Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 11 (13.3.1908)
- Date
- 1908-03-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Beite 202 Dr. Lwcb s Mocbenscvrlrr. Nr. 11 ihrem Zug gegen die Mdakras am Fuß der Hügel nahe bei Mzab an. Der Kaid der Kasbah Ben-Ahmed, der volkreichsten des Mzab und die die meisten Israeliten in sich schließt, erklärte den französischen Behörden seine Unterwerfung. Am Tage darauf übten die anderen Bewohner des Mzab Vergeltung, indem sie jene Kasbah ausraubten, die beiden Judenviertel Stein für Stein zu Grunde richteten, eine große Anzahl von Israeliten umbrachten und die übrigen wie eine Herde Vieh über die Felder wegführten. Diese Nachrichten find mir amtlich bestätigt worden. Nach Auskünften von Eingeborenen haben die meisten israelitischen Einwohner jener Kasbah, einige Hundert an der Zahl, sich nach Casablanca gewendet. Eine beträchtliche Zahl soll fich auch nach anderen Kasbahs geflüchtet haben. Ich empfing gestern wieder einen aus 50 Personen bestehenden Vortrupp, von deren Entblößung man fich eine Vorstellung machen kann, wenn man an das Elend denkt, an das die Bevölkerung gewohnt ist, und an die Drangsalierungen, deren Gegenstand sie ganz besonders seit einiger Zeit bildet, sowie an den langen Weg, der bis Casablanca zurückzulegen war. Ich habe für die Israeliten von Mzab dieselben Maßnahmen ergriffen, wie für die Israeliten von Settat: Unterkunft und Unterhalt für einige Wochen, Kleidung, Arbeitsbesorgung für die Männer und allmähliche Verteilung der Familien. Ein drittes Kontingent von Flüchtlingen aus Settat, das am 16. d. M. angekommen ist, brachte die Gesamtziffer auf 315. Wir haben fie alle gekleidet, ihnen Obdach und Nahrung gegeben. Vom 21. d. M. an haben wir ängefangen, sie in der Stadt zu zerstreuen, um Raum zu gewinnen für die Unglücklichen, die aus Mzab kommen sollten. Ein erster Versuch, den wir mit zehn Familien machten, bewies uns, daß fie Arbeit und Wohnung finden konnten. Auf diese Weise haben wir in vier Tagen über 50 Familien untergebracht. Den Rest von etwa 40 Familien werden wir im Laufe dieser Woche versorgt haben. Ungefähr zehn Greise, die zu keiner Arbeit, fähig find, bleiben in der Liste für wöchentliche Unterstützungen, die von Gemeindewegen an die Armen verteilt werden. Für die Flüchtlinge von Mzab haben wir dieselben Maßnahmen getroffen. I s. Pisa. Auszeichnung au eine» Juden in Italien. Der königlich-italienische Senator Baron Alberto Treves de Bonfili wurde zum Kommandeur des Ordens von St. Maurice und St. Lazarus ernannt. Aus diesem Anlasse wurden dem Ausgezeichneten besonders in seiner Vaterstadt Venedig große Ovationen bereitet. Baron Treves hat seine Auszeichnung durch reiche Spenden für jüdische und allgemeine Zwecke gefeiert. Auszeichnungen an Juden in Egypten. Folgende in Alexandrien lebende Glaubensgenossen erhielten in jüngster Zeit Auszeichnungen: Gustav Valentin, Chefarzt des jüdischen Spitals und Mitglied des Munizipalrates, den Medjidjeh-Orden I. Klasse; Maurice Romano Bey, Direktor der Egyptischen Landesbank und Inspektor der jüdischen Knabenschule, den großen Kommandeur-Stern zum Osmanjeh- Orden und Rudolf Stroß, Administrator des jüdischen Hospitales, den großen Offiziersstern des Medjidjeh-Ordens. Der Khedive verlieh den Dekorierten die erwähnten Auszeichnungen in Würdigung ihrer Verdienste um das Aufblühen der Stadt. Die älteste Judenaufiedluug im heutige» Egypten Der gelehrte Kurator des alexandrinischen griechischen Museums hielt vorige Woche einen interessanten Vortrag, im Verlaufe deffen er auch eine Inschrift besprach, die für die Juden von besonderem Jntereffe ist. Bekanntlich gehen die Meinungen über die ersten Judenansiedlungen im heutigen Egypten stark auseinander. Manche nehmen an, daß die Juden erst seit der Gründung Alexandriens in Egypten leben, während andere der Anficht find, daß sie schon zur Zeit Ptolomäus VI. tu Egypten waren. Ausgrabungen