Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 12 (20.3.1908)
- Date
- 1908-03-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 Dr. Lweb's Moebenscbrttt. Gelle 317 Nur schwer war eS mir gelungen, den Scheikh zu.bewegen, selbst in die Grube zu steigen und sich zu überzeugen, daß das Bild, das er gesehen, aus Stein sei. Das ist kein Werk, von Menschenhand geschaffen, — rief er aus — sondern vas Werk jener ungläubigen Riesen, von denen der Prophet, Friede sei mit ihm, behauptete, daß sie größer waren, denn die höchsten Dattelbäume. Das ist einer jener Götzen, welche Noah, Friede mit ihm, vor der Sintflut verflucht hatte. Die von dem erschreckten Araber nach Mofful getragene Nachricht hatte, wie zu erwarten war, unter den Einwohnern einige Erregung erzeugt. Jedem, mit dem er zusammentraf, erzählte er, Nimrod sei erschienen. Die Nachricht gelangte bald auch bis zum Kadi, der den Mufti und die Ulemas rasch zu einer Beratung über das unerwartete Ereignis zusammenrief. Hierauf begaben sie sich zum Gouverneur und protestierten im Namen der muselmännischen Bevölkerung gegen die Fortsetzung der Grabungen, welche so sehr die Gesetze des Korans verletzten. Der Kadi hatte keinen klaren Begriff davon, ob die Gebeine des mächtigen Jägers oder bloß sein Bild ans Tageslicht gebracht wurde und auch Ismail Pascha konnte sich nicht mehr genau erinnern, ob Nimrod ein gläubiger Prophet oder ein gottloser Mensch gewesen sei. Ich erhielt nun von Sr. Exzellenz die einigermaßen unverständliche Botschaft, durch welche er erreichen wollte, daß ich mit den Ueberresten anständig umgehen und sie nicht weiter stören möge. Er sprach ferner den Wunsch aus, daß die weiteren Grabungen Unterlasten werden. Layard fügte sich jedoch diesem Wunsche nicht und nachdem der britische Einfluß ihm einen Ferman erwirkte, der ihm die ungestörte Fortsetzung der Arbeiten gesichert hätte, erstand eine neue wundersame Welt, das längst versunkene Babylon aus seinem tausendjährigen Grabe. Korrespondenzen. Israelitischer Tempelverein für die Bezirke Wieden und Margarethen, Wien. Nach jahrelangen mühevollen Vorarbeiten hat der Tempelverein für den IV. und V. Bezirk, Wien, ein Grundstück erworben, welches für die Erbauung des für beide Bezirke bestimmten Gotteshauses vollkommen geeignet ist. Die Kosten dieses Baugrundes wurden fast vollständig von der israelitischen Kultüsgemeinde zur Verfügung gestellt, wogegen der Verein die Verpflichtung übernommen hat, die erforderlichen Mittel für den Bau, für die Einrichtung und Erhaltung des Gotteshauses aufzubringen. In allen anderen Bezirken bestehen bereits würdige und entsprechende jüdische Gotteshäuser, nur unsere beiden Bezirke mußten fich bisher mit zwei unzulänglichen und durch ihre Lage ungeeigneten, gemieteten Betlokalen begnügen. Der Umstand nun, daß eines dieser beiden Betlokale, u. zw. das größere demnächst demoliert werdenmuß, erhebt die Errichtung eines neuen Gotteshauses von einem bloßen Wunsche zu einer dringenden Notwendigkeit. Wer hätte noch nie das Bedürfnis empfunden, in Tagen der Freude, in Zeiten der Trauer und der Bedrängnis die Stätte der Andacht und des Trostes aufzusuchen, seinen Lieben an gottgeweihtem Orte eine Stunde treuen Gedenkens zu widmen? Und wenn bei solchen Anlässen der in jedem Menschen wohnende Drang, Gutes zu tun, besonders lebendig wird, wo fände fich, ihn zu betätigen, eine geeignetere Stätte als das Gotteshaus? In diesem Sinne entspricht die Errichtung des geplanten Tempels aber den Intentionen unseres erhabenen, geliebten Monarchen, in dessen 60. Regierungsjahre das Gotteshaus erstehen soll. Ist auch die Förderung der Errichtung desselben zunächst Ehrenpflicht unserer Glaubensbrüder in Wieden und Margarethen, so war es andererseits zu allen Zeiten edler Brauch, daß auch ferner stehende Glaubensgenossen einem solchen Werke ihre Mithilfe freudig widmeten. Wir richten daher an unsere Glaubensbrüder die ergebene Bitte, fich durch Zuwendung eines Beitrages (Stifter-Beitrag von K 500.