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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-28 · 9 (28.2.1908) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 9 Nr. Mocd s Mocvenscvnn. Sette 173 und fing wieder an, mit beiden Fäusten das benachbarte Haustor zu bearbeiten. . . . „Wer stürmt denn so das Tor?" fragte ein dünnes, aufgeregtes Stimmchen und vor dem Ladenloche zeigte sich eine Nachtmütze mit einem bebrillten Augenpaare. „Ich, Rib Schmaje, wollen Sie mir gütigst öffnen! . . ." „Wer ist der Ich?" fragte das frühere, jetzt noch mehr aufgeregte Stimmchen. „Ich, Ihr Nachbar Benzion." „Benzion!!" prallte die Nachtmütze von dem Ladenloche zurück. „Schema Israel! Schema Israel!" „Hören Sie mal, lieber Vetter!" lachte der Fuhrmann. „Mir selber fängt es an, vor Ihnen zu grauen. Mir können Sie es ja unter vier Augen sagen: Sind Sie wirklich schon gestorben? In allen Fällen ist es gut, daß Sie mir meinen Fuhrlohn bereits schon bezahlt haben, denn mit Toten stehe ich nicht gerne in Verrechnung." Dem armen Benzion kochte das Blut zum Kopfe hinauf, daß ihm Funken vor den Augen flogen. „Aber um Gottes Barmherzigkeit willen, Rib Sckimaje lieber Rib Schmaje", versuchte er mit schluchzender Stimme — Allein Rib Schmaje floh entsetzt unter die Bett-Decke, wo er mit laut klappernden Zähnen dalag. „Sind die Leute hier von Sinnen?" fragte der arme, völlig betäubte Benzion. „Oder halten Sie mich für ihren Narren?" „Ganz gewiß", stimmte der Fuhrmann zu „denn mit einem Gescheiten habe ich noch nie so reden gehört. Versuchen wir es vielleicht ein Häuserl weiter." Und wieder klopfte Benzion an ein neues Tor. Wieder beugte sich ein zitterndes Haupt zum Fenster hinaus und schrie bei seinem Anblicke mit wahnsinniger Stimme: „Schema Jisroel! Schema Jisroel! Zurück in Ihre Ruhe!" „Schöne Gänge schickt man sie!" lachte der Fuhrmann. Benzion wischte sich mit dem Aermel die Schweißtropfen vom Gesichte und mit stetig wachsender Angst stürmte er Tor nach Tor, doch überall hatte man für ihn nur eine und dieselbe Antwort: „Bleiben Sie abgeschieden! Zurück in Ihre Ruhestätte!" „So gut und ehrlich die Leute es auch immer mit Ihnen meinen", sagte jetzt der Fuhrmann, indem er Peitsche und Leitseil wieder in Händen nahm und sich wieder auf den Kutschbock hinaufbegab „kann ich mich keineswegs dazu entschließen, sie dorthin zu begleiten, wo die Leut Sie hinschickten — Wio! Wischta!" Dieser Ruf und die laute Anstrengung der Pferde, das angefrorene Fahrzeug von der Stelle fortzubringen, brachte Benzion, der ganz betäubt war, wieder zu sich. „Begleiten Sie mich nur noch bis in die Wohnung Rib Mendels, den die Leute den Wunderrabbi nennen, „der ist ganz gewiß mit seinen Leuten noch wach und wird gewiß mit mir nicht so sinnlos wie die Andern sprechen. Bei ihm will ich für die Nacht einkehren!" „Ich glaube Ihnen gerne, daß Sie wollen — Wio! Wischta!" Und die beiden halberstarrten Tiere zogen wieder an und arbeiteten sich durch die riesigen Schneemassen dem Hause des Rib Mendel zu. Durch die Ritzen der Fensterläden, durch welche einiges Licht hervorbrach, konnte man deutlich sehen, vaß Rib Mendel mit seinen beiden Gabuim*) sich noch wach hielten. Er pochte zweimal am Fensterladen. Erst nach einer geraumen Weile ließ sich die Stimme eines der beiden Gabuim vernehmen: „Wer klopft dort? . . ." „Mitleidige Brüder, erbarmt Euch meiner und öffnet mir, den ich erstarre vor Kälte l . . ." „Rabbi" hauchte der Gab?), „mir wills scheinen, daß es die Stimme des toten