Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 9 (28.2.1908)
- Date
- 1908-02-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021764-3021774--17136-3041994- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 170 Dr. Llocb's MocdenscbrLN. Rr. s Wien. Die Chewra-Kadischa für die Bezirke VI, VII, XII—XV veranstaltet tun Montag den 9. Mär^ 1908 um 5 Uhr nachmittags im Gemeindetempel Wien, XV., Turnergasse 22 eine Trauer-Feier für ihre verstorbenen Mitglieder. Im Anschlüsse an die Trauerfeier findet um 7 Uhr abends im Mariensaal XIV., Reindorfgasse 3 ein Brudermahl (Chewra-Suda) statt. Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag den 5. März 1908, präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten- Bereines, L, Eschenbachgaffe 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Max Gruuwald statt. Thema: „Die Anfänge des Chassidismus." Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Regieruugsrat M. Stuckart. Der bekannte Vorstand des Sicherheitsbureaus Moritz Stukart ist zum Regierungsrat ernannt worden. Wien. In der am 10. Februar 1908 stattgesundenen Generalversammlung des „Vereines zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder des XVI. und XVH. Bezirkes" wurde Herr Ottomar K a tz als II. Schriftführer und Herr Wilhelm Mandl als Ausschußmitglied gewählt. Wien. Die „Leseuno Redehalle jüdischer Hochschul er" veranstaltet, dem allgemeinen Wunsche entsprechend, am 3. März in den Sälen des „Bayrischen Hof" ein Nachkränzchen zu der am 5. Februar d. I. stattgefundenen Festakademie. Mehrere glanzvolle Kunstkräfte haben ihre Mitwirkung zngesagt. Beginn der Akademie 9 Uhr abends. Kartenvorverkauf findet täglich im Bereinslokale IX., Grüne Thorgaffe 34 von 4-5 Uhr nachmittags statt, wo auch alle Auskünfte erteilt werden. An alle Freunde der Lesehalle ergeht hiemit die Einladung, dieser Veranstaltung b-izuwohnen. — Freitag den 28. Februar, 7 Uhr abends, findet im Saale 33 der jur. Fakultät auf Einladung der Lesehalle der Vortrag des Herrn Schriftstellers Avals Gelber über „Josef Popper-Lynkens" statt. Jüdische Toyubee-Halle XV., Herklotzgaffe 21. Am 22. d. M. bot der Schriftsteller Herr Vork-Steiner in einer Vorlesung seiner meisterhaften Erzählungen aus dem jüdischen Volksleben dem nach Hunderten zählenden Auditorium einen seltenen Genuß. Seine humoristisch-satyrischen Erzählungen „Was soll er werden" und „Eine gute Partie" entfesselten ebensoviel Heiterkeit als ehrlichen Beifall. Herr Kantor G. Friedländer entzückte durch seine bekannt herrliche Stimme im Vortrag von Opern- Arien und erntete reichen wohlverdienten Beifall. Einem allgemeinen Wunsche entsprechend wird Herr Oberlehrer Rieseufeld neuerdings, und zwar am 29. d. M. in der Toynbee-Halle (Herklotzgaffe) sprechen. Als Thema hat der Vortragende „Das Judenstatut Friedrich II. des Streitbaren, seine Wirkungen und Folgen" gewählt. Dem Vortrage folgen Gesangsvorträge des Frl. Gisela Ellenbogen. Am 7. März findet ein großer Konzert-Abend statt, bei dem die Salonkapelle Paschka und die Herren R. und M. Felde« (Gesang) Mitwirken. Akademie und Kränzchen des „Hietzinger Frauen- Wohltätigkeitsvereins". Es war eine gesellschaftliche Premiere, daß der „Hietzinger Frauenwohltätigkeitsverein" am 18. Februar d. I. die Familien seiner Mitglieder und zahlreiche Gäste im „Hotel Continental" zu einer Akademie und einem Tanzkränzchen vereinte. Ein reicher Kranz schönster Damen und eine Auswahl vornehmer Bürger aus allen Wiener Bezirken waren dem Rufe des.Festkomitees gefolgt. Die Präsidentin der Veranstaltung, Frau Hermine B e r n f e l d, hatte einen Stab junger Damen und Herren, mit dem reizenden Fräulein Jenny Baad und Herrn Viktor G o l d m a n n an der Spitze, um sich gesammelt, die bemüht waren, das Fest zu einem in jeder Weise erfolgreichen zu gestalten. Das Arrangement der Akademie besorgte Herr Wehle. Außer den bekannten Kunstkräften Fräulein Kartousch, Herrn Pallenberg und Rudi Friese wirkte Fräulein Radi nova von der Breslauer Oper mit; Miß Violet Werner bewies, daß sie nicht nur eine Meisterin des Pinsels sei, durch ihr Harfenspiel; Dr. Oskar Daniel entzückte durch seine prächtige und vorzüglich geschulte Stimme, Herr Fritz Tuschak durch sein Violinspiel. Der Tanz wurde durch eine Polonaise der Komitees eingeleitet und ihm unter Leitung des Herrn Gustav Spiegler mit Eifer gehuldigt. Jüdische