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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-14 · 7 (14.2.1908) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7 Vr. BLoch's Wochenfchrist. Seite 181 ich einige Jugenderinnerungen Mitteilen. Weiland Herr Jacques Leon und seine feine edle Gemahlin Frau Ninna gehörten zu den angesehenen Familien der alten Wiener Kultusgemeinde und waren sehr befreundet mit der Familie Sulzer-Fränkel. Schreiber dieser Erinnerung verkehrte in seiner Kindheit sehr oft in den miteinander verwandten Familien Pollak, Oellieferanten der k. u. k. Armee und Leon, ja es war Jacques Leon der Gevatter seines seligen Bruders Albert. Das Leon'sche Haus war ein vornehmes, aristokratisches wie jene der Kaula, Biedermann, Wertheimstein, Goldschmied, Wertheim, Königswarter. Die Leons hatten viele Häuser, wie den Kollerhof in der Ferdinandstraße, sie wurden in den österreichischen Adelsstand erhoben. Frau Ninna Leon war die Schwägerin weiland des Direktors des israel. Spitales Dr. Wölfler und Schwester des k. k. beeideten Sensales Gottlieb. Die Taufen der v. Leon'schen Söhne der treu dem Judentume gebliebenen Mutter kann man aus Folgendem entnehmen. Weil. Jacques v. Leon hatte auch einen christlichen Sohn, Carl. Die ganze Familie liebte und vergötterte den Sohn. Der alte Jacques kaufte am israelitischen Friedhof in Währing eine Gruft an der Mauer und dieselbe an der katholischen Seite an der Mauer, damit sie einst beisammen ruhen. Jacques v. Leon ruht auch dort. Der Bruder Carl hat seine Brüder schon im Leben über die Mauer gezogen! Emil F r ä n k e l, Religionsprofessor. Budapest den 7. Februar. Heute verschied hier in Budapest der Advokat und gewesene Reichstags-Abgeordnete Dr. Paul Mandel, der vor einigen Monaten die Agitation behufs Einberufung eines Kongresses der Juden Ungarns im „Egyenlöseg" initiierte. Im Jahre 1875 zum Abgeordneten gewählt, war er — chronologisch genommen — nach Moritz Wahrmann, Franz Chorin, Eduard Horn der vierte Jude im ungarischen Parlamente. Mehrere Jahre vor der Ende 1867 erfolgten Emanzipation der Juden in Ungarn bewilligte Se. k. und k. apostolische Majestät Franz Joseph einigen 8nb sxeruti Jura absolvierten Doktoren der Rechte aus Gnade die Ausübung der Advokatur, unter ihnen auch dem Dr. Paul Mandel. Bon diesen Advokaten lebt nur noch Dr. Simon G o l d st e i n, die Doktoren Adolf G o l d st e i n, Armin Schönberg, Karl Weiser sind schon lange vo her gestorben. David Wolffsohn in Osijek. (Jüdische Bürgerversammlung.) Osijek, den 4. Februar 1908. Mit dem gestrigen Tage wurde die zionistische Bewegung in Kroatien, Slavonien und Bosnien durch das Eingreifen des Präsidenten der Weltorganisation, Herrn David Wolffsohn, in hohem Maße gefördert. Herr David Wolffsohn sprach gestern Abends in einer von nahezu 400 Personen, fast ausnahmslos Juden und Jüdinnen, besuchten Versammlung im großen Saale des Osisek-Oberst. Kasinovereines, der sich bei dieser Gelegenheit als zu klein erwies. Ohne Uebertreibung kann man behaupten, daß der Saal bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war. trotzdem zur selben Zeit „Die lustige Witwe" mit Frau Irma Pollak ans Zagreb gegeben wurde . . Herr