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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-03-06 · 10 (6.3.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
10 (6.3.1908)
Date
1908-03-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr- 10 % Seite 181 Dr. Wlocd's Mocdenscvrm. und einen Vorwand, die Eingeborenen gänzlich ihrer Habe zu berauben. Die Kriegsgefangenen, auch Frauen und Kinder, werden alle zur Arbeit für die Regierung gezwungen, mitunter auch an deutsche Kolonisten vermietet. Aber auch die Freien, die jetzt ganz besitzlos sind, werden durch „mehr oder minder sanften Druck" zur Arbeit angehalten. Die neuen Verordnungen, heißt es in der „Frankfurter Zeitung", gehen über das in Britisch Südafrika Bestimmte weit hinaus; sie wollen die gesamte farbige Bevölkerung zu einer dienenden Klasse machen. Auf die einzelnen Bestimmungen derselben kann hier nicht eingegangen werden, doch ist hervorzuheben, daß sie vorzüglich darauf berechnet zu sein scheinen, die Schwarzen zu verhindern, sich durch Entlaufen der beglückenden deutschen Herrschaft zu entziehen. Sie werden auf diese Weise Aisbas aäserixti, an die Scholle gebunden, aber ohne Besitz einer Erdscholle. So wird der Schwarze gezwungen, dem weißen Grundbesitzer zu dienen, der ihn „wie bisher kümmerlich füttert" . . . „Sie sollen 365 Tage im Jahre" (wo bleibt der Sonntag, auf dessen Heilighaltung im Deutschen Reich und in Oesterreich so streng gewacht wird?) „für einen Herrn Arbeit leisten, der ihnen wenig mehr gibt als die Kost und als gestrenger Zwingherr neben ihnen steht, manchmal die Peitsche in der Hand, häufig ein Schimpfwort auf den Lippen." Es ist begreiflich, daß unter solchen Umständen die Bevölkerung abnimmt, die Weiber der Schwarzen sich dem Mutterwerden entziehen. Dazu kommt noch, daß sie durch die zur Unterdrückung der Aufstände gesendeten deutschen Truppen verseucht und in geschlechtlich-moralischer Beziehung ganz korrumpiert wurden. Diese christlich germanische Zivilisation, sowie die grausame Behandlung der Schwarzen war und ist vielleicht noch jetzt hauptsächlich das Werk der deutschen Beamten und Offiziere. Das haben verschiedene, in Deutschland geführte Prozesse, besonders die für und gegen den Reichskommissär Dr. Peters, dargetan. Es mag genügen, aus den zahlreichen Zeugenaussagen hier einiges anzuführen. Martin Eduard von der in Afrika stationierten Schutztruppe sagt aus: Aus der Kettenhaft entflohene Sträflinge wurden, wenn sie ergriffen wurden, hingerichtet. Ein zurückgebrachtes Mädchen wurde stranguliert. Ich bekam den Befehl, die Exekution an ihr vorzunehmen. Entsprungene wurden aber manchmal vor der Hinrichtung geprügelt. „Mit den Prügeln wurde aufgehört , sobald sich Verletzungen zeigten. Man konnte oft gar nicht gleich sehen, ob das Prügeln so schlimm ausgefallen war. Es zeigte sich dies oft erst mehrere Tage später, wenn die Haut sich entzündet hatte und sehr blutunterlaufen aussah. Die Haut löste sich dann öfters ab, so daß dies ärger aussah, als es war ..." „Es ist allgemein üblich, daß man die Wunden von der Prügel st rase erst heilen läßt und dann die Hinrichtung v o r n i m m t". So wurde es auch mit dem Negermädchen Jagodja gehalten. Es wurden bei Gericht auch Nilpferdpeitschen und Bambusstöcke gezeigt, mit denen die Züchtigungen vorgenommen wurden. Zeuge Kunstmaler Freiherr von Pechmann, ein Freund von Dr. Peters, sagte aus, daß einmal drei zurückgebrachte Weiber, die ein Häuptling den Beamten geschenkt hatte und deren einzige Schuld das Davonlaufen war, ausgepeitscht wurden. Dr. Peters und sein Freund sahen dem Schauspiel von der Veranda eines Hauses zu und hörten das Schreien der Gepeitschten. Fast jeder der Beamten bekam ein oder mehrere Mädchen zu seinem Vergnügen. Als Eigentum? fragt man den erwähnten Zeugen. „Eigentum, ja! Ich hatte sie eben zur Benützung, als Eigentum in unserem rechtlichen Sinne ist das nicht zu verstehen", antwortet Pechmann. Ein solches Eigentum zur beliebigen Benützung des Dr. Peters war auch die oben erwähnte Jagodja, welche ausgepeitscht und hingerichtet wurde. Wie er