Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 7 (14.2.1908)
- Date
- 1908-02-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 130 Dr. Llocb's MocbenscbrLtt. Nr. 7 ist jedoch so stolz auf ihre Abstammung von den Nathans, daß^Baugrund zu dem Tempel, V. Mittersteig-Siebenbrunnengasse. sie sich stets Marchese Nathan-Monaldi nennt und auch so ge-Munmittelbar an den IV. Bezirk angrenzend, bereits käuflich ernannt wird. Eine Nichte Nathans ist an einen italienischen''^worden und dank der bedeutenden Subvention der Kultus- Grafen verheiratet und ebenfalls hoffähig. Die meisten Frauen der Familie Nathan zeichnen sich durch auffallende Schönheit aus. ' Sie wissen es sicherlich, wie die Königin Margarethe im Jahre 1887 anläßlich der Millennarfeier der Universität von Bologna den gewesenen Republikaner Carducci zum Monarchismus bekehrte. Nun denn, die Königin hatte denselben Versuch mit Nathan gemacht, doch hier ist der Versuch gescheitert. Nathan war der Präsident einer großen öffentlichen Anstalt, wenn ich nicht irre, eines Waisenhauses, welche durch den Besuch der Königin ausgezeichnet wurde. Ernesto Nathan fiel nun die Aufgabe zu, die Königin zu empfangen und die Führung bei der Besichtigung der Anstalt durch den hohen Gast zu übernehmen. Die Königin zeigte sich sehr huldvoll und beehrte Signor Nathan mit einem längeren Gespräche ... Es ist mir bekannt, mit welcher Bewunderung in der Familie Nathan von der Königin Margarethe gesprochen wurde, und mich hat auch die Nachricht von den freundschaftlichen Beziehungen des jetzigen Königs zu Ernesto Nathan nicht im geringsten überrascht. Die Familie Nathan nimmt in Italien eine sehr hohe soziale Stellung ein und erfreut sich allseits der höchsten Achtung. Die Familie erhält in Rom eine freie Schule für arme Kinder, welche den Namen „Schola Mazzini" führt. Vor ungefähr zehn Jahren, als ich in Rom war, genossen hier 150 arme Kinder freien Unterricht und erhielten jeden Winter außer guten warmen Kleidern auch täglich ein gutes warmes Mittagmahl. Eine der Lehrerinnen war damals Marchesa Nathan- Monaldi selbst. Ernesto Nathan gründete auch im Einverständnisse mit seiner Frau ein Mädchenheim für obdachlose Mädchen, in welchem diese zur Zeit der Arbeitslosigkeit bequeme Unterkunft und Versorgung wie auch sonstigen Schutz finden. Frau Ernesto Nathan ist eine energische Dame mit viel Geist und unermüdlich in der Gründung und Förderung moderner Anstalten sozialer Fürsorge. In ihrer jetzigen Stellung wird sie, wie ich sie kenne, ihre Hände mehr als voll zu tun haben, um immer neue Pläne öffentlicher Wohltätigkeit in die Tat umzusetzen." Frauenstimmrecht in der Knltusgemeinde.' Eisenstadt. Die hiesige Gemeinde hat anläßlich der jüngst vorgenommenen Statutenänderung die Bestimmung ausgenommen, daß Frauen (Witwen), welche Kultussteuer zahlen, das aktive Wahlrecht besitzen. Gegen diese Bestimmung nahm die orthodoxe Zentralkanzlei in ihrem Gutachten Stellung, indem sie betonte, daß „die Beteiligung von Frauen am Gemeindeleben den religiösen Ueberlieferungen nicht entspricht". Infolge dieser Stellungnahme hat der Kultusminister die erwähnte Bestimmung nicht genehmigt. Wir sehen nicht ein, inwiefern die Ausübung des aktiven Wahlrechtes „den religiösen Ueberlieferungen nicht entspricht", und sind der Meinung, daß, wenn Debora als Richterin des jüdischen Volkes fungieren konnte, die Abgabe eines Wahlzettels dem Judentum kaum schaden könnte. Korrespondenzen. Tempelbau Wieden-Margarethen in Wien. Im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde fand Sonntag den 9. d. M. die konstituierende Sitzung des Exekutivkomitees für den Tempelbau statt. Kultus-Vizepräsident Dr. Gustav K o h n begrüßte die in großer Zahl erschienenen Komiteemitglieder und versicherte sie des regsten Interesses der Kultusgemeinde, welche das Werk in jeder Hinsicht fördern wolle. TempelvereinSlbmann Adolf H o f m a n