Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-03-06 · 10 (6.3.1908) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
10 (6.3.1908)
Date
1908-03-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021764-3021775--17154-3042013
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seile 187 Nr-10 Dr. Zöweb's Mocdenscbrln. Truppen begrüßt hatten. Etwa vierzig Israeliten wurden getötet — dem Morden wurde erst ein Ende bereitet, als Scheik Omar in Person zum Schutze des Mellah sich dort einfand und eigenhändig einen Plünderer tötete, um offenbar zu machen, daß er die Räuberei nicht dulden wolle. Dank dieser Haltung wurde den Uebriggebliebenen das Leben gerettet. Scheik Omar hat mitverfichert, daß viele Juden jenseits Settat zurückgeblieben find und wahrscheinlich nach dem zweiten Abmarsch der Franzosen den Tod gefunden haben. Scheik Omar, der von den franzöfischen Truppen gefangen genommen und dann wegen seiner loyalen Haltung wieder in Freiheit gesetzt worden war, ist im Begriff, nach Settat zurückzukehren. Er wird mir schreiben, ob die Rückkehr der Israeliten dorthin möglich sein wird. Js. Pis a. Russische Juden als amerikanische Soldaten. In Amerika gibt es bekanntlich keine militärische Dienstpflicht, die Rekrutierung geschieht freiwillig. In jüngster Zeit melden fich viel mehr Personen zum Militärdienst als sonst und die Ausmusterung der Freiwilligen ist auch in diesem Jahre viel erfolgreicher als es bisher der Fall war. Dieses Resultat ist hauptsächlich dem Umstande zuzuschreiben, daß die aus Rußland eingewanderten Juden fich jetzt infolge der allgemeinen wirtschaftlichen Krifis in großen Mafien zum Militärdienst melden. Besonders in Newyork ist der Prozentsatz jüdischer Rekruten ein sehr großer. Fast bei allen Affentkommisfionen in Newyork machen die jüdischen Rekruten fast fünfzig Prozent der Gesammtzahl der Assentierten aus. Am interessantesten jedoch ist die Erscheinung, daß nahezu siebzig Prozent der jüdischen Rekruten gewesene russische Soldaten find, die zum größten Teile am russisch-japanischen Kriege teilgenommen haben. Viele von ihnen haben sogar den Gregorsorden. Diese jüdischen Rekruten find natürlich fast durchwegs „Grüne", die auch noch kaum englisch verstehen, aber die. Offiziere, der Assentierungskommisfionen erblicken hierin kein Hindernis und bevorzugen diese Rekruten, die mit der militärischen Disziplin schon vertraut find, vor allen anderen, die erst mit den Elementarkenntnissen des Soldatenlebens bekanntgemacht werden müffen. Die wenigen englischen Ausdrücke, die zum Verständniffe der Kommanden notwendig find, werden sie schließlich rasch erlernt haben. Handelsminister Oskar Straus und das Emigrantenkind. Eine hübsche Geschichte, die fich erst vor einigen Tagen ereignet hat, kursiert jetzt in den englischen Blättern Amerikas. Vor einiger Zeit landet in New-Aork ein junges Mädchen, fast noch ein Kind. Niemand war erschienen, um das junge Geschöpf in Empfang zu nehmen. Seine Mutter lebt in Michigan und hatte nicht das Geld, um die Weiterbeförderung ihres Kindes zu bestreiten. Oskar Straus, dem die Angelegenheit unterbreitet wurde, erteilte den Befehl, daß eine der Matronen von Ellis- Jsland das Kind zu seiner Mutter bringen möge. Das war aber leichter gesagt, als ausgeführt, denn für solche Zufälle gibt es kein Budget in Ellis-Jsland. Kurz entschlossen gibt nun der Handelsminister seinem Sekretär den Auftrag, aus der Privatschatulle des Handelsministers 50 Dollars für die Zwecke der Weiterbeförderung des Mädchens zu überweisen. Auf diese Weise wurde das Kind, das sonst sicher der Deportierung verfallen gewesen wäre, seiner Mutter zugeführt. Handelsminister Oskar Straus verwendet überhaupt sehr viel für wohltätige Zwecke. Abgesehen davon, daß er fast allen Wohlfahrtsorganisationen von Washington und New-Iork als förderndes Mitglied angehört, ist es bekannt, daß seine Auslagen für Privatwohltätigkeit seine Einkünfte als Mitglied des Kabinets