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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-28 · 9 (28.2.1908) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 9 Vr. Blortz's Wochrnsttzrist. Seite 168 daß „in der ganzen ihm sehr wohlbekannten hebräischen Literatur nichts vorkomme, was auf die Blutbeschuldigung Hinweisen könnte" — und wiewohl es auch dem edlen Oberhaupte der Kirche, Papst Klemens XIII. (1758—1769) im Jahre 1760 gelang, an einem Falle in Wolhynien nachzuweisen, daß ein christlicher Bürger sein eigenes Kind mit Schnittwunden verletzt hatte, um die Juden mit diesem Verbrechen zu belasten! Leider verschmähte es auch ein gelehrter Schriftsteller unserer Zeit nicht, auf Grund falscher Angaben, die Lüge vom Osterblut wieder in die Welt zu schleudern. Von einem genauen Kenner des Talmud der^Lüge öffentlich^ geziehen, klagte er — um am Tage der Verhandlung seine Klage zurückzuziehen . . . Wiewohl die eigentlichen Gerichtsverhandlungen gegen den, wie erwähnt, körperlich und geistig unterwertigen Hilsner nicht mehr unter dem ausgesprochenen Gesichtswinkel des Ritualmordes, sondern jenem des gemeinen Mordes stattfanden, so erwies sich doch die vorausgegangene Fanatifierung und^Suggerierung kräftig genug, um ihn, der nicht im mindesten des einen Mordes überführt werden konnte, auch sofort des zweiten, jenes der am 17. Juli 1898 verschwundenen Marie Klima schuldig zu sprechen. — Analog den Hexenprozessen, zu welchen dieses ganze Verfahren ein würdiges Seitenstück abgibt, ist auch hier nicht ein einziger stichhältiger Beweis aufzufinden. Der Halsschnitt, die Blutleere, beides findet seine natürliche Erklärung, — nur nicht durch den Ritualmord und nicht durch Hilsner. Der einzige Kronzeuge war ein Landmann, der erst nach 4 Monaten sich darauf entsinnt, den Angeklagten in unmittelbarer Nähe des Tatortes umherstreichen gesehen zu haben und ihn auf die Entfernung von 676 m erkannt haben will. Nicht die geringste Blutspur weist auf Hilsner hin. Mit ähnlichen luftigen^Beweisgründen fanden sich seinerzeit die Hexenrichter ab. Auf diese Weise büßten in der grauenvollen Periode von 1400—1500 durchschnittlich etwa 1000 Personen per Jahr, darunter zahllose Kinder, unter ^furchtbaren Martern ihr Leben und Eigentum ein. vr. Erst im Jahre 1631 durfte der erleuchtete Priester Friedrich v. S p e e nach dem 200. Gang als Beichtvater der unglücklichen Hexen zum Scheiterhaufen die Behauptung öffentlich wagen, daß durch die Tortur jedes GeständnisL.erpreßt werden könne. Und doch blieb dieses Schanddenkmal menschlicher Roheit und Dummheit in unserer Strafprozeßordnung, bis es dem unvergeßlichen Sonnenfels unter der großen Kaiserin Maria Theresia und ihrem erhabenen Sohne gelang, uns im Jänner 1778 hievon zu befreien. Wohl keine Tortur, aber eine derartige Massensuggerierung ist im Prozeß Hilsner zu verzeichnen, daß auf die elementarste Forderung, der Verfolgung der wirklichen Mörder, fast ganz vergessen wurde. . . . Anders war es 1772, als in Doudleb (Böhmen) ebenfalls zu Ostern die Leichen eines Mädchens und eines Knaben gefunden wurde. Da gelang es dem energischen Einschreiten der Behörden, den Pöbel im Zaum zu halten, und in kurzer Zeit war der wirkliche Mörder, ein Wüstling namens Paul Kykla, gefaßt und der verdienten Strafe in Königgrätz zugeführt! Ueber die nun zu ergreifenden Maßnahmen, um der Menschlichkeit zum Durchbruch zu verhelfen, soll in einer Versammlung, welche durch ein großes ad twe-Komitee einberufen wird und in welcher Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Friedrich E l b o g e n das Referat führen wird, beraten werden. Diese findet Montag den 2. März, abends halb 8 Uhr, im Festsaal des Ingenieur- und Architektenvereines statt, zu welcher die Eintrittskarten, auch für Damen, unentgeltlich in nachstehenden Literatur-Instituten, bezw. Buchhandlungen aufliegen, und zwar in den Bibliotheken von Ludwig und Albert L a st, I., Kohlwarkt 7, Operngasse 14, Stubenring 20, Schottenring 6, Franz Joseph-Kai 17; ferner bei Gerold & C o., I., Stefansplatz 8; Hugo Heller, I., Bauernmarkt 3, und R. Löwit, I., Rothenthurmstraße 22. Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Erzherzogin Maria Dorothea. Zu dem in Nr. 2 der „Oesterr. Wochenschrift" erschienenen Artikel „Erzherzogin Maria Dorothea und Rabbiner Lazar Horowitz" wird uns mitgeteilt: Erzherzog Josef (Anton Johann), der am 13. Jänner 1847 verstorbene vorletzte Reichspalatin von Ungarn, war der achte von 15 Geschwistern, der sechste unter 11 Brüdern deS am 2. März 1835 verstorbenen Kaisers Franz. Die erste Frau des Palatins war die am 16. März 1801 verstorbene russische Großfürstin Alexandra Pawlowna, eine Tochter des Zars Paul also eine Bekennerin der griechisch-orientalischen Konfession; die zweite Frau war die am 14. September 1817 verstorbene Prinzessin Hermine von Schaumburg, eine Calvinerin; Erzherzogin Maria Dorothea, Louise, Wilhelmine, Karoline, eine herzoglich württembergische Prinzessin, geboren am 1. November 1797, die dem Palatin zu Kirchheim unter Teer am 24. August 1819 angetraut war, eine Lutheranerin. Von der Bewerbung des Palatins um die Hand dieser gelehrten und geistvollen Prinzessin findet sich (in einem 1834 — ich glaube in Sera — erschienenen Buche „Seufzer aus Oesterreich") eine köstliche — am 4. Dezember 1890 auch im Feuilleton des „Pester Lloyd" erzählte — Anekdote. Danach hätte Kaiser Franz dem Palatin Josef, als dieser seine Einwilligung zur Heirat verlangte, geantwortet: „Ich willige nicht nur gern ein, ich werde auch für ein langes Leben Deiner dritten Frau beten. Denn da Deine erste Frau griechischorthodox, die zweite eine Calvinerin war und die dritte eine Lutherische werden soll, so scheinst Du einer Ehe mit einer Katholikin so sorgsam aus dem Wege zu gehen, daß Dir, stürbe Dir auch die dritte Frau, nichts weiter übrig bleiben würde, als eine Jüdin zu heiraten. Darum will ich für ein lange- Leben Deiner dritten Gemalin beten." UebrigenS hat Palatin Erzherzog Josef in einem gewiffen restringierten Sinne de- Wortes schon in seiner dritten Frau eine Jüdin heimgeführt; denn Maria Dorothea war eine begeisterte Pflegerin und ward eine gründliche Kennerin der hebräischen Sprache. Der am 24. Juni 1826 verstorbene erste Pester Rabbiner Israel Wahrmann, dessen Söhne Dr. David, Josef und Juda, Mose- Kunitzer, der am 3. April 1857 verstorbene Pester Rabbiner Löw Schwab, Prediger Josef Bach, Moritz Rosenthal und vor wie nach seinem Abfalle vom Judentum Moritz Bloch-Ballagi hatten häufig die Ehre, zur Erzherzogin befohlen und dort iu bsbraieis konsultiert zu werden. Einbekanntermaßen kultivierte die hohe Frau Hebraica und Judaica, damit — wie sie spaßig bemerkte — schon sie und keine andere die prophezeite Jüdin des Palatins sei. Ein Nietzsche-Urteil. In der neuen, soeben zur Ausgabe gelangten „Wiener Zeitschrift für Musik " wird ein bisher unveröffentlichtes Manuskript Nietzsches, das Nietzsches Wirt von Silo-Maria dem bekannten Pianisten Moritz Rosenthal zum Geschenke gemacht, publiziert. Es enthält u. A. Aeußerungen Nietzsches über die Juden, die recht interessant sind, weshalb wir hier die betreffende Stelle zum Abdruck bringen. Nietzsche schreibt dort: „Die Tschandala sind obenauf; voran die Juden. Die Juden sind im unfichern Europa die stärkste Raffe, denn sie sind dem Rest durch die Länge ihrer Entwicklung überlegen. Ihre Organisation setzt ein reicheres Werden, eine gefährlichere Laufbahn, eine größere Zahl von Stufen voraus, als alle anderen Völker ausweisen können. Jude ist beinahe eine Formel für Ueberlegenheit. Eine Rasse wie sonst irgend ein organisches Gebilde kann nur wachsen oder zugrunde gehen; es gibt keinen Stillstand. Eine Raffe, die nicht zugrunde gegangen ist, ist eine Raffe, die in einemfolt gewachsen ist. Wachsen heißt vollkommen werden. Die Dauer im Dasein einer Rasse entscheidet mit Notwendigkeit über die Höhe ihrer Entwicklung: Die älteste muß die höchste sein. — Die Juden sind im unbedingten Sinne gescheut; einem Juden zu begegnen, kann eine Wohltat sein. Man ist übrigens nicht ungestraft gescheut; man hat damit leicht die anderen gegen sich. Aber der große Vorteil bleibt doch dem Gescheuten. — Ihre Gescheutheit hindert die Juden, auf unsere Weise närrisch zu werden: zum Beispiel national. ES scheint, sie sind ehemals zu gut geimpft worden, ein wenig blutig selbst, und dies unter allen Nationen: sie verfallen nicht leicht mehr unserer rabies, der rabies nationalis (nationaler Ueberhitzung). Sie find heute selbst ein Antidoton gegen diese letzte Krankheit der europäischen Vernunft. — Die Juden allein haben im modernen Europa an die sup» remste Form der Geistigkeit gestreift: das ist die geniale Buffouerie.

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