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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-28 · 9 (28.2.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Rr. 9 Dr. Llocb's Mocdenscdrin. Seite 165 In seinem Werke „The New \yori<i« erzählt Earington folgende Episode aus der Leidensgeschichte der Juden in Marokko: „So wenig die maurischen Frauen meinen Erwartungen entsprachen, was ohne Zweifel von ihrer sitzenden Lebensart in der Einsamkeit des Harems herrührt, wurde ich durch die blendende Schönheit der Jüdinnen überrascht. Sie sind durchgängig hübsch und einige von ihnen gehören zu den reizendsten Frauen der ganzen Welt. Das Klima dieses Landes äußert zwar eine schädliche Wirkung auf weibliche Schönheit, die sich nach einem gewissen Alter ganz verliert; vom 25. oder 30. Jahre findet man indessen, vorzüglich in den südlicheren Provinzen, nicht wenige Frauen, die unsere kühnsten Träume von den sanften ätherischen und majestätischen Reizen der Töchter Judäas verwirklichen. Wie sehr könnte ihre Schönheit noch erhöht werden, wenn ein gebildeter Geist den Ausdruck dieser herrlichen Züge belebte! Aber die jüdischen Frauen zeichnen sich nicht nur durch körperliche Vorzüge aus; sie legen mitunter eine Seelengröße an den Tag, der wir unsere Bewunderung nicht versagen können und die vollkommen genügt, uns von der Ungerechtigkeit der gegen ihren Nationalcharakter gehegten Vorurteile zu überzeugen. Ein Beispiel dieser Art, welches den Bekehrungseifer der Mauren sowohl, als die Anhänglichkeit der Juden an ihren Glauben zu erkennen gibr, ereignete sich kurz vor meiner Ankunft in Tanger. Zulekiah Haschul. ein junges Mädchen von dreizehn Jahren, hatte eine geistige und physische Reife erlangt, die in unserem kälteren Klima erst mit dem 16. oder 17. Jahre einzutreten pflegt. Ihre ungewöhnliche Schönheit hatte allgemeines Aufsehen erregt und ihr besonders die Liebe einer Nachbarin, einer alten Maurin, erworben, die vom heißen Verlangen beseelt wurde, ihre reizende junge Freundin zn der ihrer Meinung nach allein selig machenden Lehre des Islam zu bekehren, Die Umstände schienen endlich ihren Wunsch zu begünstigen. Die Eltern Zulekiah's bedrohten sie eines wirklichen oder eingebildeten Vergehens halber mit einer Züchtigung, was sie veranlaßte, nach dem Hause ihrer Nachbarin zu entfliehen und deren Schutz anzurufen. Die alte Maurin benutzte diesen Anlaß, sich zum Kadi zu begeben und ihm zu erklären, das Mädchen habe in ihrer Wohnung Zuflucht genommen, sich zum Glauben des Propheten bekannt und den Namen Allah's angerufen. Zulekiah mußte vor dem Kadi erscheinen, leugnete aber auf das Bestimmteste, ihre Religion verändert oder einen solchen Schritt auch nur beabsichtigt zu haben, weshalb man sie bis auf Weiteres einsperren ließ, während der Kadi dem Hofe Bericht über die Sache erstattete. Der Kaiser befahl, sie nach Maquinez zu schicken, wo er damals seine Residenz hatte, und bei ihrer Ankunft wurde ihr ein Gemach im Harem angewiesen. Man bot ihr prächtige maurische Kleider an, welche sie aber mit Verachtung ausschlug, indem sie ihre Anhänglichkeit an die israelitischen Sitten und Gebräuche beteuerte. Dreimal wurde sie vor den Richterstuhl des Kaisers berufen, wo sie mit der größten Unerschrockenheit fortfuhr, ihre Abtrünnigkeit zu leugnen, obgleich man ihr versicherte, daß die Annahme des Islam das einzige Mittel sei, ihr Leben zu retten. Das dritte Mal wurde ihr endlich das Todesurteil ausgesprochen. Sie wurde sogleich von der Wache ergriffen und unter dem Zulauf des Volkes nach dem jenseits der Stadtmauern gelegenen Richtplatz geschleppt. Beim Schaffst angekommen, drang man von Neuem