weitaus übersteigen. Verinwcbtes. Wien. Die Chewra-Kadifcha, heiliger Verein für fromme und wohltätige Werke, Wien, I., Seitenstettengaffe 2, veranstaltet Montag den 9. Marz 1908, 7 Uhr abends, im Gemeindetempel I., Seitenstettengaffe eine Gedächtnisfeier für die im abgelaufenen Jahre verstorbenen Mitglieder. Wien X VI. (C h e w r a-K a d i s ch a.) Montag den 9. März 1908 (7. Adar) findet im Gemeindetempel XVI., Hubergasse 8 um 6 Uhr abends ein Requiem für verstorbene Mitglieder statt. Wien. Die Chewra-Kadischa für die Bezirke VI, VII, XII—XV veranstaltet am Montag den 9. März 1908 um 5 Uhr nachmittags im Gemeindetempel Wien, XV., Turnergasse 22 eine Trauer-Feier für ihre verstorbenen Mitglieder. Im Anschluffe an die Trauerfeier findet um 7 Uhr abends im Mariensaal XIV., Reindorfgaffe 3 ein Brudermahl (Chewra-Sude). statt. Wir erhalten dazu folgende Mitteilung: Der rührige Vereinsvorstand hat zu dieser Chewra-Sude sämtliche Rabbiner. Kultusvorsteher, sowie die Vorsteher sämtlicher Bethaus- und Humanitätsvereine eingeladen. Bestrebt, die alten Bräuche und Sitten der Bruderschaft in Erinnerung für die späteren Geschlechter aufrecht zu erhalten, hat die Chewra-Kadischa Fünfhaus die Chewra-Sude mit traditioneller Feierlichkeit begangen, die immer zu einem schönen jüdischen Gesellschaftsabend fich gestaltete. Man erwartet darum auch in diesem Jahre eine rege Teilnahme. Karten, nur auf Namen lautend, für Mitglieder 4 Kronen, Nichtmitglieder 5 Kronen, find in der Kultuskanzlei, X V. Turnergaffe 22, zu bestellen. Wien. (Verein „Chewra - Kadisch,'a" im XVIII. Bezirk.) Die „Chewra-Kadischa" im 18. Bezirke veranstaltet am Montag, den 9. März 1908, um 6 Uhr abends im Gemeindetempel, Währing. Schopenhauerstraße 39 eine Seelenandacht für die seit dem Jahre 1881 verstorbenen Mitglieder. Wien. Dienstag, den 10. März l. I., abends 6 Uhr, findet in der Bereinssynagoge, IX., Grünethorgaffe 13 eine Trauerandacht für Se. Ehrwürden Rabbiner Wilh. Sor, sowie für Ausschußmitglied Jacob Blau und für die im abgelaufenen Jahre verstorbenen Vereinsmitglieder, und zwar der sel. Herren: Dr. Alois Baß, Ignaz Herschmanu, Jakob Jeiteles, Fritz Kraus und Leopold Zern er statt. Wien. (Verein für Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten.) Dienstag, den 10. März d. I., abends 7 Uhr, findet im Gemeindetempel, I., Seitenstettengasfe 4, die jährliche Gedächtnisfeier für die verstorbenen Bereinsmitglieder statt. Hnmanität und Kunst. Seit einigen Jahren macht sich der israelitische Armenunterstützungsverein „Maskil el Dol" sowohl durch die Art, wie er die reichen Mittel zur Durchführung seiner edlen Zwecke erwirbt, als auch wie er seiner großen Aufgabe gerecht wird, das Elend unter den Glaubensgenoffen zu lindern, auf das beste bemerkbar. Die hohen Sympathien, deren der Verein und seine ausgezeichnete Leitung sich erfreuen, kamen am deutlichsten zum Ausdrucke bei der Vorstellung, die am 18. D. M. zugunsten dieses Vereins im Raimundtheater gegeben wurde. Zum ersten Male in diesem Hause gelangte Sudermanns dramatisch wirksamstes Stück .Ehre« zur Aufführung und die Tagespresse konnte den mitwirkenden Künstlern wohlverdientes Lob zollen. Während man sonst mit oft nicht ungerechtfertigtem Mißtrauen den allerhand Wohltätigkeitsvorstellungen entgegenfieht, zu denen oft Humanität mit vieler Kunst gepreßt werden mutz, stand hier tatsächlich wahre Kunst im Dienste echter Humanität. Einstimmig war das Urteil. „Es wurde trefflich gespielt. Es wurde mit Lust und Leidenschaft gespielt. Die Damen Sitten und Bauer gefielen sehr, ebenso die Herren Lind, Weinmann und Rövy' Herr v. Balajthy gab den Tischler Michalsky in seiner bekannten prachtvollen Holzschnittmanier. Einen besonderen Erfolg trug Herr Ludwig als Graf von Traft davon, den er mit imponierender Eleganz und Vornehmheit spielte" schrieb ein maßgebendes Blatt über die in jeder Hinsicht gelungene Vorstellung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.