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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-07 · 6 (7.2.1908) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
6 (7.2.1908)
Date
1908-02-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 6 Dr. Dlocb's MocdenscbrM. Geile 108 mich an die jüdischen Gemeinden mit der folgenden Bitte: Im achten Strelkowi-Regiment, das in Slawjanka steht, befinden sich jetzt an 200 jüdische Soldaten. In der Stadt wohnt lein einziger Jude; die Stadtbewohner sind Japaner oder Chinesen. Selbst Russen finden sich hier wenig. Wir fühlen uns daher hier recht elend. Jetzt naht das Peffachfest heran. Hier in der Stadt Mazzoth zu erhalten, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Der größte Teil der jüdischen Soldaten ist religiös, fromm und will während der Pessachtage unter keinen Umständen Chamez genießen. Lieber wollen sie die ganzen acht Tage hungern. Wir bitten daher die Juden in der „Tscherta", fie mögen Mitleid mit uns haben und uns auf Pessach Mazzoth schicken. Da aber Slawjanka von den jüdischen Städten sehr weit entfernt ist und es lange dauert, bis eine Sendung hierherkommt, bitten wir die Mazzoth je früher, zumindest sechs Wochen vor Pessach abzusenden, damit sie zur rechten Zeit hier ankommen können. Einer der dienenden Soldaten Baruch Finkelstein." Die russischen Webereien der „Jea" geschlossen. Die allgemeine sozialistische Bewegung in Rußland hat auch die von der „Jca" in Dubrowna (Mohilever Gouvernement) betriebene Weberei nicht verschont. Vor kurzer Zeit traten die Arbeiterinnen, nachdem ihre Forderung nach entsprechender Lohnerhöhung nicht bewilligt wurde, in den Ausstand. Die Fabriksverwaltung antwortete hierauf mit der Aussperrung sämtlicher Arbeiter, indem sie die Fabrik bis auf weiteres schloß. Unter den Arbeitern herrscht große Erregung und sie verweigern vorläufige die Annahme der Bedingungen, unter welchen die Fabriksleitung zur Wiederaufnahme der Arbeit geneigt wäre. Die ausgeschlossenen Arbeiter wandten sich wiederholt an die Pariser ^Zentrale der „Jca", erhielten jedoch keine Antwort. Die Lage ist umso kritischer, als viele von den ohne Arbeit gebliebenen Arbeitern verheiratet find und zahlreiche Familie haben und die Erregung sich auch der städtischen Bevölkerung mitgeteilt hat, die zum großen Teile von den Fabriksarbeitern leben. Bon der jüdischen Brigade in England. London, 27. Jänner Gestern wurde in der jüdischen Frei-Schule eine neue Abteilung der „Jewish Lads Brigade" eröffnet. Die Institution der jüdischen Knaben-Brigade datiert aus dem Jahre 1896. Damals bestand die ganze Brigade aus 25 Knaben. Inzwischen hat diese Einrichtung große Fortschritte gemacht, denn heute gibt es bereits 27 große, blühende Kompagnien in London, Manchester, Liverpool, Birmingham und Dublin. Unter den zahlreichen Gästen befanden fich der Richter Bigham, General Sir Alfred Turner, der Major von Stepney, Colonell Harry Lawson, Parlamentsmitglied köngl. Rat Rufus Jsaads, Herr und Frau Stettauer, der den größten Teil der Kosten für die Errichtung der neuen Kompagnie beschaffte, ferner Oberstleutnant Sir F. L. Nathan, (Kommandant der Brigade), Oberstleutnant,E. Montefiore usw. Hierauf wurde eine Ausmusterung der gemeldeten Knaben vorgenommen und Mr. Haldane richtete an die „Rekruten" eine Ansprache, in welcher er ausführte, daß nur derjenige seinem Staate treu zu dienen vermöge, der fich seiner Rechte aber auch seiner Pflichten bewußt ist. Der große Wert dieser Brigaden liege unter anderem darin, daß fie den Jungen die Lehre von dem erwähnten Prinzipe beibringen. Im weiteren Verlaufe der Rede führte Mr. Haldane aus : In dieser großen Stadt, wo das Elend so groß ist, wurden diese jungen Leute ausgewählt und ihnen Existenzmöglichkeiten geboten, die fie sonst niemals gehabt hätten. Diese Knaben werden in einer Weise trainiert, die ihre Eignung für ihr späteres Leben um das Doppelte steigert. Ueber die Arbeit, welche in diesen Brigaden geleistet wird, herrscht noch im Allgemeinen große Unkenntnis. Die Jungen entwickeln fich körperlich, haben eine tadellose