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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-21 · 8 (21.2.1908) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
8 (21.2.1908)
Date
1908-02-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 8 Dr Llocb's WocbenscbrtN. Seite 153 bankett. Bei seiner Abreise aus Paris fanden sich zum Abschiede der italienische Botschafter, der Gouverneur der Bank von Frankreich, der Präsident der französisch-italienischen Liga mit zahlreichen Mitgliedern und eine große Anzahl hervorragender Mitglieder der Pariser italienischen Kolonie am Bahnhofe ein. Zum Königsmord in Lissabon. (Eine Trauerkuudgebung der englischen Jude n.) Aus London wird uns gemeldet: An demselben Tage, an welchem in der katholischen St. James-Kathedrale die Trauerfeier des offiziellen England stattgefunden hat, versammelte fich hier das Londoner Komitee der „vepnties of the British Jews" und faßte einstimmig folgende Resolution: „1. Die Versammlung wünscht ihrem Schrecken und ihrem Abscheu über die Ermordung des Königs und des Kronprinzen von Portugal Ausdruck zu geben und sowohl dem König Manuel und der Königin Amalia, sowie auch der portugiesischen Nation ihre Sympathie und aufrichtige Teilnahme an dem schrecklichen Verluste auszusprechen. 2. Wird beschlossen, dem König Manuel und der Königin Amalia entsprechende Kondolenzadressen zu übermitteln und die „Anglo Jewish Association" auszufordern, fich dieser Kundgebung anzuschließen." Es ist dies nicht die erste Sympathiekundgebung, welche englische Juden dem Herrscherhause von Portugal entgegengebracht haben. Als vor drei Jahren der eben ermordete König Don Carlos in London zu Gaste war, da überreichte ihm eine Abordnung der Londoner spanischen und portugiesischen Juden eine Begrüßungsadresse. In dieser Adresse drückten die Unterzeichner dem König den Dank aus für die liberale Behandlung der Juden in Portugal. Und diese Erklärung entspricht auch vollkommen den Tatsachen. Die gegenwärtig noch spärliche jüdische Bevölkerung — es gab deren im Jahre 1903 bloß 500 in ganz Portugal — ist wohl der katholischen Staatsreligion nicht vollkommen gleichgestellt, aber die Ausnahmestellung, welche sie mit den protestantischen Kirchen teilt, ist nicht ernster Natur. Die jüdische Gemeinde steht bei der übrigen Bevölkerung in höchstem Ansehen und wird von der portugiesischen Regierung in jeder Beziehung gefördert. In der Tat haben die portugiesischen Behörden Spanien ein nachahmenswertes Beispiel geliefert durch die Tatsache, daß sie den Juden den öffentlichen, gemeinsamen Gottesdienst freigaben, während den spanischen Juden selbst dieses elementarste Menschenrecht nach wie vor verweigert wird. Vor drei Jahren wurde in Lissabon eine Synagoge eröffnet, die erste Synagoge, die seit der Vertreibung der Juden aus Portugal in London errichtet wurde, und es waren hauptsächlich englische Juden, die zu dem Baufonds in munifizenter Weise beigesteuert haben. Eröffnung der höheren Kurse für die jüdische Wiffenfchaft. Unter großer Feierlichkeit wurde vorige Woche in Petersburg die Eröffnung der vom Baron David G i n z b u r g ins Leben gerufenen „Höheren Kurse für die jüdische Wissenschaft" vorgenommen. Die Eröffnungsrede hielt Baron Ginzburg in russischer Sprache. Ein Hörer der Kurse hielt eine hebräische Dankesrede an den Gründer der Anstalt, in deren Rahmen er einen Ueberblick über die kulturelle Entwicklung der Juden seit der Begründung der Schule in Jabneh bis heute lieferte. Der bekannte Gelehrte und Politiker S. Dubnow sprach in seiner Rede die Ueberzeugung aus, daß die Kurse zur Vertiefung der jüdischen Wissenschaft und hierdurch zur Erstarkung des Selbstbewußtseins des Volkes beitragen werden. Darin liege auch der Hauptwert jeder Kultur. Es sprachen noch hebräisch Rabbiner Dr. Kotzenellenbogen und Schloßberg. Zum Schluffe hielt der bekannte jüdische Bildhauer A. Ginzburg einen