in Kafo-el-Dawar, einer unweit von Alexandrien gelegenen Stadt, haben nun eine griechische Inschrift zutage gefördert, die folgenden Wortlaut hat: „Zu Ehren des Königs Ptolomäus, der Königin Berenice und ihrer Kinder weihten die Juden diese Synagoge". Königin Berenice war die Frau des Ptolomäus III. Demnach haben diejenigen unrecht, die die Anschauung vertreten, daß die Juden erst unter Ptolomäus V i. sich in Egypten niedergelassen hätten. Ein vegetarisches Speisehaus in Jaffa. Jaffa, die „führende Kolonie in Palästina", hat nun auch ein jüdisches vegetarisches Speisehaus. Es muß jedoch betont werden, daß die vegetarische Küche ihre Entstehung hauptsächlich dem Umstande zuzuschreiben hat, daß frisches Fleisch in Jaffa kaum zu haben ist, das vorrätige, genießbare Fleisch ist unerschwinglich teuer. Jüdische Wohltätigkeit in Amerika. Als im Frühling des Jahres 1655 das erste Schiff mit portugiesischen Juden auf der Insel Manhattan anlegte, da wurde ihre Landung nur unter der Bedingung gestattet, daß sic sich schriftlich verpflichteten, ihre Bedürftigen selbst zu versorgen. Diese übernommene Pflicht gegen die jüdischen Armen und Notleidenden haben die amerikanischen Juden bis heute treulich erfüllt, und wenn es trotzdem noch so viel Not und Elend unter den Juden Amerikas gibt, so sind daran nicht die reichen Juden des Landes schuld, sondern die allgemeine Lage und auch das mangelhafte System, welches trotz der ans Fabelhafte grenzenden Freigebigkeit der Reichen oft nicht die erwünschten Erfolge zeitigt. Tatsache ist, daß in Amerika kein anderes Volk und auch keine andere Konfession so viele Wohltätigkeitsanstalten auszuweisen hat, wie die Juden. Diesem Umstande ist es auch zuzuschreiben, daß die jüdischen Armen der Regierung verhältnismäßig am wenigsten zur Last fallen. In New-Iork allein gibt es 75 größere jüdische Wohltätigkeitsanstalten. Die verschiedenen Versuche, alle diese Körperschaften in eine große Zentralanstalt zu vereinigen, sind bis jetzt gescheitert. Es gelang bloß, einen permanenten Rat der wichtigsten Anstalten zu schaffen. Diesem Zentralrate gehören die Delegierten der folgenden Anstalten an: „United Hebrew Charities", „Mount Sinar Hospital", „Beth Israel Hospital", „Home for aged and infirm Hebrews" (Altersversorgungs- und Siechenhaus), „Libanon Hospital", „Educational Alliance", „Hebrew Technical Institut", „Hebrew Shelterny Guardian Societa" (Rechtsschutz und Asyl), „Hebrew Orphan Asylium", „Montefiore-Heim für chronische Krankheiten". Der Zentralrat hat nur beratendes aber nicht beschließendes Recht. Die „United Hebrew Charities", die populärste Wohltätigkeitsanstalt New-Iorks, besteht schon seit dem Jahre 1874. Das eigene Haus der Anstalt in der zweiten Avenue Nr. 256 repräsentiert einen Wert von 250.000 Dollars. Die Einnahmen betrugen im abgelaufenenJahre rund 320.000Dollars, die Summen, welche sie für Unterstützungen an Private und zur Erhaltung von Anstalten im selben Jahre verausgabt hat, überstieg die Einnahmen beiweitem. In den Verband der „United Hebrew Charities" gehören: Die „Hebrew Relief Society", das Zentralkomitee der Baron Hirsch-Fonds, die Jndnstrial-Rennoval-Office, die Jewish Agricultural and Aid Societa, das Hebrew Orphan Asylium u. m. a. Der Bau des „Mount Sinai Hospital", welches auf 100 Street in Medison Avenue steht, hat drei Millionen Dollars gekostet. Die Einnahmen des Spitals betragen jährlich ungefähr 350.000 Dollars. Die Errichtung des „Beth Israel Hospitals" auf der Jefferson Street kostete 338.000 Dollars und verfügt dasselbe über jährliche Einnahmen von 110.000 Dollars. In diesem Krankenhause werden durchschnittlich 2000 Kranke per Monat behandelt. Der Wert des „Libanon-Hospitals" in der West-Chester-Street wird auf 245.000 Dollars geschätzt, seine jährlichen Einnahmen betragen 120.000 Dollars. Die „Educational Alliance", dere« Zweck die Verbreitung der modernen Bildung unter den Juden des OstendS