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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-03-20 · 12 (20.3.1908) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
12 (20.3.1908)
Date
1908-03-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 214 Dr. Llocd's Mocbenscbritt. Slr. 12 Hüter des Rechtes zu Verhalten seien, ihre Pflicht zu tun. Das Wort des Kaisers kann Lippen öffnen, die die Furcht vor der Politik bisher verschlossen hielt. Und darum gehen wir zum Kaiser. Wir, das heißt Alle, die sich in der Trübsal unserer Zeit die Kraft erhalten haben, sich sür eine gute, edle und gerechte Sache zu erwärmen. Ein in Wien in Bildung begriffenes Zentralkomitee wird sich alsbald mit allen Gauen unseres Vaterlandes in Verbindung setzen, damit dieses Gesuch, mit den Unterschriften aller bedeckt, die meine Bitte zu der ihrigen machen wollen, Sr. Majestät ehrfurchtsvoll unterbreitet werde. Eine Manifestation von imposanter Größe soll die allgemeine Ueberzeugung zu jener Allerhöchsten Stelle tragen, von der wir Gnade erhoffen, um des Rechtes willen. Mögen uns die Interessen des Tages, Zwiespalt und Gegensatz noch so sehr trennen und entfremden. Es gibt ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das keine Politik des Hasses ganz zerstören kann. Wenn rohe Gewalt sich anschickt, Recht und Gesetz vor ihren Triumphwagen zu spannen, wenn die Schächer der politischen Macht das Tempelheiligtum der Gerechtigkeit frech entweihen, wenn der wüste Uebermut herrschaftstrunkener Gaukler nach den unantastbaren Grundlagen aller Gesittung greift, da bricht plötzlich durch alle Klüfte und Abgründe der ewig glühende Erdkern der Menschheit mit vulkanischer Gewalt hervor, zu flammendem Proteste gegen solchen Frevel. Mag man Tag für Tag nur predigen, was uns trennt und scheidet, mag man nur weiterhin verhöhnen und verdrängen, was tief in unsere Seelen eingeschrieben ist. Es kommen ja doch Augenblicke, in denen das Sonnenbild der Menschheit, der einen, einigen, ungeteilten Menschheit strahlend wieder aus dem Nebeldunst hervortritt, in denen es von Neuem klar wird, daß das, was uns eint und zusammenhält, stärker ist, als die Lügenkunst falscher Propheten. Brauche ich Ihnen erst zu sagen, wie dieses Band heißt, das eine teuer erkaufte 'Kultur unzerreißbar um uns geschlungen? Die Solidarität des Rechtsgefühls, das ist die höchste Beglaubigung der Menschheit. Und im Namen dieser Solidarität rufe ich Ihnen zu: „Reichen wir uns die Hände, es gilt, ein großes Werk zu vollbringen!" * * ri- Den Saal füllte schon lauge vor der angesetzten Stunde ein mehr als zweitausendköpfiges, zum Teile auch aus Damen bestehendes Publikum, das das Parquet, alle Logen und Nischen dicht besetzt hielt. Die zu der Versammlung ergangenen Einladungen waren unter anderen gezeichnet von Berta Baronin Suttner, Franziska Gräfin Sermage-Wurmbrand, Arthur Graf Desfours- W a l d e r o d e, den Gräfinnen Hedwig und Adrienne Pötting. Militär-Superintendent Universitätsprofessor Dr. Seberinyi, dem Präsidenten der Akademie der Wissenschaften Ed. Sueß, Hofrat Mach, Professor Jodl, Hofrat v. Grub er und dem Sekretär des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus Oberinspektor Enge l. Unter den Anwesenden bemerkte man: Dr. Ferdinand K r o n a w e t t e r, den Präsidenten Doktor Stern und den Vizepräsidenten Landesschulrat Dr. K o h n von der israelitischen Kultusgemeinde, Sektionsrat Sn ch an e k, den Vizepräsidenten der Fruchtbörse kaiserl. Rat Jonas Weil, Grafen H a d i k aus Budapest, kaiserlichen Rat P o l l a k, Dr. Leopold Hofer rc. Militär-Superintendent Dr. S e b e r i n y i begrüßte die Versammlung und übernahm den Vorsitz. An seiner Seite nahm Dr. K r o u a w e t t e r auf der Tribüne Platz. Der Vortrag Dr. Ellbogens fand lebhaften Beifall, der sich mitten im Vortrage wiederholt und am Schluffe besonders kundgab. Nachdem der Vortragende geendet hatte, sprach der Vorsitzende ihm den Dank der Versammlung aus. Hierauf ergriff Dr. Krouawetter das Wort zu der folgenden Erklärung: „Meine Meinung