Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 11 (13.3.1908)
- Date
- 1908-03-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Sr. Llocb s MocvenscvrLN. Sette ISS Nriii. ' Um nur eine .ganz kmze Streifung vorzunehmen: Die alten Deutschen, waren Verächter des Ackerbaues, der den Weibern und Sklaven oblag. Gewohnheitssäufer, waren sie auf nichts so erpicht wie auf Raubkriege und Räubereien, der schwächere Stamm unter ihnen war verloren, Stammesgenossen und Römer wurden stets mit gewaltiger Uebermacht angegriffen. Die Schlacht im Teutoburger Walde war Verrat und Hinterhalt mit weit überlegenen Slreitkräften. Noch in historischer Zeit wurden Menschen geopfert. Das spätere Rittertum war nichts als der krasseste Feudalismus, fast durchwegs identisch mit Raubrittertum. Die Fürsten führten im Namen einer Religion, die der krasseste Aberglaube war, die ungerechtesten Eroberungskriege, die Rechtspflege war auf der Folterung aufgebaut, die Großen des Reiches waren in steter Revolution gegen die Kaiser, denen sie Treue geschworen hatten, die Regierenden betrogen ihr Volk mit schlechter Münze, die Städte wurden von ihren eigenen Landesherren -erobert und geplündert, die Länder waren schrankenloses Eigentum der Regenten und wurden den Töchtern als Mitgift gegeben. Der Sündenablaß wurde um Geld gekauft und damit jede Religiosität getötet, aber die Andersgläubigen, die Ketzer, zu Tode gemartert, damit man ihr Vermögen einziehen könne. Gewalt und Verwilderung verlängerte das Mittelalter bis nach der französischen Revolution, wo erst das Volk zu schüchternen Menschenrechten gelangte, seine Söhne nicht mehr als Soldaten nach England verkauft wurden. Aber dann noch — wie konnte Napoleon das mit Feiglingen und Dummköpfen erfüllte Reich mit Füßen treten, bis endlich das nationale Erwachen und der Aufschwung begann, der bis heute fortdauert. Wir sind keine Christlich-Sozialen, keine Lügner und wollen nicht hintansetzen, was selbst in dunkeln Zeiten in Deutschland an Kunst und allgemeiner Kultur hervorgiug, welche guten Eigenschaften im deutschen Volke stecken. Wo und was aber waren die an Zahl, nicht aber an Geist sich selbst so gefälligen Germanen, als die Juden schon einen Horeb der Ethik erklommen hatten, schon ein Sittengesetz besaßen, das noch niemand verbessern konnte, als sie arbeiteten, hart auf der Scholle arbeiteten, als überall sonst die ausschließliche Sklavenarbeit blühte, als sie sich in den Freiheitskämpfen gegen die Römer mit unsterblichem Kriegsruhm bedeckten! Wenig waren die Juden, das ist ihr Fluch, und heute noch sind sie wenig und schwach und müssen es ruhig dulden, daß brutale Lügner aus der brutalen Masse hervortreten und sie besudeln. Aber die Geschichte sollen diese Lügner stehen lassen. Am Ende könnte der Antisemitismus drausgehen, wenn die Hörer wirklich die Geschichte der Juden Nachlesen. Denn dort ist nichts zu lesen, als daß wir Juden mit Stolz und Freude alle unsere Verleumder aufs Tiefste verachten können. * * Wenn unsere Erinnerung uns nicht sehr täuscht, dann scheint es, daß wir ein Strafgesetz haben, welches zwar aus einer als reaktionär verschrieenen Zeit stammt, aber trotzdem einen § 302 aufgestellt hat, welcher unter anderem Folgendes festsetzt: „Wer Andere zu Feindseligkeiten wider die verschiedenen Religions - Gesellschaften, einzelne Klassen oder Stände der bürgerlichen Gesellschaft, oder überhaupt die Einwohner des Staates zu feindseligen Parteiungen gegen einander auffordert, aneifert oder zu verleiten sucht, ist eines Vergehens schuldig und soll zu strengem Arreste von drei bis sechs Monaten verurteilt werden." ... Und warum wird dieses Gesetz nicht angewendet? Gme dr«tfche Nergani-Sibel. Es gibt also in Wahrheit ein „auserwähltes Volk" — es ist das deutsche! Dasselbe ist erfüllt'von reinster und selbstlosester Freude am Schönen, Reinen und Erhabenen. In ihm lebt das Bewußtsein, daß das Schöne und Edle nicht um des Vorteiles, ja selbst