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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-21 · 8 (21.2.1908) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
8 (21.2.1908)
Date
1908-02-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 8 Dr. Lloeb's Moebenscvrm. Äeite 151 gesprochenen Wunsch äußerten, daß unsere Reichen aus diesem schnöden Verhalten der Antisemiten endlich einmal die richtige und auch eines unabhängigen, von Ehrgefühl erfüllten Juden würdige Lehre ziehen möchten. Leider scheint im Hause Rothschild in jüngster Zeit eine solche Lehre nicht verfangen zu wollen, denn sonst wäre ich heute nicht in der peinlichen Lage, Ihnen von einem Vorfälle zu berichten, der sich fast zur selben Zeit zutrug, als die schändliche Notiz in der „Reichspost" erschienen ist und durch Ihr geschätztes Blatt entsprechend angenagelt wurde. Wie aus den Tagesblättern bekannt, wurde hier am Anfänge dieses Monates ein „Luftiger Wiener Sonntag zu Gunsten der katholischen Presse", d. h. also zu Gunsten der vom Piusverein gegründeten, antisemitischen Zeitungen, zu denen auch die „Reichshoft" gehört, veranstaltet. Man sollte es wohl als selbstverständlich ansehen, daß ein Jude bei einer solchen Veranstaltung absolut nichts zu suchen, geschweige denn, daß sie von einem Juden gefördert zu werden habe. Im Palais Rothschild war man anderer Anschauung. Baron Louis de R o t h s ch i l d hat es mit seiner exponierten Stellung und seinem Judentum für vereinbar gehalten, dem großen Arrangierungskomitee dieser Veranstaltung „zu Gunsten der katholischen Presse" seinen Namen und auch sein Geld zur Verfügung zu stellen. Und der Dank der Antisemiten an Rothschild blieb auch »icht aus. Prompt erschien in Nr. 11 des „Kikeriki" vom 6. Februar die echt antisemitische Quittung. Auf Seite 3 der erwähnten Nummer des „Kikeriki" ist ein Bild abgedruckt, das den schmeichelhaften Titel „Der Tanz ums goldene Kalb" trägt. Man sieht das Medaillonbild des Baron Louis Rothschild, um welches die Säulen des Piusvereines. Graf F. Vetter, Gräfin Welsersheimb, Gräfin I. Bellez a r d e, Graf A. Pallavicini, Gräfin M. Bellegarde und der junge Graf Goluchowski, in lustigen Reigen tanzen. Und unter diesem famosen Gruppenbild ist fettgedruckt der folgende Text zu lesen: „Einer der hervorragendsten Arrangeure des -Luftigen Wiener Sonntags für die katholische Presse war — Baron Louis Rothschild." Die Sache hat in den weitesten jüdischen Kreisen sehr peinlich berührt. Das Lemberger „Jüdische Tagblatt" behandelt in seiner Nummer 34 vom 16. Februar diese Selbsterniedrigung in einer „Hep-Hep Rothschild" betitelten längeren Wiener Korrespondenz mit jenem köstlichen Humor, der den östlichen Juden auch dann nicht abgeht, wenn ihm das Weinen näher ist als das Lachen. Es ist nicht zu leugnen, der Faustschlag sitzt und tut weh. Jeder Jude wird ihn schmerzlich empfinden. Es wäre nur zu wünschen, daß Herr Baron Rothschild für solche antisemitische Liebkosungen auch einmal empfindlich werde . . . Hochachtungsvoll Dr. Vericundus. Wien, den 17. Februar 1908. Jubiläum des Gemeinde-Tempels, 2. Bezirk, Tempelgasse. Heuer im Sommer werden es 50 Jahre, daß der Kultusgerneinde-Tempel in der Tempelgasse eingeweiht wurde, und wie man hört, werden große Festlichkeiten zum Jubiläum geplant, der Festtag soll höchst solenn begangen werden. Vom Vorstande der damaligen Zeit, den Predigern, Rabbinern, Oberkantoren, Kantoren, Religionslehrern, sind die meisten in die Ewigkeit eingegangen. Von den Chorsängern, die damals als Chorknaben mitgewirkt und das Jubiläum mitbegehen, seien hier genannt: Herr Julius Hermann, gegenwärtig Chordirigent desselben Tempels, Herr Leopold Libesny, Beamter, damals Solosopran, Herr Emil Frankel, Religionsprofessor, damals Soloaltist, Herr Alois Stwertka, Musiker, Herr Ignatz Schwarz, Beamter, Herr Heinrich Zwinger, Kantor a. D. Sowohl die Schlußsteinlegung mit einem Steine vom Berge „Zion", als auch die Einweihung waren geradezu unvergleichlich. Der Stadtchor, der Leopoldstädter Chor, des Gesangverein „Zwn" sangen mit Begleitung des Hofopernorchesters und einer Orgel! Der damals 25jährige Adolf Goldstein, dann Kantor Adolf Fischer, Kantor Motzen, die Opernsänger Radwaner, Robitschek, Angelo Neumann, Engel (vor Kurzem in Berlin gestorben) sangen mit. Die Chöre dirigierte Solobasfist und Chorregent Karl Frankel; das Orchester Julius Snlzer! Die herrlichen Mufikpiöcen komponierte Salomon Snlzer, Julius Snlzer instrumentierte