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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-28 · 9 (28.2.1908) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 106 Dr. Llocv's MocbenscbrtN. Nr. 9 Kind aber, welches einen Juden zum Vater hat und hätte dieser Vater auch im rumänischen Heere gedient und auf den Schlachtfeldern für Rumänien gekämpft, ist trotz alledem nach dem Gesetze rumänischer Barbarei kein „Laudeskiud". Rumänische Machthaber Übertreffen an listiger Grausamkeit die Haman und Pharao in der Geschichte. Wer diese Rumänen unterstützt, macht sich der moralischen Teilnahme schuldig an der grausamen Mißhandlung unserer Brüder. Die Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift". Robert Koch und Ferdinand Cohn. Der 24. Jänner, der achtzigste Geburtstag des am 25. Juni 1898 verstorbenen Breslauer Botanikers Ferdinand Cohn, bringt, so wird der „Voss. Ztg." geschrieben, Robert Kochs erste Beziehungen zu Cohn in Erinnerung. Nachdem Koch in Wollstein seine Untersuchungen über den Milzbrandbazillus beendet hatte, war es ihm darum zu tun, sein Studienergebnis Sachkundigen zur Nachprüfung zu unterbreiten, Seine Wahl fiel auf den Breslauer Botaniker Ferdinand Cohn, der unter den Bakterienforschern mit in der ersten Reihe stand. Mit nachfolgendem Briefe führte fich Koch bei Cohn ein: „Wollstein (Provinz Posen), den 22. April 1876. Hochgeehrter Herr Professor! Durch Ihre in den Beiträgen zur Biologie der Pflanzen veröffentlichten Arbeiten über Bakterien angeregt, habe ich, da ich mehrfach das nötige Material bekommen konnte, mich längere Zeit mit der Untersuchung des Milzbrandkontagiums beschäftigt. Nach vielen vergeblichen Versuchen ist es mir endlich gelungen, den Entwicklungsgang des Bacillus anthracis vollständig aufzufinden. Durch vielfache Versuchsreihen glaube ich dem Resultate meiner Untersuchungen eine genügende Sicherheit gegeben zu haben. Bevor ich jedoch damit an die Oeffentlichkeit trete, würde ich Sie, hochgeehrter Herr Professor, als den besten Kenner der Batterien, ganz ergebenst bitten, Ihr Urteil über den Befund abgeben zu wollen. Leider vermag ich, nicht durch .Vorlegung von Präparaten, welche die einzelnen Entwicklungsstufen enthatten, den Beweis zu führen, da es nicht gelingen wollte, die Batterien in entsprechenden Flüssigkeiten zu konservieren. Ich würde Sie daher ganz ergebenst bitten, mir gestatten zu wollen, daß ich Ihnen vielleicht im pflanzenphysiologischen Institute während einiger Tage die notwendigen Experimente zeige. Wenn Sie, hochgeehrter Herr Professor, geneigt find, diese ergebenste Bitte zu erfüllen, dann bestimmen Sie gefälligst die Zeit, wann ich nach Breslau sommen soll. Mit vorzüglichster Hochachtung ergebenst Dr. Koch, Kreisphysikus." Am 30. April traf Dr. Koch in Breslau ein und stellte dann im pflanzenphyfiologischen Institut bis zum 3. Mai die in Wollstein betriebenen Versuche von neuem an, so daß andere fich aus eigener Anschauung von der Richtigkeit seiner Ergebnisse überzeugen konnten. Der biographischen Studie „Robert Koch" von Wolf Becher entnehmen wir folgende Aufzeichnungen über diesen Vorgang: „Außer Ferdinand Cohn waren noch mit von diesem denkwürdigen wissenschaftlichen Kollegium der Pathologe Julius Cohnheim, sein Assistent Karl Weigert, Moritz Traube und Eidam, Cohns Gehilfe, beide selbst wohl bewährt in der Batterienforschung, Ludwig Lichtheim und der Physiologe Leopold Auerbach. Der Eindruck, welchen Kochs Demonstration auf die Teilnehmer machte, war tief und nachhaltig. Ein Zeugnis davon gibt eine Notiz von Wilhelm Kühne in einem Lebensabrisse von Cohnheim. F. Cohn hatte wiederholt üble Erfahrungen gemacht, wenn Forscher zu ihm kamen, um ihm angeblich rein gezüchtete Krankheitspilze vorzulegen. Auch in dem Kochschen Falle hatte er anfänglich wenig Vertrauen gehabt. Dies Mißtrauen schlug aber in Bewunderung um, als Koch seine Präparate demonstrierte. Eilends wurde ein Bote