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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-14 · 7 (14.2.1908) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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©rr^ 132 Dr. Llscb's Moebenscvrm. ^r. 7 Prag-Emichow. Dozent Dr. D. Herzog, dem wie bereits vor längerer Zelt oenchtet, von der Grazer Kultusgemeinde die Stelle eines Landesrabbiners sür Steiermark, Kärnten und Krain übertragen worden ist, hielt verflofs-nen Samstag den 8. d. M. in der Smichower Synagoge seine Abichiedspredigt. Der Redner gab ein anschauliches Bud von der Aufgabe des heutigen Seelsorgers; anschließend an den Satz: „Israel soll mir ein Heiligtum bauen" führte Dr. Herzog .au«, daß nach der Auffassung des Judentums darunter nicht bloß ragende Bauwerke zu verstehen sind, sondern daß Synagoge, Familie und Schule gleichmäßig geweihte Stätten gewesen seien und daß das Judentum, solange diese drei Faktoren Zusammenwirken, auf dem Wege der sittlichen Vervollkommnung seiner Bekenner stets das Höchste erzielen werde. Im Verlaufe seiner Ausführungen gedachte der Redner der ausgezeichneten Wirksamkeit seines unmittelbaren Vorgängers im Amte, des verewigten Rabbiners Dr. S. Back, deffen in Gelehrtenkreisen so klangvoller Name für ihn als Nachfolger ein Ansporn zur Entfaltung seiner besten Kräfte gewesen sei Dr. Herzog schloß seine eindrucksvolle Rede mit innigen Wünschen für das fernere Gedeihen der Gemeinde und Worten des Dankes für das ihm entgegengebrachte Vertrauen. Nach beendigtem Gottesdienst fand im festlich geschmückten Sitznngsiaale die solenne Abschiedsseier statt. In Vertretung des in Meran weilenden Vorstehers Herrn Rudolf Grab übermittelte dessen Stellvertreter kais. Rat Herr Ludwig Soyka dem scheidenden Rabbiner den wärmsten Dank der Gemeinde für seine verdienstvolle Wirksamkeit, besonders für seine Erfolge als Kanzelredner, der stets die mächtigste Wirkung auf die Hörer erzielte; Herr kais. Rat Soyka pab dem lebhaften Bedauern der Gemen de über das Scheiden Dr. Herzogs . Ausdruck, verbunden mit Wünschen für weitere Erfolge in seinem künstiaen Wirkungskreise. Sodann sprachen Herr Tauffig als Obmann der Beerdigungsbrüderschaft. Herr Reimauu namens des Krankenunterstützungsvereines und Frau Auua Kapper als Präsidentin des Frauenvereines Worte des Abschiedes. Schließlich dankte Herr I. U. Dr. Emauuel Back für die seinem Vater, dem verstorbenen Rabbiner Dr. S Back, gezollte Anerkennung und wies rühmend darauf hin, daß Dr. Herzog in seinen Kanzelreden den großen Fragen, die unsere Zeit bewegen, nicht scheu ausgewichen sei, sondern denselben kühn ins Auge blickend, eine Lösung der Gegensätze gesucht habe, hiedurch die Kluft zwischen Glauben und Zweifel überbrückend. Doktor Herzog dankte jedem einzelnen der Redner in bewegten Worten und knüpfte hieran die Bitte, ihn in freundschaftlicher Erinnerung zu behalten. Der scheidende Seelsorger möge überzeugt sein, daß die Sympathien seiner zahlreichen Verehrer ihn in die Ferne begleiten. Berlin, 20. Jan Die „Kommission zur Erforschung Palästinas" (Vorsitzender Professor Marburg) ersucht um Veröffentlichung eines Aufrufes, dem wir Folgendes entnehmen : „Mehr als in irgend einem anderen Lande beruht im Orient, beruht in Palästina die ökonomische Macht auf dem Besitze an Land. E'ne jüdische Bevölkerung in Pilästina ohne größeren Landbesitz ist wurzellos; sie wird in den paläsimischen Städten wohl neue Ghetii gründen, aber niemals aus gedrückten, wirtschaftlichem Verhältniffen herauskommcn, niemals den Keim zu wirtschaftlichen Wohlstände und zu machtvoller Entfaltung jüdischen Lebens Pflanzen können. Das kann nur eine Bevölkerung, die wenigstens zu einem großen Teile auf eigener Scholle sitzt und aus diesem Boden, dem außerordentlich fruchtbaren Bo^en Palästinas, ihre Nahrung ziebt. Mit einem Worte: wir brauchen in Palästina mehr jüdische Bauern. Nur der jüdische Bauer ist imstande, mit der H md am Pfluge Acker um Acker unter altes Vaterland wieder für uns zu gewinnen und dauernd für uns zu bew ihren. Aus diesen Erwägungen heraus ist die P a l e st i n e Land Development Company gegründet worden. Sie stellt sich die Aufgabe, unbemittelten jüdischen Arbeitern, die in so erheblicher Zahl von, Osteuropa nach Palästina kommen und es bisher nicht zu einer selbstständigen bäuerlichen Existenz bringen konnten, die Erringung einer solchen Existenz zu erleichtern Die Gese"schaft will nicht kolonisieren, noch will sie Wohltätigkeit üben, sondern sie will nur Wege und Möglichkeiten beschaff-n. auf denen die jüdischen Arbeiter aus eigener Kraft zu selbständigen Bauern aufsteigen können. Die Arbeiter sollen zuerst aus einer größeren Gutswirtschaft