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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-14 · 7 (14.2.1908) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 136 27t* Llocv's Mlocvenscvrm. Nr. 7 Zwifche« Hammer «ad Ambos. Eine lustige Geschichte aus Galizien. Von Nathan Samuely. (Fortsetzung.) „Getauft!!" fuhr Siegmund auf, wie .von einer Viper gebissen. „Um Gotteswillen, sind hier die Leute von Sinnen oder habe gar ich völlig den Verstand verloren, den ganzen Tag höre ich nur dasselbe: „getauft" — wer ist getauft? Wer? Was?'." „Aber Du hast es ja unverhohlen Deiner Mutter gesagt, daß Du das Mädchen heiratest, dem Dein Herz schon lauge gehört? . . ." „Nun, was folgt daraus? Ist es denn nicht auch hellige Wahrheit, daß mein Herz seit Kindheit Esterka gehört, und deshalb mußte ich gelaust sein?? . . ." „Esterka?!!" riß der Rote weit den Mund auf. „Du meintest gar Esterka? . . ." „Wen denn sonst? Wie kommen die Leute auf den Gedanken, daß ich getauft sei? Es ist ja rein zum wahnsinnig werden! ..." „Aber Du hast doch offen zugestanden," forschte der Rote, „daß Du Dein Erbhaus der hiesigen Kirchenverwaltuna überlassen willst?!" „Natürlich habe ich der Verwaltung das Haus zum Kaufe augeboten, weil bei ihr noch der beste Preis zu erzielen wäre, denn das Haus grenzt an ihre Besitzungen. Warum hätte ich da draus ein Hehl machen sollen? Im Nebligen hat ja Benziou,.der mir in Berlin die Einwilligung gegeben ißt, seine Tochter zu heiraten, mir dringend dazu geraten, paß ich mein Haus der Verwaltung zum Kaufe anbiete, damit ich mit dem Erlöse des Hauses und mit seiner Mitgift mir nach der Hochzeit ein selbständiges Geschäft errichte. Er fordert nämlich von mir, daß ich meine abhängige Stellung aufgebe. Ursprünglich suchte er mich von meiner jetzigen Herreise abzuhalten, doch als ich auf derselben bestand, riet er mir, mich früher mit der Kirchenverwaltung wegen Kauf des Hauses in briefliche Unterhandlung einzulassen, damit ich bei meinem Hiersein den Verkauf schlöße." Jtzik Hersch verhielt sich schweigend, während Siegmund Obiges erzählte, doch als er geendigt, raffte er sich wie aus einem Schlafe auf und schnalzte wiederholt mit den Fingern. „Da ist mir jetzt schon alles klar!" rief er mit triumphierender Stimme. „Du bist, Freundchen, das Opfer einer feiugesponuenen Jntrigue!" „Nun, so schaffen Sie auch mir Licht!" flehte Siegmund zu ihm. „Mich umgibt ja hier eine undurchdringliche Finsternis! . . ." „So wisse deuu," begann Jtzig Hersch, sich den Bart glättend, „derselbe Benzion, der Dich zum Verkaufe des Hauses beraten hatte, hat über Dich hier das Gerücht verbreiten lassen, daß Du Dich getauft hast, um die Tochter Deines Chefs zu heiraten. Er bezweckte damit, um Deine Verbindung mit seiner Tochter ganz unmöglich zu machen. Deine Unterhandlung mit der Kirchenverwaltung, zu der er Dir ebenfalls angeraten hatte, sollte ihm als eine Art Blendwerk dienen, um die Leute daran glauben zu machen, daß Du Dich wirklich getauft hast, denn wie kommst du sonst dazu, in Unterhandlung zu sein mit einer Kirchenverwaltung? Wie kommst Du überhaupt dazu, Dein Erbhaus einer solchen abzutreten? Dieser Schachzug war sogar, ein glücklicher, denn sogar Deine Mutter nahm er gefangen. Dabei aber blieb er noch nicht stchen. Bon Deinem Onkel aus Berlin langte an Deine Mutter ein Brief an, der Deine Taufe bestätigte . . „Von meinem Onkel?" unterbrach ihn Siegmund. „Wie ist das möglich? Wie würde er sich zu einer solchen Schandtat hergeben, seine