in sie, den Namen Allahs anzurufen, worauf sie erwiderte, „die jüdische Religion sei der Glaube ihrer Voreltern gewesen, die deswegen Verfolgung aller Art und selbst den Tod erlitten hätten; auch sie würde nicht anstehen, sich für eine Sache aufzuopfern, für welche Propheten, Sänger und mächtige Kriegshelden ihr Leben gelassen". Dem Kaiser sagte sie in Gegenwart seines Hofes und der Wachen: „Deine Geschenke und Kleider sind für ein jüdisches Mädchen unziemlich und würden ihr einen Fluch zuziehen, wenn sie sie anlegte." Als der Monarch ihr wiederholte, daß sie Muhammed anerkennen oder das Haupt verlieren müsse, antwortet sie, daß sie ebenso bereit fei, die Wahrheit ihres Glaubens mit dem Leben zu bekräftigen, als er, unschuldig Blut vergießen zu lasten. Von Bewunderung über ihre Schönheit und Glaubensfestigkeit durchdrungen, ließ der Sultan kein Mittel unversucht, sie von ihrem Entschluß abzubringen, und nachdem der Henker ihr einen Einschnitt in den Nacken gemacht hatte, frug er sie zum letzten Male, ob sie Allah anerkennen und leben wolle? Sie erwiderte mit fester Stimme: „Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist mein Gott; ich erkenne keinen anderen". Ihr Haupt wurde dann vom Rumpfe getrennt. Die zahlreichen Juden, die Zeugen des Auftritts waren, vergaßen in der Wut ihre gewöhnliche Behutsamkeit, sie stürzten sich auf die kaiserliche Leibwache, und obgleich mehrere von ihnen schwer verwundet wurden, gelang es ihnen, sich der Leiche des unglücklichen Mädchens zu bemächtigen, welche sie in der Nähe von Maquinez im Triumph begruben. Zulekiah wird seitdem von den Juden zu ihren Heiligen gezählt, und selbst die Mauren verehren sie als eine Märtyrerin, ein Beweis, daß der Mensch auch in seiner tiefsten Herabwürdigung ein für das Große und Edle nicht unempfängliches Herz besitzt. Herr Benjamin, ein wandernder „Evangelist", und Marv, seine Gattin, beide aus Kentucky gebürtig, durchwanderten das ganze amerikanische Festland, bald hier, bald dort in pastorlosen Kirchen oder in interessanten Versammlungen über eine „neue Offenbarung" predigend, und sie fanden eine kleine Herde bedrängter Seelen: die „Holy Rollers", d. h. „die Heiligen, die in den Stammrollen und Ranglisten des göttlichen Heeres verzeichnet sind". Eines Abends, als der „Prophet" wieder einmal in heiliger Verzückung war, verkündete er, der Herr fei ihm erschienen und habe ihm geoffenbart: „Ich werde im Jahre 1916 eine Sintflut machen. Dich und die Deinigen aber werde ich verschonen, weil Ihr gerecht seid". An diesem Tage wußte Benjamin, daß er der zweite Noab sei, und begann, sich danach zu richten. In einem Tal bei Benton Harbor. Michigan, richtete er eine Schiffswerft ein und begann, die neue Arche zu bauen. Ein Ungläubiger hätte sich einen Schiffbauplatz am Wasser ausgesucht, um sein Schiff ..lanzieren" zu können; der „Prophet" aber dachte logischer: Eine richtige Sintflut würde doch in kurzer Zeit den ganzen Staat Michigan unter Wasser setzen und die Arche auch im Tale flott machen. Und der Schiffbau nahm seinen Anfang. Nun sind aber die Angaben über den Archenbau. wie wir sie in der Genesis finden, recht summarisch: „Mache Dir eine Arche von Gopherbolz und theere sie innen und außen. Und Du sollst sie also machen: die Länge der Arche soll 300 Ellen sein, ihre Breite 50 Ellen und ihre Höhe 30 Ellen". Noah II. respektierte diese Angaben, führte jedoch Reuerungen und Verbesserungen ein, die unserer vorgeschrittenen Zeit entsprechen. Zuerst wollte er auf Deck eine Windmühle als Kraft- und Lichterzeuger aufstellen; „nach gründlicher Beratung mit dem Höchsten Wesen" gab er diesen Plan jedoch auf und kaufte einen