Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-03-13 · 11 (13.3.1908) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
11 (13.3.1908)
Date
1908-03-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021764-3021776--17173-3042033
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. ll %;. Vwch*s Wochenschrift. Damensektion ausgetreten. Mit ihr haben mehrere Borstandsdam -', welche gleich ihr lange Jahre verdienstvoll wirkten, ihren Austritt angezeigt. Wie«. (B a r m i z w a - F e i e r.) Am verflossenen Sabbath bot das Haus der Frau Rosa Schlesinger, Inhaberin der renommierten Verlagsfirma Jos Schlesinger ein buntes, bewegtes Bild. Zahlreiche Festgäste wohnten der B a r m i z w a - F e i e r des jüngsten Sohnes Philipp bei, die nach altjüdischer Weise aus einer talmudischen Derascha und einer Rede bestand. Der Konfirmand, ein Vorzngsstudent, entledigte sich seiner Aufgabe mit besonderem Geschicke und erntete von den anwesenden Gelehrten und Festgästen verdientes Lob. Der Familie kamen von allen Seiten die herzlichsten Glückwünsche aus diesem Anlasse zu. Wien-Währing. Am 1. d. M. starb hier Herr Max Zernik, ein sehr geachtetes Mitglied des hiesigen Kultusgemeindebezirkes, tm Alter von bl Jahren. Ter Verstorbene erwarb sich um den Gemeindebezirk große Verdienste. Durch viele Jahre wirkte er als Vorstandsmitglied der Chewra-Kadischa im XVIII. Bezirke in hervorragender Weise. Die Beteiliqung an dem Leichenbegängnisse war eine imposante und bewegte sich der Lerchenzug vorr der Wohnung bis zum Tempel, woselbst die Leiche in den Wagen gehoben und die Wägen bestiegen wurden. Der Gesamtvorstand der Chewra-Kadischa und viele Mitglieder der Kultusgemeinde gaben dem Verstorbenen das Geleite bis in den Friedhof. Herr Rabbiner Feuchtwang hielt dem Verstorbenen einen warmempfundenen Nachruf, der von nachhaltiger Wirkung auf die-zahlreichen Anwesenden war. St. Pölten. (Iüdis ch-L i t e r a r i s ch e r Verein.) Anr 8. März 1808 fand im kleinen Stadtsaale ein Vortragsabend mrt folgendem Programm statt: 1. Vortrag des Vereinspräsidenten Herrn Dr. Adolf Schächter über S a l o m o n S u l z e r. Rezitationen des Fräulein Louise Rottmann aus Wren, Schülerin des k. k. tzofburgschauspielers B. I e n b a ch. Die zahlreich erschienenen Mitglieder des Vereines folgten mit Interesse den Ausführungen des Herrn Präsidenten und ward demselben nach Schlüsse des Vortrages stürmischer Beifall zuteil. .Die mst ausgezeichneter Vollendung vorgetragenen Rezitationen des Fräulein Rottmann aus der „Jungfrau v. Orleans", insbesondere Judith Simon entlockten manchen der Anwesenden Tränen der Rührung; auch einige heitere Vorträge fanden großen Beifall und nicht endenwollender Applaus lohnte ihre Vorträge. Preßbnrg. Die Konzertakademie des Preßburger Gesangvereines „Schir chodosch" unter der Leitung des Kantors L. Kijewski hah am 1. d. M. zugunsten des Waisenmädchenhauses in den Fest, räumendes „Hotels König von Ungarn" zu Pözsony stattgefunden. Da«) Publikum füllte, den Konzertlaal, welches mit reicher Anerkennung die künstlerischen Gaben des jungen Gesangvereines, der exakt Psalmenchöre sang, und den Mitwirkenden dankbarst lohnte. Die Herren M. Stricks, Mitglied der k. k. Hofoper, und der Sänger L. Kürschner aus Wien wurden bei ihrem Erscheinen lebhaft