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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-03-13 · 11 (13.3.1908) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
11 (13.3.1908)
Date
1908-03-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 11 Dr. Biocb's Mocbenscbrin. Sette 201 Huldigungstelegramm vorlas, ferner die Herren Rabbiner Dr. Taglicht und Dr. Bauer, Bezirksschulrat Doktor Spitzer, Landesschulrat Dr. Gustav Kohn. Kultusvorsteher Sigm. Steiner, kais. Rat Wilhelm P o l l a k, auf dessen Anregung an Se. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. S ch m i e d l aus Anlaß seiner Genesung aus schwerer Krankheit ein Begrüßungstelegramm abgesandt wurde. Zum Schlüsse tvastierte noch Herr Salo Cohn auf die Frauen, Herr Stein auf den verdienstvollen Obmann Herrn N e u f e l d und Doktor Bloch auf die modernen Bestrebungen im Judentume. Die Mos äs rssistanos bildete der glänzend ausgeführte Mischeberach des Ersten Kantors Schleifer, dem von allen Seiten Ovationen dargebracht wurden. Auch namhafte Spenden wurden an diesem Abend gemacht, unter anderem spendete Herr Salo Cohn für die Zwecke der Fünfhauser Chewra. Mit dem traditionellen „Benschen" schloß die durchwegs animierte Feier. Das Menu, vom Restaurateur Philipp N e u f e l d bestellt, fand allgemeine Anerkennung. Eingefendet. Kaiser Jubiläums-Amnestie-Erlaß. Bezüglich aller im Auslande lebenden Angehörigen Oesterreichs, Ungarns, Bosniens und Herzegowina, ohne Unterschied der Nationalität und Konfession, welche mit der heimatlichen Wehrpflicht in Schwierigkeiten geraten find, e rteilen wir kostenlose Auskunft über die von Seiner kais. und königl. Majestät verfügte Amnestie, sowie in allen die Auswanderung und Rückwanderung betreffenden Angelegenheiten. Zuschriften können in allen landesüblichen Sprachen an uns gerichtet werden. Oesterreichisch-ungarische Kolonialgesellschaft Wien, VII., Mariahilferstraße Nr. 48. Nikolsburg. Bekanntlich ist der berühmte, im Jahre 1830 in Karlsbad verstorbene Landesrabbiner Herr Markus Benedikt hieher überführt und am 12. Adar desselben Jahres hier beerdigt worden. Da der Grabstein dieses Gelehrten schadhaft geworden ist, hat der verstärkte Kultusausschuß unserer Gemeinde in der am 24. August 1907 stattgehabten Sitzung über Antrag des Vorstandes unserer Chewra- Kadischa mit Stimmeneinhelligkeit den Beschluß gefaßt, den schadhaft gewordenen Grabstein durch einen, der Würde des unvergeßlichen Herrn Landesrabbiners entsprechenden neuen Grabstein zu ersetzen und die Aufschrift des alten Grabsteines wortgetreu beizubehalten. Gleichzeitig wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, alle hieraus erwachsenden Kosten aus den Mitteln der Chewra-Kadischa zu bezahlen. Mit Rücksicht auf diesen Beschluß war demnach die Einleitung einer Sammlung zu diesem Zwecke von vorneherein gänzlich ausgeschlossen. Die feierliche Enthüllung dieses Grabsteines wird im Einvernehmen mit dem ehrwürdigen Rabbinate und dem verehrlichen Vorstande unserer Chewra-Kadischa am Begräbnistage, d. i. am 12. Adar (15. d. M.) in möglichst solenner Weise stattfinden. Die Feier, bei welcher Gäste gerne gesehen und willkommen find, wird an diesem Tage um 2 Uhr nachmittags mit einem in der Altschul- Synagoge stattfindenden Gottesdienste beginnen. Merkwürdige Deportierung zweier galizischer Frauen. Ein merkwürdiges Urteil hat vorige Woche, wie die New-Yorker „Times" berichtet, der dortige Bezirksrichter L'Comte gefällt. Hiernach wurde dem aus Galizien stammenden Isaak Teitelbaum, der seit mehr als zwei Jahren amerikanischer Bürger ist, das Recht abgesprochen, seine elffährige, schwachsinnige Tochter, die jetzt in Begleitung ihrer Mutter dem Vater gefolgt ist, zu übernehmen. Nach der Auffassung dieses Richters kann das Kind eines naturalisierten Bürgers nur dann auch als amerikanischer Bürger betrachtet werden, wenn es zur Zeit der Naturalisation des Vaters bei diesem in Amerika, nicht aber in einem anderen Lande gelebt hat. In letzterem Falle wird ein solches Kind wie jeder andere Einwanderer