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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-03-06 · 10 (6.3.1908) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
10 (6.3.1908)
Date
1908-03-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Or. Liocd s Mocvenscvrin. Nr 10 Zur Befreiung Hrlsners. Die für den 2. d. M. anberaumte, von einem großen ad üoc-Komitee (siehe Nr. 9 der „Oesterreichischen Wochenschrift" S. 162) einberufene Versammlung zugunsten Hilsners mußte — damit dem Amsturm um Einlaßkarten besser entsprochen werden könne — in den größten Saal Wiens, den Sosiensaal, verlegt werden und findet nunmehr am 1*4. März abends 7'/2 Uhr daselbst statt. Die früher gelösten Karten.besitzen selbstverständlich ihre Giltigkeit für den neuen Termin, neue sind in den früher bekanntgegebenen Literatur-Anstalten von Ludw. u. Albert L a st, sowie in den Buchhandlungen von Gerold u. Komp., I., Stephansplatz, H. Heller, I., Bauernmarkt 3 und R. L ö w i t, I., Rothenturmstraße 22 zu haben. Wien-Hirschstetten. In biefem abseits gelegenen Fabriksviertel des XXI. Bezirkes wurde bis vor Kurzem der israelitische Religionsunterricht privatim erteilt. Durch die in der letzten Zeit erfolgte Zunahme der israelitischen Bevölkerung in H i r s ch st e t t e n, Stadlau und Aspern sah sich der Wiener Kultusvorstand veranlaßt, beim Wiener Bezirksschulrat aus die Errichtung einer Religio n s st a t i o n in H i r s ch st e t t e n zu dringen. Dem Vorsteher und Mitglied des Bezirksschulrates Herrn Dr. Markus Spitzer gelang es, diese Angelegenheit zu emem günstigen Abschlüsse zu bringen. Mittwoch den 36. Februar erschien Herr Religionslehrer I. Eibenschütz in Hirschstetten, wo er vom Oberlehrer Herrn Karl Schönbauer freundlichst begrüßt, sowie von den versammelten Eltern der festlich gekleideten Schulkinder willkommen geheißen wurde. Alle war e^n erfüllt von innigem Dankgefühl für die edlen Intentionen des Wiener Kultusvorstandes. Nikolsburg. Am 12. Ndar 1630 wurde der weltberühmte Landesrabbiner Rabbi Mordechai Benet in Nikolsburg begraben. Um das'Andenken dieses großen Gelehrten, der sein ganzes Leben dem Studium der jüdischen Wissenschaften und der rabbinischen Philosophie geweiht und sich den Ruf eines „6oan olam" in der talmudifchen Welt erworben hatte, zu ehren, hat es sich die hiesige Chewra-Kadischa im Vereine mit der Kultusgemeinde Nikolsburg zur Aufgabe gemacht, den im Laufe der Jahre verwitterten Grabstein durch einen würdigen Grabschmuck zu ersetzen. Die zu diesem Zwecke veranstalteten Sammlungen ergaben den gewünschten Erfolg und so konnte zur Herstellung eines prächtigen Marmordenksteines geschritten werden, dessen feierliche Enthüllung in der zweiten Nachmittagsstunde des 15. März 1908, d. i. der 13. Adar Scheni 5668, vollzogen wird. Dieses sichtbare Zeichen der Dankbarkeit und Verehrung für Rabbi Mordechai Benet Hochs. Andenkens, welcher nicht nur von seinen jüdischen Brüdern, sondern auch von bedeutenden Nichtjuden verehrt, geschätzt und gewürdigt wurde, wird sicherlich überall ein schönes Echo finden und es wird ja im übrigen auch die Beteiligung an der Feier zur Genüge zeigen, wie die Rachwelt das Andenken dieses Großen ehrt. Eisgrub. Dienstag den 3. d. M. wurde hier Herr Wilhelm Lampl, Industrieller, zu Grabe getragen. Der Verblichene, der ein Alter von 83 Jahren erreicht hatte, war während seines ganzen Lebens ein Mann der Arbeit. Rastloser Fleiß, eine bewunderungswürdige Arbeitsfreude und Arbeitskraft zeichneten von frühester Jugend bis wenige Jahre vor seinem Tode den Lebensweg dieses Mannes vor. Zu dieser unermüdlichen Schaffenslust trat noch ein freundliches, gewinnendes Wesen. So mußte sich der Mann die Sympathien aller erwerben, mit denen er in Verbindung trat. Der größten Beliebtheit erfreute er sich in seiner Heimatsgemeinde Eisgrub, wo er eine angesehene geachtete Stellung einnahm. Als langjähriger Bürgermeister und Kultusvorsteher hat er sich um die Gemeinde unvergeßliche Verdienste erworben. Und nachdem er bereits wegen seines hohen Alters das Bürgermeisteramt zum aufrichiigen Bedauern der ganzen Gemeinde niedergelegt hatte, brachte er auch weiterhin als Gemeindeausschuß allen Gemeindeangelegenheiten das regste Interesse entgegen. Besonders lag ihmdas Wohlder Armen amHerzen, für die er stets eine offene Hand hatte. Wilhelm Lampl war eben ein Mann aus der guten, alten Zeit, wie sie heute nur noch höchst selten zu finden sind, ein Mann, den Jedermann, der ihn kannte, achten und schätzen mußte. Dementsprechend gestaltete sich sein Leichenbegängnis zu einer imposanten Trauerfeier, Abgesehen von den Kindern und