Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 11 (13.3.1908)
- Date
- 1908-03-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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etuc 196 diesen heiligen Wahrsagerinnen, welche mit weißem Gewände, Ehrengürtel und barfuß einhergingen, berichtete Strabo: „Sie gingen den Kriegsgefangenen mit bloßem Schwerte entgegen, führten sie zu einem großen ehernen Kessel, stellten sich auf ein Gerüst, durchschnitten die Kehle, und weissagten aus dem Blute, das in den Kessel aufgefangen ward. Die übrigen öffneten die Leichname der Erschlagenen und verkündigten den Ihrigen aus den E i n g e w ei d e n den Sieg." I. W. Pfister im ersten Band seiner „Geschichte der Deutschen" bemerkt: Ein Hauptzug „deutscher Sitten" war der Kultus der Priesterinnen. Die Opfer, das Wahrsagen, die Deutung der Zeichen, besonders über den Ausgang der Schlacht, waren ihren Händen anvertraut. Es waren „weiße Frauen", mit grauen Haaren, weißen Rocken, feinen leinenen zugeheftetem Oberkleide, ehernem Gürtel und bloßen Füßen. Wenn Gefangene geopfert wurden, gingen sie ihnen entgegen mit einem Schwert, bekränzten und führten sie zu einem großen Kessel; dort schnitten sie dieselben in die Kehle. Je nachdem das Blut floß, gaben sie die Deutung. Andere zerschnitten die Geopferten und weissagten aus den Eingeweide«. Jeder Sieg wurde durch Menschenopfer — gewählt aus den bezwungenen Feinden, den unglücklichen Kriegsgefangenen — gefeiert, „doch nicht aus Mordlust, sondern vielmehr um die Unglücklichen der Mißhandlung Einzelner zu entreißen," versichern die nationalen Geschichtschreiber. — So läßt sich Alles — moralisch begründen, und die Jugend kann daraus für den heutigen Bedarf die nötige Lehre ziehen. Während bei den alten Juden die Ermordung eines ausländischen nichtisraelitischen Sklaven oder Sklavin nach dem Gesetze der vom „Deutschen Volksblatte" so viel geschmähten Bibel (III. B. Mose, Kapitel 21, V. 20) mit dem Tode bestraft worden, hatte der germanische Hörige, wiewohl er ein E i n g e b o r n e r und Stammesgenosse war, in der Gemeinde der Altdeutschen kein Recht und keinen Schutz. Wenn ihn der Herr ermordete, so übte er nur sein Herreurecht aus. Der Germane, sofern er nicht Junker oder Adeliger war, hatte also kaum ein Recht auf das Leben. Wenn es inzwischen anders geworden, so danken es -die Deutschen vorzüglich der Tatsache ihrer allmählichen „Verjudung" durch das Christentum. Unverjudet waren die Deutschen, als sie noch im Teutoburgerwalde hausten, in dessen undurchdringlichen Sümpfen der germanische Held dem römischen Heere eine schmähliche Niederlage bereitete. Bon ihm, dem Nationalhelden, wird die neue Bibel hauptsächlich der Jugend zu erzählen haben. Aber auch von seiner edlen Sippe. Da ist S e g e st, sein Schwiegervater, welcher seinem Schwiegersöhne, dem jungen Herrmann, Ehre und Ruhm nicht gönnt und ihn durch Angeberei zu verderben strebt. Seine Tochter Thusnelda, die ihren Mann liebt, reißt er aus den Armen des Gatten, um sie schließlich den Römern auszuliefern, mit denen er gegen sein eigenes Vaterland unermüdlich konspiriert. Da ist Flavins, der Bruder Herrmanns, das Prachtexemplar eines Germanen, welcher im Dienste der Römer das Schwert gegen seinen Bruder führt, und als er von Herrmann gefragt wird, um welche höheren Güter er kämpft, antwortet er ihm: „Sein Sold sei vermehrt, er habe auch eine Kette erhalten, eine Krone und andere militärische Auszeichnungen". Ein gleich edles Charakterbild zeigt Sesithakus, welcher den Leichnam des römischen Feldherrn Varus mißhandelt und bald darauf mit seinem Vater Sigmar, dem Bruder des Segest, zu den Römern überläuft und deren Vetztthung erfleht. - Ws liegt aber auch etwas Providentielles, Symbolisches in d«u Untergange Herrmanns — in der Tatsache, daß es Germanen, daß es die eigenen Stammesgenoffen gewesen sind, durch deren Hand Herrmann meuchlings gefallen ist. „Er fiel durch Hinterlist seiner Verwandten", erzählt Tacitus und bewahrt die Mitteilung, Tiberius habe im Senat einen Brief verlesen, worin der Schattenfürst, A