Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-28 · 9 (28.2.1908) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021764-3021774--17133-3041991
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

*r. 9 Dr. Llseb's Mocbenscbrin. Leite 167 Von Frau Rosalie Goldschmidt anläßlich des Sterbegedächtnistages des sel. Herrn Karl Goldschmidt für das Versorgungshaus . . . . K 600 — zur Verteilung an Arme.. 200'— für die Chewra-Kadischa.„ 200 — für den Verein für Krankenpflege und Unterstützung handlungsangehöriger Israeliten.. 200'— für den Waisenverein.. „ 200'— L 1.400 — Von Herrn Anton Winter anläßlich des Sterbegedächtnistages seiner Mutter zur Verteilung an Arme „ 200-— Von Frau Mathilde Perger für die Brigittenaner Schulküche .. 100- Weiters: Ein Dankschreiben des Ehepaares Moriz und Julie Unterberger für die Gratulation und das Ehrengeschenk des Vorstandes anläßlich ihrer goldenen Hochzeit. Im Präfidialberichte teilt der Vorsitzende mit, daß sich der erkrankte Vizepräsident Baurat Theodor Ritter von Goldschmidt auf dem Wege der Besserung befinde. Diese Mitteilung wird mit lebhafter Befriedigung zur Kenntnis genommen. Der Präsident wird ersucht, Herrn Vizepräsidenten Baurat von Goldschmidt den Ausdruck der Sympathien des Vorstandes zu übermitteln. Weiters bringt der Präsident zur Kenntnis, daß ein im allgemeinen Krankenhause getaufter, jüdischer Patient fast unmittelbar vor seinem Tode an die Kultusgemeinde ein Schreiben richtete des Inhaltes, daß er wieder zum Judentum zurückkehre und auf dem jüdischen Friedhofe beerdigt zu werden wünsche. Diesem letztwilligen Ersuchen wurde selbstverständlich Rechnung getragen. Subventionen werden bewilligt: dem Bethausvereine „Achdus Israel"; dem Bethausvereine „Schomer Israel", III., Hetzgaffe; dem Bethausvereine „Machafike Thora", V., Hauptstraße 83; dem Bethausvereine „Gemilath Chesfed", II., Große Schiffgasfe 19; dem Bethausvereine „Thorath Emeth", III., Untere Biaduktgaffe 9; dem Tempelvereine im XIII. Bezirke, dem Vereine „Bikur Chaulim" (Krankenbesuch); dem Vereine zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den Bezirk XVI—XVII; dem Vereine zur Fürsorge für Blinde; dem Brigittenaner Frauen-Wohltätigkeitsvereine; dem Vereine „Asyl für mittellose kranke Juden", Meran nebst der Jahressubvention ein einmaliger Beitrag anläßlich der Errichtung eines neuen Hauses. Nach Erledigung von Personalien und Steuer-Angelegenheiten wird die Sitzung um halb 2 Uhr nachmittags geschloffen. Der Dank der Antisemiten an Rothschild. Die unter obigem Titel in der vorigen Nummer unseres Blattes veröffentlichte Zuschrift hat begreiflicherweise in den breitesten Kreisen der Judenschaft Aufsehen erregt. So wie wir es als unsere leidige publizistische Pflicht ansahen, der uns von durchaus vertrauenswürdiger Weise eingesandten Zuschrift in unserem Blatte Raum zu gewähren, da, nachdem die Angelegenheit, wie die Zuschrift hervorhebt, bereits in einem Teile der jüdischen Presse behandelt wurde, so freuen wir uns andererseits aufrichtig, konstatieren zu können, daß wir es hier mit den tendenziösen antisemitischerseits ausgestreuten Lügen zu tun haben. Nach den an kompetenter Stelle eingeholten Informationen hat Herr Baron Louis de Rothschild weder an den Vorbereitungen zu dem „Lustigen Wiener Sonntag" noch an dem Arrangement dieser Veranstaltung in irgend einer Form teilgenommen. Wahr ist, daß Herr von Rothschild über den Charakter und Zweck der Veranstaltung gar nicht unterrichtet gewesen und erst bei einem Spaziergang auf der Ringstraße durch den Rummel angezogen in die Gartenbau-Säle hineinging und weil er dort Freunde vorgefunden, einige Zeit in den Festräumen verweilte. Hieraus geht also hervor, daß es sich hier um ein zufälliges Amüsement eines jungen Mannes handelte, und nicht wie sowohl die Berichte einiger Tagesblätter und auch die von uns veröffentliche Zuschrift es darstellen, um eine beabsichtigte Stellungnahme eines Mitgliedes des Hauses Rothschild zugunsten der katholisch-antisemitischen Preffe. Nach derselben Information entbehren auch die Auslastungen der „Reichspost" bezüglich eines angeblichen Rothschildspitales in St. Veit jeder Grundlage, da niemals daran gedacht wurde, dort eine solche Anstalt zu errichten. Sowohl die Ausfälle der „Reichspost", wie auch die mehr oder weniger hämischen Gloffen der antisemitischen Tages- und Witzpreffe über die jüngste „Rothschildaffaire" sind eben auf das Konto einer seit längerer Zeit beobachteten antisemitischen Hetze zu setzen, gegenüber deren