Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 7 (14.2.1908)
- Date
- 1908-02-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021764-3021772--17092-3041948- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 128 Dr. mocm MocvenscvM. Nr. 7 Dr. Herzberg behauptet, ich schätze die Juden gering. Meine Sätze (Seite 4, Zeile 30) „Ungleichartig ist nicht gleich bedeutend mit ungleichwertig", „Jeder gilt dem andern nur insolange als minderwertig, als er selbst die Rolle des Minderwertigen zu spielen gewillt ist" stehen im Widerspruch zu dieser Behauptung. Bei Anführung meines Satzes : „Der Arier fühlt im Juden stets instinktiv das ihm wesensfremde Element" unterdrückt Dr. Herzberg den Nachsatz, „das ist zunächst nur eine Sinneswahrnehmung, die darum auch keinerlei Beleidigung des Juden in sich schließt". Daß die arischen Völker heute überall die politische Anbiederung der Juden schroff zurückweisen, ist leider ebensowenig eine Tatsache meiner Erfindung, wie die „Emanzipation", die man bei einer Erörterung der Judenfrage doch nicht gut verschweigen kann. Daß auch ich sie keineswegs als durchgeführt betrachte, beweist mein Satz: (Seite 46, Zeile 11) „Die Lage der Juden stellt in unserer Zeit, der, ungeachtet aller gegenteiligen Behauptungen, doch die Menschlichkeit ihren Stempel aufgedrückt, einen stärkeren Gegensatz dar, als die Ghetti im Zeitalter der Inquisition. Sie ist einfach unvereinbar mit dem Empfinden gesitteter Menschen." Ebensowenig verdiene ich den Vorwurf der Verallgemeinerung weder in Bezug auf die Zudringlichkeit der Juden, noch auf die „Judeupreffe". Ich sage vielmehr ausdrücklich (Seite 17, Zeile 10): „Die Arier übersehen, daß es sich hier immer nur um gewisse Schichten des Judentums handelt." Daß auch mir die Aristokratensucht mancher meiner Connationalen bekannt sei, davon zeugt der von Dr. Herzberg zitierte Satz : „Bei Wohltätigkeits- Veranstaltungen zc.“, den Dr. Herzberg augenscheinlich nicht beendet, um in seinen Lesern den Glauben zu erwecken, er beziehe fich auf die Juden, während er klar und deutlich auf die arischen Streber gemünzt ist. „Schroffe Zurückweisung von Seite der adeligen Dame ist alles, was die Zudringliche (vorher verwöhut-arische Bürgerliche) zu gewärtigen hat." Was die „gewisse Judeupreffe" anbelangt, oder, um deutlich zu sein, die „Neue Freie Presse", so ist sie allerdings meiner Ansicht nach die Hauptursache des intellektuellen Antisemitismus in den gebildeten arischen Schichten. Dafür aber sämtliche jüdische Journalisten verantwortlich machen zu wollen, ist mir natürlich nicht eingefallen: „Gegen diese hervorragenden jüdischen Dichter und Denker und gegen viele andere mehr oder minder begabte jüdische Schriftsteller kann gewiß kein gesitteter, denkender Arier den Vorwurf der Anmaßung oder des Zynismus erheben (Seite 35, Zeile 18). Ebenso wahrheitsgetreu ist die Wiedergabe meiner Behauptung: „Die Arier lesen fast niemals die antisemitischen Blätter." Eine sol he Behauptung wäre allerdings mehr als „sonderbar". Ich spreche aber nur von den Ariern des gebildeten Mittelstandes, welche die antisemitischen Blätter fast niemals lesen, weil sie weder, was die Form, noch was die wirtschaftlichen Informationen anbetrifft, den Anforderungen entsprechen, welche die gebildeten Arier an ein großes Blatt stellen (Seite 23, Zeile 3). Den Zionismus endlich betrachte ich allerdings als die einzig mögliche Lösung der Judenfrage, freilich nicht in dem Sinne Dr. Herzbergs. Ich denke nicht an einen Exodus der Juden aus den Kulturstaaten (Seite 39, Zeile 16), „welche auch nach Errichtung eines jüdischen Gemeinwesens in ihrer überwiegenden Mehrheit an ihren bisherigen Wohnstätten verbleiben würden", wohl aber an' die Errichtung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte für das arme osteuropäische Judenproletariat, dessen unerträgliche Leiden auch dem Nichtjuden das tieffte menschliche Erbarmen einflößen müssen, sofern er nur menschlich fühlt. Palästina allerdings kenne ich nicht aus eigener Anschauung und ich mußte mich daher diesbezüglich auf die Angaben meiner