der Gesellschaft mehrere Jahre hindurch gegen Tageslohn arbeiten, sie sollen hier mit den besten landwirtschaftlichen Arbeitsmethoden vertraut werden, dem palästinischen Klima und Boden angepaßl, und es soll ihnen durch einen Gewinnanteil an den Erträgnissen des Guter ermöglicht werden. Vieh und Saatgut für sich zu erwerben. Alsdann sollen sie von der Gesellschaft -in hinreichend großes und in wirtschaftsfähigen Zustand gesetztes Stück Land zuerst in Pacht und später gegen langjährige Amortisationsrenten zu Eigentum erhalten können, eine Methode der Kolonisation, welche die deutsche Regierung sowie private Institute einer Reihe von Jahren mit großem Erfolg erprobt haben." Das große zionistische Aktionskomitee hat in seiner letzten Sitzung eine energische Propaganda für das Unternehmen zu betreiben beschlossen. Der Nationalfond wird sich an der Land Development Company beteiligen. Die Gesellschaft soll als englische Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 50.000 Lrstl. zerlegt in 50.000 Anteile je 1 Lstrl. in England gerichtlich eingetragen werden. Der Betrag gezeichneter Aktien ist entweder an den Jewish Colonial Trust, London, P. G. Walbrook, oder an das Bankhaus A. H. Heymann u. Co., Berlin, Unter den Linden, oder an Herrn I L. Goldberg. Wilna, abzusenden. Auch die Nationalfond-Kommissäre aller Länder nehmen Zeichnungsscheine und Zahlungen entgegen. Eine jüdische Gemeinde in Chartum. Aus Alexandrien wird dem „Jewish Chronicle" gemeldet: Der Oberrabiner von Alexandrien unternahm am 17. Jänner in Begleitung seines Sekretärs und eines Mohels eine Inspektionsreise nach Chartum. Zweck dieser Reise ist, in der Hauptstadt des Sudan, Chartum, eine jüdische Gemeinde zu organisieren und den ersten Rabbiner dieser neuen Gemeinde, der gleichzeitig die Funktionen eines Mohel zu versehen haben wird, zu installieren. Seit einiger Zeit haben sich eine große Zahl alexandrinischer Juden, sowie Juden aus anderen Teilen Egyptens im Sudan angesiedelt und daselbst große Handelszentren gegründet. Bald kamen auch die Familienmitglieder dieser Ansiedler nach und bildeten auf diese Weise eine recht ansehnliche jüdische Kolonie. So entstand bald eine jüdische Gemeinde. Ein Haus wurde für Synagogenzwecke gemietet, ein Sefer Thora besorgt, allfabbathlich fand regelmäßiger öffentlicher Gottesdienst statt. Es fehlte ihnen jedoch noch ein Rabbiner, an den sie sich in rituellen Fragen wenden könnten. Noch mehr jedoch machte sich der Mangel eines Mohels fühlbar. Die wohlhabenden Juden brachten ihre Neugeborenen nach Kairo, um sie innerhalb der vorgeschriebenen Frist in den Bund Abrahams aufnehmen zu lassen, diejenigen jedoch, die sich eine solche Reise aus irgendeinem Grunde nicht leisten konnten, mußten die Circumcision auf spätere, geeignetere Zeit aufschieben. Um diesen Uebelständen abzuhelfen, fuhr jetzt Oberrabbiner Hazan nach Chartum. Er hat die Absicht, bei dieser Gelegenheit auch einige Tage in der Stadt As-Souan zu verweilen, wo eine kleine jüdische Gemeinde mit eigener, ständiger Synagoge besteht. Oberrabbiner Hazan will auch den Anlaß wahrnehmen, die Insel ElePhantine, auf 'welcher, wie bekannt, jetzt für die jüdische Gemeinde äußerst wichtige Ausgrabungen und Papyrusfunde gemacht wurden, zu besuchen. Der Herr Oberrabbiner beabsichtigt, über seine interessante Reise einen Bericht auszugeben. Ein Professorenjubiläum an der Khedivischen Universität in Kairo. Aus Kairo wird berichtet: Vorige Woche fand hier eine interessante Jubiläumsfeier statt, welche zu Ehren unseres Glaubensgenossen Ugo Luseana Bey anläßlich seiner 25jährigen Tätigkeit als Professor für Zivilrecht an der Khedivischen Universität veranstaltet wurde. An dem Feste, welches vom Hochschul-Klub in Kairo initiiert wurde, haben zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten, zumeist gewesene Schüler des gefeierten Gelehrten, viele inländische und europäische Richter, der Leiter der diplomatischen Agentie Italiens, der italienische Konsul und viele andere teilgenommen. Der Hochschul-Klub überraschte den Jubilar mit einer künstlerisch ausgeführten Büste des beliebten Professors, welche in der Universitäts-Aula zur Aufstellung gebracht wurde. Vermischtes. Krauzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens der fel. Therese Löbl: Von Max Schlesinger K 10 . Anläßlich des Ablebens des sel. Oskar Lessuisse: Von Dr. Hermann und Immanuel Brück K 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Leopold Adler: Von Dr. Albert Singer K 30.-, Dr. Rosenberger L 20.—. Zusam. K 50.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Jakob Spitzer: Von Albert Groedel, Freiherr v. Gyulafalva K 50.—.

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