Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 8 (21.2.1908)
- Date
- 1908-02-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 152 sr. JäiocD s MscoensevriA. Nr. 8 Dr. Samuel Mühsam gedachte, dann dem neuen Rabbiner Handschlag und Gelöbnis abnahm und ihm Rabbinersitz und Kanzel anwies, worauf der Rabbiner die Antrittspredigt hielt. Die würdige Feier schloß mit einem Gebete für den Kaiser und die kaiserliche Familie sowie für die Würdenträger. Von Honoratioren waren in der Synagoge erschienen: Landeshauptmann Graf Attems, Korpskommandant FML Potiorek, Oberlandesgerichtspräsident Dr. R. v. Pitreich, Herrenhausmitglied Doktor Ignatz Graf Attems, Bürgermeister Dr. Franz Graf, Bürgermeisterstellvertreter Ertl, Oberstaatsanwalt Hofrat Amschl, Polizeidirektor Regierungsrat R. v. Weyda, Statthaltereirat Freiherr v. Camerlander, Statthaltereirat Edler v. Schickh, Regierungsrat Direktor Dr. Steinwenter, Hauptmann Kreipner in Vertretung des Platzkommandanten, Vikar Färber und viele andere Persönlichkeiten. Ihr Fernbleiben haben entschuldigt: Statthalter Graf Manfred Clary und Aldringen, Landespräsident von Kärnten Robert R. v. Hein, Landespräsident von Krain Theodor Freiherr v. Schwarz, Statthalterei-Vizepräsident Doktor Eugen Netoliczka, Hofrat der Statthalterei Dr. Karl König, Landesschulinspektor L. Lampel und viele andere. Von auswärts kamen zahlreiche Entschuldigungen und Gratulationen, u. a. von Oberrabbiner Dr. Güdemann, Rabbiner Dr. Grunw a l d, Wien, Rabbiner Dr. Brettholz, Triest, Oberrabbiner Stein, Tyrnau, Rabbiner Ehrlich K ö r m e n d, Rabbiner Dr. Ernst V a r a s d i n, Allgem. österr. - isr. Bund Wien, von den Kultusgemeinden: Wien, Prag, Triest, Baden, Wr.-Neustadt, Linz, Agram, Essegg, Steinamanger, Gr.-Kanizsa, Tyrnau, Innsbruck, Smichov. Abends wurde ein glänzendes Festbankett abgehalten. Den Reigen der Reden eröffnete Herr Präses Biller mit einem stürmisch akklamierten Toaste auf Seine Majestät den Kaiser, worauf noch viele Toaste auf den Rabbiner, sowie auf die verschiedenen Würdenträger der Kultus - gemeinde folgten. Tetschen. (Ein netter Stadtvertreter.) In der Nacht auf Dienstag wurde der in Kröglitz wohnhafte Ingenieur, Herr F., der Jude ist, von sechs Herren auf der Straße ohne jeden Grund angehalten und verhöhnt. Als ihn einer der Tapferen, der alldeutsche Stadtrat und Mitglied der Bezirksvertretung, Georg Tränka, am Arm faßte, verbat sich dies Herr F., worauf alle sechs mit Stöcken auf ihn einschlugen. Tränka schrie immer wieder: „Jüdischer L. . . bub, Saujud, jüdischer Frechling!" Schließlich rissen die sechs wieder aus, nachdem Herr F. eine blutige, von einem Stockhieb hirrührende Verletzung an der linken Wange erlitten hatte. Herr F. ersuchte einen vorbeikommenden Herrn um seine Zeugenschaft, die ihm dieser verweigerte. Das demokratische Blatt „Freie Stimme" in Bodenbach, dem wir diese Darstellung entnehmen, schließt mit folgenden Worten seinen Artikel: „Der feige Ueberfall des Tränka und Konsorten auf den Ingenieur F. kann mit Rücksicht auf Vorfälle der letzten Zeit nicht mehr als Einzelerscheinung betrachtet werden. Wir richten daher an alle Bürger, die nicht das Opfer ähnlicher Vorkommnisse werden wollen, die dringende Aufforderung, sich mit Revolvern zu bewaffnen. Sie werden so am besten in der Lage sein, Leuten, die gleich Strolchen friedliche Passanten zu nächtlicher Stunde überfallen, wirksam entgegenzutreten. Cine ungarische Nationalspende für einen jüdischen Dichter. Die ungarische Nation geht daran, eine Dankesschuld abzustatten an den größten ungarischen Dichter der Gegenwart, an den Juden Josef K i ß, über dessen vierzigjähriges Dichterjubiläum wir ausführlich berichtet haben. Ein aus den hervorragendsten Persönlichkeiten der ungarischen Gesellschaft bestehendes Komitee erließ einen Aufruf, dem wir die folgenden, die Bedeutung des Dichters treffend charakterisierenden Stellen entnehmen: „Zu allen jenen Ungarn sprechen wir, die wir von den Tausenden und Hunderttausenden auserlesen, denn' nur sie können uns verstehen und werden