Vortrag über die Bedeutung der Kunst im jüdischen Leben. Am anderen Tage wurde mit den Vorlesungen begonnen. Der Zar als Schützer der Pogromhelden. Ein Kaiserwort. Die lange Reihe der Begnadigungen der Verbrecher vom Verbände des russischen Volkes vermehrt fich durch die neuerdings erfolgte Begnadigung der Unholde, welche im Oktober 1905 den Pogrom in Tschernigow veranstaltet haben und im vergangenen Jahre vom Gericht zum Verlust aller bürgerlichen Rechte und einigen Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden waren. Die große Zahl der Begnadigungen war bereits ein Beweis dafür, daß man es hier mit einem System — der Ermutigung der Räuber und Mörder — zu tun f)at, die man als Bundesgenossen im Kampfe gegen die Revolution willkommen heißt. Nun erfährt die „Ruff. Korr.", daß der Zar in einer Audienz, die er dem Grafen Konownitzyn, dem Odessaer Führer des Verbandes echt russischer Leute, gewährte, offen die Versicherung abgegeben hat, daß er keine von den Personen, die wegen der Pogrome verurteilt worden find, eine Strafe erleiden lassen werde. — Es ist wahr, erwiderte der Monarch auf die Klagen Konownitzyns, daß die Gerichte oft formell Vorgehen und die Angeklagten verurteilen müffen. Ich gebe Ihnen aber mein Kaiserwort darauf, daß den Verurteilten die Strafe erlassen werden wird. Die Straflosigkeit ist auch wirklich für diese Verbrecher allgemein geworden. Die Angeklagten im Prozeß wegen des Pogroms in Orscha riefen den Richtern zu: „Verurteilt uns, so viel ihr wollt. — Wir haben unseren Beschützer — den Kaiser." Neue jüdische Kolonien in Kalifornien. Die „Jewish Agriculturists Aid Society of America“ (Gesellschaft zur Förderung des Ackerbaues unter den Juden in Amerika) hat eine neue Aktion zur Förderung des Ackerbaues unter den Juden eingeleitet. Sie kaufte in Süd-Kalifornien ein großes Stück Land, welches sie durch Juden besetzen will. Das Land liegt zwischen zwei großen Eisenbahnlinien, der Santa-Ftz. und der südlichen Pacific-Bahn, was seinen Wert jedenfalls steigert. Wie die Leitung der Gesellschaft in einem Kommunique versichert, ist der angekaufte Boden sehr fruchtbar und eignet fich sowohl zur Züchtung aller Südfrüchte, wie verschiedener Gemüse und Obstkultur. Ebenso gibt es da genügendes Weidefeld für das Vieh. Eine arbeitsame Familie kann eine Farm von 5 Acres innerhalb 3 — 4 Jahren abzahlen und fich einen Wohlstand sichern. Die Gesellschaft hat die Absicht, von den Bewerbern nur die zur Bewirtschaftung einer Farm körperlich geeigneten zu berücksichtigen und sie in Truppen von 10 bis 40 Familien anzufiedeln. Die Aktion ist wohl eine philantropische, doch soll sie auf rein gesellschaftlicher Basis durchgeführt werden. Die künftigen Farmer müssen sukzessive alles bezahlen. Mit den Befiedlungs- und Einführungsarbeiten wurde ein Herr Dr. Lewy betraut, der auf eine 20jährige Erfahrung in der Gründung jüdischer Farmer-Kolonien zurückblickt. vermischtes. Kranzablösuugsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstetteugaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich deS Ablebens des sel. Sigmund Jaray: Von Philipp Schwarz L 20.-, S. Krüll u. Komp. 20.—, Fam. Levisson 20.—, Felix von Pollack 50.—, Familie Brand 20.—, Ernst und Martha Hirsch K 20.—. Zusammen K 150.—. Anläßlich des Ablebens des sel. M e n d e l P o r d e s: Bon Verein jüdischer Fleischhauer K 20.—, Gottlieb Hermann 5.—, Richard Pick 10.—, ©amuel Metzger 10.—, Joachim Rittermann 10.—, Sigmund Kornmehl K 5.—. Zusammen K 60.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Sigmund Jaray: Bon Gustav Epstein. Berlin K 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Moritz Hercrka: Von kais. Rat S. Landau und Frau K 30.—, Jacques und Rudi Hahn 20.—, Ernestine Morgenstern 20.—, Direktor Grille, Zwickau 2u.—, A. M. Hertzka 10.—, Reg -Rat Dr. Adolf Bachrach K 20.—. Zusam. K 120.—.

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