begrüßt. Elfterer entzückte durch den Wohlklang und den reinen Schmelz seiner Tenorstimme in der Vermittlung künstlerisch ausgeführter Opernarien und Lieder, letzterer bot durch seine in allen Registern ausgeglättete, Tiefe und Mittellage gleichmäßig beherrschenden Stimmmittel sein Bestes. Prof. Nascher aus Wien, der ausgezelchnete Redner, hatte durch die heitere Vorlesung sowohl, als durch seine überraschend schöne Improvisation große Erfolge erzielt und rauschenden Betfall gefunden. Mit dem Absingen der ungarischen Hymne schloß der schöne Abend, der sowohl den Arrangeuren, obenan Herr Ignaz Paskusz, den Mitwirkenden und dem Kantor Kijewski reiche Ehren brachte. Trebitsch Einer der Besten unserer altehrwürdigen Gemeinde wurde am 9. d. M. zu Grabe getragen. Am 8. d. M. verschied Herr Alois Pollatschek nach kurzer Krankheit im Alter von 69 Jahren. Pollatschek war ein Mann, der reines Wohlwollen, Uneigennützigkeit und Menschenliebe bei allen seinen Taten zeigte. Das Judentum beklagt in seinen Heimgang einen treuergebenen aufopferungsvollen Glaubensgenossen, die Armen und Bedürftigen, obwohl selbst mit Glücksgülern nicht gesegnet, einen stets bereiten Helfer aus der Not. Welch allgemeiner Beliebtheit sich der Verblichene in allen Kreisen der Bevölkerung erfreute, bewies die riesige Teilnahme bei dem am 9 d M. stattgefundenen Begräbniffe, zu welchem sich eine unabsehbare Menschenmenge aller Konfessionen aus Nah und Fern einfand. Die kantoralen Funktionen wurden vom Herrn Oberkantor M. Fuchs in bekannter würdiger Weise besorgt. In der Leichenhalle hielt Se. Ehrw. Dr. I. Stößler einen Nachruf, in welchem er in beredten Worten die Charaktereigenschaften und das verdienstvolle Wirken des Dahingeschiedenen kennzeichnete und durch die warme und ehrliche Empfindung, welche in der formvollendeten und ergreifenden Rede zum Ausdruck kam, nicht ohne Wirkung auf die Zuhörer blieb. Mrt Alois Pollatschek ist. eine edle Seele dahingegangen, ein gutes Herz hat zu schlagen aufgehört. Das Andenken des Verblichenen wird m unserer Gemeinde stets hoch in Ehren gehaUen werden. Friede seinn A^e! Prag. (Dr. Siegmund Schneider gestorben.) In der Nacht vom 7. zum 8. d. M. ist einer der besten Mitbürger unserer Stadt,. Herr Dr. Siegmund Schneider, Advokat in .Prag, an einer Seite 305 akuten Lungenentzündung aus dem Leben geschieden. Die Nachrich hat, trotzdem der Gesundheitszustand des Verblichenen in der letzten Zeit erschüttert war, in den Kreisen seiner zahlreichen Freunde und Verehrer tiefste Anteilnahme hervorgerufen. Dr.Siegmund Schneider war zu Tutschap im Jahre 1842 geboren, studierte in Neuhai , absolvierte die Universität in Prag und eröffnete im Jahre 1874 hi . seine Kanzlei, welche infolge der hervorragenden juristischen Begabt! des Verblichenen in kurzer Frist zu einer der angesehensten unsere Stadt wurde. Aber man kam zu Dr. Schneider nicht bloß, um bei ihm juristischen Rat einzuholen, man schätzte ihn allgemein als lauteren, charaktervollen Mann, der stets mit Rat und Hilfe am Platze war, wo man seiner bedurfte. Er hat sich durch seinen edlen Charakter, durch seinen milden und gerechten Sinn, durch eine still geübte große Wohltätigkeit das Vertrauen seiner Mitbürger in so hohem Maße erworben, daß man überall, wo es galt, Edles und Gutes