bereit sein, mit uns zu handeln. Sie sind bereit, Zeugenschaft abzulegen über die Zeit, die wir durchgelebt, und darüber, was wir in ihr geliebt, geschätzt und woran wir uns ergötzt haben. Wenn wir das Beste der dichterischen Schöpfungen der letzten Jahrzehnte in einen Kranz flechten, so werden die Schöpfungen Josef Kiß' mit unauslöschlichem Glanze in ihm erstrahlen. Und wenn wir in den Reihen derjenigen Umschau halten, die unsere literarischen Machthaber, unsere Korporationen und Institute mit der Pracht einer vergänglichen Unsterblichkeit bekleidet haben: den Namen und die Gestalt Josef Kiß' werden wir unter ihnen vergeblich suchen. Fata Libellorum, Fata Poetae! Sinnend werden spätere Generationen, sich noch immer an dem einen oder anderen herrlichen Gedichte Josef Kiß' begeisternd, vor diesem Rätsel stehen und werden seine Lösung nicht finden. Aber der Dichter singt nicht für Akademien, sondern für die Nation — und nicht durch Stimmenmehrheit wird man zum Dichter geweiht, sondern durch Gott, von dem die Weihe kommt. Wir aber wollen Zeugenschaft ablegen dafür, daß diese Generation verstanden und geschätzt hat einen ihrer gottbegnadetsten, weihevollsten Sänger: Josef Kiß. Wir geben ein Bnch heraus über Josef Kiß und von Josef Kiß. Wir bitten nun alle diejenigen, an die wir unseren Aufruf senden, uns hierin dadurch behilflich zu sein, daß sie das Buch bestellen und ihre Freunde, die wir nicht kennen, bewegen, an unserer edlen Arbeit teilzunehmen. Das Buch wird sowohl seiner äußeren Form wie auch seinem Inhalte nach so glanzvoll, denkwürdig und vollkommen sein, wie es bei unserer Liebe, dem heutigen Geiste unserer Literatur und unserer Buchdruckerkunst nur irgendwie möglich ist. Es wird der Rosen und der Dornen einer vierzigjährigen Dichterlaufbahn würdig sein, würdig unseres Vorhabens, würdig unseres Publikums und würdig des Anlasses, der es schuf. Das Buch über und von Josef Kiß wird Jedem, der es wird besitzen wollen, ein Andenken sein von dem Dichter und dem Dichter eine Belohnung sein von all Denen, die kommen werden, um auf den Pfad seines Lebensabends Blumen der Liebe, der Anerkennung und der Dankbarkeit zu streuen. Aus diesem Grunde setzen wir keinen Preis fest für „Das Buch", sondern bitten alle Diejenigen, an die wir uns mit diesem Aufrufe wenden, zu dieser Feier des vierzigjährigen Dichterjubiläums Josef Kiß' hundert Kronen beizutragen und in Tausch dafür das Buch als Andenken entgegenzunehmen. Das Redaktionskomitee besteht aus den hervorragenden Schriftstellern: Dr. Bernhard Alexander, Dr. Zsolt Beothy, Dr. Ludwig Brody, Dr. Franz Herczeg, Thomas Kobor, Max Markus, Koloman Mikszath, Ladislaus Neugebauer, Eugen Rakosi, Dr. Karl Sebestyen und Dr. Sigmund Singer. Das Protektorat über die ganze Aktion haben übernommen : Kultusminister Graf Albert Apponyi, Graf Ladislaus Batthiany, Minister des Innern Graf Julius Andrassy, Baron Desider Banffy, der Präsident des Magnatenhauses Gras Albin Csaky, Graf Aurel Dessewffy, Präsident des Abgeordnetenhauses Julius v. Justh, die Bankdirektoren Sigmund Kornfeld und Leo Lanczy, Koloman v. Szell und Ministerpräsident Dr. Alexander Weckerle. Luigi Lnzatti in Paris. Der berühmte italienische Staatsmann Luigi L u z a t t i war während der drei Wochen, die er jüngst in Paris verweilte, Gegenstand vielfacher Ehrungen und Auszeichnungen. Sein in der Akademie für politische und Formalwiffenschaft — dessen auswärtiges Mitglied Luzatti ist — gehaltener Vortrag hat auf den „Geldfrieden" großen Einfluß geübt. Im Lluses Loeiale wurde ihm bei einem vom Direktor des Instituts, M. M a h i l l i e u, gehaltenen Vortrage das Ehrenpräsidium übertragen, aus welchem Anlasse er einen vielbesprochenen Vortrag über die Wohlfahrtseinrichtungen in Italien hielt. Am Schluffe der Versammlung erfolgte die feierliche Ueberreichung der goldenen Medaille des Museums an den gefeierten Gast. Luzatti wurde vom Präsidenten der Republik in besonderer Audienz empfangen und sowohl der Minister des Aeußern, wie auch der Finanzminister veranstalteten ihm zu Ehren ein Fest-