— aufwärts, Gründer - Beitrag K 200.—) an der Vollendung dieses Tempels zu beteiligen, damit er baldigst zur Ehre Gottes erstehe und als ein äußeres Zeichen der Liebe und Verehrung für unseren erhabenen Monarchen, der fich durch seinen Ausspruch: „M einemHerzen stehen alle meine Untertanen ohne Unterschied des Glaubens gleich nahe", ein unvergängliches Denkmal in unser aller Herzen errichtet hat. Hochachtungsvoll für den Israelitischen Tempelverein für die Bezirke Wieden und Margarethen, Wien: Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann Ehrenpräsident. Adolf Hofmann Obmann. kais. Rat Adolf Lichtblau Obmann-Stcllvertreter. Franz Frankl Schriftführer. Für das ExekutiV-Komitee für den T e m p e l b a u: Friedrich Wiener Obmann. Josef Sonnenschein Obmann-Stellvertreter. Alexander T a u s k y Schriftführer. Die einlaufenden Spenden werden in geeigneter Weise veröffentlicht werden. — Geldsendungen an Kassier Emil Wiefelthier, Wien, Vl/2, Mollardgaffe 22 oder durch Postsparkaffa-Konto Nr. 813.878 erbeten. (Telephon Nr. 3385.) Der Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien versendet seinen Jahresbericht für das Jahr 1907. Es ist dies, wie eingangs erwähnt wird, gewiffermaßen nur ein Borbericht und die ganz genauen Daten, insbesondere jene über die materielle Lage des Vereines fehlen noch gänzlich. Aber das Gesamtbild des Berichtes läßt bereits einen völlig klaren Blick über die weit ausgedehnte Tätigkeit des Vereines zu. Der Verein umspannt nun bereits alle galizischen Distrikte mit seiner rastlosen Tätigkeit und fast jedes Städtchen trägt bereits den Stempel seiner Kulturarbeit, deren Resultate allerdings derzeit — nicht durch Verschulden des Vereines — noch ziemlich bescheiden find. Wenn jedoch der Verein in der bisherigen Weise fortfährt und ihm die nötige Hilfe zukommt, so ist gewiß Aussicht auf eine ganz bemerkenswerte Industrialisierung all dieser unbeachteten kleinen galizischen Ortschaften vorhanden. Entwickelt fich doch heute schon unter Leitung des Vereines an vielen Orten Spitzenklöppelei, Haarnetzerei, Weißstickerei, Fezquastenerzeugung mit einem starken Aufschwung. Die Produktion wird leider durch einen zu geringen Absatz sehr gehemmt. Man hat jedoch nicht ohne Erfolg durch Arrangierung von gewerblichen Ausstellungen den Absatz mit der Produktion in einen befferen Einklang zu bringen versucht. Mit dem wachsenden Jntereffe der Unternehmer und insbesondere der kaufenden Bevölkerung wird auch hierin Wandel geschaffen werden. Aber auch auf die bereits vorhandenen Industrien greift der Verein über und versucht mit großer Umsicht zwischen Arbeitgebern und Arbeitern zu vermitteln und die Differenzen zugunsten der Arbeiter zu regeln. Hier verzeichnet der Verein einen ganz ausgesprochenen Erfolg in Pistyan. Von der Lehrlingserziehung, die speziell im Osten stark vernachläffigt ist, wagt der Verein den Sprung zur Landwirtschaft. Natürlich erschweren die ungünstigen Eigentums- und Oekonomieverhältniffe, sowie das unvorbereitete Menschenmaterial ein rasches Vorwärtskommen. Wenn man noch bedenkt, daß der Verein auch die Errichtung von Analphabetenschulen energisch in Angriff nimmt, so hat er gewiß seine notwendige Existenzwichtigkeit genügend bewiesen. Galizien tun Organisationen in diesem Sinne not. Unter Hinwegsetzung über alle theoretischen Bolksbeglückuugs-