Benzion ist!" i) So eine Art Leibadjutanten. ') Der Adjutant des Rabbi. Der arme Rabbi erblaßt bis in die Lippen, indeß faßte sich der Gabi ein Herz und fragte mit bebender Stimme zum Laden hinaus: „Wer dort?" „Ich Benzion." „Benzion!!!" Der Rabbi und seine beiden Leibadjutanten schnell: Tun wir drei Gummiballen in die Höhe. Nach einem Augenblick starren Entsetzens, in welchem man nur das laute Zähneklappern aller drei Volksweisen hörte, faßte der Radbl verzweifelten Mut und schrie mit angestrengter Stimme: „Wie wagst Du Benzion, Sohn Naftalis, der Du die Armen und Dürftigen aus Deinem Hause gejagt, der Du Zeitlebens gesündigt und Dein Herz den Hilfesuchenden verschlossen hast — wie wagst Du Dich zu mir ins Haus? Weißt Du nicht, wer und was ich bin? Wer erlaubt Dir, mich zu dieser Stunde aufzuschrecken?! . . . Verschwinde, so befehl ich Dir, zurück in Deine Ruhestätte!!" „Hat Ihnen aber der Rabbi eine Lobrede gehalten"» lachte der Fuhrmann. Hören Sie nur weiter Ihr Lob, wenn Sie Lust dazu haben. Ich werde inzwischen für mich und meine beiden Brotgeber irgendwo einen warmen Winkel aufsuchen — Wio! Wischta!" Und dabei ergriff er die Leirseil und fort schleppte sich das Fahrzeug durch die angehänften Schneemassen, während der arme Benzion zitternd in allen Gliedern vor Wut und Kälte allein vor den geschlossenen Lüden zurückblieb. „Heiliger Rabbi", fing er aufs Neue an, „erbarmen Sie sich, öffnen Sie mir!" „Zurück in Deine Ruhe!" kreischte die Stimme von innen. „Aber Rabbi", stammelte der Aermste und griff mit beiden Händen an den Kopf. „Ich schwöre es Ihnen, wie ich ein Jehude bin, daß ich von der Stelle nicht weichen werde, bis Sie sich meiner erbarmen und mir die Türe Ihres Hauses öffnen!" „Er kommt her", bemerkte einer der beiden Adjutanten, Sie zu bitten, daß Sie seiner ruhelosen iseele die Seligkeit wiedergeben!" „Rib Benzion", schlug der Rabbi, der zur Einsicht gelangte, daß mit Strenge bei ihm nichts auszuführen ist, einen milderen Ton an, „seids hundertmal moedsl und kehren Sie zurück in Ihre Ruhestätte, und sind Sie versichert, daß ich für die Ruhe Ihrer armen, sündigen Seele alles tun werde, was sich nur tun läßt. Jetzt kehren Sie zurück und bleiben Sie von uns abgeschieden!" „Daß Dich mit Deinen beiden Gehilfen die Hölle verschlinge!", knirschte Benzion leise und fuhr dann fort: „Aber heiliger Rabbi, ich bin nicht tot. Soll ich so leben, wie ich nicht tot bin! Ich lebe wie Sie. wie alle Leute der Kehille. Mir ist kalt, mir starrt der Frost ins Herz hinein. Lassen Sie mich in Ihr Haus, daß ich mich bei Ihnen erwärme!" „Erwärmen!" fing der Gabi, der sich drauf zugute tat, dem Worte die rechte Deutung zu geben, das letzte Wort auf: „Haben Sie zugehört Rabbi, er will, daß Sie ihn erwärmen. Mit Versprechungen richten wir nichts aus. Man muß dem TotenMnen Willen tun und hineinlassen. Mesusas haben wir an den Türpfosten und viele heilige Bücher in den Schränken. Er wird über uns keine Gewalt haben. Soll er nur hereinkommen, damit wir ihn beschwören, daß er nicht fortfahre, die Lebendigen zu ängstigen!" Einige Minuten lang hielt der Rabbi mit seinen Gebaim stillen Rat, wie gegen den toten Gast zu verfahren. Der einstimmige Beschluß war, ihm die Türe zu öffnen. Man muß mit einem sündigen Toten auch Erbarmen haben. Der Rabbi, ein erleuchteter Kabbalist, befahl, daß sich beide Gehilfen in ihre Betmäntel hüllen und jeder von ihnen sich mit einem heiligen Buche versehe. Er selber ließ den

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