d g a n d e st e r, Gift verlangt hätte, um Herrmann aus dem Wege zu schaffen, Rr. 11; welches ihm aber als des römischen Namens, unwürdig ^abgeschlagen worden. Der Kaiser wollte sich den.alten Imperatoren gleichstellen, welche einen ähnlichen Anschlag gegen den König Pyrrhus mit Verachtung abgewiesen hatten; oder besser, er verleugnetc das Werkzeug, nachdem der Anschlag mißlungen war. Die Germanen ermordeten ihren Befreier nichtaus religiösen Fanatismus, angeeifert durch verblendete. Priester, sondern aus den niedrigsten Motiven des Neide s. Nach dem Cherusker-Fürsten Herrmann ist es vorzüglich Theo dorich, der Gründer des Ostgothen-Reiches, und A l b o i n, der Gründer des Longobarden-Reiches, welche als germanische Helden die Aufmerksamkeit auf sich, lenken. Bon dem Letzteren erzählt die Geschichte: In der Trunkenheit eines Gelages hatte, er seine Frau Rosamunde, die Tochter des von ihm erschlagenen Gepidenkönigs Kunimund, gezwungen, aus dem Schädel ihres Vaters, der nach germanischer Sitte als Trinkschale kreiste, zu trinken. Rosamunde rächte diese Grausamkeit, . indem sie um den Preis des Genusses ihrer Reize einen Mörder erkaufte, welcher den König im Schlafe überfiel) und lödtete. Der Ostgothe Theodorich ist als Dietrich von Bern einer der vornehmsten Helden in der Nibelungen-Sage. Wir. sehen ihn im Kampf gegen den Rugierfürsten Odoaker, den er in einer Feldschlacht besiegt und in Ravenna. einschließt. Nach dreijährigem Widerstand ergibt sich Odoaker seinem Gegner gegen die eidliche Zusicherung von Leben und Freiheit. Nach wenigen Tagen lud Dietrich von Bern seinen ehemaligen Gegner zu einem Gastmahle ein und ermordete ihn mst eigener Hand. Sein Sohn Thelanes, sein ganzes Haus, sowie das Gefolge erlitt dasselbe Schicksal. Dagegen ist Theodorich sittlich entrüstet, weil, sein Schwiegersohn, der Burgundenkönig Sigmund, seinen ältesten. Sohn Sigerich, dem Zureden seiner Frau zuliebe, bei Seite geschafft hat. Er verband sich mit dem Frankenkönig Clodomar, welcher richtig Sigmund und-die ganze Sippe ermorden-.. ließ. Nach dem Tode Theodorichs übernahm seine Tochter-Amal a s w i n t a für den minderjährigen Athalarich die Regierung, sie reichte ihrem Vetter Theodat die Hand gegen das eidliche Versprechen, bloß den Königstitel zu führen. Der edle Germane hielt das Versprechen derart in deutscher Treue, daß er sie bald darauf im Bade erwürgen ließ. Alles aber überboten die Freveltaten der germanischen Königsweiber F r e de g un d e und B r un eh ild e, an welchen die menschliche Natur gezeigt hat, was sie in kolossaler Lasterhaftigkeit zu leisten vermöge. Brunehilde, die Tochter Athanagilds, König der West-Gothen, war mit Sigebert vermalt; ihre Schwester, Gaileswinthe, mit König Chilperich, feinem, Bruder, wofür dieser seine Maitresse Fredegunde verstoßen sollte. Er tat's zum Schein, rief sie aber bald wieder zurück, nachdem Gaileswinthe tot im Bette gefunden wurde.. Brunehilde reizte ihren Gemal, den Tod ihrer Schwester zu rächen, Fredegunde aber war früher aufgeflanden, schneller und hurtiger in der Tugend und ließ König Siegebert durch Meuchelmörder erstechen. Die Witwe Brunehilde, von Chilperich in Rouen bewacht, ersah dessen eigenen Sohn Merwig, aus einer früheren Ehe mit der nun verstoßenen Audovera, zum Werkzeug ihrer Rache, ließ sich von ihm entführen und sogar mit ihm trauen. Auch diesen wußte Fredegunde aus dem Wege zu schaffen, als er durch Berräterei seinem Vater in die Hände gefallen war. Sogar ihr eigener Gemal Chilperich wurde auf ihr Anstiften ermordet, weil sie wegen verbotenen Umgangs mit einem seiner Diener für ihr Leben besorgt war. Brunehilde hatte von Siegebert einen minderjährigen Sohn, Childebert, Fredegunde einen kaum vier Monate alten von Chilperich, Namens Clotar, den sie sich jedoch erst mit dreihundert Eidhelfern als echt bewähren mußte. Dessenungeachtet wurde Childebert von König Guntram von Burgund Mein zum Erben eingesetzt. Chil debert starb, hinterließ zwei Söhne, Theudebert und Theoderich. B r u n e h i l d, die Großmutterzerfiel mit wr. Lwev's MoevenscdrM.