akademische Verbindung „Unilas", Wien. Die Chargenwahlen für das Sommersemester 1908 ergaben folgendes Resultat: 1.0.0. Alexander Seelenfried X, teell. Rudolf Löw XXFX, med. Heinrich Hinn XXX. Akademische Verbindung „Libanonia" Wien, III., Gärtnergasse 3. Die Chargenwahlen für das Sommersemester ergaben folgendes Resultat: med. Gustav Jellinek X, jur. Moritz Hacke XX, vet. med. Paul Grosser XXX. Hebräischer Konversationsklub. Bei der nächsten Zusammenkunft, Samstag den 29. Februar, präzise 7 Uhr abends, die, wie immer, im Cafe Brammer (Liechtensteinstraße 1) stattfmdet, wird Herr Rafael Swerdlow, Lehrer im »Letli-vusseker rbänöth« in Jaffa, einen Vortrag über „Soziale Fragen der jüdischen Bevölkerung Palästinas" halten. Gäste herzlich willkommen! Wien. Die Generalversammlung des Brigitte n auer israelitischen Unterstützungsvereins fand am 11. Februar 1908 in Haars Restauration statt. Der Obmannstellvertreter Herr Berthold Kaiser, welcher die Generalversammlung leitete, führte in seinem Berichte aus, daß im verflossenen Vereinsjahre nahe an 4000 Kronen an arme, größtenteils delogierte jüdische Familien verteilt wurden. In warm gehaltenen Worten dankte Herr Kaiser namens der Armen allen edlen Spendern, welche den Verein mit milden Gaben bedachten. In der darauf erfolgten Wahl wurden gewählt die Herren: Juwelier Jakob Kohn, Obmann; Berthold Kaiser, Obmannsiellvertreter; Jakob Mund, I. Schriftführer; Jakob Rosner. II. Schriftführer; Isidor Pollizer, Kassier; S. Bärenkopf. I. Kontrollor; Em. Lustig. II. Kontrollor; Jakob Wolfer, Jg. Körner Bernh. Körner, Paul Oposeinsky, Noa Rotier, Ansichußmänner; Bernard Pollak, N. Brunn, Hermann Kohn, Herschhahn, Moritz Schik, Beiräte. Wien. (Todesfall.) Sonntag den 23. Februar l. I. ist Herr Moritz Pilpel in seiner Wohnung, Seegaffe 12, im 57. Lebensjahre gestorben. Pilpel war eine in den jüdischen Kreisen Wiens sehr bekannte und beliebte Persönlichkeit. Hervorgegangen aus dem Kleingewerbestande, hatte er sich als Autodidakt eine gediegene politische und nationalökonomische Bildung angeeignet, die ihn befähigte, an den jüdischen Bestrebungen des letzten Jahrzehnts lebhaften Anteij zu nehmen, zumal ein warmfühlendes, jüdisches Herz in seinem Busen schlug. Bei dem Leichenbegängnisse am 25/Februar zeigte sich die Beliebtheit des Verschiedenen in der zahlreichen Beteiligung jüdisch gesinnter Männer und Frauen. Wien. (Spende n.) Für die arme Familie Josef Horner in Czihoscht bei Leschtina sind uns laut Aufruf Nr. 7 von Familie Kohn, Pirnitz X 3.—, von Herrn Jonas Stransky in Wien X 12.—, für die Mutter des Leopold Hilsner von Herrn Jakob Glück, Religionslehrer in Odrau X 2.— zugekommen. Ludwig Deutsch. Am 18. Februar starb zu Prag nach kurzer, schwerer Krankheit infolge einer Blinddarmoperation der Großkaufmann und Mitchef des Handlungshauses Maier & Hahn, Herr Ludwig Deutsch im 58! Lebensjahre. Der Genannte war ein Sohn des weiland gräflich Taaffe'schen Haus- und Domänenarztes Herrn Doktor Hermann Deutsch in Ellischau. Als vierzehnjähriger Knabe trat er als Praktikant bei der obenerwähnten Firma ein und zeichnete sich durch ganz besondere Tätigkeit, gewissenhafte Pflichterfüllung und reiche Entfaltung seiner kommerziellen Talente so aus, daß er es bis zum Prokuristen brachte und (seit 1895) öffentlicher Gesellschafter des Hauses wurde. Dabei war er auf vielen anderen Gebieten in hervorragender Weise tätig. Dem Vereine der Prager Geschäftsreisenden war er eine Hauptstütze; durch zwanzig Jahre bekleidete er daselbst das schwierige Amt eines Schriftführers und durch fünf Jahre stand er als Präsident dieser großen, vorzüglich geleiteten Korporation vor. Daß dieser Verein eine so hohe Stufe erklommen, daß er über reichliche Fonde verfügt, daß ein einheitlicher Geist und ein festes Standesbewußtsein die Reihen seiner zahlreichen Mitglieder durchdringt, das alles hat er nebst der Tätigkeit seines Ehrenpräsidenten, Herrn kaiserlichen Rates Moritz Hahn und des wackeren Ausschusses hauptsächlich der rastlosen Wirksamkeit des Verblichenen zu verdanken. Auch anderen Innungen und Vereinen war der Verstorbene ein ausgezeichnetes Mitglied und ein vorzüglicher Berater. Wohltaten übte er in aller Stille, ärmere Verwandte unterstützte er in Fülle; er besaß ein goldenes Herz in einer etwas rauheren Hülle; seiner Familie war er der zärtlichste Gatte, Vater und Schwiegerpapa.