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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-28 · 9 (28.2.1908) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 168 De. Mocb's Mocdenscdrm. Rr . 9 hatte. Von einer dem Abgeordneten Moskowics nahestehenden Seite wird erklärt, daß bei besten Ablehnung zweifellos konfeffionelle Momente mitgespielt haben. Dr. Iwan Moskowics ist zwar römisch-katholischen Glaubens, hat aber erst vor wenigen Jahren die Taufe empfangen. Denkmal für Moses Mendelssohn. Berlin, 19. Februar. Seitens des Komitees zur Errichtung eines Denkmals für Moses Mendelssohn werden wir um Bekanntgabe des nachstehenden Aufrufes ersucht: „In Berlin, in der Stadt, wo Moses Mendelssohn gelebt und Großes gewirkt, erinnert kein Standbild die Lebenden an den edlen Toten. Mendelssohn's Verdienste um die Aufklärung in Deutschland, feine Arbeiten auf dem Gebiete der Philosophie und der Literatur, seine formvollendeten und von edler Gesinnung erfüllten Schriften haben ihre wohltätigen Wirkungen auf das gesamte deutsche Geistesleben erstreckt. Was für die deutschen Juden Moses Mendelssohn gewesen, der ihnen das deutsche Wesen erschloß und sie deutscher Kultur -uführte, bedarf nicht näherer Darlegung. Als sichtbares Zeichen des Dankes soll sich an dem Orte seiner Lebensarbeit das Denkmal dieses Mannes erheben. Eine solche Huldigung, die dem Genius des Befreiers und Philosophen gezollt wird, wird in ganz Deutschland ein Echo wecken, denn sie gilt dem Geiste der Humanität, der Aufklärung und der Menschenliebe, die Mendelssohn so eindringlich in seinen Schriften verkündet hat und als deren Vertreter er in Lessing's unsterblichem „Nathan" erscheint. Eine solche Huldigung ist für uns und für Generationen der Zukunft der sichtbare Ausdruck der Verehrung, die in unserer Stadt die Ideen genießen, deren Bannerträger Moses Mendelssohn im Zeitalter des Großen Friedrich gewesen ist. Wir sind der festen Zuversicht, daß viele Gleichgesinnte und Gleichempfindende es mit uns für eine Ehrenpflicht halten werden, sich an der Errichtung eines Denkmals für diesen Mann zu beteiligen. Beiträge für diesen Zweck bitten wir unserem Schatzmeister Herrn James Simon (Klollerstr. 80/82) zusenden zu wollen. Ueber die Ausführung des Werkes werden die öffentlichen Blätter zur Zeit das Nähere berichten". Das Komitee bilden die Herren Moritz Manheimer, Vorsitzender, James Simon, Schatzmeister, Professor Max Liebermann, künstlerischer Beirat, Justizrat Timendo rf er, Schriftführer, Geheim. Kommerzienrat Eduard Arnho ld, Justizrat Bernhard Breslauer, Landtagsabgeordneter Geheimer Justizrat Dr. Oskar E a s s-e l, Justizrat Dr>. Eugen Fuchs, Prof. Dr. Ludwig Geiger, Geh. Kommerzienrat Ludwig Max Goldberger, Justizrat Dr. Horwitz, Julius Jakoby, Vorsitzender deS Vorstandes der jüdischen Gemeinde Berlin, Dr. Gustav Karpeles, Geheim. Justizrat Professor Dr. Masse, Stadtverordneter Dr. Paul Nathan, Professor Dr. Martin Philipps»n, Justizrat Dr. Veit Simon und Rabbiner Dr. S. Weisse. Ci« Block der „Gläubigen". Paris, den 20. Februar. In der gesttigen Ausgabe des „Figaro" schreibt Julien de Narfon: Als ich vor einigen Tagen die von großem Edelsinn zeugende Petttion der Protestanten Frankreichs an den Senat gegen die beabsichtigte Zerstörung der Kongregationsgüter ankündigte, sprach ich den Wunsch aus, daß die Gläubigen aller Religionen, ihre konfessionellen Streitigkeiten beiseite lassend, sich vereinigen mögen, um die Rechte der religiösen Gewissensfreiheit gegen jeden Versuch, diese Rechte zu verkürzen, zu schützen. Es müßte sich ein Block bilden, der dem anderen, bereits bestehend, friedlich und würdevoll sich gegenüberstellt. Nun erhalte ich vom Herrn Grand Rabbin Moise Netter einen Brief, in welchem er mir mitteilt, daß auch die Juden bettoffen find von dem Attentat, welches das in Rede stehende Gesetz (es handelt sich um das Gesetz über die Liquidierung der Kongregationsgüter) gegen die Rechte der Katholiken zu verüben versucht. Der Herr Oberrabbiner kündet auch eine tatsächlich sehr energisch gehaltene Protestkundgebung an, die er in dem von ihm herausgegebenen Organe der Juden Frantteichs „TJnivers Israelite" publiziert hat. M. Moise Netter ecklärt in dieser Kundgebung ganz kategorisch, daß die sicherste Folge des neuen Gesetzes, wenn es in seiner heutigen Form endgiltig angenommen würde, die sein würde, daß „Frankreich nur noch mehr gespalten, der soziale Friede noch mehr gestört und eine Versöhnung zwischen den Franzosen hintertrieben würde und daß schließlich durch dieses Gesetz für jedes künftige Attentat gegen diejenigen Prinzipien und Rechte ein Präzedens geschaffen würde, welche bisher von der ganzen zivilisierten Welt als heilig und unantastbar gehalten wurden." Wir haben es hier also — schließt Julien de Narfon seine Betrachtungen — mit einem Block der Gläubigen oller Religionen zu tun. Ich nannte die Protestkundgebung der Protestanten „eine Lektion, ein Exempel". Man wird zugeben müssen, daß die Stellungnahme der Protestanten durch den wundervollen Protest der Juden, der die andere vervollständigt, eine Bedeutung und ein Gewicht erhält, das weder die Regierung noch der Senat wird recht ignorieren können. Eine französische Doktordissertation über die Juden in Tunis. Unter dem Titel „1,68 Israelites de la Tunisie, leur condition civile et politiqne" wurde von der Pariser juristischen Fakultät eine äußerst interessante Doktordissertation angenommen, deren Verfasser der junge tunesische Advokat Dr. Jakob Chalom ist. Der Autor beleuchtet die Lage der Juden in Tunis de jure und de facto. Er weist nach, daß die jüdische Bevölkerung sich heute in dem unglaublichsten Rechtszustande, wie niemals vor der Etablierung des französischen Protektorates, befindet. Die Juden find einer Jurisdiktion unterworfen, die in Prozessen mit Mohammedanern nicht die geringste Sicherheit zu bieten imstande ist. Ehedem, selbst noch vor dem Jahre 1897, hatten die Juden von Tunis noch die Möglichkeit, die Protektion einer europäischen Macht anzurufen. Aus jener Zeit gibt es heute noch 427 italienische, 726 spanische, 199 holländische, 109 belgische und 1 dänischen Schützling. Aber die jüngere Generation kann diesen nicht mehr in Anspruch nehmen, da ein solches Schutzrecht nicht erblich ist. Der Verfasser spricht sich schließlich an der Hand zahlreicher Argumente und Belege für die stufenweise Einführung französischer Zivilisation unter den tunesischen Juden aus. Die Schrift hat in Regierungskreisen tiefen Eindruck gemacht und man verspricht sich von . ihr auch einen günstigen Erfolg zugunsten der Juden in Tunis. Direktor Davis Feinberg über die gegenwärtige Lage in Rußland. Der Direktor der „Jca" in Petersburg, Herr Davis Feinberg, weilte eine Tage in London. Ein Redakteur des „Jewish World" hatte mit Herrn Feinberg eine Unterredung, in deren Verlaufe sich dieser über die gegenwärtige Situation in Rußland wie folgt äußerte: Die allgemeine Lage in Rußland ist gegenwärtig eine nach jeder Richtung hin ungünstige. Die Reaktion hat die Oberhand. Wir haben eine Duma, die nur dazu da ist, um die Vorschläge der Regierung zu sanktionieren. Die Regierung ist durchaus reaktionär und Funktionäre, gegen welche sich auch der leiseste Verdacht des Liberalismus erhob, wurden entlassen. Die Lage der Juden ist heute eine schlechtere denn je. Vor der Freiheitsbewegung konnten die Juden noch etwas von einem humanen Gouverneur oder Minister des Innern erwarten. Heute find solche Beamte einfach ausgeschlossen und wenn sich in dem einen oder anderen ein menschliches Gefühl auch regen würde, fürchtet, er sich, ihm öffentlich Ausdruck zu geben. Auf die Frage, ob neue Pogroms zu befürchten wären, antwortete Herr Feinberg: Im vorigen Jahre beantwortete ich eine solche Frage mit nein, aber diesmal kann ich mich leider nicht so entschieden äußern^ da fast allen verurteilten „Pogrom-Machern" die Strafe erlassen wurde. Diese Maßregel wurde von den Massen in sehr bedenklicher Weise kommentiert. Die jetzige Duma wird sicherlich keine Gesetze machen, die den Juden Erleichterungen bringen könnten. Im Gegenteil, die Gouverneure und selbst der Senat interpretieren die bestehenden Judengesetze im mittelalterlichen Sinne und neue Judenverfolgungen, beginnen.

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