n, einstimmig zum Vorsitzenden der Versammlung gewählt, teilte mit, daß der gemeinde baar bezahlt wurde. Mit Rücksicht darauf, daß der Bau des Tempels noch im Jubiläumsjahre unseres allverehrten Monarchen fertig gestellt und anläßlich des Jubiläums seiner Bestimmung übergeben werden soll, müßten alle Anstrengungen gemacht werden, um das zum Baue und der Einrichtung des Tempels noch erforderliche Kapital so rasch als möglich durch Sammlungen aufzubringen, was bei der Geneigtheit unserer Glaubensgenossen zu dem Jubiläum durch Schaffung eines gemeinnützigen Werkes im Sinne des hohen Jubilars ihr Scherflein beizutragen, voraussichtlich möglich sein wird. Da die beiden Bezirke die einzigen in Wien sind, welche bis jetzt ein würdiges, räumlich entsprechendes Gotteshaus entbehren, ist dessen Erbauung ein dringendes Bedürfnis, welches der werktätigen Mithilfe aller Glaubensgenossen in jeder Weise würdig ist. In einer ausführlichen Debatte, an welcher sich insbesondere die Herren Dr. Bernhard Singer, Dr. B l o ch, Dr. L ö w y, Friedrich Wiener, Josef Sonnenschein, Emil W i e s e l t i e r, Franz Frankl und andere lebhaft beteiligten, wurden die Wahlen vorgenommen und die Herren Ehrwürden Oberrabbiner Moritz Güdemann und David Ritter v. Gutmann als Ehrenpräsidenten, zum Obmann: Herr Friedrich Wiener, zum Obmannstellvertreter: Josef Sonnenschein, zum Schriftführer : Alexander T a u ß k y, zum Kassier: Emil W i e s e l t i e r, zu Beiräten: die Herren Rudolf Brück, Ingenieur Otto Ehrenfest, Dr. Rudolf Freund und Leopold Walter einstimmig gewählt. Dieses Komitee übernahm die Aufgabe, geeignete Vorschläge zu erstatten und diese dem aus dem Gesamtvorstande des Tempelvereines und den Komiteemitgliedern bestehenden großen Komitee zur Annahme und Durchführung zu übergeben. Die bei der Versammlung zutage getretene Arbeitsfreudigkeit sämtlicher Komiteemitglieder läßt es' zuversichtlich erhoffen, daß der Tempel rechtzeitig zur Jubiläumsfeier erstehen und Zeugnis von der frommen und patriotischen Gesinnung unserer Glaubensgenossen geben wird. Wien. Wie wir seinerzeit berichteten, hat der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Wien in seiner Sitzung am 22. Dezember v. I. beschlossen, das Minjan des Vereines „Schomre Hadath" in der Brigittenau zu sperren. Dieser Beschluß hat in den beteiligten Kreisen der kleinen Minjanvereine eine Aufregung hervorgerufen, welche auch in einer Sitzung von Delegierten mehrerer solcher jüdischer Vereine, welche am 4. Februar 1908 im „Cafe Stefanie" getagt hat, zum Ausdruck kam. In dieser Sitzung in der die Vertreter der Vereine „Schomre hadath", „Verein der K'olomeaer", „Verein Auheve Israel", „Verein der Brodyer", „Menschenliebe" und überdies einige Privatpersonen erschienen sind, referierte Herr Dr. Jo/ef Z i p s e r über ein Memorandum, das er gemäß eines früher gefaßten Beschlusses der Vereinsdelegiertenversammlung entworfen hatte. In der Diskussion erklärten sich sämtliche Delegierte mit dem Memorandum einverstanden, verlangten überdies noch weitere Maßregeln, um dem Memorandum Nachdruck zu verschaffen. Dies wurde insbesondere vom Hof- und Gerichtsadvokaten Herrn Dr. R y b ac z e w s k i (Verein der Brodyer), und Herrn Dr. Drucker (Auheve Israel) gefordert. Sohin wurde der Beschluß gefaßt, das Memorandum, welches sich nicht bloß mit der beabsichtigten Sperrung des Bethauses beschäftigt, sondern eine Aenderung des Kultusgemeindestatuts in vielen Belangen fordert, in Druck zu legen, behufs Sammlung von Unterschriften an die einzelnen Vereine zu senden und sodann dasselbe der israelitischen Kultusgemeinde in Wien mit dem Ansuchen vorzulegen, es innerhalb vier Wochen zu erledigen. Wie«. Zum Ableben der vornehmen edlen Frau Ninna Leon, die im Alter von 94 Jahren die Zeitlichkeit mit der Ewigkeit vertauschte und die die Großmama der Gemalin Sr. Exzellenz des Ministerpräsidenten Freiherrn v. Beck gewesen, will