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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-07 · 6 (7.2.1908) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
6 (7.2.1908)
Date
1908-02-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 6 ML. LLocv v ^tiiccDwuöcbaa Seite 105 von allen Mitgliedern des Kasinos und anderen Verehrern reitf besuchte Bankett, unter musterhafter Aussicht und Leitung des Herrn Dr. Moritz Ollap, war glänzend angelegt, höchst amüsant und von gelstlgen Tischreden gewürzt. Herr Oberrabbiner Dr. E. Neumann besprach in eloquenter Redeweise das allerhöchste, Ortes zwe'sach anerkannte gemeinnützige Wirken des Jubilars, Herr Dr. Ad. Schwarz betonte dessen viele Verdienste um das Entstehen und Aufblühen des Kasinos, Herr Professor Dr. H. Villanyi teerte das Glas aus das Wohlsein seiner Angehörigen und Schul - Direktor Herr S. Bun griff geschichtlich zurück auf dessen eminente Vorzüglichkeit als Schüler. Herr Elek dankte gerührt für all die trefflichen Worte der Anerkennung seiner Leistungen, die ihm nur durch die Mithilfe und Opferwilligkeit der Mitglieder gelungen. Erst nach Mitternacht verließen die Teilnehmer frohen Mutes den prunkhaft ausgestatteten Kasinosaal. G—. Der Leibarzt des Sultans. In besonderer Gunst beim Sultan steht ein jüdischer Arzt Prof. Dr. Bier, der ehemalige Assistenzarzt des verstorbenen Prof. Dr. Bergmann. Seit einem Jahre ist Prof. Dr. Bier Leibarzt des Sultans und der Sultan läßt keine Gelegenheit vorübergehen, um seinem ärztlichen Berater sein Wohlwollen zu bezeigen. So schickte er ihm kürzlich wieder eine Reihe von Geschenken, darunter zwei überaus wertvolle Teppiche. Feuilleton. An der Grenze zweier Wellen. Von Dr. Albert Wagner. Noch sind die Spitzen des Antilibanon von der sinkenden Sonne vergoldet; noch erstrahlt das Haupt des Amanah in rötlichem Schein und die kleinen Wellenkämme des ruhig dahinfließenden Chrysorrhoas blitzen hie und da im dämmernden Lichte des zur Neige gehenden Tages silbern auf. Die Schatten des jäh hereinbrechenden Abends haben ihre Fittige über die gerade lange Zeile, der Hauptstraße der Stadt, ausgebreitet, Straße und Häuser in Halbdunkel hüllend. Auf den flachen Dächern der Häuser fitzen die Bürger, um die ersehnte und angenehme Abendkühle, nach des Tages Mühen, sorglos zu genießen. Die Stille benützend und das bereits herrschende Halbdunkel, schritt in tiefes Sinnen versunken ein Mann, nach Tracht und Haltung ein Pharisäer, jene gerade Straße entlang, ihm zur Seite ein Jüngling, der es kaum zu wagen schien, durch Wort oder Gebärde den vornehmen Gastfreund seines Vaters zu stören, dem östlichen Stadttor zu, jener Gegend, wo die Armut ihre Hütten aufgeschlagen. „Hat dein glaubensstarker Vater nicht zuviel in seinem Briefe an meinen großen Lehrer Rabbi Gamliel berichtet?", fragte der Rabbi, das Schweigen unterbrechend. „Wäre es möglich, daß die neue Sekte in Damaskus an Ausdehnung gewinne und die Grundfesten, auf welchen das Gesetz ruht, zu erschüttern drohe?" „Nicht so, Rabbi!" entgegnete gekränkt der Gefragte. „Meinem Vater hat der Herr der Welt einen klaren Blick gegeben, die Dinge zu erkennen, wie sie sind. Es ist in der Tat so, wie er berichtet hat. Alle, die arm an Geist und die von den anderen mißachtet leben, scharen sich um jene, die ihnen aus dem Leben ihres Meisters erzählen. Ihre Zahl ist nicht gering in Damaskus und übertrifft weit die Zahl der anderen, die einsichtsvoll sind und des Segens sich erfreuen." „Ist es so", meinte mit Bedacht der Rabbi, „dann war es Zeit, die Lehre mit dem Handeln zu vertauschen und frisch ans Werk zu gehen. Den Verblendeten soll wieder der Quell des Lichtes fließen, bevor er für sie für immer versiegt. „Weißt du aber auch gewiß, daß sie heute eine Versammlung abhalten? Und wie ist der Ort, an welchem sie so gewagtes Tun beginnen?" „Es ist sicher, Rabbi, daß heute eine Versammlung stattstndet, und deine