Lieblinge, „der Zionisten", verlassen, deren Wahrhaftigkeit zu bezweifeln ich übrigens keinen Grund habe. Ob dann künftig ein jüdischer statt eines türkischen Postens die Wache am heiligen Grab bezieht, wäre mir persönlich gleichgiltig. Vielleicht denken aber nicht alle wie ich und man müßte daher auch die Gefühle dieser anderen berücksichtigen. Der Zionismus hat aber neben Errichtung dieser Heimstätte noch eine andere nicht minder wichtige Aufgabe: Die Anerkennung des jüdischen Volkstums zu erreichen, und zwar bei Juden und Ariern. Die arischen Völker müssen endlich lernen, mit dem Wort „jüdisch" einen nationalen, statt einen kulturell minderwertigen Begriff zu verbinden. Das wäre der erste Schritt zur endgiltigen, gerechten Lösung der Judenfrage. „Juden und Arier sind hoch genug in der Gesittung gestiegen, um das Gemeinsame deutlich zu erkennen, das allen Kulturmenschen eigen ist." (Seite 53, Zeile 21.) Die Anerkennung des Menschen im Juden führt meiner tiefinnersten Ueberzeugung nach nur über den Weg der Nation. Je schneller die Juden dies begreifen lernen, desto besser für sie und alle aufrichtigen Freunde der Gesittung. Mit bestem Dank für die Aufnahme zeichnet hochachtungsvollst Camilla Theimer. Nachschrift der Redaktion: Vorstehende Zuschrift bringen wir vollständig zum Abdruck — aus Rücksicht für die geehrte Einsenderin —; wir dürfen indes nicht verschweigen, daß wir in der Beurteilung der Schrift: „Antisemitismus und Nationaljudentum" mit unserem verehrten Mitarbeiter Herrn Leo Herzberg-Fränkel, vollständig übereinstimmen. Trotz der Leit- und Reklameartikel, welche die Wiener antisemitische Presse ihrer Schrift gewidmet hat, versichert uns die Verfasserin: „Ich bin eine ehrliche Feindin des Antisemitismus". Das wird ihr indeß in jenen Kreisen nicht schaden, die eine solche „Feindin" lieber sehen, als manchen Freund und Helfer. Aus der Schrift zitieren wir noch nachstehende kleine Sätze: „Fassen wir zusammen. Der politische, der soziale, der wirtschaftliche und der intellektuelle Antisemitismus sind eine Tatsache, die mit aller Schönrednerei nicht aus der Welt zu schaffen ist und, was noch ungleich wichtiger ist, alle diese Varianten besitzen unleugbar eine gewisse Berechtigung." (S. 27.) „Ein Teil der studierenden Juden ist minderwertiges Material in kultureller Beziehung, d. h. er steht auf einer kulturell tieferen Stufe als der arische Durchschnittsstudent." (S. 26.) Die geehrte Einsenderin ist zwar in der Lage, auf die ihr gewidmete Anerkennung und das „Placet" der Machthaber und des offiziellen Organes der zionistischen Partei sich zu berufen; wir unsererseits überlassen getrost das Urteil unseren Lesern. Vom Jahrmarkt des Lebens. Die Einberufung des israelitischen Landeskongresses. B u d a p e st, den 12. Februar. Eine Deputation der israelitischen Gemeindedistrikte unter Führung des Präsidenten der Landeskanzlei Dr. Moriz Mezei sprach heute Mittags beim Unterrichtsminister Grafen Albert Apponyi vor. Mitglieder der Deputation waren: Dr. Josef Simon, Dr. Franz Mezei (Budapest), Dr. Emanuel Donath (Trencsin), Dr. Josef Singer (Liptoszentmiklos), Theodor v. Wolfner (Ujpest), Josef Freund (Obecse), Dr. Julius Rosenberg (Szombathely), Dr. Felix Feldmann (Szombathely), Baron Wilhelm Guttmann de Gelse (Nagykanizsa), Alexander Leopold (Szegßard), Armin Wertheim (Szekesfehervar), Dr. Heinrich Gutlohn (Rozsnyo), Dr. Bela Weiß (Kassa), Dr. Wilhelm Lippe (Szolnok), Dr. Franz B:rkovics (Nagyvarad), Dr. Isidor v. Rosa (Szeged), Dr. Viktor Suly (Szaßvaros). Namens der Deputation richtete Dr. Moriz Mezei folgende Ansprache an den Minister: Ew. Exzellenz Herr Minister! Die israelitischen Distriktspräsidenten, die sich versammelt haben, Ew. Exzellenz in Betreff der Einberufung des israelitischen Landeskongresses ihre Vorschläge zu wachen, haben es für ihre Pflicht erachtet, vor Ew. Exzellenz zu erscheinen und vor allem ihren Dank für den Entschluß Ausdruck zu verleihen, welcher in dem an uns gerichteten Reskript Ew. Exzellenz zum Ausdruck gekommen ist und aus welchem wir vertrauensvoll zur Kenntnis'