Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 6 (7.2.1908)
- Date
- 1908-02-07
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 6 Dr. L^Iochs Wochrn^chrifr Sette 107 1 daß jemand an der Türe geklopft hatte. Erst nach einem wiederholten Klopfen und heftigeren Rütteln erwachte er wie aus einem Traume und fragte: „Wer dort?" „Gut Freund dort!" erwiderte es draußen in heiterem Tone, vorauf Siegmund den Riegel der Türe zurückschob, die sich alsbald angelweit öffnete und eine üppige Gestalt eintreten ließ. Erkennst Du nicht mehr," rief die jetzt nähertretende Gestalt mit breiter Baßstimme, „Deiner alten Freund und Verwandten Jtzik Hers.b?" „Ah, Leib Jtzik Herfch, Sie sind es?" rief Siegmund im Tone freudiger Ueberraschung, indem er ihm beide Hände entgegenstreckte. In der Tat, in diesem Augenblick, wo er sich von Gott und Menschen verlassen wähnte, erschien ihm der Rote als ein Retter, als ein Befreier, als ein wahrhaft teilnehmendes Bruderherz. „Natürlich bin ich es, ich und kein anderer!" triumphierte der Rote, „denn die andern sind eine Horde von Zeloten, ich aber bin aus einem ganz andern Teig — ja, wir sind tolerant! . . ." „Ja," pflichtete ihm Siegmund freudigen Herzens bei, indem er sich beeilte, Licht zu machen, wie um wieder einmal von Angsicht zu Angesicht einen bekannten Menschen zu sehen, der ihn nicht höhnt und schmäht. „Ja," wiederholte er, „dieses Zeugnis kann Ihnen niemand so ausstellen als ich, den hier alles wie eine Pest meidet, ja sogar die Mutter liebelos mich verläßt, Sie aber trotzdem mich aufsuchen, wahrlich, ich habe nicht genug Worte, um Ihnen dafür zu danken. Möglich übrigens auch, daß Sie der Einzige hier sind, von dem zu erwarten wäre, daß er mir das Rätsel lösen wird, das mich hier überall umgibt!" „Da gibts nicht viel zu lösen," lachte der Rote schlau, „Du hast es hier mit einer fanatischen Horde zu tun, und punktum. Du aber bist nicht gerieben genug, um zu wissen, wie mit solchen umzugehen, denn ganz offen darf man solchen Leuten gegenüber sich nicht geben, da heißt es, Freundchen, sich immer ein Hintertür! offen lassen! . . ." „Hintertür!!" sah ihn Siegmund verdutzt an. „Was, Hintertür!? Wozu Hintertür!? Habe ich denn vor jemanden etwas zu verbergen? . . ." „Vor Jtzik Hersch freilich nicht, aber Du hast nicht hier lauter Jtzik Herschs, Freundchen, da heißt es doch vorsichtig sein! . . ." „Was vorsichtig?" befremdete es Siegmund immer mehr. „Warum vorsichtig? Bei Gott, ich verstehe Sie nicht, sprechen ja auch Sie mit mir ganz wie die andern, in lauter Rätseln!" „Aber, Freundchen," begütigte ihn der Rote, indem er ihm sanft die Hand auf die Schulter legte, „Du wirst es doch, zugeben, daß es etwas voreilig von Dir war, so ohne alle Uebergänge den Leuten zu bekennen, daß Du getauft bist!" (Fortsetzung folgt.) gitawtnv. Illustrierter jüdischer Familienkalcnder für das Jahr 5688 (1907—1908). Modernes Verlagsbureau Curt Wigand, Berlin—Leipzig 1907. Man ficht es deutlich, wir Juden gehen einer nationalen Wiedergeburt unaufhaltsam entgegen. Ueberall erscheinen diese Kalender, die den Ablauf eines mitteleuropäischen Jahrgangs zu einem jüdischen machen. Speziell der vorliegende ist einer der mannigfaltigsten und reich ausgestattetsten. Wir erfahren die kleinsten und größten Jahresereignisse, außerdem find genaue Statistiken für diejenigen da, die welche lieben, und auf Seite 27 begrüßt uns in seiner bekannt loyalen Weise Kaiser Wilhelm II. in Paradeuniform, so, als ob er fie eigens für uns angelegt hätte. Fürwahr ein idyllisches Buch. Wenn nicht hie und da „Geharnischte Sonette" zu finden wären und nicht eine tieftraurige Skizze Schalom Asch's von jungen Leiden zu erzählen wüßte, wir