Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 9 (28.2.1908)
- Date
- 1908-02-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 9 Dr. Llocv's tKloebenscbrfff. Sette 169 Auf eine weitere Frage nach der allgemeinen wirtschaftlichen Lage der Juden in Rußland, erwiderte Herr Feinberg: Der Wohlstand der Juden ist in erster Linie von der allgemeinen wirtschaftlichen Lage abhängig, die jedoch infolge der politischen Zustände und schlechten Ernten stark gelitten hat. Für die Juden, die sich in den Provinzen sowohl an ihrem Leben, wie an ihrem Vermögen bedroht fühlen, ist die Situation geradezu unerträglich geworden. Große Gemeinden, wie Odessa, Krschenew, Zitomir und Lodz sind zu verhältnismäßiger Bedeutungslosigkeit herabgesunken. Hundert Jahre Judenmission. (Eine Warnung.) London, den 20. Februar. Die britische „Gesellschaft zur Verbreitung des Christentums unter den Juden" feiert in diesem Jahre das Zentenarium ihrer „Tätigkeit". Vorgestern fand nun hier unter Vorsitz des Präsidenten der Gesellschaft, Parlamentsmitgliedes Sir John Kennaway, eine Konferenz statt, in welcher darüber beraten wurde, auf welche Weise diese Hundertjahrfeier am besten ausgenützt werden könnte, um „die Erfolge der Gesellschaft zu steigern". (!) Es kam ein Brief des Erzbischofs von Canterbury zur Verlesung, in welchem es u. a. heißt: „Ich wünsche vom Herzen, daß es Ihnen anläßlich des Zentenariums vergönnt sei, diese „Jubelfeier entsprechend auszunutzen". (!) Der Vorsitzende erklärte, daß in den* Reihen der Juden immer mehr und mehr Verständnis für die Ziele der Gesellschaft zu bemerken sei. (?!) Nach mehreren Reden wurde schließlich beschlossen, einen speziellen Zentenar-Fonds von 50.000 Pfund Sterling (eine Million Mark) aufzubringen, um das Missionswerk in diesem Jahre in der ganzen Welt mit Erfolg führen zu können. Es wird gut sein, wenn die Juden aller Länder, besonders aber die Rabbiner und Führer der Gemeinden von diesem großangelegten Feldzug auf die arme jüdische Bevölkerung Kenntnis nehmen und alle Mittel in Bewegung setzen, um diesem geplanten Seelenfang ou gros zu steuern. Eine aufsehenerregende Ehe in London. Einer Londoner Korrespondenz des „Jewish Comment" in Baltimore entnehmen wir die nachfolgende Meldung. Ein Gefühl tiefen Bedauerns ging durch die Reihen der Juden Englands, als die Nachricht bekannt wurde, daß Frau Goldsmid, die Witwe nach dem verstorbenen beliebten Colonel Goldsmid, sich mit einem Christen verheiratete. Man erinnert sich noch aus seiner Biographie, daß Colonel Goldsmid ohne sein Verschulden dem Judentume entfremdet gewesen war, später jedoch zum jüdischen Glauben zurückkehrte und dann bis an sein Lebensende ein guter, gläubiger Jude geblieben ist. Seine Frau stand auch, gleich ihm, eine Zeit lang außerhalb des Judentums und kehrte auch mit ihm zum Judentume zurück. Ihre nunmehrige Wiederverheiratung hat in der englischen Judenheit keine geringe Ueberraschung hervorgerufen. Ihr zweiter Gatte ist von aristokratischer Herkunft. Er heißt C. W. de Vere Beauclerk und ist der älteste Sohn des verstorbenen Kapitäns Lord Amelius Beauclerk, der wiederum ein Sohn des Fürsten von St. Libans war. Eine der Töchter des Colonel Goldsmid, Miß Cornel Goldsmid, die ihrem Glauben treu geblieben ist, nimmt an der „Jto"-Bewegung hervorragenden Anteil und hat erst im Vorjahre eine Studienreise durch die jüdischen Städte Rußlands unternommen. Nicht uninteressant ist auch die Tatsache, daß eine andere Tochter mit keinem geringeren als dem Hon. Louis Montagu, dem ältesten Sohne des bekannten Orthodoxen, Lord Swaythling, verheiratet ist. Die Mischehen haben in jüngster Zeit gerade in denjenigen englisch-jüdischen Kreisen, von denen es am allerwenigsten erwartet werden durfte, so sehr überhand genommen, daß der Chief-Rabbi von England sich veranlaßt sah, dagegen von der Kanzel herab Stellung zu nehmen. Aber keiner der vielen