Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 7 (14.2.1908)
- Date
- 1908-02-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Sk. 7 Dr. Mocb's MocbenscbrtN. Seite 13b New-Aork, stattfand, haben alle Anwesenden, zirka 1500 Personen zählend, einstimmig Ihrer geehrten Organisation den Dank votiert für die edlen Dienste, welche Sie den unglücklichen jüdischen Emigranten während des verflossenen Jahres erwiesen haben. Ferner wurde Ihnen der Dank ausgesprochen für die gütige Mitwirkung, welche Sie den Vertretern unserer Gesellschaft bei der Durchführung des Hilfswerkes für so viele Unglückliche gewährt haben. Die Versammlung beschloß auch, daß Ihrer Gesellschaft dies mitgeteilt und Ihnen die Versicherung ausgesprochen werde, daß in dem von dieser großen Versammlung votierten Danke die Gefühle der gesamten Judenheit Amerikas zum Ausdruck kommen. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung seitens der Funktionäre und der Mitglieder der „Uedrezv Aid Society" verbleibe ich Ihr sehr ergebener A. Franklin m. p., Sekretär." Wien. (S p e n d e n a u s w e i s.) Für die unglückliche, verschämte, arme Familie (Mutter mit 7 unmündigen Kindern, von denen ein brustkranker Knabe inzwischen in der Heilanstalt für Tuberkulose zu Alland Aufnahme gefunden hat) erhielt ich neuerdings milde Gaben, und zwar von Frau Elvira Pri st er in A g r a m L 5. von Frau P a u l i n e F a n t l, Wien, XVIII., K 2, von I. F., Wien, I. (in einem spolierten, rekommandierten Briefe anstatt der beigeschlossenen K 4 nur) K 2, von den Herren Brüder Mittler, Wien, VI., K 2, von Herrn M. Deutsch, Wien, II., Im Werd K 5. Im Namen der Unterstützten statte hiemit besten Tank ab und empfehle dieselben allen edlen Menschenfreunden zur weiteren Linderung der großen Notlage aus's Dringendste. F. Schwarz. Kommunal- und Religionslehrer, VI., Wien. Für dieselbe Frau sind uns K 3.— von Herrn M. Steiner in HoraLdowitz; für die Mutter des Leopold Hilsner von „Erwin" L 2.— zugekommen. Gablonz a. N. Sonntag den 2. d. M. veranstaltete der rührige Volksverein „Zion", Te pli tz - S ch ön au im Saale des „Hotel Arnold" eine Wanderversammlung, in welcher Herr Fabrikant Ernst Bechert aus Teplitz über das Thema: „Moderne, jüdische Probleme" referierte. Die Versammlung, welche sehr stark besucht war — fast die Hälfte aller Gablonzer Juden war anwesend, der Saal war gedrängt voll — wurde von Herrn Dr. Emil Margnlis ans Trautenau im Namen des Nayonskomitees für Ostböhmen eröffnet. Der Vorsitzende begrüßt in herzlichster Weise alle Erschienenen, insbesondere den Vorsteher und Vorsteherstellvertreter der Gablonzer Kultusgemeinde, den Rabb'.ner Dr. Baneth, den Vertreter der zionistischen Parteileitung für Ostböhmen, endlich die Vertreter des Vereins jüdischer Hochschüler „Bar Kochba", Prag, und des A. H. Verbandes dieses Vereines. Nachdem über Aufforderung des Doktor Margulies der Vorsteher der jüdischen Gemeinde und dessen Stellvertreter gemeinsam mit ihm den Vorsitz der Versammlung übernommen hatten, erteilte Dr. Margulies dem Vorsteher Herrn Daniel Mendel das Wort. Es ist außerordentlich bezeichnend für den Umschwung, den der Zionismus in der jüdischen Welt herbeigeführt hat, daß der Redner offiziell im Namen seiner Gemeinde die Versammelten, insbesondere die Zionisten mit überaus herzlichen Worten begrüßte. Nach einem kurzen historischen Ueberblick über die Leiden der Juden betonte er, daß