David Wolffsohn sprach gestern zum ersten Male in Oesterreich-Ungarn in einer öffentlichen Versammlung, er war dazu noch nie zu bewegen gewesen. Er versicherte, daß er nur deshalb eine Ausnahme mache, weil er in den Verein „Theodor Herzl" große Hoffnungen setze und von Osijek aus zu ganz Kroatien, Slavonien und Bosnien spreche. Und in der Tat waren einige Gesinnungsgenossen aus Bosnien eigens zur Versammlung herbeigeeilt — wobei sie eine Elsenbahnfahrt von 24 Stunden mitmachen mußten — um den Präsid-nten zu hören. Es waren dies Se. Ehrwürden Ribb'ner Dr. Urbach (D.-Tu;la), Albert Alealay (D-Tuzla), Arpad We ller (Brijedor) und S. Meworach (Prijedor). Ans der Umgebung Osijeks waren auch Gesinnungsgenossen erschienen, darunter aus Djakovo. Naschice, Suichine-Gjurgjenovac, Valpovo, Belischce rc Aus Osijek selbst rekrutierte sich das Gros des Publikums, das wieder alle Schichten der jüdischen Bevölkerung Osijeks repräsentierte. Die jüdische Lauts volös war noch nie in w stattlicher Zahl ausgerückr wie diesmal . . . Die Versammlung nahm im Allgemeinen folgenden Verlauf: Der P äsident de^ zionistischen Vereines «Theodor Herzl", Herr l. N. Schulhof, eröffuete um halb 9 Uhr Abends die Versammlung, indem er alle Erschienenen begrüßte. Er ersuchte hierauf die Gesinnungsgenossen Dr. Kohlbach, Dr. Spitzer und Leopold Singer, den Präsidenten Wolffsohn in die Versammlung einzuholen. Unterdessen gelangten die eingelaufenen Begrüßungstelegramme zur Verlesung — zwanzig an der Zahl — darunter vom Agitationskomiteemitglied Dr. Alealay (Belgrad). N. Landa» (Bjelina), Gustav Seidemann (Prijedor), Aladar Merkler (Sarajevo). Dr. H. E. Kaufmann (Virov'tica), Rabbiner Saul Stern (Brod a. S.), Rabbiner Dr. Marge! (Pozega), Dr. Ivan Jacob! (Zagreb), „Zldavska Smotra“ (Zagreb), dann Gesinnungsgenossen aus Pozega, Krizevci, Zagreb, Zemun und anderen Orten. Beim Erscheinen wird Präsident Wolffsohn mit stürmischen Hedadd-Rufen empfangen. Seine imposante Gestalt und der Wohlklang seiner Stimme hatte die Zuhörer sofort zu seinen Verehrern und zum größten Teil auch zu Anhängern des Zionismus gemacht. Nachdem ihn Herr Schulhof begrüßt batte, begann er seine mit Begeisterung aufgenommene Rede, die fünf Viertelstunden währte. Von Theodor Herzls „Judenstaat" ausgehend, widerlegte Wolffsohn alle gegen den Zionismus erhobenen Angriffe und Beschuldigungen, verbreitete sich über Nationalität, Staatsbürgerschaft, Patriotismus, um dann über die Grundidee des Zionismus zu sprechen. Seine diesbezüglichen Ausführungen gipfelten darin, daß man ein Territorium schaffen müsse, wo einwandernde Juden mit Jubel begrüßt werden. England und Amerika werden ihre Tore bald gänzlich verschließen und dann? Eine halbe Million Juden befinde sich ununterbrochen auf der Wanderung. — Auf seinen letzten Konstantinopeler Aufenthalt übergehend, sagte Herr Wolffsohn wörtl'ch folgendes: „Ich kann versichern, daß die türkische Regierung unsere Bewegung durchaus nicht für eine Utopie hält und daß sie immer mehr zur Ueberzeugung kommt, daß sie nicht nur den Juden, nicht nur Palästina, sondern auch der. tückischen Regierung selbst große Vorteile bieten wird, wenn die große jüdische Einwanderung vollbracht sein wird, und