in jüngster Zeit vorgekommenen Fälle hat einen so tiefen, niederschmetternden Eindruck gemacht, als die Wiederverehelichung der Witwe Colonel Goldsmid. Konstantinopel. In Erwiderung auf die in der Nummer 3 vom 17. d. M. veröffentlichte Zuschrift erhalten wir folgende Mitteilung: Es wurde nicht bestritten, daß die Zeugnisse der Deutsch-österreichisch-israelitischen Kultusgemeinde von einigen Konsulaten anerkannt werden, doch verlangen diese Aemter, insbesondere wenn die Zertifikate für das Ausland bestimmt find, die Beglaubigung derselben. Auch die kleinste Tempelgemeinde stellt hier Zeugnisse aus, die nach Beglaubigung vom Großrabbinate und dem Ministerium des Aeußern sowohl Hierlands als auch im Auslande Geltung haben. Dies gibt aber diesen Tempelgemeinden, ebensowenig wie derDeutschösterreichischen Kultusgemeinde das Recht, sich als einzige offizielle Gemeinde hinzustellen. Daß auch der Vertrag vom Jahre 1890 nicht zwischen Komiteemitgliedern der Deutsch-österreichischen Kultusgemeinde und der sephardischen Gemeinde sondern zwischen dem mit Spezialvollmacht versehenen Vertreter der hiesigen Tempelgemeinden (Oesterreichischer Tempel, Schneider-Tempel, Kertscher- und Bukarester Tempel) einerseits, und dem Großrabbinate andererseits geschloffen worden ist, erhellt aus den Ihnen übersendeten und zur Verfügung der Interessenten stehenden Original-Dokumenten. Aus den Schlußpaffus des erwähnten Artikels, der eine Insinuation enthält, weiter einzugehen, liegt kein Anlaß vor. Der Vorgang war auch ein durchaus loyaler, erfolgte mittelst offizieller Eingabe beim Ministerium für Kultus und Justiz und wurde hievon auch der Präsident der Deutsch-österreichischen Kultusgemeinde, Herr Dr. Fried, mit welchem überdies wegen einer friedlichen Einigung mehrmals konferiert worden war, unterrichtet, was dieser jederzeit bezeugen muß. Wir bitten um Abdruck vorstehender Zuschrift in der nächsten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift". Nachschrift der Redaktion: Wir können unseren Glaubensgenoffen und Konnationalen in Konstantinopel dringend im Jntereffe der Gesammtheit und ihres eigenen Ansehens nur eine rasche gegenseitige friedliche Verständiguug anraten. In solch ernster Zeit muß man die Streitaxt begraben, und nicht darnach forschen, wer einen Zwist begonnen und verschuldet. Wer den Frieden herbeiführt, erwirbt sich ein patriotisches Verdienst. Damit möge die Diskussion in den Spalten der „Oesterreichischen Wochenschrift" abgeschloffen sein. Vermischtes. Kranzablösuugsfpendeu zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens der sel. Amalie Popper: Bon S. Steiner K 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr Emil Bloch: Bon Philipp Winter und Frau K. 4.—, Robert Kolisch K 20.-. Znsam. K 24.-. Anläßlich des Ablebens des sel. Alfred Weil: Bon Gottfried Weil K 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Viktor Schreier: Von Familie Ludwig Straßer K 10.—, Familie Isidor Goldblatt L 10.—. Zusammen K 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Ignaz Pick: Von Dr. Ludwig Hesky K 10.—, Sam. und Fanny Schlesinger 10.— , Leopold und Babette Löwenbach 50.—, Siegfried und Julie Löwenbach 20.—, Gustav und Ernestine Oestreicher K 20.—. Zusammen K. 110.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Max König: Von Süddeutsche Dampfschiffahrts-Gesellschaft K 40. , Direktor Souchay 25. Beamtenkörper der Gesellschaft K 60.—. Zusammen L 125.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Cäcilie Lamberg: Von Moritz Eißler X 200.—, Heinrich B. Eißler 100. -, Rosa Eißler 100.—, Amalie Eißler 100.— , E. R. W. K 50.—. Zusam. L 550.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Marie Singer: Von Leopold Herrmann K 4.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Fanny Fröhlich: Von Ignatz Fröhlich K 40.—, Richard El bogen 50 —, Dr. Friedrich Elbogen L 30.—. Zusammen K 120.—.