzlei gerichtet. Bei der sohin vorgenommenen Neuwahl wurden, in die Vereinsleitung gewählt die Herren: Obmann Dr. Leopold Weiß, Obmünnstellvertreter Hermann Ascher und Adolf Traub, Schriftführer Tobias Pöck, Schriftführerstellvertreter Bernhard Lang, Kassa-Verwalter Gustav Planer, Kaffa-Verwalterstellvertreter Friedrich Hofer. Wien. Hochgeehrter Herr Doktor! In dem Berichte von Nikolsburg in der letzten Nummer der Wochenschrift heißt es: „Bekanntlich ist der berühmte, im Jahre 1830 in Karlsbad verstorbene Landesrabbiner R. Markus Benedikt etc." — Ich gestatte mir daher zu bemerken, daß R. M. Benedikt am 13. Ab 1829 in Karlsbad das Zeitliche gesegnet. Bor seinem Tode äußerte er den Wunsch, entweder in Nikolsburg, wo er seit vier Decennien segensreich gewirkt, oder in Prag beerdigt zu werden. Vorderhand wurde seine Leiche in Lichtenstadt zur Ruhe bestattet. Im Monate Adar 1830 erst wurde dieselbe, nachdem man die hiezu erforderliche behördliche Bewilligung erlangt hatte, exhumiert und nach Nikolsburg gebracht. (Vgl meine Geschichte der Juden in Mähren im Kalender der Jsr. Union 1898.) Mit besonderer Hochachtung Ihr ganz ergebenst Friedländer. Nikolsburg. Die am Sonntag den 12. Adar d. I. stattgehabte Enthüllung des auf der Ruhestätte unseres großen Meisters und Lehrers, des weltberühmten Landesrabbiners Rabbi Mordechai Benet s. A. neu errichteten Grabsteines gestaltete sich zu einer wahrhaft tiefempfundenen Kundgebung der Ehrfurcht, Liebe und Dankbarkeit für den größten Gelehrten seitens unserer Gemeinde. Die pietätvolle Feier begann um 2 Uhr nachmittags mit einem feierlichen Gottesdienste in der Altschul-Synagoge und bot der in allen Räumen gefüllte Tempel einen imposanten Anblick. Auch auswärtige Gäste waren erschienen, so: Abordnungen der Kultusgemeinden Pohrlitz und Kostl und Herr Rabbiner Dr. Böck aus Anspitz. Ueberdies sind Kundgebungen eingelangt von der verehrlichen Kultusgemeinde in Brünn, von Sr. Ehrwürden Herrn Landesrabbiner Dr. Placzek, ferner von Ehrwürden Herrn Rabbiner Weiß in Pohrlitz, Dr. Groß in Lundenburg, Dr. Feuchtwang in Wien und Dr. Levy in Brünn. Nach dem von Oberkantor Herrn Arnold Frankl in würdevoller Weise vorgetragenen Minchagebet würdigte unser geehrter Rabbiner Sr. Ehrwürden Herr Dr. Lewin in einem klassischen Hebräisch die Bedeutung des Tages. Nach althergebrachter Sitte hielt unser Herr Rabbiner einen halachischen Vortrag. Hierauf begaben sich sämtliche Anwesende unter Vorantritt der Gymnasial-, Volks- und Bürgerschul-Jugend in die Zeremonienhalle unseres Friedhofes, woselbst unser Herr Rabbiner in markigen Zügen ein getreues Bild des hohen Toten entwarf, der nicht nur als talmudische Kapazität sich eines Weltrufes erfreute, sondern auch durch seine ethischen Vorzüge als leuchtendes Beispiel hervorragte. Unser Herr Rabbiner dankte zum Schluffe dem Kultusvorstande und der Chewra-Kadischa für die Veranstaltung dieser pietätvollen Feier, welche nicht nur eine Ehrung des hohen Toten bedeute, sondern auch der Gemeinde zur Zierde und Ehre gereicht. Dieser Pietätsakt und insbesondere die hiebei von unserem Herrn Rabbiner zum Ausdrucke gebrachten Gefühle werden allen Anwesenden in unauslöschlicher Erinnerung bleiben. Am Grabe des großen Geistesheroen wurde der vom hiesigen Steinmetzmeister I. W. Binder kunstvoll ausgeführte und prachtvoll geschriebene Denkstein im Namen der Kultusgemeinde vom Kultusvorsteher-Stellvertreter Herrn Gustav Pisk dem löbl. Vorstande der Chewra-Kadischa übergeben, welch letztere durch ihren Obmann Herrn Nathan Oser den Grabstein in ihre Obhut nahm mit dem Gelöbnisse, das Andenken des hohen Gelehrten durch eine Grabsteinstiftung für ewige Zeiten zu bekunden. Nach Verrichtung der üblichen Gebete fand diese würdige Feier ihren Abschluß. Prag. (Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten.) Als Gast genannten Vereines und zum Besten seiner Sektion zur Heranbildung jüdischer Handwerker, brachte die gefeierte Tragödin Maria P o s p i s ch i l aus Berlin am 9. d. M. im Prunksaale des „Hotel Central" das biblische Charakterdrama „Jakob" von Ludwig Klausner-Dawoe zur Vorlesung. Der Autor, in Berliner literarischen Kreisen kein Neuling mehr, der übrigens auch — noch vor Karl Hauptmann und Viktor Hahn — einen „Moses" geschrieben, der bereits von Emanuel Reicher mit Erfolg rezitiert wurde, versucht in dieser Dichtung Vorgänge der Bibel zu dramatisieren und ethisch zu rechtfertigen und durch neu-