Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 7 (14.2.1908)
- Date
- 1908-02-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 134 Sr» Bloch's WochenichrM Nr. 7 9Sien. Der Lehrerverein im II. Bezirk hielt am 5. d. M eine Vollversammlung ab. Herr Oberlehrer L. Riesenfeld zeigte, aus eigenen Erlebnissen, in seinem fein ausgearbeiteten Vortrag „Schule und Politik" den Wandel der Ideen in Politik und Schule in den letzten 50 Jahren mit besonderer Berücksichtigung auf die Verhältnifle der Juden in Böhmen, Mähren, Niederösterreich und Wien. Zuletzt sprach er den Wunsch aus, daß die wahre Pädagogik im Schulwesen viel stärker als die Politik sein möge. Die ernsten aber heiter darqestellten Ausführungen des Referenten fanden sowohl beim Obmann Herrn H. Ascher als auch bei den anwesenden Kolleginnen, Kollegen und Gästen großen Beifall. Julius Muschel, Schriftführer. Wien. Der Sitz der Jüdisch-Akademischen Ferialverbindung „Zephyra" Wien ist ab 1. Februar 1908 IX., Seryitengaffe 10. d Wie». Sonntag den 2. Februar l. I. veranstaltete der Jüdische Bildungs- und Geselligkeitsverein für den XVI. und XVII. Bezirk einen literarischen Abend, bei dem der Schriftsteller Herr Heinrich Jork-Steiner aus seinen eigenen Werken unter anderem eine „gute Partie" zur Vorlesung brachte. Das zahlreich erschienene Publikum spendete diesem trefflichen Vortrage reichen Beifall. Das Cellosolo des Fräulein Erna Seifer, sowie die gelungenen Vorträge des Fräule'n Frida Bramer und des Konzertsängers Herrn Uhrich wurden ebenfalls mit großem Beifall begrüßt. Wien. (V e r l o b u n g.) Fräulein Flora, die einzige Tochter des Wiener Schriftstellers Heinrich Jork-Steiner, hat sich mit Herrn Dr. Alexander M u s z k a t aus Berlin, Kurarzt in Reichenhall, verlobt. Wien. (Jubiläumsthora.) Der Vorstand des „Tempelvereines des 13. Bezirkes der Stadt Wien" beschloß in seiner letzten Sitzung am 5. Februar, das Jubiläum unseres allgeliebten Kaisers durch Stiftung einer Jubiläumsthora zu feiern und das Vorstandsmitglied Herr Max Zirner hat sich bereit erklärt, das Silbcrgerät dafür zu widmen. „Beth-Hamidrasch Talmud-Thora". II., Malzgasse 16. Außer den jeden Samstag um n3/4 Uhr vormittags stattfindenden allgemeinen Vorträgen werden daselbst Spezialvorträge für junge Leute an allen Samstagen und Sonntagen von 11—12 Uhr vormittags abgehalten. Selbe erfreuen sich einer sehr regen Beteiligung. Zuhörer willkommen. Wien. Der bekannte gelehrte Rabbiner A. Fried mann von der „Schönlaternschul" hat durch den Heimgang seiner biederen Gattin Lotti, geb. Dittel, die ihm im Alter von 66 Jahren durch den Tod entriffen wurde, einen unersetzlichen Verlust erlitten. Die Heimgegangene wurde in einfacher Weise, wie es ihrer seltenen Bescheidenheit entsprach, am vorigen Freitag zu Grabe getragen, betrauert von dem schwergeprüften Gatten und ihren tiefgebeugten Söhnen und Töchtern. Möge die allgemeine Teilnahme die Trauernden aufrichten und denselben zum Tröste gereichen! Hebräischer Konversationsklub. Samstag den 15. Februar findet wie immer im Cafe Braurmer (IX., Ltechtensteinstraße 1), präzise 7 Uhr abends, eine Zusammenkunft der Hebräischsprechenden statt, bei welcher der hebräische Schriftsteller Herr A. Lnbetzny einen Vortrag über „die neue hebräische Literatur" halten wird. Gäste willkommen. Wien. Eine angesehene Familie hat einen schweren Verlust erlitten, indem deren Oberhaupt Herr Salomo« Triger, langjähriger Vorsteher und Gründer wie auch Ehrenmitglied des Bethaus-Vereines „Lrvias Ehen", am 3. d. M. unter allgemeiner Teilnahme zur Erde bestattet wurde. Im Trauerhause würdigte Ehrw. Herr Rabbiner Mayersohn die Verdienste und Vorzüge des im 67. Lebensjahre Heimaegangenen. In der Zermonienhalle fungjerte Oberkantor Seifert von Baden, einer seiner beiden Schwiegersöhne. Namens des Vereines „Livias Chen" sprachen am Grabe Obmann Kolib und Schriftführer Löw herzliche und tiefempfundene Worte des Abschiedes von dem treuen Freunde; ferner im Namen des Vereines „Treue Brüder" Herr Zakob Blaaß. Sämtliche humanitär-religiösen Vereinigungen waren durch Deputationen vertreten. Beth-Hawidrasch „Montesiore". II. Bezirk, Taborstraße 3. Sonntag den 16. Februar, 5‘/2 Uhr, Vortrag aus Midrasch- Rabba. Mittwoch den 19. Februar, 5'/, Uhr, Vortrag aus den Psalmen. Kaiser Franz