Verwandten waren Bekannte nicht nur aus Eisgrub und der Umgebung, sondern auch aus weiter Ferne herbeigeeilt, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zn erweisen. Außerdem waren die Vertretung der Christengemeinde Eisgrub, der Eisgruber Veteranen- und Feuerwehrverein, dann Abordnungen der Kultusgemeinden Nikolsburg, Lundenburg und Kostet erschienen. Beim Trauerhaufe hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Siegmund Groß aus Lundenburg einen ergreifenden Nachruf, in welchem er mit beredten Worten den Lebenslauf des Verblichenen schilderte. Klattarr. Der Israelitisch e Kaise r Franz. Josef -Jubiläums-Frauenverein veranstaltet im Saale des Hotel „Meneik" am 15. März d. I. ein großes Kinderfest mit folgendem Programm: 1. Prolog. 2. Theater« stück, aufgeführt von Eleven der israelitischen Volksschule. 3. Schulchorlieder. 4. Reigen. 5. Lebendes Bild anläßlich des Kaiser-Jubiläums (Apotheose). 6. Tombola. Straßnitz. Der als hervorragender Schulmann in weiten Kreisen rühmlich bekannte und beliebte Herr Isidor Robitschrk, Oberlehrer an der hiesigen deutschen Volksschule, bat zum lebhaften Bedauern der hierortigen Bevölkerung und Schulfreunde am 1. März unsere Stadt verlaffen, um einer Vokation in derselben Eigenschaft nach Lundenburg zu folgen. In einer solennen Abschiedsfeier am 36. v. M. brachten Eltern, Schüler und Korporationen dem scheidenden Lehrer als Zeichen ihrer spontanen Sympathie und Verehrung eine herzliche Ovation dar. Mit einem von der Schuljugend unter Musikbegleitung des hiesigen Oberkantors Herrn Reizin und von dem Lehrer Herrn Cejka einstudierten exekutierten herrlichen Abschiedsliede wurde die Feier eröffnet. Hierauf hielt Ehrw. Herr Rabbiner Doktor Friedmann eine Festrede, die Veranlassung der Festversammlung deklarierend und dem Herrn Oberlehrer für seine unter pädagogischer Tüchtigkeit, musterhafter Gewissenhaftigkeit und vorbildlicher Pflichttreue erzielten gediegenen Unterrichtsresultate den Dank der Eltern, des Schulkreuzervereines und in seinem eigenen Namen den wohlverdienten Dank und das aufrichtige Bedauern über seinen Wegzug aus unserer Mitte auszusprechen. Mit beredten Worten sprachen hierauf der Bürgermeister der politisch israelitischen Gemeinde, Herr Sigmund Rebenwurzel, der Kultusvorsteher Herr Moritz Haberfeld und Herr David Weis im Namen des Ortsschulrates dem Herrn Oberlehrer Dank, Lob und Anerkennung aus. In passenden Deklamationen und ergreifenden Abschiedsworten gaben die Schüler und Schülerinnen ihrer Liebe und Verehrung gegen ihren verehrten Lehrer unter Tränen der Rührung Ausdruck und überreichten zur Erinnerung einen herrlichen silbernen Pokal und prachtvolle Blumenspenden. Tiefgerührt von den vielen Sympathiekundgebungen dankte der Herr Oberlehrer in einer dank- und denkwürdigen Rede, die einen bleibenden Eindruck hervorbrachte. Als Schlußakt der Feier wurde die Kaiserhymne gesungen. R .. . . Wahlen in der Bndapester orthodoxen Gemeinde. Bei den jüngst in der Bndapester autonomen orthodoxifcaelitifchen Gemeinde stattgehabten Wahlen wurde die bisherige Gemeindevertretung mit Akklamation wiedergewählt, und zwar zum Gemeindepräsidenten Moses Freudiger, zu Vizepräsidenten Dr. Jakob Schächter, Adolf Frankl; als Mitglieder des Vorstandes Edmund Müller, Dr. Wilhelm Totis, Josef Feith, Isidor Abeles. In die Gemeinderepräsentanz wurden gewählt: Armin Barkany, Karl Blau, Dr. Alexander Bach, Jakob Diamant, Geza Deutsch, Wilhelm Deutsch, Bernhard Ernst, Karl Ernst, Alexander Ehrenfeld, Leopold Freudiger, Leopold Großberg, Philipp Mautner, Isidor Meisner, Samuel Prager, Dr. Julius Rakonitz, Leopold Ratzersdorf, Josef Schlesinger zun., Josef Schlesinger 8en., Samuel W. Schreiber, Benjamin Tauber, Moritz Tauber, Eiyil Weiß, Jakob Weiß, Heinrich Zucker. Feuilleton. Zwischen Hammer und Amdos. Eine lustige Geschichte aus Galizien. Von Nathan Samuely. (Fortsetzung.) Achtes Kapitel. Die Stadtuhr hat bereits die sechste Morgenstunde verkündet. Die große Synagoge fängt an, nach und nach sich mit Leuten zu füllen, die einzeln und gruppenweise mit ihren großen Talissäckeu unter dem Arme herankamen, um ihr Morgeugebet zu verrichten. Sie staunten nicht wenig, als sie auf einer Bank vor dem Ofen einen Manu in einem großen Bäreupelz schlafen sahen, dessen Gesicht man nicht wahrnehmen konnte, weil es der Wand zugewendet und v»n dem großen aufgestülpten Pelzkragen ganz verdeckt war. „Der muß gewiß ein Dieb sein," vermutete einer, „denn wie kommt sonst ein Klausner zu einem so teueren Bärenpelz?" „Ohne Zweifel ein Dieb," pflichteten mehrere bei.

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