behandelt und kann, falls er nicht gesund ist oder sonst nicht entspricht, ihm die Landung verweigert werden. Im Falle Teitelbaum wurde das elfjährige Kind als unheilbar schwachsinnig erkannt und muß daher deportiert werden. Was die Mutter betrifft, so ist gegen deren Landung nichts einzuwenden, da jedoch ein schwachsinniges Kind nicht allein zurückgeschickt werden kann, so erstreckt sich die Deportierungs-Verfügung auch auf die Mutter. Teitelbaum, der in ganz guten Verhältniffen lebt, ist ganz verzweifelt. Er hatte sich schon darauf gefreut, durch Fleiß es so weit gebracht zu haben, um seine Familie herüberkommen zu laffen, und nun ist er gezwungen, infolge dieses unsinnigen Rechtsspruche Z sein blühendes Geschäft aufzugeben und mit seiner Familie nach Galizien zurückzukehren. Eine Landtagskaudidatin über die Jndenfrage. Anläßlich der letzten galizischen Landtagswahlen kandidierte für den Lemberger Städtebezirk auch die Schriftstellerin Fräulein Maria Dulemba. Die Kandidatur hatte wohl nur einen demonstrativen Charakter und die Kandidatin wußte ganz gut, daß die auf sie abgegebenen Stimmen für ungiltig erklärt werden, nichtsdestoweniger hielt sie, wie jeder andere ernste Bewerber, ihre Wählerversammlungen ab, die alle sehr imposant verliefen. In einer dieser Versammlungen äußerte sich Fräulein Dulemba auch über ihre Stellung zu den einzelnen Nationalitäten und kam so auch auf die Judenfrage. Frl. Dulemba meinte hierüber: Um die Judenftage zu lösen, ist eS durchaus nicht nötig, neue Wege zu suchen. Wir brauchen nur ehrlich und aufrichtig in den Bahnen der alten Traditionen zu wandeln und die Juden auch in der Praxis als vollberechtigte Bürger anzuerkennen. Gibt sich jedoch im jüdischen Volke das Bestreben nach einem selbständigen nationalen Leben kund, so wäre es ein Verbrechen, wenn das polnische Volk diese Bestrebung unterdrücken wollte. Der Zionismus ist übrigens seinem Wesen nach gar nicht polenfeindlich, wie ihn manche polnische Politiker unkluger- und ungerechterweise hinzustellen bestrebt find. Die Häutungen eines Antisemitenführers. Die christlichsoziale Partei Oesterreichs hat noch immer Expanfionsgelüste. Sie vermag das friedliche Beisammenleben der verschiedenen Konfessionen und Nationalitäten in der Bukowina nicht länger zu ertragen und hat nun auch hier mit ihrer Wühlarbeit begonnen. Zu ihrem Hauptvertrauensmaun und obersten Agitator erkor die antisemitische Reichspartei de» Czernowitzer Landtagsabgeordneten und Magistratsdirektor Wiedmann. Daß die Antisemiten auch tatsächlich die ihrer würdigste Wahl getroffen haben, geht aus einem „Offenen Briefe" hervor, den der Abg. Dr. Straucher in einem Czernowitzer Blatte an Herrn Wiedmann richtete. Hiernach war Herr Wiedmann im Jahre 1904 noch enragierter freisinniger Politiker. Bor seiner Erwählung im Jahre 1904 hat Herr Wiedmann in einer jüdischen Wählerversammlung den Eid geleistet, jederzeit für Menschlichkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit sich einzusetzen und zu kämpfen. Kaum war er jedoch gewählt, ging er zu den radikalen Deutschnationalen über, um bald darauf sich als nationaler Antisemit zu entpuppen. Als es sich um die Erlangung der Bizepräfidentenstelle an der Bukowinaer Landesbank handelte, entdeckte Wiedmann sein Herz für die Ruthenen. Nachdem nun Wiedmann ein Jahr lang Antisemitismus auf eigene Faust gemacht hatte, wurde er nun von Geßmanns Gnaden zum Begründer und Führer der christlichsozialen Partei in der Bukowina ernannt. Innerhalb dreier Jahre sicherlich eine glänzend Karriere. Wie beneidenswert, wenn man über so elastische Gesinnung verfügt, wie Herr Wiedmann in Czernowitz! Berlin. Das Deutsche Bureau der Alliance Jsraelite Universelle stellt uns nachstehenden Bericht des Allianceschulleiters Pisa zur Verfügung: Casablanca, 25. Februar 1908. Ich habe die schmerzliche Aufgabe, von einem Unglück zu melden, dessen Opfer unsere Glaubensgenoffen von Mzab geworden find. Am 17. d. M. kamen die Truppen des Generals d'Amade bei

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