Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 6 (7.2.1908)
- Date
- 1908-02-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 104 Or. Vlmtz's Wochenjrtzxif?» Nr. 6 Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag, den 13. Februar 1908, Präz. 728 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten- Vereines, I., Eschenbachgafie 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Max Gruuwald statt. Thema: Ch. N. Bialik und die hebräische Renaissance in Rußland. Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Jüdische Toyubee-Halle XV., Herklotzgasse 21. „BonMaria-Theresia bis zum jüngstenKatholikentag" nannte Herr Oberlehrer Rieseufeld seinen am l.d.M. vor einem verständnisinnigen Publikum abgehaltenen Vortrag, in welchem er im Rahmen der Geschichte der neuesten Zeit grelle Streiflichter auf die jeweilige Lage der Juden in den einzelnen europäischen Staaten warf und das Werden des „modernen" Antisemitismus schilderte. Die Ausführungen Riesenfeld's gipfelten in der beachtenswerten Anregung, den Katholikentagen auch „I u d e n t a g e" entgegenzustellen, auf welchen die jüdischen Koryphäen in Politik, Kunst, Wissenschaft für die Ehre und die Rechte des angestammten Glaubens einzutreten batten. Begeisterter Beifall lohnte die mit zahlreichen Apercus gewürzten Darlegungen. Den musikalischen Teil des Abends besorgte Herr Ing. Fritz Baß. der auf dem Klaviere in Form einer Phantasie eigene mit vielem Beifall aufgenommene Kompositionen znm Besten gab. Die Vortragsabende finden im großen Saale des „Kinderhorte s" jeden Samstag statt. Beginn halb 8 Uhr abends. Am 8. d. M spricht der Präsident der Toynbee Hallen, Herr Dr. Samuely, über: „Die älteste Kultur". Sodann Konzert. Am 22. d. M. Vorlesung eigener Dichtungen durch den Schriftsteller Herrn Uork-Stemer. Für den 16. d. M.'ist ein großes Konzert ins Programm genommen. bei welchem die Pianistin Fräulein Josefine Rotheustein. Konzertsangerin Fräulein Emmy Heim, sowie Violinistin Fräulein Erna Samuely und Pianistin Fräulein Grete Samuely Mitwirken Wohlverdiente Auszeichnung. Vor wenigen Tagen wurde dem bekannten Anstreichermeister Herrn Max Makler. II., Taborstraße 27, der Titel eines l u.!. Hof-Anstreichers verliehen. Eine Auszeichnung, die seit mehr als 20 Jahren in Wien keinem Anstreicher zuteil wurde. Makler ist ein Wiener Kind und hat sich von den kleinsten Anfängen durch seinen unermüdlichen Fleiß und exakte Arbeit derart in die Höhe gebracht, daß schon in der JubiläumS-AuSstellung seine hervorragenden Leistungen die Allerhöchste Anerkennung durch Seine Majestät fanden. Seit Jahren wurde die Firma Makler zu Anstreicherarbeiten bei zahlreichen großen Objekten herangezogen, wo speziell auf gediegene Ausführung Wert gelegt wurde, wie zum Beispiel beim Bau des Bürgertheaters und der Warenhäuser Gerngroß, Zwieback, und Schein. Ein Zeichen der Zeit aber ist es, daß Makler trotz seiner Leistungsfähigkeit kommunale Arbeiten infolge der heutigen Strömung verloren hat. Wien. Der Vorstand des Leopoldstädter Kranken-Unterstützungs-Vereines „Nächstenliebe" veranstaltet Donnerstag den 20. Februar 1908, präzise 7 Uhr abends in den Saal-Lokalitäten „Zum goldenen Widder", II., Taborstraße 