Gasmotor. Da ferner Gopherholz in Michigan nicht zu finden ist, mußten Tanne und Eiche das durch Stahlträger gestützte Gerüst der Arche liefern. Benjamin's Archenbau schreitet nur langsam vorwärts; bis 1916 hat man aber noch viel Zeit. Was dem „Propheten" die größte Sorge macht, ist di Einrichtung der Menagerie. In einem in der Nähe der Werft angelegten Tierpark sind bis jetzt versammelt: zwei Affen, zwei Schweine, zwei Kakadus, ein Bär, etliche Frösche, zwei Füchse, ein Stier, eine Kuh, eine Stute und ein Hengst. Aber von da bis zu der in der Genesis geforderten vollständigen Sammlung: Vögel nach ihrer Art, vierfüßige Tiere nach ihrer Art u. s w., ist es noch weit. Es gibt in der ganzen Welt keinen Zoologische Garten, der sich schmeicheln könnte, nur ein Zehntel jener Sammlung zu besitzen, und es gibt Arten, die man sich überhaupt nicht verschaffen kann. Die „Stimme von oben" aber, die zn dem Gasmotor riet, löste auch diese Schwierigkeit. Das „Höchste Wesen" ließ wissen, daß es auf einige besonders große Bestien, als da sind: der Elefant, das Nashorn, der Eisbär u. f. w.. keinen besonderen'Wert mehr lege. Hatte Noah I. nicht auch das Mammut und die Dinosaurier draußen gelassen? Für die Familie der Schlangen wird in Benjamin's Arche auch kein Platz mehr sein, denn sie hat ihre Rolle ans Erden ausgespielt; auf besonderen Wunsch von Mistreß Mary, die sich gleichfalls mit dem „Höchsten Wesen" in Verbindung setzte, sollen noch ferngehalten werden: die Ratten, die Wanzen, die Läuse und andere unangenehme Tierchen. Abgesehen von diesen Ausnahmen muß Alles, was auf Erden herumwirtschaftet, in die Arch - hinein, um die große Flut von 19'6 abzuwarten. Und wenn durch cinen unglücklichen Zufall die angekündigte Sintflut sich nicht einstellen sollte, würde dem Propheten Benjamin, der dann natürlich „ipso facto“ seinen Prophetenruhm einbüßen würde, noch das Mittel bleiben, seine Menagerie und seine letzten Jünger, gleich Barnum dem Großen, durch die Welt spazieren zu führen. Königin Elisabeth von Rumänien und das Kaufmannstöchterch en. Das achtjährige Töchterchen des Nachoder Kaufmannes Herrn Leo Straß sandte an die Königin von Rumänien (Carmen Silva) aus ihrer Sparbüchse K 5.— für die dortigen Notleidenden und bat um eine Ansichtskarte. Gestern erhielt sie von der Königin eine eigenhändig geschriebene Karte, die das Bildnis der gekrönten Dichterin trägt und folgenden Inhalt hat: „Mein liebes Kind! Wenn ich etwas ganz Großes will, dann bitte ich den lieben Gott. Wenn ich aber von kleinen Leuten Hilfe haben will, — denn viel Wenig macht ein Viel! — dann sage ich's den Bergmännchen. Und die gehen bei Nacht und flüstern den Kindern zu: Helft, helft, helft! und wir wollen Euch froh machen! Und jedesmal helfen die Kleinen. — Gestern bekam ich die Nachricht, daß eine Mutter gestorben ist, die vier blinde Waisen zurückläßt! Ich laste sie sofort kommen, denn Hilfe kommt mir sicher. Ich hab's schon den Bergmännchen gesagt. Tausend Dank und Segen Dir. Elisabeth." Nachschrift der Redaktion: Das Kaufmannstöchterchen in Nachod hätte zweifellos barmherziger gehandelt, wenn es den Inhalt ihrer kleinen Sparbüchse den armen Judenkindern in Rumänien gespendet hätte, den armen Kindern jener Unglücklichen, die man unbarmherzig verfolgt, beraubt, mißhandelt und, wie der Minister Karp in der Kammer einmal ausdrücklich bestätigte, häufig genug iu der Donau ertränken läßt. Die Königin von Rumänien wendet sich an die öffentliche Mildtätigkeit, auch an die jüdische, um Spenden zugunsten eines Instituts für blinde „Landeskinder" in Rumänien. Ein unglückliches, blindes

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