daß es heute nicht mehr an der tü-kischen Regierung, sondern an uns selb st liegt. W:nn das jüdische Volk erst den Willen haben wird, wenn die Mittel da sein werden, bin ich sicher, daß auch alle Nichtjuden auf unserer Seite sein werden. Herr Wolffsohn sprach sodann über die Institutionen des Zionismus, um damit ein Bild über die bisherigen Leistungen und Erfolge der zionistischen Bewegung zu «eben. Längere Zeit verweilte der Präsident bei der gegenwärtig wichtigsten Institution, dem Parteifond. Herr Wolffsohn schloß sodann mit einer vortrefflichen, der Gelegenheit entsprechenden Legende über den Propheten Elias. Nach der Rede, die mit nicht endenwollendem Beifalle ausgenommen wurde und einen Sturm der Begeisterung entfesselte, dankte Herr Schulhof dem hochgeschätzten Vortragenden für seine überzeugenden and begeisternden Ausführungen. Der größte Teil der Versammlung nahm hierauf an dem im .Grand Hotel Weingruber" abgehaltenen Kommers zu Ehren des P-äsidenten Wolffsohn teil. Beim Kommers ergriffen zu G'legenbeitsreden das Wort u. a : Dr. Hugo Spitzer, I. N. Schulhof, Oberrabbiner Dr. Simon Ungar (Osijek) Samuel Wolf, I. G. Kraus. — Der Kommers, der einen animierten Verlauf nahm, dauerre blS nach 1 Uhr. — Die gestern eingeleitete Sammlung für den Parteifond ergab die hübsche Summe von K 220.—. Der Nationalfond wurde ebenfalls reichlich bedacht. Israelitische Beerdigungs-Brüderschaft in Kolin. K o l i n, den 10. Februar 1908. Löbliche Redaktion! Mit Bezug auf den in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes unter der Spitzmarke „Kolin — Friedhofverkauf" erschienenen Artikel bitten wir, jedwede Polemik mit Ihrem Berichterstatter vermeidend, im Interesse der Wahrheit nachstehenden Sachverhalt i» Ihrem geschätzten Blatte veröffentlichen zu wollen. Üeber Beschluß der Generalversammlung des Vereins „Israelitische Beerdigunas-Brüderschaft in Kolin" und über einstimmigen Beschluß der Kultusgemeindevertretnng wurde das zu dem alten Friedhöfe, auf welchem s-it dem Jahre 1886 nicht mehr beerdigt wird, gehörige, vielfache Reparatur bedürftige Gebäude Nr. 15 in Kolin samt der angrenzenden Ackerparzelle, Kat.-Nr. --589, auf welcher sich s e l b st v e r st ä n d l i ch kein einziges Grab befindet, dem Josef Zapadlo um den Kaufpreis von 18.500 Kron-n verkauft, wobei der Käufer die Verpflichtung übernommen bat, die gekaufte Parz,lle mit einer mindestens 2 Meter hohen, mit Stacheldraht versehenen Mauer zu umfrieden, dieselbe stets im guten Zustande zu erhalten und keinerlei Oeffnungen in dieselbe anzubringen. Den n> uen Eingang zum Friedhof wird ein schönes Gittertor, dessen Schlüssel der Gemeindediener in Verwahrung halten wird, bilden und die Friedbofbesucher werden absolut keinen Anlaß haben, über ein- Erschwerung des Gräberbesuches Klage zu führen. Es ist a>io erwiesen, daß wir den Friedhof nicht verkauft und keinerlei Pietätlosigkeit begangen haoen Für die freuaol. Veröffentlichung bestens dankend, zeichnen wir mit vorzüglicher Hochachtung Für die israelitische Für die israelitische Beerdigungs-Brüderschaft in Kolin: Kultusgemeinde Kolin: Raimund.Heller, Jg. Arnstein, derz. Ovmann. Vorsteher.

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