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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-21 · 8 (21.2.1908) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
8 (21.2.1908)
Date
1908-02-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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®fitteH48 Dr. Moch*» WmtzsnlcheM» Nr. 8 viel jüdische Studenten jahrelang das größte Elend^tragen? (Sie müssen auf der Universität b sagen, wenn sie auf dem Gymnasium a gesagt haben, denn beim Staat kommen sie mit ihrer Matura niemals als Beamte an.) Mau frage, wie viel verzweifelte, alte Ehepaare vergebens beten und bitten, mau möge sie vor dem schrecklichen Elend schützen. Wie viel Kranke — aber man würde gar nicht fertig mit Fragen, wenn man erfahren wollte, wo und wieviel es unserer Wohltätigkeit noch fehlt. Die helfen könnten, sind durchaus nicht neugierig und wenig willens, einzugreifen, wenn es sich um Juden handelt. Bei ihnen lebt noch eine veraltete Ueberlieferung der utraquistifchen, der konfessionslosen Wohltätigkeit. Man darf sie darum nicht verdächtigen, darf nicht glauben, daß sie bei der philanthropischen Betätigung kein jüdisches Bekenntnis ablegen wollen. Dem Edelsinn eines Juden liegt es wirklich ferne, der Armut gegenüber politische Unterschiede zu machen. Auch Edelsinn kann aber zum Unsinn werden, wenn sein Zweck in keiner Weise erreicht wird. Das ist der Fall, wenn eine der nun schon berühmten oder berüchtigten Stiftungen ohne Unterschied der Konfession errichtet wird. Sodom und Gomorrha sollen nicht zerstört werden auch um fünf Gerechter willen. Hat es sich aber auch nur ein einziges Mal ereignet, daß ein von Juden für Jud und Christ errichteter Hilfsfond den Juden auch zugänglich blieb? Und wenn wir schon auf das Geld verzichten, hat die jüdische Großmut wenigstens einen moralischen Effekt? Baron Rothschild hat für eine Nervenheilanstalt 20 Millwnen Kronen testiert. Die antisemitische Presse hat den schönen Anlaß benützt, um ihren Leuten zu zeigen, wie viel Geld die Juden haben, und veröffentlicht jetzt die Proieste aller Wiener Bezirke, in denen Baugründe in Betracht kommen, gegen die Errichtung der „jüdischen" Heilanstalt. Die Edle von Wertheimstein hat der Gemeinde ein Mlllionenvermögeu hinterlassen; die entlassenen jüdischen Beamten der übernommenen Elektrizitäts-Gesellschaft mögen ihr die Antwort darauf sagen. Ignaz Singer hat ein großes Stipendium für Lehrer errichtet; seit einem Jahrzehnt bekommt das Stipendium nickt einmal ein liberaler Lehrer, geschweige denn ein jüdischer. Carmen Sylva benützt jetzt die jüdische Presse zugunsten ihrer Blindenanstalt und appelliert mit ausdrücklichen Worten an. die Großherzigkeit der Juden; vor zwei Jahren benützte sie die antisemitische Presse zu publizistischen Feldzügen gegen die Juden ihres Landes. An der Universität, in der Verwaltung der Gemeinde befindet sich eine stattliche Anzahl von liberalen Stiftungen, die nur Antisemiten Zufällen. So stärken die Juden auf Umwegen ihre erbitterten Feinde, so wird der Widersinn zur Tatsache, daß durch jüdisches Geld die jüdische Armut vergrößert wird. Diese wächst und niemand sorgt für sie als die Juden. Wir brauchen wirklich jeden Heller, um die Schädigungen durch den Antisemitismus wenigstens zum Teile bezahlen zu können. Sollen wir zum Entgelte für diese die Kraft unserer Verfolger vergrößern? Wir können nichts dafür, daß wir egoistisch werden mußten. Mit vollem Herzen und mit vollen Händen sind wir dankerfüllt unter die Völker getreten, die uns ein paar schöne Augenblicke lang Brüder geheißen haben. Nun sie uns aus einer Laune des Haffes unermüdlich mit gieriger Feindschaft bekämpfen, dürfen wir nicht noch Taten begehen, die sie als eine Dummheit verhöhnen und verlachen, die ein Verbrechen wären gegen uns selbst. Die Regierungen des Staates haben es zugelassen, daß wir Juden durch die Wühlarbeit infamer Hetzer vereinsamt und verfehmt für uns selber sorgen müssen, die Regierung muß uns verzeihen, wenn wir gegen unseren Willen und unsere Gewohnheit, von den Verhältnissen gezwungen, unseren Zehent denjenigen widmen, die ausschließlich auf uns angewiesen sind Die ututu Generationen. Prag, am IO. Februar 1908. Um das Laudtagsmandat nach dem verstorbenen Doktor Emanuel Engel, dem bekannten, verdienstvollen Präsidenten des jungtschechischen Reichsrats- und Landtags-Abgeordneten- Klubs, bewerben sich im Städtebezirke B e n e s ch a u— Schwarz-Kostele c—E u l e zwei Kandidaten, und zwar der tüchtige' National-Oekonom Jur.