angibt, war sie eine Spionin. Andere aber sagen, er habe sie töten lassen, weil sie ihm in dem Neger Mabruk einen Rivalen gegeben hatte. Auch Mabruk wurde hingerichtet, angeblich wegen Einbruch. Ueber die Gerichtsverhandlung gegen ihn, welche mit seiner Verurteilung endete, wurde keinProtokoll ausgenommen. Welch ein Barbar war doch der Mohr Othello, der die Desdemona mit eigener Hand erwürgte, anstatt sie christlich germanisch auspeitschen und aufhängen zu laffen. Ein anderer deutscher Beamter hat einen Neger einen ganzen Tag in der glühenden afrikanischen Sonne an einem Pfahl gebunden stehen lassen, ohne ihm Wasser reichen zu lassen. Und der boshafte Schwarze ist, wohl um den gnädigen Herrn zu ärgern, daran gestorben. Uebrigens werden die solcher Mißbräuche und Grausamkeiten Angeklagten von den deutschen Gerichten gewöhnlich sehr gelinde bestraft, und es ist auch manchmal schwer, sie zu überführen. Die Zeugen, die in Afrika gedient haben, find ihnen gewöhnlich freundlich gesinnt, vielleicht weil sie sich selbst nicht ganz rein fühlen. Es ist aber zu hoffen, daß es jetzt etwas besser werden wird. Der neue Staatssekretär des Reichskolonialamtes, Dr. Dernburg, der „I u d e n st ä m m l i n g", der selbst die Kolonien besucht hat. geht ernstlich daran, die Zustände in Afrika zu verbessern und die Grausamkeiten der Weißen einzuschränken. Für diese guten Absichten ist er schon von deutschnationalen Blättern heftig angegriffen worden. Dabei hat sich aber das christlich-zivilisatvrische Mäntelchen, das man dem Ausbeutungssystem umgehängt hat, bedeutend verschoben und die Erwerbsgier ist deutlich sichtbar geworden. Nicht bloß im Privatleben sondern auch in der Politik der großen Staaten. Ganz richtig hat vor kurzem eine spanische Zeitung gesagt, daß die internationale Politik heutzutage nichts weiter als ein Geschäft ist, daß alle internationalen Pläne mit Geld gemacht werden. Richtiger noch: um des Geldes oder Besitzes wegen. Und auch die Spanier möchten ihren Anteil an der erwarteten marokkanischen Beute haben — mit möglichst wenigen Kosten und Gefahren. Auch die preußische Regierung möchte den Polen ihren Grundbesitz wegnehmen, großmütiger Weise gegen Entschädigung. Denn die Polen find klüger als die Neger und wollen nicht durch Ausstände Anlaß zu Konfiskationen geben. Uebrigens geht es jetzt in der Politik wie im Chadgagja der Pesachhagada zu, die Ruthenen werden von den Polen bedrängt, die Polen von den Preußen und Russen und die Russen wurden von den Japanern geprügelt. Die Rumänen verfolgen die Juden und werden von den Magyaren unterdrückt, die Bulgaren schlagen die Griechen tot, werden von den Macedoniern totgeschlagen, die wieder von den Türken niedergeschlagen werden. Nur wir Juden haben Niemanden, dem wir die erhaltenen Schläge weitergeben können. Wir müffen aus den warten, der auch in der Hagada den letzten Schlag versetzt. Aber was hat das dem unschuldigen Zicklein geholfen? L Die „Iuderiherrschafl" in der Kahnverwallurrg Oesterreichs und Ungarns. Die antisemitischen Blätter aller Sekten find darüber einig, daß die Juden in den Bahnverwaltungen ungeheure Macht und einen starken Einfluß ausüben. Denn Herr von T a u s s i g ist Generaldirektor der Nordwestbahn und ein I e i t e l ej> war Generaldirektor der Nordbahn. Als Illustration zu dem semitischen Einfluß auf die Bahnen kann eine Bestimmung der Güterklasfifikation der österr.-ung. Bahntarife dienen, auf welche wir in einem Artikel der letzten Nummer der Wiener „Müller-Zeitung" aufmerksam gemacht wurden. Der Artikel bespricht die Stationsgebühr für Getreide und Mehl und zum Schluffe heißt es: Erwähnenswert ist hierbei noch die gewiß interessante Bemerkung des Tarifes der österr.-ungar. Güterklasfifikation, wonach Osterbrot (sog. Mazzes), daher auch Mazzesgries und Mazzesmehl nach Klaffe I, also nach der höchsten Klaffe tarifiert, obzwar dieses Mazzes gewiß keinen Leckerbissen, sondern nur das Osterbrot der armen jüdischen Bevölkerung bildet und von ihr mit dem altklasfischen Namen „Brot der Armen" belegt wird.

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