Sendung, von welcher ihre Führer vernahmen, ist die Veranlassung. Die Wankenden sollen vor deinen Argumenten gewarnt werden. Sie fühlen sich sicher, weil der Ort ihrer Versammlung, ein Leichenfeld, zur Nachtzeit von keinem, der nicht zu ihnen gehört, aufgesucht wird." „Nun so sei es denn! Ich werde hier eintreten und warten, bis du mich rufen wirst." „In dieses Einkehrhaus, Rabbi? Hier find manche von ihnen zu finden, welche die Nacht, die Zeit ihrer Versammlung, abwarten. Trägst du kein Bedenken?" „Ich besorge nichts, da ich sicher bin, von keinem gekannt zu sein. Uebrigens wäre auch im Falle deS Erkanntwerdens keine Gefahr, da ich den schriftlichen Auftrag des Synhedrion wohl verwahrt bei mir trage und das Ansehen des Synhedrion ist, trotz der geänderten Richtung, dasselbe geblieben. Wissen sie auch, daß ich hergeschickt wurde, um sie zu bekämpfen, so ist ihnen die Macht meiner Auftraggeber nicht fremd." Der Pharisäer schritt weiter und trat in das nächste, außerhalb der Stadtmauer gelegene Gasthaus. Im mäßig großen Gemache, welches durch eine von der niedrigen Decke herabhängende Oellampe schlecht beleuchtet war, saßen und standen meist Ortsfremde in Gruppen. Der Rabbi, dessen Mienen wieder tiefes Denken verrieten, setzte sich an einen Tisch, an dem nur zwei Männer Platz genommen batten. Er schien unangenehm berührt, als er wahrnahm, daß das Gespräch dieser beiden, das früher geschäftlichen, ihn wenig interessierenden Inhalt hatte, plötzlich eine Wendung nahm, um sich der ihm so verhaßten Sekte zuzuwenden. „Was ist denn der Inhalt dieser neuen Lehre?" frug der ihm näher Sitzende, nach Ausdruck und Aussehen ein Römer, den Anderen. „Von einer neuen Lehre kann nicht die Rede sein. Nur von dem Leben ihres Meisters und dessen Verkehr mit den Menschen erzählen sie. Sein Leben und Betragen soll aber ein solches gewesen sein, daß es der Weg zum Heile genannt werden müsse; dieses ist ihr Glaube." „Der Weg zum Heile! Das behauptet jeder, der einmal für eine neue Richtung gewonnen wurde", erwiderte der Römer, und der es für eine Großtat hält, die Götter von ihrem Sitze zu stürzen, oder gar aus ihren Tempeln zu vertreiben. Ein müssiges Beginnen! Seit meiner Jugend verkehre ich mit einem Bekenner einer in ihrer Art merkwürdigen Religion. Die Anhänger dieser Sekte sollen nach Millionen zählen, und wäre diese Religion nicht so sehr dem Leben und dem Genüsse abgewandt, bei den Göttern! ich wäre selbst schon ein Bekenner dieser Lehre geworden." „Und welche sind die Grundsätze jener merkwürdigen Lehre?" frug der Rabbi, sich in das Gespräch mischend. Ich wiederhole das Wort „merkwürdig", weil du, Herr, es gebrauchtest und weil es so sein muß, wenn ein Verehrer anderer Götter unter gewissen Bedingungen sich zu jener Lehre bekennen würde." „Du bist, wie ich sicher annehmen darf, ein Judäer. Von deinem Volks stamme leben viele in Rom und ich zähle so manchen von ihnen zu meinen besten Freunden. Oft hörte ich von diesen die Worte: Gott wird es wenden! Und fragt man, welcher Gott, so blicken sie aufwärts, als wollten sie die Luft befragen, welche Antwort sie geben sollen. Oder ist ihr Gott unsichtbar in den Lüften? Das mögen die Götter wiffen. Der menschliche Verstand reicht für einen solchen Glauben nicht hin. Ein Gott, den man nicht sieht, der niemals als Mensch unter Menschen gewandelt und der die Kräfte aller Götter in sich vereinigt, ist unmöglich. Wenn es schon etwas Neues sein muß, dann ziehe ich die Lehre jenes Mannes aus dem fernen Osten vor, die etwas enthält, was den Menschen näher liegt, als dieser unerklärliche, unsichtbare und durch ein Bild nicht zu veranschaulichende körperlose Gott, den die Judäer verehren und von dem sie behaupten, daß es außer ihm keinen anderen Gott gibt. Die Bekenner jener Lehre, die ich früher erwähnte, erzählen. daß der Begründer ihrer Religion, den sie in ihrer

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