gehr dahin, daß es sich nicht um eine Sache der Juden alleiü, sondern um Recht und Gerechtigkeit handelt. Wo eine solche Frage aufgeworfen wird, muß j e d e r Mens ch/ ohne Rücksicht auf Nationalität und Konfession — wenn er überhaupt den Namen Mensch verdienen will—für Recht und Gerechtigkeit eintreten. Sie werden diesen Kamps nicht als Juden führen und werden nicht allein kämpfen. Hinter Ihnen werden — wie schon aus den Namen der illustren Persönlichkeiten hervorgeht, die die Einladungen zur heutigen Versammlung gezeichnet haben — alle Jene stehen, die das Recht achten. Es wäre traurig, wenn ein solcher Kampf in Oesterreich nicht mit dem Siege enden sollte. Es kann nicht ewig finster bleiben, es muß Licht werden. Es soll k e i n e Judenschlacht gegen die A n t i s e m i t e n äusgeföchten werden, sondern ein Kampf gegen das Unrecht. Das möge auch der Herr Referent zur Kenntnis nehmen. (Lebhafter Beifall.) Nach einer kurzen Schlußrede des Vorsitzenden würde die Versammlung um lJ210 Uhr geschlossen. Das „Deutsche Volksblatt" speit über den' ruhigen und würdigen Verlauf der Demonstrationsversammlung Gift und Galle: „Wir protestieren hiermit feierlich dagegen, daß in Wien und Oesterreich das Judentum unterdrückt wird, wie Dr. Elbogen ' hauptete. In keinem Staat.der Welt, auch nicht dort, wo keine antisemitische Stadt- und Landesvertretung besteht, in keinem.Staate, dieses Erdballes, auch dort nicht, wo die Antisemiten nicht die größte Partei des Abgeordnetenhauses stellen, dürste sich ein jüdischer Advokat herausnehmen, in einer offenen, allgemein zugänglichen Versammlung von einer „antisemitischen Bestie" zu sprechen.^;/ : „Wir sind für die Wiederaufnahme des Hilsner-Prozesses.- Unsertwegen noch zehnmal, weil wir genau wissen, daß kein Geschtvorner, der sein Amt ehrlich ausübt, anders urteilen kann als die Geschwornen in Pisek und Kuttenberg. Aber wir sind gegen die Begnadigung nicht aüs Rachedurst, sondern weil wir jetzt wissen, daß die Begi adigung zu einer Beeinflussung der Geschwornen i.n einem dritten Prozesse ausgenützt werden solI." Frau Baronin Berta v. Suttner teilte einem Redakteur folgendes mit: „Zur Zeit des Prozesses Hilsner haben mein Mann und ich die Angelegenheit verfolgt und die Üeberzeügung gewonnen, daß es nur eine antisemitische Hetze war, hie die Verurteilung des Mannes zustande gebracht hat. Als der Aufruf des Dr. Elbogen erschien, habe ich mich nicht nur äm eigenen Namen verpflichtet gefühlt, meine Unterschrift darunterzusetzen^ sondern auch das Andenken meines verstorbenen Gatten, her Gründer und Präsident der Liga gegen den Antisemitis-' mus war, bestimmte mich dazu. Ich gebe meine'! volle Zustimmung zu dieser Aktion. Sollte jemand mir den, Vorwurf machen, daß ich' über die verschiedenen Phasen des Prozesses zu wenig unterrichtet bin, um ein richtiges Urteil, abzugeben, so würde ich auf diesen Anwurf antworten : Wenn jemand meine Frau Nachbarin bezichtigt, daß sie gesehen wurde, aus dem Rauchfang, auf einem Besenstiel reitend, auf den Blocksberg geflogen zu sein, ich auch erst keine Zeugenaussagen und keinen Gegenbeweis brauchen würde, um eine solche Beschuldigung zurückzuweisen. . Die Beschuldigung hes Ritualmordes steht genau auf derselben Stufe!" Mahr«««d, ei« Lustspiel. Deutsches Volkstheater in 'O e st er reich/ Zum ersten-, aber nicht zum letztenmale „Professor .Wahr-, mund", kulturhistorisches Lustspiel von Geßmann uüd Genossen mit einem Vorspiel öoit Dr. Karl Lueger. Tänze, einiger Minister nach einer Musik nach römischest Motiven/ Wir leben in einer Zeit, in welcher das Publikum an den/ reformierten politischen' Hanswursttheater Gefällen findet. Nicht mehr erschlägt Hanswurst den Schwarzen, sondern der Schwarze holt den Hanswurst. An diesen Ausgang haben sich auch die Verfasser gehalten, welche von dem bewährten Grundsatz ausgehen, niemals gescheiter zu sein als ihr Publikum, und aus diesem Grunde auch kolossale' Tan/ tiömen beziehen. Die Handlung des Stückes ist in kurzem

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