36 die XXVIII. ordentliche Generalversammlung. Ei» Goldfaden-Abend. Kurz darauf, nachdem die sterblichen Ueberreste des jüdischen Bolksdichters Abraham Goldfaden jenseits des großen Ozeans zur ewigen Ruhe bestattet worden waren, veranstaltete der akademische Verein „Jüdische Kultur" einen Gedächtnisabend in Wien, der seinem Andenken galt. Die ganze Feier stand, bis auf die einführende Rede des Herrn Dr. Berkowicz, im Zeichen des Jiddisch, der Sprache Abraham Goldfadens. Umso unmittelbarer und stärker war der Eindruck, da man Goldfaden in seiner urip ünglichen, bedcutunzsvollen Eigenart auf sich wirken lassen konnte. Der Prolog „Gibore Jehudo", gesprochen von Abr. Singer eröffnete den Reigen der Vorträge Hierauf ergriff Dr. Berkowicz dar Wort zu einer cingehendcn Würdigung Goldfadens, ausgehend von jenem Zeitpunkte, wo Araham Goldfaden den langen Leidensweg von der „Berliner Aufklärung" begann, um über die böse Zeit der russischen Judenverfolgungen hinweg zu einer endgültigen, tiefinnerlichen Eroberung der VolkSmaffen zu gelangen. Kantor Jof. Grob brachte einige der schwermütigen, reizvollen Lieder Goldfadens mit dem echten Empfinden der ostjüdischen Seele zum Vortrag. Mit diesen Liedern kam wie mit einem Zauberschlage jene Stimmung, die Goldfaden mit sich führt, weil seine naiven, echten Weisen der wahren jüdischen Volksseele entiprungen sind und immer wieder den Weg zu ihr zurückfinden. Dieser Stimmung angepaßt, sang auch Opernsänger Sigm. Urich einige Lieder aus Goldfadens Opern, von denen speziell Sulamith von starker Wirkung war und wo Urich die Innigkeit und Herzlichkeit des Juden mit der angenehmen Schulung des Sängers verband. Nun sprach M. Geyer über Goldfaden als Volksdichter und fand zu diesem dankbaren Thema auch den richtigen Ton. Tie Rede wurde in jiddischer Sprache gehalten und war gewiß, was Echtbeit, Ehrlichkeitund Verständnis der wahren Persönlichkeit Goldfadens betrifft, der beste Nachruf, der einem toten jüdischen Volksdichter gehalten werden kann. Wo einerseits — so führte er aus — verständnislose Ignoranz und hohle, kritisierende Unfähigkeit an Goldfaden zu nörgeln sucht, da empfängt andererseits ein dankbares Volk mit warmen Herzen die gewaltige Gabe eine- MauneS, der ihm als königliches Geschenk seine ganze, starke Persönlichkeit zu Füßen legte und sein tiefstes Innere dem Gotte „Volk" opferte. Zum Schluffe regte noch der Redner den Gedanken an, Goldfaden, dem Begründer der jüdischen Bühne, das würdigste Denkmal zu setzen, indem ein Dichterpreis für das beste, jüdische Stück auf seinen Namen gestiftet werde, damit sein Andenken das vollende, was seines Lebens Sehnsucht gewesen. Nach einigen gut vorgetragenen Deklamationen des Herrn I. tzellmann beschloß ein reizendes Violinsolokonzert den würdigen und schönen Abend. Th. B. Wien. Der Verein jüdischer Mädchen „Mirjam" in Wien veranstaltet am Donnerstag den 13. Februar d. I. im Festsaale des Hotel „Union", IX., Nußdorferstraße 23 (Haltestelle der Tramway), eine Akademie. Ihre gefällige Mitwirkung haben zugesagt: die Damen Färber, Colli und die Herren Schriftsteller Vork-Steiner, Samuel Strauß, Nicolaus Zadry, A. Grob, Karl Hammerschlag usw. Karten sind zu haben: Familienkarten (3 Personen) L 3.02, Eintritts-- karten K 1.02, Studentenkartcn 68 h, (2 Heller zugunsten jüdischer N.