Joseph-Ferienheim. Die Anmeldungen für die diesjährigen Rekonvaleszenten-, Herzkranken-, Skrophullsen- und Erholungskolonien des „Kaiser Franz Joseph-Ferienheim werden vom 15. d. M. ab an den Tagen Mittwoch, Donnerstag und Freitag und in der Zeit von 4 bis 6 Uhr nachmittags im Vereinsbureau, IX., Türkenstraße 17, entgegengenommen. Hiezu haben sich die Angehörigen des betreffenden Kindes (Vater, Mutter, Vormund oder Pflegeeltern) mit dem Kinde im Vereinsbureau einzufinden. Mitnahme eines Mittellosigkeitszeugnisses erwünscht. Es wird schon jetzt darauf aufmerksam gemacht, daß nach Abschluß der Anmeldungen, welcher anfangs April erfolgt, einlaufende Gesuche keine Berücksichtigung mehr finden können. Religionslehrerverein „Esra". Am Sonntag den 9. d M. hielt Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Rosenmann im Sitzungssaal« der Kultusgemeinde den äugekündigten Vortrag über „Die jüdisch-aramäischen Papvrifunde in Assuan und Elephantine und ihre Bedeutung für die Bibelkunde" vor emem zahlreichen Publikum ab. Der Vortragende entrollte vor den Augen der aufmerksam lauschenden Zuhörer ein klares Bild des inneren und äußeren Lebens der einst im alten Pharaonenlande bestandenen jüdischen Kolonien, wie es sich aus den jüngst gemachten Ausgrabungen in Assuan und Elephantine ergibt. Wie in allen Ländern der Diaspora zeigt sich auch hier, daß die Juden unschuldig gequält und verfolgt werden, so daß durch die Verleumdung der Feinde sogar ihr größtes Heiligium, der Tempel in Elephantine durch einen Pöbelaufstand gestört wird. Erst nach langem Leiden wird ihnen Gerechtigkeit zuteil. Im zweiten Teil seiner Ausführungen zeigte der Vortragende, welchen Gewinn durch diese Funde sich für die Bibelkunde ergeben, w.ie insbesondere die uns nie zweifelhafte Echtheit des Buches Esther trotz aller Bibelkritik bestätigt wird. Rauschender Beifall folgte den Worten des Vortragenden. Zum Schluffe sprach der Obmann des Vereines, Herr Breuer, im Namen aller Anwesenden den Dank für den hochinteressanten Vortrag aus. W. T. Wien. (Todesfall) Am 8. d M. verschied in Rudolfsheim Herr Heinrich Schulhof im 65. Lebensjahre. Der Verblichene erfreute sich ob seiner Einfachheit und Bescheidenheit, seiner Rechtschaffenheit und Gewissenhaftigkeit allgemeiner Achtung sowohl bei seinen Glaubensgenossen, als auch in allen Kreisen der andersgläubigen Bevölkerung. Herr Schulhof war noch einer jener stets seltener werdenden Juden, die an den Satzungen und Traditionen unserer Religion in- und außerhalb ihres Heims umwandelbar festhalten, und so konnte der strenggläubige Jude in seinem schlichten, einfachen Sinne, in seinem kindlich bewahrten, von wahrster Menschenliebe durchdrungenen Gemüte die heutigen Zeitläufte nicht fassen. „Ich begreife nicht", klagte er gar oft, „daß wir Juden trotz unserer unanfechtbaren Sittenreinheit, unseres stets bewährten Wohltätigkeitssinres diesen wahnsinnigen Verfolgungen ausgesetzt sind. Im Mittelalter soll Mangel an Bildung die Verfolgungswut veranlaßt haben; jetzt aber haben wir doch schon fünfzig Jahre die vielgepriesene, allgemeine Bildung verbreitende Neuschule und doch ist es um keine Jota besser geworden." Die überaus rege Teilnahme aller Schichten der Bevölkerung von Rudolfsheim am Leichenbegängnis bewies, welch großer Beliebtheit und Achtung sich dieser strenggläubige Jude erfreute. Herr Rabbiner Dr. Grunwald würdigte in ebenso geistreichen als innigen Worten die Vorzüge und Verdienste des Verblichenen, die gefühlvoll vom Herzen kamen und darum auch in die Herzen aller Leidtragenden drangen. An der Bahre trauert die untröstliche Witwe, die den besten, zärtlichsten Gatten beweint, fünf Töchter und zwei Söhne stehen fassungslos am Grabe ihres unvergeßlichen Vaters. — Mit dem würdigen Manne, der da zu Grabe getragen wurde, ist wieder ein Stück unseres alten Judentums zu Grabe getragen worden. Möge ihm die Erde leicht werden! Friede seiner Asche! Dank an die „Israelitische Allianz" aus Amerika. Die „Israelitische Allianz zu Wien" erhielt von der „Hehrem Immigrant Aid Society" in New-Iork folgendes Schreiben: New-Iork, 28. Jänner 1908. Sehr geehrte Herren! „In der Jahresversammlung der „Hebrew Aid Society", welche Sonntag abends den 26. Jänner 1908 im Auditorium der Educational Alliance, Ecke East Broadway und Jefferson Streets,