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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-21 · 8 (21.2.1908) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
8 (21.2.1908)
Date
1908-02-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8 Vr. Moch!s WochrnMrM »Me 147 gehalten hat. Eliot erwähnte, fccf ^«4 jüdische Volk nahezu 2000 Jahre unter der schrecklichsten Verfolgung gelitten habe und fast jeder Freiheit beraubt gewesen sei, mit Ausnahme der Freiheit, zu denken und zu hoffen. Aber in Amerika hätten die Juden endlich volle Freiheit, Physische wie intellektuelle, gefunden. An der Havard-Universität seien die jüdischen Studenten sehr gern gesehen. „Es herrscht," sagt er, „an dieser Universität nicht ein Atom Antisemitismus, wie man ihn heutzutage etwa an den meisten deutschen Universitäten finden kann. Einige der ausgezeichnetsten Mitglieder des Dozentenkollegiums find Juden, entweder nach der Abstammung oder nach ihrer Zugehörigkeit. Ich schätze sie hoch. Einige meiner besten Freunde find Juden." Im Laufe seiner Rede erwähnte der Präsident, daß er das vollendetste Familienleben bei Juden gesehen habe, und wies darauf hin, daß, wenn ein jüdischer Schüler erkranke, sofort Jemand ihn besuche, was bei den christlichen Familien nicht entfernt zutreffe. Deutschen Antisemiten wird es sonderbar Vorkommen, daß der Redner die jüdische Arbeitsamkeit als eine besondere jüdische Tugend hervorhob. Zum Schluß erteilte Präsident Eliot den jüdischen Studenten den Rat, sich mehr dem Sport und den Uebungen im Freien zu widmen. Die Juden hätten Jahrhunderte hindurch keine Waffen tragen dürfen, und sie seien darum jetzt kein kriegerisches Volk, obgleich sie es vor Tausenden von Jahren in hohem Maße gewesen find. Nichts an ihnen hindere, daß sie wieder ein kriegerisches Volk würden. Sie sollten sich also auch physisch mehr zu betätigen suchen, wodurch sie die Achtung der anderen Völkerschaften, in deren Mitte sie wohnen, besonders der teutonischen und keltischen, gewinnen würden. _ Juden auf dem Schlachtfeld. Der jüdische Soldat Samuel Glanz hat den russischjapanischen Krieg mitgemacht. Sein Regiment war während der ganzen Belagerungszeit in Port-Arthur. Bei dem Gefechte auf dem Berge Daguschan wurde Glanz schwer verwundet und wurde für seine besondere Tapferkeit mit der Georgsmedaille und mit dem Avancement zum — „Gefreiten" belohnt. Nach Beendigung des Krieges kam Glanz nach Moskau, wo er eine dauernde Stelle erhalten hatte. Der Moskauer Generalgouverneur hatte jedoch den im Kriege verwundeten, dekorierten „Gefreiten" Glanz aus Moskau ausgewiesen, weil er dort als Jude kein Wohnrecht habe. In der Begründung des Ausweisungsbeschlusses wurde betont, daß laut dem Ukas vom 11. August 1904 die jüdischen Soldaten, die sich während des russisch-japanischen Krieges ausgezeichnet haben, dieselben Rechte genießen, wie die sogenannten Nikolajewer Soldaten; diesen ist jedoch das Wohnen in Moskau untersagt, daher habe auch Glanz kein Wohnrecht in Moskau. Da der Rechtsanwalt des Glanz mit Recht annahm, daß eine Berufung an den Senat zwecklos wäre, wendete er sich mit einem Bittgesuch an den Zaren und dieser gestattete im Gnadenwege, daß der tapfere, ausgezeichnete Soldat Samuel Glanz ausnahmsweise in Moskau wohne. Das mosaische Gesetz in der englischen Gesetzgebung. Unter diesem Titel hielt der Berliner Professor Doktor Liebermann in London als Gast der dortigen jüdischhistorischen Gesellschaft einen äußerst interessanten Vortrag, dem wir die folgenden Stellen entnehmen: König Alfred, der am Ende deS neunten Jahrhunderts regierte, war nicht nur bestrebt, sein Volk vor dem äußeren Feinde und den Verbrechern im Innern zu schützen, sondern auch das Niveau der englischen Kultur zu heben. Als wichtigstes Mittel zur Erreichung dieses erschien ihm eine gute Gesetzgebung. Das Gesetzbuch, das er im Jahre 899 geschaffen, enthielt eine Uebersetzung der zehn Gebote und die hierauf