nicht um des Ruhmes und der Anerkennung willen in die Welt tritt und daß alles, was in diesem Geiste gewirkt, wird, deutsch ist. Deutsche Eigenart, deutsche Sitte, deutsches Wesen, deutsche Tiefe, deutsche Idealität, deutsche Biederkeit, deutsche Redlichkeit, deutsche Treue, deutsche Humanität, deutsche Gemütlichkeit schmücken die Deutschen vor allen anderen Nationen. Was find die Italiener mit ihren Staatsmännern, Dichtern, Malern, Bildhauern, Baumeistern, Philosophen und Naturforschern; was die Engländer mit ihrem Welthandel, mit ihren Schiffen, welche die Kultur nach allen Gegenden tragen, mit ihren Freiheitskämpfen, mit ihrer strengen Gesetzlichkeit, mit ihrem Baco, Shakespeare, Mill, Spencer und Darwin; was die Franzosen mit ihren geistigen und materiellen Kämpfen für die Erlösung Europas aus den Banden des Feudalismus, mit ihrer Propaganda für die Menschenrechte, mit ihrem Herzschlage für die erhabenen Ideen der Freiheit und Brüderlichkeit; was die flandinavischen und slavischen Völker im Vergleiche mit dem Kern der deutschen Nation: den urdeutschen Antisemiten? Kleine Gestirne am Himmel der Menschheit, die von der Sonne des antisemitischen Deutschtums überstrahlt werden. Alles wahrhaft Schöne, Edle und Erhabene, das ohne Berechnung, ohne Spekulation, ohne daß an Anerkennung und Lob, Ehre und Auszeichnungen gedacht würde, in die Erscheinung tritt, ist durch und durch deutsch. Herr Vergani ist aber der Prophet des antisemitischen Deutschtums, das fich in ihm mit idealer Treue verkörpert. Ob in seinen Adern deutsches Blut rollt, wird männiglich bezweifelt; ideell und intellektuell erscheint Pan Verganew die reinste Blüte und süßeste Frucht am arisch deutschen Baume. Das neue „auserwählte Volk" bedarf einer neuen Bibel. Die Erzväter des Alten Testaments waren Räuber, listige Schacherer und Wucherer, die Erzmütter Dirnen und Buhlerinnen, denen Pan Verganew nach Obligation den Spiegel vorhält. In der Geschichte von Esau und Jacob fieht Pan Verganew, der Germanentyp, das „Gleichnis des arischantisemitischen Rassenstreites", Jacob erscheint als Erfinder der Fruchtbörse; er „hat die Töchter seines Stammes vorausgesendet, damit fie die Männer des Landes kirre machten". In gleich genauer historischer Treue bezieht der Urteutone Verganew die bekannten gehäsfigen Aeußerungen des T a c i t u s über die Christen auf die Juden und bezeichnet die Gemalin Neros, Poppäa Sabina, die bekanntlich aus einer alten römischen Ritterfamilie stammte und, wie das in Rom damals Mode war, zum Judentum überoetreten ist, als waschechte Jüdin, die aus Raffenhaß die Christen verfolgten. Es kommt indes nicht so sehr auf die strenge Genauigkeit als vielmehr auf die edle Gesinnung an. Es gilt, die Judenbibel au§ dem arischen Hause zu entfernen und eine neue deutsche Bibel für die arische Jugend zu schaffen. Will man aber die nationalen Gottesanschauungen speziell der alten Deutschen erneuern, so wird man in der neuen Bibel der deutsche^ Jugend erzählen, welche göttliche Verehrung die Ahnen der Deutschen z. B. den R o s s e n gewidmet haben. Tacitus, der die Deutschen preist, berichtet hierüber mit folgenden Worten: „Eigentümlich hingegen ist dem Volke, der Pferde Vorahnungen und Erinnerungen zu erforschen. Auf öffentliche Kosten werden in jenen geweihten Wäldern und Hainen weiße Pferde unterhalten, von keiner Arbeit jemals berührt. Diese, von den heiligen Wagen gedrückt, begleitet der Priester und der König oder der Fürst des Staates und beobachten ihr Wiehern und Schnauben. Und keine Vorbedeutung findet größeres Vertrauen, nicht bloß bei der Menge, sondern auch bei hem Bor-- nehmen, bei den Priestern, denn sich selbst halten fie für die Diener der Götter, jene für Vertraute." (Heinrich Luden. Geschichte des deutschen Volkes I. 566.) Die Aufgabe des Priesters in der Gemeinde war, das Schnauben und Wiehern der weißen Pferde zu deuten. In anderer Art haben die Priesterinnen ihren Kultus geübt. Bon