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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-07 · 6 (7.2.1908) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
6 (7.2.1908)
Date
1908-02-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 106 Dr. Wwcb's MocvenscdrLN. Sk. 6 Sprache den „Erweckten" nennen, ein Königssohn gewesen sei. Er wurde, so sagen sie, auf eine unbefleckte Weise empfangen, indem er sich als weißer Elephant aus der Region der Götter herabsenkte, als fünffarbiger Strahl in den Leib seiner Mutter einging und durch die Achselhöhle geboren wurde. Er suchte die Einsamkeit, mied den Verkehr mit den Großen und Mächtigen, zu welchen er nach seiner Abstammung gehörte, und pflegte Umgang nur mit niedrigstehenden Menschen. Auch soll er freiwillig Leiden auf sich genommen haben, um die Schuld der Menschheit zu tragen, die er zuletzt durch seinen Tod sühnte." Der Rabbi saß schweigend da, strich mit der Hand über Stirn und Augen, und murmelte wie einer, der Bekanntes wiederholte: *4 4 wes mab mm — «•w rnv -wn «an» — mn nabm nan- »stw D'ii «ton Der Römer glaubte, daß die ihm unverständlichen Worte des Judäers an ihn gerichtet seien, und blickteOeshalb denselben fragend an. Während der so entstandenen Pause wurde die Gestalt des Jünglings, des früheren Begleiters des Rabbi, in der Türöffnung sichtbar. Der Rabbi erhob sich, neigte das Haupt zum Gruße und mit dem Worte: „Salve" verließ er als Bekehrer das Gemach. Vom Schatten der Nacht bedeckt, rauschte das Wasser des Chrysorrhoas. Am tiefdunkeln Himmel oben blinzeln Sterne wie Augen, wenn sie weinen wollen, oder als wollten, sie einander auf das geheime Getriebe der Menschen und die Gedanken im Haupte des Rabbi aufmerksam machen. Da unten zeigen sich schwache Lichtpunkte, die wie Irrlichter schwankend und zitternd sich dorthin fortbewegen, wohin auch der Rabbi und sein jugendlicher Begleiter ihre Schritte lenkten. Der Rabbi, im tiefen Sinnen, welches der andere nicht zu stören wagt, schreitet dahin in das Dunkel der Nacht. War früher das Zerstören der Inhalt seiner Gedanken, so sinnt er jetzt, einen Bau aufzusühren, zu dem die von ihm zitierten Stellen aus den Reden des großen Propheten die Steine liefern sollen: Eine Jungfrau, die einen Sohn gebar; — Ein Sproß aus Königsstamme; — Folgen von fremden Sünden, die durch seinen Tod gesühnt wurden. Drei, die in Eins verschmolzen. Die schwankenden, zitternden Lichter, die ihren Zweck, den Besuchern der nächtlichen Zusammenkunft den Pfad zu erhellen, nur dürftig erfüllt haben, waren ausgelöscht. Den Sternenhimmel deckte Nebel, der aus dem nahen, vom Chrysorrhoas gebildeten Seesumpfe reichlich emporstieg. Von der geheimnisvollen, nächtlichen Zusammenkunft ist auf die Nachwelt nichts gekommen, als die Gewißheit, daß der Abgesandte des Synhedrion den Auftrag, der ihm geworden, nicht zur Ausführung gebracht hat. Die Stellen aus den Reden des großen Propheten waren durch kühne Auslegung zu verwenden — sein Sinn war geändert und der Welt wurden neue Bahnen vorgezeichnet. Der Abgesandte des Synhedrion, der ausgeschickt war, die neu entstandene Sekte zu bekämpfen und von der Wurzel aus zu zerstören, ist der mächtigste Apostel derselben geworden. Saulus ist unter die neuen Propheten gegangen! Zwischen Hammer und Ambos. Eine lustige Geschichte aus Galizien. Von Nathan Saumely. (Fortsetzung.) Fünftes Kapitel. Seit der rote Jtzik Hersch das letztemal mit Benjamin Höcker zusammenstieß, zeigte er nicht mehr sein Gesicht der Gasse; er hätte es am liebsten vor Scham in eine Erdenritze vergraben. Was mußte er nicht alles leiden und ertragen! Himmel und Erde, schien es ihm, hätten sich gegen ihn verschworen, um alle seine Pläne zu durchkreuzen. Was er so fein ersonnen und ausgesponnen ist ihm zu Schanden geworden. Als Mann, der immer mit der