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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-14 · 7 (14.2.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7 Dr. LLocbs Mocvenscvrin. Güte 139 nehmen, daß die Regierung des Landes uns Gelegenheit geben will, die Angelegenheiten unserer Konfession zu regeln. Die Aufgabe, die nunmehr unser harrt, erheischt ernste Erwägung und es ist vermöge der Natur der Sache nicht möglich, daß wir schon jetzt mit fertigen Vorschlägen hervortreten. Erst nach Beendigung unserer Beratungen werden wir sie in sorgfältiger Tex tierung Ew. Exzellenz unterbreiten. Aber wir geben nunmehr das Versprechen, daß wir mit unseren Anträgen uns bestreben werden, im Schoße unserer Konfession die friedliche Einmütigkeit wiederherzustellen und alles zu vermeiden, was die leider vorhandenen Gegensätze zu schärfen, ihnen Nährstoff zu geben geeignet wäre. Wir gehen weiter und übernehmen gerne die Verantwortung dafür, daß die allgemeine Versammlung in der Verrichtung ihrer Arbeit nicht verhindert sein, eine solche Organisation feststellen, beziehungsweise unsere bestehende Organisation mit Berücksichtigung der geänderten Verhältnisse auf solche Weise ausgestalten wird, daß darin jede in der Zwischenzeit in unserer Konfession aufgetauchte Richtung und Parteischattierung einen Platz und Gelegenheit dazu finde, daß sie unabhängig ihre eigenen Angelegenheiten führen könne und die Einheit der Konfession nur dort in die Erscheinung trete, wo der Rechtsstandpänkt der ganzen Konfession zum Staate und ihr Rechtsverhältnis zu den anderen Konfessionen in Rede steht. Von unserer Seite wird die weitestgehende Friedfertigkeit vorhanden sein und wir hoffen, daß wir den Grundstein zur friedlichen Entwicklung unserer Konfession werden legen können. Unsere Konfession hat auch andere Klagen und Wünsche in Hinsicht der staatlichen Verwaltung und der Unzulänglichkeit der staatlichen Hilfe für unsere Konfession; wir wollen aber dieselben in -keine Verbindung bringen mit den hauptsächlichsten Existenzfragen unserer Konfession und werden in diesem Belange unsere Anträge schriftlich besonders stellen. Wir bitten Ew. Exzellenz, Ihr Wohlwollen für unsere Konfession zu bewahren. (Lebhafte Zustimmung.) Kultus- und Unterrichtsminister Graf Albert Apponyi erwiderte auf diese Ansprache folgendes: Geehrte Herren! Der Umstand, daß der erste Schritt, den ich da unternommen habe, lange auf sich warten ließ, hat vielleicht manche auf den Gedanken gebracht, daß ich nicht die Absicht habe, mich mit der Regelung der Angelegenheiten der vaterländischen Judenschaft zu befassen und ich bin vielleicht auch schon Vorwürfen darüber begegnet, daß es mir in nicht ganz zwei Jahren nicht gelungen ist, dasjenige zu regeln, was meinen Vorgängern in vierzig Jahren zu regeln nicht gelungen ist. Ich begreife, daß die Herren sich unbehaglich fühlen in der Lage, in der die jüdische Konfession sich derzeit befindet, aber nicht unbehaglicher, wie ich mich gerade dieser Konfession gegenüber fühle, da ich in diesem Ministerium zuweilen solche Fragen zu entscheiden habe, die ich nicht verstehe und zu welchen, selbst wenn ich sie verstünde, ich keine Kompetenz in mir fühle, vermöge jener Grundiätze der Gewissensfreiheit und der Glaubensfreiheit, welche die Grundlage meines Wirkens bilden. Ich habe also gerade wegen der. Schwierigkeit des Problems lange darüber nachgedacht, bis ich endlich zu dem Entschlüsse gelangte, daß es das Zweckmäßigste sei, wenn ich vor allem diejenigen anhöre, die in diesem Belange am meisten kompetent sind, sich zu äußern, und zwar ohne Rücksicht auf jene Schattierungen, die im Schoße der Judenschaft bestehen, jeden, jedermanns Meinungsäußerung anhöre. Es ist mein warmer Wunsch, daß es mir, geleitet von Ihrem weisen Rate, gelingen möge, in unserem Vaterlande das Gebäude der R.chtsgleichheit und des konfession llen Friedens dadurch zu vervollständigen, daß auch die Judenschaft ihre autonome Organisation erlange und daß ihr Verhältnis zu diesem Staate auf solche Grundlagen gestellt werde, welche der wahren Rechtsgleichheit und Gewissensfreiheit entspricht. (Lebhafte Eljenrufe.) Daran arbeite ich. und ich entnahm mit großer Beruhigung den Ausführungen Ihres Präsidenten, meines früheren Abgeordnetenkollegen und auch jetzt noch Freundes, daß Sie sich dafür einsetzen werden, eine solche Organisation zu schaffen, innerhalb welcher an niemandens Gewissensfreiheit ein Abbruch geschehe (Lebhafte Zustimmung), denn gerade das ist die einzige Sache, in welche ich mich unter keinen Umständen schicken könnte, daß nämlich wem immer zuliebe die Gewissensfreiheit anderer, mögen diese viele oder wenige sein, verletzt werde. (Großer Beifall.) Ich hoffe, daß wir, 'nachdem uns dieselben Prinzipien leiten, Sie, von