Haltung, gestählte Muskeln und einen disziplinierten Geist, der fie schon heute für den regulären Dienst geeignet macht. Aber die militärische Seite ist nur die in die Augen springende, aber nicht die einzige Seite der Tätigkeit. Die wichtigste Arbeit ist die „Erziehung des Körpers". Die Institution der Knabenbrigaden habe jedoch mit zwei großen Feinden zu kämpfen : mit der Gleichgültigkeit der breiten Volksschichten und mit der falschen Auffassung, daß hiedurch der Militarismus gefördere werde. Was hier geleistet wird, ist jedoch nicht Militarismus, sondern systematische Erziehung des Körpers, die Züchtung eines körperlich und geistig gesunden Menschengeschlechtes. Hier sei erwähnt, daß die Suffragettes auch hier fich unliebsam bemerkbar machen, indem zwei Schwestern Namens Lightmann die Rede Haldanes immerfort durch Zwischenrufe: „Was ist's mit dem Frauenstimmrecht!" unterbrachen. Da die Damen trotz mehrfacher Ermahnung die Störungen nicht unterließen, wurden sie sanft an die Luft gesetzt. Den Abschluß der Feier bildete eine Parade älterer Kompagnien, deren Exaktheit allgemeinen Beifall fand. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der C hewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubens genoffen. Anläßlich des Ablebens der sel. Auguste Löwith: Von Dr. Robert Mautbner K 20—, Emma Lettner, Warasdin 20.—, Dr. Thieben und Perlfee 20.—, Ernst Löwit 20.—, Heinrich und Bertha Burian 20.—, Otto Pollak 20.—, Dr. Gustav Tiring 30.—, Max Jeiteles 20.—, Josef Simon 30 —, I. Kremenetzky 30.—, Karl und Marie Adler 10.-, Karl Schütz und Frau 20.—, Julius Schütz und Frau 20.—, Josef und Olga Bloch 10.—, Marie Piva 10.—, Hof-Prof. Dr. A. Politzer 10.- , Pauline Kary K 25.—. Zusammen K 335.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Wilhelm Turnau: Von Fr. Rettich K 20.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Franziska Weist: Von Dr. Jakob Adolf und Frau K 15.—, Dr. Ernst Franz Weist K 150.—. Zusammen K 165.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Minna Robitschek: Mathilde Schefranek K 20.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Helene Flaschner: Von Sandor Flaschner und Frau K 20.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Henriette Mandl: Von Atelier Mandl K 10.—, Familie Hoff K 2.—. Zusam. K 12.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Philipp O e h l e r: Von Lazar Vitali L 10.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Minna Löwy: Von Alexander Bergl K 10.—, Johanna Mariner K 10.—. Zusammen K 20.-. Anläßlich des Ablebens des sel. Anton Eck st ein: Von Hermann Adler K 10.—, Diruta Byk 10—, Arnold Bachwitz 10.—, Bernhard Bachrach 10.—, Dr. A. Brimauer K. 10.—. Zusammen K 50.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Adolf Blumberg: Von Wilhelm Neumanns Witwe L 10.—, Alexander Neumann 10.—, Michael Neumann K 10.—. Zusammen K 30.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Therese Löbl: Von Hermann König K 20.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Helene Markstein:Von Emanuel Adler K 50.—, Samuel Ehrenstein 50.—, Julius Markstein 50.—, Reich und Scklefinger 50.—, Wilhelm Markstein 20.—, Alois Kohn 10.—, Albert Reich 10.—, Bernhard Noa 10.—, Geza Berger 10.—, Max Reiß 10.—, Josef Glauber 10.—, Dr. Isidor Lederer 10.—, Samuel Zilzer 10.—, Philipp Goldmann 10.—, Gustav Hollitscher K 10.—. Zusammen K 320.— . Freiherrlich Rothschild sche Künstler - Stipendien. Die Arbeiten-der Maler, Bildhauer und Architekten, welche fich um die genannten Stipendien (alljährlich zusammen 8000 Kronen) beworben haben, sind Samstag und Sonntag dieser Woche stets von 11—1 Uhr mittags im Jüdischen Museum, II., Prater st raße 23 ausgestellt. Verein zur Abwehr des Antisemitismus Kommenden Montag den 10. Februar d. I. findet abends halb 8 Uhr seitens des bekannten Schriftstellers Herrn Doktor Bernh. Münz ein Vortrag über: „Heinrich Heine als Denker" im Saale desMub österreichischer Eisenbahnbeamten, I., Eschenbachgcffe 11 statt. Eingeführte Gäste, auch Damen, willkommen.

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