es auch in der Gegenwart eine überaus drückende Judenfrage gebe, legte dar, wie notwendig angesichts der abnormalen Lage des Judentums eine ernsthafie Beschäftigung mit den jüdischen Problemen sei und begrüßte die Versammlung als einen Beweis dafür, daß man diesen Problemen erfreulicherweise immer mehr Aufmerksamkeit zu schenken beginne. Sodann legte der Referent Herr Ernst Bechert in überaus klarer und fesselnder Weise in einem emstündigen Vortrag des ganzen Komplex von Problemen dar, die unter dem Namen „Judenfrage" nicht nur auf dem jüdischen Volke, sondern auf fast allen Völkern schwer lasten. Indem er die Verkehrtheit aller bisherigen Lösungsversuche glänzend nachwies, zeigte er, daß nur durch den Zionismus die Judenfrage in allen ihren Teilen in der ganzen Welt einer endgültigen Lösung zuzuführen sei. Die Versammlung, die den vorzüglichen Ausführungen mit vollster Aufmeksamkeit gefolgt war, gab in lebhafter Weise ihremBeifall Ausdruck. Der Vorsitzende brachte nunmehr die Namen der Absender von Begrüßungstelegrammen zur Verlesung. Begrüßungstelegramme hatten geschickt: Das böhmische D. K. in Prag, fast alle böhmischen Volksvereine, der Studentenverein „Bar Kochba", Prag, das mährische D. K., einige mährische Bürgervereine, ferner ans Deutschland, die zionistischen Organisationen in Schlesien. In der nun folgenden Debatte zeigte sich der eine der beiden Stadtverordneten, Herr Exporteur Adolf Schindler, im Ganzen mit den Ausführungen des Refermten einverstanden; nur gab er seinem Bedenken bezüglich der Durchführungsmöglichkeit des zionistischen Projektes Ausdruck und bat diesbezüglich um Aufklärung, die ihm auch sogleich durch Herrn Doktor Margulies in klarer Weise zuteil wurde. Der Vorsteher Herr Mendel pflichtete den Worten des Referenten dahin bei, daß er erklärte, die Bestrebungen, dem jüdischen Volke eine Heimstätte zu schaffen, seien mit dem Staatsbürgertum und dem Patriotismus der Juden wohl vereinbar, ja, nur derjenige Jude könne ein wahrer Patriot sein, der diese Bestrebungen mit all seiner Kraft unterstütze. Das lebhafte Interesse, das die Versammlung den Worten des Herrn Bechert und dem Zionismus überhaupt entgegenbrachte, zeigte sich auch in den zahlreichen Fragen, die auf Fragezetteln an den Referenten gestellt wurden. Sie alle wurden von Bechert im Vereine mit Herrn Doktor Margulies zur Zufriedenheit der Fragesteller beantwortet. Nach kurzen Dankesworten des Vorsitzenden und des Herrn Mendel wurde die Versammlung geschlossen. Sie war ein Beweis dafür, daß das Interesse für jüdische Fragen in den breiten Massen unseres Volkes ständig wachse. Hoffen wir, daß bei der nächsten Versammlung, deren Ankündigung von den Anwesenden mit sichtlicher Freude entgegengenommen wurde, auch die andere Hälfte der Gablonzer Juden erscheinen werde, damit auch in Nordböhmen endlich der Zionismus siegreichen Einzug halte. Linz. Die Reihen der alten Garde unserer Gemeinde lichten sich in letzter Zeit leider immer mehr und mehr und mit dem Abgang unserer alten ehrwürdigen Mitglieder nimmt auch zum größten Bedauern der Tempelbesuch in der hiesigen Gemeinde sehr ab. — Am 6. d. M. verschied in Kleinmünchen bei Linz Herr Salomon Schwager, Vater unseres allverehrten Vorstehers Herrn Benedikt Schwager, im hohen Alter von 80 Jahren. Der Verblichene warein einfacher, schlichter Mann, zeichnete sich jedoch durch einen festen, biederen Charakter aus, war Jude