Zukunft rechnet, hatte er den Kindern Benzions allerhand gute Dienste erwiesen; — schließlich wird er doch nicht ewig leben, der alte Geizhals, und ist er einmal tot, dann werden sie an Jtzik Hersch denken, dann werden sie ihm ihre Dankbarkeit in klingenden Münzen ausdrücken! Ihm aber zum Trotze lebt der alte Knauser in ungeschwächter Gesundheit und wie es den Anschein hat, wird er noch alle seine Kinder überleben! Nach schwerer Mühe gelang es ihm, seine häßliche und überreife Tochter an den Bräutigam zu bringen, und da erhielt er gar heute durch die Hand seines Todfeindes die Verlobungsschrift zurück. Sein einziger und letzter Hoffnungsynker war noch Siegmund, von dem er erwartete, daß er als Schwiegersohn des reichen Benzion ihm aus mancher, fatalen Lage heraushelfen werde, und nun gar taufte sich der Häßliche, um die Tochter seines Chefs zu heiraten. Aber dieser Chef — fuhr es ihm plötzlich wie ein Blitzstrahl durch den Kopf — ist er nicht ein Mann von Millionen? Und Siegmund, der jetzt sein Schwiegersohn ist, ist er nicht ein Erbe dieser Millionen? Halt! Mit solchen Leuten heißt es gut leben, da kann die Freundschaft sich rentieren! Warum solle er übrigens mit Siegmund brechen? Er hat sich getauft — solle Gott für sich selber einstehen, er sei kein Gottbeschützer! Werde er just jetzt, wo Siegmund hier von aller Welt verlassen und verstoßen ist, als der einzige Verwandte ihm treu und ergeben bleiben, so wird er ihm das großmütig belohnen. Das könnte ihm eine Quelle von viele Tausender werden, und dann, — wart nur Höckerchen, dann schreib ich dir einen Denkzettel auf den heiligen Buckel, daß du nimmer an ihn vergessen sollst . . . Während er sich so in diesen Gedanken immer mehr hineinlebte, wuchs und dehnte sich der rote Bart unter seinen arbeitenden Fingern, daß er auf einmal, wie in früheren besseren Tagen, ihm wie eine helle Flamme das Gesicht umkreiste. Sein Entschluß war gefaßt, noch heute Siegmund bei seinem christlichen Freund zu besuchen, freilich müsse das mit großer Vorsicht geschehen, ganz geheim, am liebsten bei Nacht, denn erfährt die verdammte „Frömmigkeit" von seinem Besuch, dann hetzt sie ihm das ganze Rudel von Gassenjungen auf den Leib, daß er nicht mehr heil ausgehen werde! Kaum daß die Nacht hereinbrach, schlich sich der Rote mit aller Vorsicht, unter dem Schutze der Finsternis, aus dem Hause und begab sich zu Siegmund in die Wohnung seines christlichen Freundes. Zurückgekehrt von der Mutter, wo er eine so schreckliche Szene erlebt hatte, schloß sich Siegmund in das Zimmerchen ein, daß ihm sein christlicher Freund gastlich überlassen hatte und brütete eine Zeitlang gedankenlos vor sich hin. Er fühlte sich wie vernichtet. Nach und nach gewann die innere Empörung wieder die Herrschaft über ihn, er raffte sich auf, durchmaß mit heftigen Schritten einigemal das Zimmer und ballte wiederholt die Faust, als gelte es, einen unsichtbaren Feind zu zerschmettern. Aber gegen wen den Kampf führen? fragte er sich selber, ihn umgibt ja undurchdringliche Finsternis. Er fühlt sich wie in ein Netz eingesponnen, das sich immer enger um ihn zusammenzieht. Doch wer hat es chm gelegt dieses Netz? Wüßte er es nur! Er sehe keinen Ausgang. Die Leute sind hier alle in dem Wahn befangen, er sei getauft. Seine Mutter beinahe noch mehr als alle anderen. Sie ließ ja nicht einmal zu sich sprechen, sie wollte sich von ihm nicht überzeugen lassen. Sie floh, kaum daß er angefaugen hatte, etwas Licht über dieses Dunkel zu verbreiten, und ließ ihn mit den leeren Wänden zurück. Was nun anfangen? Wie sich aus der Schlinge ziehen? . . . In diesen Gedanken verloren merkte er es nicht einmal, daß es Zeit ist, Licht zu machen, denn es herrschte bereits nächtliches Dunkel im Zimmer, und er überhörte es ganz,

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