denen ich die Initiative erwarte, und ich, dem die schwere Aufgabe zufällt, die von Ihnen erhaltenen Ratschläge, Aufklärungen und Direktiven in Form zu bringen, auch diesen Weg zurücklegen werden, mit mehr Erfolg, als es bisher geschehen ist. Bei mir ist in dieser Hinsicht der beste Wille vorhanden. Ich danke sehr für Ihr freundliches Erscheinen. (Lebhafte Eljenrufe.) Der Minister sprach noch eine Zeit lang mit den Mitgliedern der Deputation, die sich hierauf zum Staatssekretär Johann Toth begaben. Der Staatssekretär erwiderte die Ansprache Moriz Mezeis gleichfalls in der herzlichsten Weise und äußerte sich dahin, daß er sich mit den Angelegenheiten der israelitischen Konfession gründlich befasse und sie mit sehr großer Wärme und großem Wohlwoll n behandle. (Eljenrufe.) Er sehe demnach mit großen Erwartungen der Arbeit der Versammlung der Präsidenten entgegen, wie sie nämlich in der wirklich schweren, seit Jahrzehnten ungelösten Frage, mit welcher sich nun das Ministerium beschäftigt, diesem wird den Weg weisen können. (Großer Beifall.) _ Der englische Minister Churchill über die Lösung der Judensrage. Vorige Woche fand in Manchester im Anschlüsse ün die JahreSkonferenz der englisch-zionistischen Federation eine stark besuchte zionistische Versammlung statt, in welcher unter anderem auch der Brief des Ministers Churchill zur Verlesung gebracht wurde: „Ich empfinde für die historischen Bestrebungen der Juden die vollste Sympathie. Die Zurückgewinnung einer wirklichen Raffen- und politischen Einheit wäre sicherlich eine großartige Fügung der Weltgeschichte. Ob die ganze Mühe des jüdischen Volkes sich bloß auf Palästina zu konzentrieren habe und alle anderen momentanen Lösungen ausichließen soll, oder ob inzwischen zu anderen Hilfsmitteln gegriffen und ein Sammelplatz für diejenigen geschaffen werden soll, die täglich zu leiden haben, das find Fragen, über welche ich wohl kaum in der Lage bin, eine Meinung zu äußern. Mein Besuch in Ostafrika hat mir allerdings recht viele Schwierigkeiten offenbart, die auf dem Wege in dieses Land liegen, und diese Tatsache vergrößert notwendigerweise meine Sympathien für Ihre Bemühungen zur Erreichung deffen, was unbedingt Ihr Endziel sein muß." Die Familie Nathan und der italienische Hos. Die New-Aorker „Times" veröffentlichen einen Brief, den eine Dame an einen hervorragenden jüdischen Publizisten gerichtet hat, in welchem sich die folgenden, wenig bekannten Details über die Beziehungen der Familie Nathan zum italienischen Königshause finden: Ich setze voraus, daß Sie die Nachricht, daß Ernesto Nathan, ein Jude, Bürgermeister von Rom geworden, sicherlich interessiert hat. Ich las hierüber im „Examiner" einen recht zutreffenden Leitartikel und g'stern erhielt ich von der Tochter Nathans einen Brief, in welchem sie mir die Nachricht bestätigt. Mr. Nathan wurde in England — ich glaube in Oxford — geboren und erzogen. Sein Vater wurde englischer Staatsbürger (ich glaube, er war ursprünglich deutscher Jude), aber seine Mutter, die berühmte Sarah Levi-Nathan wurde in Italien geboren und gehörte zu den berühmtesten Frauen, die an dem Kampfe für die Unabhängigkeit Italiens tätigen Anteil nahmen. Sarah Levi-Nathan war eine große Verehrerin Mazzinis. Mazzini war ein wirklicher Hausfreund der Familie Nathan. Die zwölf Kinder der Signora Sarah hingen an Mazzini genau so wie ihre Mutter und der Held des italienischen Freiheitskampfes war stolz auf diese Anhänglichkeit, die er in vollem Maße erwiderte. Es war auch im Hause eines dieser Kinder: meiner teueren Freundin Gianetta Nathan-Raffelli in Paris — wo Mazzini sein Leben beendete. Kurze Zeit, nachdem ich seinerzeit in Florenz die Bekanntschaft dieser reizenden und interessanten Familie gemacht hatte, gab es in Pesaro, der Geburtsstadt der Signora Sarah Levi- Nathan. große Festlichkeiten. Eine Straße wurde nach der Sarah Levi-Nathan benannt und an ihrem Geburtshause eine Gedenktafel angebracht und an diesem Tage feierlich enthüllt. Die Kinder waren natürlich stets stolz auf ihre Mutter und sprachen zu mir oft von ihr. Sie war eine schöne Dame, der edelste Typus einer „Mutter in Israel". Vor ungefähr acht Jahren kam Ernesto Nathan mit steifem Nacken und einem Pflaster über einer Wunde nach Florenz. Er hatte Tags vorher mit einem Herrn, der es gewagt hatte, sich über das Verhältnis seiner Mutter zu Mazzini in unanständiger Weise zu äußern, ein Duell ausgefochten. Die NathanS waren stets überzeugte Republikaner trotz aller gegenteiligen Berichte mancher Zeitungen. Diese Behauptungen find darauf zurückzuführen, daß zwei von den Schwestern, zum Verdruffe der anderen, zu Hof gingen. Die eine der zwei Schwestern ist an den Marchese Monaldi verheiratet,

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