dieselben. Als der berühmte Harfenvirtuose der Hofoper, Professor Zamarra spielte, erinnerte man sich an den heiligen Tempel in Jerusalem! Giaeeomo Meyerbeer, der bei der Einweihung anwesend war. sagte dem Vorstande: „Das macht niemand eurem Snlzer nach!" Eigentümlich ist es, daß diese unvergleichlichen Pwcen, diese Perlen, die doch im Schir Zion II. Teil enthalten sind, n i e mehr in Wien gehört wurden. Hoffentlich wird Herr Professor Joseph Snlzer beim Jubelfeste dieselben benützen. Psalm 118, Vers 2l bis 24, Nr. 1^9, Nr. 141, Nr. 142, Nr. 389. Bei der Einweihung war der Einzug mit den heiligen Thorarollen bei Fackelbeleuchtung unsagbar feierlich. Kinder streuten Blumen, dann kamen die Ebrenkommissäre aus den vornehmsten Familien. Leiter Herr v. Götsch (Brandeis-Weikersheim', dann S. Snlzer rezitierend mit ihm Mannheimer u. Jellinek, dann das Rabbinat, Leiter Rabbiner Horwitz und Chacham Rüben Barnch. Der Tempelvorstand. Leiter: Herr Albert Strauß und Gustav Simon. Die Vertreter. Leiter: Herr Sal. Josef Wertheimer und Baron I. Königswarter und Jacques Brandeis. Zum Schluffe der türkisch-sephardsche Vorstand. Mannheimer w i e immer unvergleichlich, er nahm in seiner Ursprünglichkeit die Thora an die Brust und rief, wir sind wie Jakob zu einem Zwielager Machanajim geworden, zwei Gotteshäuser! Begeistert sagte er: Die Herrlichkeit des zweiten ist größer wie die des ersten Tempels, die Bundeslade ist uns noch nicht verloren geaangen. wir tragen sie im Herzen! Er zeigte auf die beiden Bundestafeln, wies darauf hin, daß sie vom Berge Moriah stammen, er bat, die Schechina möge sich herablassen, und schloß seinen Segen, wenn ein Fremder, ein Nichtisraelite, in dieses Haus kommt und betet zu Dir, so erhöre ihn, so hat König Salomo gebetet! Prediger De. Adolf Jellinek hatte bei der Einweihung nicht den gewünschten Erfolg. Als später aber die Rede im Drucke erschien, war alles begeift.'rt über den Inhalt!! Dr. Eduard Hanslick sagte damals von Snlzer nnd Mannheimer, wie Snlzer singt, predigt Mannheimer, der gleiche Impuls, Wärme, Begeisterung, Inspiration! Emil Frankel, Religionsprofessor. Graz. Sonntag der 16. Februar a. c. war in unserer Kultusgemeinde ein doppelter Festtag. Am Vormittag wurde seitens der Gemeindevertretung und aller konfessionellen Vereine unser Präses Herr Bernhard Biller aus Anlaß der Absolvierung seiner ununterbrochenen zehnjährigen Amtstätigkeit gefeiert. Herr Präses Bernhard Biller wurde vom Präsesstellvertreter Herrn David Stern abgeholt und in den Sitzungssaal geleitet, wo bereits der Kultusrat, sowie die Vertretungen der verschiedenen Vereine versammelt waren. Der Präsesstellvertreter hielt an den Präses eine schwungvolle Ansprache, in welcher er dessen Verdienste gedachte und welche mit einem dreifachen Hoch auf den Gefeierten endete. Hierauf wurde das vom Kultusrate gewidmete Oelporträt des Präses enthüllt: daran schloffen sich Ansprachen an den Gefeierten seitens aller Vereine sowie der Beamtenschaft, welche der Präses einzeln erwiderte. Nachmittag fand die Jnstallationsfeier des neugewählten Rabbiners, Herrn Dozenten Dr. David Herzog, statt. Mit dem 1 Uhr-Eilzug traf derselbe hier ein und wurde am Bahnhof vom Präsidium der Kultusgemeinde und der Chewra-Kadischa erwartet. Im Wartesaale I. Klasse, den der Stationschef bereitwilligst zur Verfügung stellte, begrüßte Präses Biller den Herrn Rabbiner mit einigen Worten, worauf die Versammelten in langer Wagenreihe in die Stadt fuhren. Um 3 Uhr wurde der Herr Rabbiner vom Präsesstellvertreter Herrn David Stern, die Frau Rabbiner von Frau Lang zur Fahrt in den Sitzungssaal abgeholt, wo sich bereits der Kultusrat mit dem Präses, ferner die Vorstände der Chewra-Kadischa, des Frauenvereins. des Vereins Matnoth-Anijim, des akademischen Vereins Charitas, des Vereins Zion, des jüdischen Turnvereins, sowie Deputationen aus Klagenfurt, Judenburg, Leoben und Csakaturn versammelt hatten. Herr Präses Biller hielt hier an den Herrn Rabbiner eine längere Ansprache, desgleichen die Vertreter der Vereine und Deputationen, worauf der Herr Rabbiner jedem Einzelnen kurz erwiderte. Sodann begaben sich die Versammelten in geordnetem Zuge in die bis auf das letzte Plätzchen dicht besetzte Synagoge. Präses und Präsesstellvertreter sowie der Rabbiner betraten das Almemor, wo elfterer neuerdings an den Herrn Rabbiner eine Ansprache hielt, in welcher er vorerst des Heimgegangenen Rabbiners

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