würden uns auf Grund der verschiedenen, überzeugenden Daten für „Deutsche, jüdischer Konfession" halten ... So erzählt uns nur ein Dr. Jeremias in Posen, daß es jüdische Nerven gibt und dazu miserable, die er durch öffentliche Heilanstalten und körperlichen Unterricht national ausrotten will. Außerdem gibt es noch eine Menge praktischer und intereffanter Dinge in diesem vornehmen Kalender, die selbstverständlich unter keinen jüdischen Weihnachtsbaum fehlen sollten. Jedenfalls ist man über alle deutschjüdischen Vereine bestens orientiert und weiß nun, wohin man sich nicht zu wenden hat. Auch gibt es eine Menge Porträts berühmter Männer und Frauen und solcher, die es werden wollen. Im ganzen Großen macht das Buch einen schönen Eindruck und eignet sich bestens für Familien, wie schon sein Titel harmlos konstatiert. Sein Inhalt plätschert, von einigen vorlauten Unterbrechungen jungjüdischer Dichtungen abgesehen, in so angenehmer Seichtheit dahin, daß in dem ganzen Buche nichts Trauriges zu finden ist, als die Rubrik Todestage und die humoristischen Ecken. Und da dieser Kalender nichts birgt, was uns mit der hohen deutschen Obrigkeit irgendwie in Konflikt bringen könnte, sei er hier bestens empfohlen. Thekla Blech. Neue Bücher. Dr.-Jur. I. Werthauer, Berlin. Sittlichkeits-Delikte der Großstadt. Großstadt-Dokumente. Band 40. Mk. 1.—. Dr. Med. Magnus Hirschfeld, Arzt in Charlottenburg. Die Gurgel von Berlin. Großstadt-Dokumente. Band 41. Mk. 1.—. Verlag von Hermann Seemann Nachf. Berlin und Leipzig. David Rothblum. Golus. Novellen und Skizzen aus dem jüdischen Leben. Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn, Inhaber Max Hick l. Kriefkafte«. R D. in Warschau. Wie der „Fraind" aus Petersburg meldet, beabsichtigt eme Gruppe von Dumaabgeordneten aus dem ersten Flügel in allernächster Zeit in der Duma den Antrag einzubringen, daß die jüdischen Soldaten nicht mehr mit den übrigen Soldaten gemeinsamen Dienst versehen, sondern in einzelne jüdische Regimenter der verschiedenen Waffengattungen gruppiert werden sollen. F. in B. Dem Pariser „Matin" wird aus Konstantinopel gemeldet: Die türkische Regierung hat die Bewilligung erteilt, daß die Grabstätten der biblischen Patriarchen, (die Höhle Mackipelah), sowie die übrigen biblischen Grabmäler mit elektrischer Beleuchtung versehen werden.^Jn Mekka und anderen mohammedanischen Wallfahrtsorten ist die elektrische Beleuchtung schon seit längerer Zeit eingeführt. Kin Budapest. Der König hat dem Vizepräsidenten der Budapester Waren- und Effektenbörse Herrn Jacques Simon den erblichen ungarischen Adel mit dem Prädikate de B o g l a r verliehen. E. Fried i. P. Jahrzeit ist der 14. Weadar, das ist der 17. März. Aufruf! Bitte an edle Menschenfreuude! Eine arme, leidende Witwe, die mit ihrem Kinde gänzlich verlassen und mittellos dasteht, bittet edle Glaubensgenoffen um gütige Unterstützung, um vor der Delogierung geschützt zu sein. Jede, selbst die kleinste Gabe wird mit innigem Danke angenommen. Jakob Hausner Aufruf! Golfaden-Preis. Anläßlich des jüngst erfolgten Todes des Begründers des jüdischen Theaters Abraham Goldfaden ist von Seite des gefertigten akademischen Vereines die Anregung zur Errichtung eines „Goldfaden-Preises" für die besten dramatischen Werke in jüdischer Sprache ausgegangen. Auf die Bedeutung und den nationalkulturellen Wert einer derartigen Institution braucht nicht erst näher hingewiesen zu werden. Jeder moderne, bewußte Jude sieht die große Rolle, welche das jüdische Theater im jüdischen Volksleben spielt und noch zu spielen berufen ist, ein. Es gilt, den aufstrebenden Talenten Förderung angedeihen zu lassen, sie in einen regen Wetteifer zu bringen. V I smti.