-F.) im Cafö Marienbrücke, Cafs Stefanie II., Stefaniestraße 2, Kongreßbureau IX, Türkenstraße 9, im Komiteelokal IX., Wasagasse 20, Tür 29, und Eafö Brammer IX., Liechtensteinstraße 1. Beth-Hamidrasch „Montefiore". II. Bezirk, Taborstraße 36. Sonntag den 9 Februar, 5 Uhr, Vortrag aus Midrasch- Rabba. Mittwoch den 12. Februar, 5 Uhr, Vortrag aus den Psalmen. Franzensbad. (Israelitische Kultusgemein de.) Am 14. v. M. hat unser neuerwählter Rabbiner Herr Dr. David Spitzer seine Amtstätigkeit ausgenommen. Ebenso hat vor eiingen Tagen auch unser neuer Kantor Herr Moriz Steller seine Tätigkeit bei uns begonnen. Ein sehr trauriger Anlaß für uns war es. bei dem den genannten Herren die erste Gelegenheit geboten wurde, vor der weiten Oeffentlichkeit in Funktion zu treten, und zwar die am 22. v. M. stattgehabte Beerdigung eines der populärsten und verdienstvollen Männer unsererzGemeinde und unserer Stadt, des Herrn Hotelbesitzers Bernhard Straus. Herr Bernhard Kraus erlag am 19. d. M. plötzlich einem Schlaganfalle im 61. Jahre seines rastlos tätigen, nur dem Wohle seiner Familie und seiner Mitmenschen gewidmeten Lebens. Durch ungefähr 25 Jahre gehörte der Verblichene dem Vorstande unserer Kultusgemeinde an und durch 8 Jahre war er ihr erster Vorsteher. Er hat sich um alle Institutionen verdient gemacht, ganz hervorragend aber um den im Jahre 1898 fertiggestellten Bau des Kaiser Franz Joseph-Jubilaums-Hospitals für arme kurbedürftige Israeliten; dieses unserer jüdischen Gemeinde und der Stadt Franzensbad zur größten Zierde gereichende Haus, das der armen leidenden Menschheit seit nun 10 Jahren schon viel Hilfe und Wohltaten geboten hat. sichert dem leider zu früh Dahingegangenen ein ruhmvolles Andenken, so lange unsere Gemeinde, rcsp. unser Kurort bestehen wird. In gleich ersprießlicher Weise wirkte Herr Bernhard Kraus auch IN der Stadtvertretung, der er ebenfalls durch viele Jahre angehörte. Seinen Verdiensten entsprechend, gestaltete sich die bereits erwähnte Beerdigung am 22. v. M. denn auch als eine solene Trauerkundgebung größten Stiles. Es nahmen daran alle Honoratioren und fast alle Vereine unserer Stadt, sowie eine unübersehbare Schar von Freunden und Bekannten des Verblichenen teil. Die Grabrede des Herrn Rabbiners Dr. Spitzer war voll feinster Empfindung. Sie machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Nicht minder Eindruck machte Herr Kantor Stekler, der mit seinem schönen Organ die Trauergebete und -G.sänge voll Verständnis zum Vortrage brachte. Nagy-Kanizsa. Am 28. Jänner feierte das Nagy-Kanizsaer Kasino den 70. Geburtstag seines langjährigen Präsidenten, des Kommerzialrates Herrn Leopold Elek de Ujnep durch ein herrliches Bankett. Um jeder Huldigung auszuweichen, hielt der Gefeierte dieses glückliche Familienereignis möglichst geheim, das erst infolge einer seinerseits gemachten namhaften Spende für die Ortsarmen allmälig bekannt wurde. Gratulationen erfolgten dann von den Geldinstituten, Kasinos und anderen Körperschaften, die unter deffen Präsidiallcitung stehen, von Obrigkeitsbehörden, Privaten in ehrendster Weise. Das