Feder mit einer solchen infamen Lüge beschmutzen? ..." „So schau, wie kurzsichtig Du bist!" belehrte ihn Jtzig Hersch. Mußte denn Dein Onkel den Brief geschrieben haben? Man bediente sich nur seines Namens dazu. Der wirkliche Schreiber war derselbe, der auch die anderen Pasquile geschrieben hät, nämlich Benzion." „Benzion, ja Benzion!" schrie jetzt Siegmund, wie wenn ihm auf einmal die Schuppen von den Augen gefallen wären. „Jetzt ist es mir klar, warum er so eindringlich mich von meiner jetzigen Herreise abzuhalten gesucht hat, und warum er, als ich auf derselben beharrte, in mich drang, sofort mit der Kirchenverwaltung in briefliche Unterhandlung zu treten." „Ja, ganz so ist es!" stimmte Jtzik Hersch zu, „aber dieses Teufelswerk ist nicht dtm Gehirne Benzions entsprungen, sondern dem der schlauen „Gottesfurcht". Ich werde ihnen aber eins aufspielen, daß sie heulen und mit den Zähnen knirschen. Ja, sie sollen mich jetzt kennen lernen!..." „Aber lieber Leib Jtzik Hersch," unterbrach ihn Siegmuud, „lassen Sie es jetzt mit den Racheplänen und sinnen Sie lieber auf Mittel, wie das Mißverständnis, das über mich waltet, aufzuhellen, wenigstens meiner Mutter gegenüber. Ich könnte es ja nicht überleben, von ihr länger so mißverstanden zu sein!" „Da lass nur mich dafür sorgen, noch heute soll dich Deine Mutter umarmen. Ich werde es ihr schon klar machen. Freilich muß ich darauf verzichten, auch die fanatische Menge zu überführen, aber um diese ist Dir ja jetzt weniger zu tun. Im übrigen werde ich es wissen, wie auch dieser die Augen zu öffnen. Hauptsache ist uns jetzt Deine Mutter und Esterka." „Esterka," wiederholte Siegmund mit verzweifelter Stimme, „auf ihren Besitz habe ich ja gar keine Hoffnung mehr, denn hat es nicht ihr Vater deutlich genug gezeigt, daß er es in keinem Falle zugeben wird, daß ich seine Tochter heirate." „Ich werde ihn schon mürbe machen," erwiderte Jtzik Hersch, indem er energisch mit beiden Händen sich beim Barte faßte. „Er wird jetzt schon tanzen nach meiner Pfeife, sei dessen sicher. Nicht umsonst nennt man mich die Klugheit!" Mit dem Ausdrucke freudigen Triumphes nahm er bald darauf von Siegmund Abschied, worauf er leise und vorsichtig aus dem Hause schlüpfte und rasch die Gasse hinuntereilte. Jtzik Hersch hielt auch Wort. In derselben Nacht noch hielt die laut schluchzende Mutter den verloren geglaubten einzigen Sohn in ihren Armen. In derselben Nacht auch drückten Siegmund und Esterka all ihr Fühlen und Denken in einem langen, feurigen Kuß einander aus. Und in derselben Nacht auch schrieb Jtzig Hersch einen langen, langen Brief an seinen Freund in Berlin, einen Brief, der ihm viel Spaß gemacht zu haben schien, denn er schmunzelte selbstgefällig während des Schreibens desselben, und als er endlich mit diesem fertig wurde zupfte er sich den Bart breit auseinander und rief unter lautem Lachen aus: „Das wird aber eine lustige Komödie geben! ..." (Fortsetzung folgt.) gttatttor. Wachstein Bernhard, Wiener hebräische Epitaphien. Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, philosophisch-historische Klasse, 1-56. Band, 4. Abhandlung. Vorgelegt in der Sitzung am 5. Dezember 1906. Wien 1907. Mit 3 Tafeln. Das Studium der alten jüdischen Friedhöfe ist eines der unentbehrlichsten Hilfsmittel der modernen jüdischen Geschichtsforschung geworden; denn es bietet in der erstaunlichen Fülle und Mannigfaltigkeit seiner Ergebnisse eine ausgiebige Quelle

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