-Dr. Wenzel S ch u st e r, II. Handelskammer-Sekretär und Direktor des Technologischen Museums in Prag und Jur.-Dr. Franz V e s e l y, Advokat in Beneschau, einer der besten, sowohl scharfsinnigsten, als auch charaktervollsten Vertreter der Masaryl'schen Realistenpartei i» Böhmen. Jur.-Dr. Wenzel Schuster ist den Lesern der „Wochenschrift" wohlbekannt. Seine äußerst sympathische, stets gerechte und persönlich vornehm gewinnende Behandlung der Judenfrage in Böhmen dokumentierten seine hier veröffentlichten Kommentare zu Werner Sombarts*) Artikeln: „Ueber die Bedeutung des jüdischen Elementes für die moderne wirtschaftliche Entwicklung aus der tschechischen „Rational-ökonomischen Revue" (Mai 1904), welche einer der berufensten Lehrer der Wiener Universität dahin beurteilte, daß sie „zu dem Besten gehören, was er bisher von einem Schüler des unvergeßlichen tschechischen Rational-Oekonomen Prof. Dr. Jos. Kaizl kenne." In einem Schreiben an den Uebersetzer seiner Studie erklärte Doktor Schuster seinen Standpunkt in der Judenfrage in Böhmen ganz übereinstimmend mit seiner praktischen Betätigung in derselben Frage, die er vordem als ehemaliger II. Handeiskammer- Sekretär und einflußreicher Wortführer der tschechischen Partei in Budweis durch Wort und Schrift konsequent vertreten hatte. Im Kampfe um ihre Vertretung im Budweiser Gemeinderate wurden die Tschechen nämlich seit dem Jahre 1896 von einer kleinen, aber energisch geleiteten tschechischen Mmorität der (etwa 1600 Seelen zählenden) Budweiser Juden nach Kräften unterstützt. Dr. Schuster würdigte diese tschechisch-jüdische Kampfgenossenschaft nach Verdienst, indem er sich im Jänner 1698 offen und ernstlich dafür einsetzte, zwei tschechische Juden in die Gemeindevertretung zu kandidieren, welchen Antrag der ebenso erfahrene, als unparteiische Geistliche P. Martin 8 r a m e k wärmstens befürwortete. Die zwei tschechisch-jüdischen Kandidaturen unterblieben nur infolge ausdrücklichen Wunsches der tschechischen Juden selbst, aus taktischen Gründen. Ebenso freimütig trat Doktor Schuster 1898 dem spekulativen Mißbrauche des „8 v ü j k s y e m n" zu niedrigen Konkurrenzzwecken im Vereinsblatte des tschechischen „Böhmerwald-Bundes" entgegen und diese seine beherzigenswerten Warnungen an die tschechische Parteileitung in Budweis und an alle chauvinistischen Boykott- Prediger in Böhmen und in den slavischen Ländern überhaupt brachte damals auch die Wochenschrift „Zeit" mit wohlverdienter Anerkennung für den nüchternen und unerschrockenen Warner. Erst heute, nach 10 Jahren und nachdem der zweischneidige Boykott des Kampfjahres 1906—07 nach siegreicher Behauptung des III. Wahlkörpers unter wirksamer, jüdrscher Wahlgenossenschaft auch die Tschechen am eigenen Körper belehrt hatte, daß die materiellen und besonders die moralis chen Opfer des „8vüj k svemu" unersetzlichen Schaden und Verlust für sie bedeuten — erst heute beherzigte die Budweiser tschechische Parteileitung, durch Tatsachen gezwungen, die überzeugenden Warnungen Dr. S ch u st e r s, indem sie Heuer wenigstens ihren wütendsten Kampshähnen der „8vüj k s y 6 m n" - Aktion im Stillen „Abdlasen" kommandierte. Die tschechischen Verluste als Folgen des vorjährigen Wahlboykotts in Budweis gaben dem damals noch jungen Warner im Streite Dr. Schuster nach einem Dezennium °) In „Ost und We ft" 1904, Nr. 1.

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