zu stlften, den Verblichenen in die Leitung berief. Mit beispielloser Hingebung hat Dr. Siegmnnd Schneider jedes ihm übertragene Amt geführt und dabei in seiner bescheidenen gütigen Weise nicht nur jeden Dank abgelehnt, sondern seine Person immer wieder in den Hintergrund zu stellen gew itzt. — Ein Feind jeder Auszeichnung, jedes öffentlichen Auftretens, f nd sein edles Herz in der hochfinnizen stillen Arbeit vollen Lohn. L s Vertrauen der Kollegenschaft berief den Verblichenen in den Disziplin .irat der Advokatenkammer, zu deren geschätztesten und verehrtesten Mitgliedern er zählte; ferner betätigte sich Dr. Siegmund Schneider rege und eifrig als Vorstandsmitglied der tfr. Kultusgemeinde, als Ovmannstellvertreker an der Spitze des isr. Nächstenliebevereines, der Tempelgemeinde (Geiftgasse), des Franz Josef-Jubiläums-Lehrerpefionsfondcs und zahlreicher anderer Vereine. Prag. (Leichenbegängnis.) Am 8. März wurde der hiesige ehemalige Kaufmann Herr David Schneider*) beerdigt. Der Genannte entstammte einer alte.i frommen Prager Familie m.d zeichnete sich durch vorzügliche Char klereigenschasten aus. Der hiksi,.cn Beerdigungsbrüderschaft gehörte er urch volle 45 Jahre als wirkentrs Mitglied an und fehlte in seine, freien Zeit bei keinem Leichendegängniffe; er war einer der verdienstvollsten „Altmänner" dieser ehrwürdigen Korporation. Deshalb beteiligte sich auch der gesamte Ausschuß der „Chewra" mit dem Präses Herrn David Lieben arr dem Leichenbegängnisse. Unter den Trauergästen befanden sich Herr Oberrabbiner Dr Ehrenfeld, die Rabbinen und Professoren, Feldprediger Dr. Kisch, Dr. Deutsch und Knöpselmacher, der President der B’nai B’rith „Bohe;.t" Herr S. Liebers mit zahlreichen Mitgliedern der Loge, H 5 k. k. Oberlandesgerichtsrat J-U,Toktor Ferdinand Nnger, He r Werksarzt M.-U.-Dr. Siegfried Bann» aus Kladno, eme Depu^.lion des israel. LandeSlehrervereines. bestehend aus dem Obmanne Oberlehrer Springer und dem Kassier Lehrer Löwi, Vertreter anderer israel. Vereine und zahlreiche Mitglieder der PinkaSsynagoge. Die rituellen Gebete rezitierte Herr Oberkantor Guttmann mit seltener Innigkeit und Wärme. Möge dem Entschlafenen, der sich durch besondere Frömmigkeit und Bescheidenheit ausgezeichnet, die Erde leicht sein! e. Feuilleton. Zwischen Hammer rmd Ambos. Eine lustige Geschichte aus Galizien. Von Nathan Samnely. (Fortsetzung.) Völlig betäubt und verwirrt blieb der noch halb verschlafene Benziou bei dieser wahnsinnigen Flucht der Menge in der Synagoge zurück. Im ersten Augenblicke suchte er sich zu überreden, das alles sei nur die Fortsetzung eines schrecklichen Traumes, der seit gestern nachts sich noch fortspinne. — Aber nein, die Dinge stehen mit allzu großer Deutlichkeit i m vor Augen, was bei einem Traumbilde nicht gut möglia st. Dadurchzuckte ihn plötzlich ein Gedanke, der ihm eil n kalten Schweiß aus allen Poren trieb — vielleicht sei er auch wirklich gestorben? Habe er ja oft davon gehört, daß eine Zeit lang nach dem Tode die Sinne in dem Menschen noch tätg wären. Er befühlte sich der Reihe nach Glied um Glied, den Kopf, die Hände, die Füße *) Ein Bruder des Hoslteferauten Dr. Emil Schneider. Prag, und em Schwager unseres Mitarbeiters Oberlehrers Alex. aarn* Klattau.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.