in das pathologische Institut von Cohnheim entsandt mit der Nachricht, die Sache von Koch „sei richtig und höchst interessant". Es sollte einer der Pathologen hinüberkommen und fich selbst überzeugen. Darauf ging Cohnheim selbst in die botanische Anstalt, und als er wiederkam, sagte er seinen Assistenten: „Nun lassen Sie alles stehen und liegen und gehen Sie zu Koch, dieser Mann hat eine großartige Entdeckung gemacht, die in ihrer Einfachheit und Mattheit der Methode um so mehr Bewunderung verdient, als Koch von aller wissenschaftlichen Verbindung abgeschlossen ist und dies alles aus fich heraus gemacht hat, und zwar absolut fertig. Es ist gar nichts mehr zu machen. Ich halte dies für die größte Entdeckung auf dem Gebiete der Mikroorganismen und glaube, daß Koch uns alle noch einmal mit weiteren Entdeckungen überraschen und beschämen wird." Der Leidensweg eines Künstlers. Der berühmte russische Bildhauer N. I. Aronsohn hat einmal eine schlichte, ergreifende Darstellung von der Not und den Entbehrungen gegeben, denen er ausgesetzt war, ja selbst dann noch, als er schon längst zu den „berühmten" Künstlern gehörte. Raum Hjitsch Aronsohn ist in dem kleinen Städtchen Kreslawka im Gouvernement Witebsk als Sohn eines armen Handelsjuden geboren und genoß nur eine mangelhafte Erziehung. Früh regte fich in ihm die Liebe zur Kunst, und mit fünfzehn Jahren sehen wir ihn bereits in der Wilnaer Zeichenschule. Die Schwierigkeiten, die zu überwinden waren, um dem Knaben die Künstlerlaufbahn zu eröffnen, waren keine geringen. Schon in der Zeichenschule wurde seine besondere Begabung für die Bildhauerkunst erkannt. Es gelang ihm, die Aufmerksamkeit des berühmten Akademikers Trutnew auf fich zu lenken, der ihn bei seinen Arbeiten mit Rat und Tat unterstützte. Seine materielle Lage ist jedoch eine mehr wie traurige. Er hat selten etwas zu essen, aber er läßt fich in seinem Streben nicht entmutigen. Es gelingt ihm, Freunde und Gönner zu finden, die eine kleine Summe für ihn zusammenbringen. So ausgerüstet, begibt er fich zur ferneren Ausbildung nach Paris. Bald find die geringen Barmittel aufgezehrt und er sieht sich wieder vor dem Nichts. Hin und wieder gelingt es ihm, kleine Arbeiten für Geschäfte zu liefern und mit dem geringen Erlös fristet er notdürftig sein Leben. Er sagt selbst von dieser Zeit, daß es die schwerste seines Lebens war. Währenddem arbeitet er in der Werkstatt eines bekannten Pariser Künstlers, der seine glänzende Begabung erkennt und ihn ermutigt. Bald debütiert auch Aronsohn im Salon. Seine Arbeiten finden Anerkennung, erregen die Aufmerksamkeit maßgebender Kreise, werden in allen Zeitungen lobend besprochen, aber — nicht gekauft. Das Leben in Wilna mit fünf Kopeken pro Tag erscheint ihm im Vergleich zu dem in Paris als ein fürchterliches. Ueber jene Zeit schreibt er: „Ich hatte nur selten etwas zu essen, aber ich fand den Mut, das Hungerleben zu ertragen, weil ich wußte, daß ich viele Leideysgenoffen hatte. Am 1. Jänner 1896 fiel ich, vor Hunger Aknzlich erschöpft auf der Treppe meines Hauses bewußtlos nieder. Man fand mich und brachte mich nach meiner Wohnung. Als ich wieder zum Bewußtsein gelangte, fand ich auf meinem Tisch eine Anweisung von 2000 Franks für meine erste verkaufte Arbeit." Aronsohn lebt ständig in Paris in der Avenue d'Orleans. Sein Atelier ist einfach, aber mit vornehmem künstlerischem Geschmack ausgestattet. In diesem Atelier fällt dem Besucher besonders auf eine prachtvolle Büste des Grafen Leo Tolstoi, dessen aufrichtigster Bewunderer Aronsohn ist. Korrespondenzen. Aus der öffentlichen Sitzung des israelitischen Kultusvorstandes vom Sonntag den 23. Februar unter dem Borsitze des Präsidenten Herrn Doktor Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittag. Im Einlaufe befinden fich: An Spenden: Von Frau Sofie von Borkenau zur Errichung einer Grufterhaltnngswidmung.. K 6.000 —

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