man leider machtlos sei, wenn man sich nicht auf ununterbrochene, nutzlose Berichtigungen einlaffen will. So weit reichen unsere Informationen. Wir geben ihnen um so lieber Raum, als aus ihnen ersichtlich ist, daß es dem Chef des Hauses Rothschild nicht gleichgiltig ist, wenn man ihn mit Veranstaltungen in Verbindung bringt, deren eingestandener Zweck die Bekämpfung und Bedrückung des Judentums ist. Modernes Judeuschutzgeld. Wir lesen in der „Arbeiter-Zeitung": „Selbstverständlich hat sich der klerikale Geschäftsgeist sofort des Kaiserjubiläums bemächtigt und die klerikalen „Kinderschutzstationen", die sich von der Gemeinde aushalten laffen, um, indem sie Kinderschutz betreiben, die Seelen der armen Kinder für den richtigen Himmel vorzubereiten, haben beschloss n, den reichen Goldregen, der zu erwarten ist, auf sich zu lenken. Das ist nicht wunderbar, denn die Kirche hat aus ihrer Geschichte gelernt, daß Wohltätigkeit ein gutes Agitationsmittel für den Klerikalismus ist, auch wenn die milden Gaben, die sie austeilt, die Kirche selbst nicht einen Pfennig kosten. Auch daß der Snobbismus derjenigen zahlreichen Personen ausgenützt wird, die es als besondere Ehre betrachten, ihr Geld unter hoher Protektion los zu werden, besonders wenn ihr Namen neben dem eines Grafen und Fürsten erscheint, mag hingehen; denn wenn nur auch wirkliche Wohltätigkeit geübt würde, möchte der Zweck das Mittel heiligen, und menschliche Eitelkeiten sind immer der beste Vorspann für die Wohltätigkeit gewesen. Bedenklicher ist es schon, daß die „Kinderschutzstationen", um die Konjunktur auszunützen, hauptsächlich an reiche Juden elegante Handschreiben ausgehen lassen, in denen um Beiträge gebeten wird, ohne daß den Spendern von dem Inhalt der Statuten des Vereines etwas verraten wird; ja man kann sagen, daß dieser geradezu geheimgehalten wird und daß die „Kinderschutzstationen" mit einer Art reservatio mentalis „schnorren". In den Statuten wird nämlich ausdrücklich gesagt, daß der Verein aus dem Boden der christlichen Charitas steht, was eine Umschreibung für Seelenfängerei und Agitation ist, vielleicht auch dafür, daß sich die Tätigkeit nur auf vernachlässigte Kinder katholischen Glaubens beziehen soll. Insbesondere wird aber aus den katholischen Charakter des Vereines bei der Mitgliederaufnahme Rücksicht genommen: „wirkende" Mitglieder können laut Statut nur Katholiken werden; dagegen fällt diese Beschränkung bei den „beitragenden" Mitgliedern, Stiftern und Förderern weg; nur die wirkenden Mitglieder haben aktives und passives Wahlrecht im Vereine — abgesehen von solchen Stiftern und Förderern, denen der Ausschuß es ausdrücklich verleiht. Das heißt mit anderen Worten: Es gibt zwei Klassen von Mitgliedern, solche, die den Verein leiten und — geduldete Juden, welche für diese Duldung, nicht Gleichberechtigung, ein Schutzgeld zahlen. Man sieht, wie es die Klerikalen verstehen, in ihr« eigenen Organisationen die idealen Verhältniffe des Vormärz wieder einzuführen. Auch das wäre, wenn sie es nur ehrlich betrieben, ihr gutes Recht. Bezeichnend aber ist es, daß die Gimpel wirklich auf den Leim gehen. Die reichen Juden find eben immer noch im geistigen Ghetto und feige genug, das Schutzgeld zu zahlen, wenn es nur von einem echten Aristokraten verlangt wird. Es kommt ihnen gar nicht die Idee, daß sie durch die Zahlung des Schutzgeldes gedemütigt werden, sondern sie glauben, es ihren gesellschaftlichen Beziehungen schuldig zu sein. Ja, sie suhlen sich sogar geschmeichelt, daß dieselben Personen zu ihnen schnorren gehen, die sie nicht der Ehre würdigen, auch nur als Vereinsmitglieder gleichberechtigt zu sein." Eine aufsehenerregende Ablehnung iw Bndapefter Rationalkafino. Aus Budapest wird uns berichtet: Im Nationalkafino hat eine gestern vorgenommene Ballotage ein überraschendes Ergebnis gezeitigt, das in politischen Kreisen das lebhafteste Aufsehen erregt. Dem jungen Abgeordneten Dr. Iwan Moskowics, einem Mitgliede der Verfaffungspartei, wurde, trotzdem Minister Graf Julius Andraffy sich lebhaft für ihn verwendete, die Aufnahme in das Nationalkafino verweigert. Doktor Iwan Moskowics ist der älteste Sohn des bekannten Grundbesitzers Geza v. Moskowics, deffen Familie zu den vornehmsten des Zempliner Komitats zählt und auch in Budapest eine hervorragende Rolle spielt. Die Moskowics find intim mit der Familie des Grafen Andraffy befteundet, eine Freundschaft, die auch schon unter den Borfahren der beiden Familien bestanden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.