mit Leib und Seele; zum Beweis dessen besuchte er trotz seines hohen Alters und bei jeder Witterung allsabbatlich unsere Synagoge, welche mehr als eine Stunde Weges von seinem Wohnorte entfernt liegt und welche Strecke er immer zu Fuß zurücklegte, obgleich die elektrische Bahn von Kleinmünchen nach Linz führt. Von der allgemeinen Beliebtheit und Wertschätzung, deren sich der Verstorbene im Leben zu erfreuen batte, zeigte die überaus große Beteiligung bei seinem Leichenbegängnisse, bei welchem Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Friedmann dem dahingeschiedenen edlen Greis einen ergreifenden Nachruf hielt, in welchem er in äußerst trefflichen Worten die Charakterzüge des Verblichenen schilderte. An der Bahre des Verstorbenen trauern fünf Söhne und eine Tochter, die sich alle der größten Achtung und Wertschätzung erfreuen. Holleschau. Der Milirär-Veteranen-Verein der Jsraeliten- Stadtgemeinde Holleschau veranstaltete anläßlich des stattfindenden Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers einen Festball, der sehr gelungen und gut besucht war. Unter den Ehrengästen bemerkte man Herrn Rabbiner Dr. Freimann, Herrn k. k. Bezirkskommissär Hejny, Herrn Bürgermeister Heinrich Weinreb und Gemalin, Herrn Landwehroffickal Schlesinger und Gemalin, Herrn gräfl. Mrbua- Kaunitzschen Güterdirektor Nemec, Deputationen der hiesigen V-reine. Nach einer Festansprache des Kommandanten Herrn Adolf Lustig und Hochrufen auf Se. Majestät wurde der Tanz durch Herrn Bezirkskommissär Hejny mit Fräulein Martha Kohn eröffnet. Auch ein Huldigungstelegramm an die Kabinettskanzlei wurde abgesandt. Graz. Sonntag den 16. Februar d. I., 4 Uhr nachmittags, findet in der hiesigen Synagoge die Installation Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. David Herzog statt. Prag. Die II. ordentliche Vollversammlung des Verbandes der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen in Böhmen findet Montag am 17. Februar 1908, präzise 2 Uhr nachmittags, im Sitzungssaale des jüdischen Rathauses in Prag statt. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht; 2. Kassabericht; 3. Berichterstattung über Standesangelegenheiten; 4. Ergänzungswahlen; 5. Wahl der Revisoren; 6. Freie Anträge. Abends präzise 7 Uhr findet im Saale des „Hotel Bristol" (Langegasse) statutenmäßig eine Diskussion statt über das Thema: „Schulreform und Religionsunterricht". Referent: Herr Pros. Dr. Alex. Kisch, Prag. Nürnberg. In der Versammlungshalle des israelitischen Friedhofes fand eine Gedächtnisfeier für den verstorbenen Rabbiner Dr. Ziemlich statt. Die zahlreiche Beteiligung bewies, wie die Tätigkeit des Mannes, der Jahrzehnte hindurch hier gewirkt hat, fortdauernd in bestem Andenken steht. Herr Rabbiner Dr. Freudenthal schilderte das Wirken des Verstorbenen, dem auch namens der Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Herr Kommerzienrat Gallinger Worte des Dankes widmete. Die Trauerversammlung begab sich dann an das nach dem Entwurf des Herrn Architekten Hinderer aufgestellte Grabdenkmal. Mit einer Ansprache des Herrn Vikars Dr. Cohne schloß die Feier. Nobel-Feier in Malmö. In Malmö fand dieser Tage eine Feier zum Andenken Alfred Nobels statt, die von der Friedensvereinigung veranstaltet wurde. Aus Ersuchen des Vorsitzenden, Pfarrers Fuck, hielt der Rabbiner Dr. Wohlstein die Festrede über „Die Friedensidee in der Bibel". Die Rede fand lebhaften Beifall.