folgenden zwei Kapitel des zweiten Buches Mosis. Die Uebersetzung wurde mit Hilfe eigens hiezu berufener Gelehrten b»- werkstelligt. Der Text, der für diesen Zweck benützt wurde, war wahrscheinlich einer Version der lateinischen Vulgate entnommen und weist manche Abweichungen vom hebräischen Originaltexte auf. König Alfred hat sicherlich die direkte Absicht gehabt, das mosaische Gesetz bei seinem Volke einzuführen, da ja die Gesetzgebung der früheren Periode durch eine Oligarchie des angelsächsischen Adels beeinflußt wurde und sogenante Gesetzesreformen in Wirklichkeit nichts anderes waren als eine Neuausgabe der alten Gesetze. Das Gesetzbuch König Alfreds hatte vielmehr den Zweck, als Handbuch für Richter und Beisitzer zu dienen, um auf diese Weife die Handhabung der englischen Gesetze durch den Geist der biblischen Gesetzgebung zu beeinflussen. Der Zweck, den König Alfred durch die Benützung des mosaischen Gesetzes erreichen wollte, war teils ein ethischer, teils ein politischer. Professor Liebermann wies dann an einer ganzen Reihe von Beispielen nach, wie sehr die ganze englische Gesetzgebung von der mosaischen beeinflußt wurde. Aber indem König Alfred das mosaische Gesetz zur Richtschnur seiner eigenen Gesetzgebung machte, trug er auch viel dazu bei, der Bibel und ihrem Geiste im englischen Volke jenen fruchtbaren Boden zu sichern, der er seither auch immer geblieben ist. Arme Täuflinge! Herr F. B. Batovec gibt alljährlich einen tschechischen politischen Kalender heraus, ein ziemlich umfangreiches Buch, das viel des Wissenswerten und Interessanten bringt. Man kann kühn behaupten, daß Herrn B a r t o v e c' Buch eine viel gesündere Kost enthält als die meisten Kalender. Den heurigen hat Herr Jur.-Dr. Michael N a v r a t i l um einen Almanach der tschechischen Nation bereichert, in dem auch alle Männer, die sich ans dem Gebiete der Künste und Wissenschaften rc. hervorgetan und der Nation zum Ruhme gereichen, namentlich angeführt werden. Auf Seite 315 und 316 finden wir unter der Rubrik „Tschechische (hervorragende) Juden" nebst anderen angeführt: Ignatz Schick, Redakteur der „Politik" in Prag, Protestant. Jur.-Dr. Adolf Stransky, Advokat und Zeitungsherausgeber, Landtags- und Reichsratsabgeordneter in Brünn, getauft. Jur.-Dr. Moritz Schidlof, Bürgermeister in Wlaschim, getauft. _____ Der neue Großrabbiner von Frankreich. Aus Paris wird uns berichtet: Hier wurde die Wahl des Nachfolgers des vor zwei Jahren verstorbenen Großrabbiners von Frankreich, Zadoc Kahn, vorgenommen. Kandidaten waren die Großrabbiner mehrerer großer französischer Städte. Als Vorsitzender des Skrutiniums fungierte der Präsident des Konfist oriums BaronEdmondRothschild. NachdreimaligemWahlgange erlangte der Lyoner Großrabbiner Alfred L e v y die Majorität. Der neue Großrabbiner Frankreichs ist 1840 in Luneville geboren und hat zahlreiche Monographien, darunter eine Geschichte des französischen Judentums, publiziert. Achad-Ha'arn Der bekannte hebräische Schriftsteller U. Ginzberg auS Odessa, der unter dem Namen Achad-Ha'am (Einer aus dem Volke) auch eine Reihe feinsinniger philosophischer Essays geschrieben hat, von denen der Jüdische Verlag unter dem Titel „Am Scheidewege" einige in deutscher Uebersetzung herausgegeben hat, weilt gegenwärtig in London. Am 7. Februar fand in London ein von Jewish Workingmen-Club veranstaltetes Meeting statt, wo der berühmte Schriftsteller zum ersten Male zu seinen Verehrern im Londoner Ghetto gesprochen hat. Eine Resolution wurde angenommen, nach der in allen Teilen der Welt, wo Juden wohnen, für die Wiederaufnahme und den Gebrauch der reinen hebräischen Sprache gewirkt werden soll. Anthropologische Untersuchung der palästinischen Inden. Die Rudols-Birchow-Stiftung in Berlin hat Herrn Dr. S. Weißenberger in Elisabethgrad, dem unseren Lesern durch mehrfache Beiträge in dieser Zeitung bekannten Anthropologen,

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