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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-07 · 6 (7.2.1908) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
6 (7.2.1908)
Date
1908-02-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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®mc 100 Wr. Wlocb s MscbenscdrLN. Nr. 6 qanzen Vorstand wurde mit Dank das Absolutorium erteilt. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Obmann: Dr. S. Krenberger; I. Obmannstellvertreter: I. Mohr; .H. Obmannsteüvertrcter: Anton Pick; I. Kassier: S. M. Hönigsberg; 2. Kassier: S. Bernhardt; I. Schriftführer: Nathan Mechor; II. Schriftführer: Bernhard Herzog; hebräischer Schriftführer: Isidor Gehlband; Beiräte: Julius Baad, Kommerzialrat L. Baß. B. Kahane, Prof. R. Pick, Dr. H. Rieger, Oberrevident H. Strach, Prokurist I. Straschnow; Schiedsrichter wurden: Advokat Dr. Max Deutsch, S. Deiches, S. Hoffmarm, Salo Stern und M. Stern; zu Revisoren wurden bestimmt die Herren: B. Freund und H. Stöger. — Dann hielt Herr Rabbiner Dr. M. H. Friedländer einen Vortrag über: „Die l etztenZiele des jüdischenBürgertums", der durch die strenge Gliederung, die Fülle der Gedanken und die großzügigen Betrachtungen lauten, immer sich wiederholenden Beifall weckte. Seine These war: „Nationalität ohne religiösen Inhalt ist im Judentume ein leerer Begriff." Prag. (Vortrag, Doz ent D r. P o l l a k.) Im „Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten" hielt Herr Doz« nt Dr. P o l l a k am 30. v. M. einen Vortrag über „ModernesJudentum imMorgenundAbendlande." Anknüpfend an das im Vorjahre erschienene gleichnamige Buch Profeffor Obermaiers unterzog Redner zunächst die einzelnen Abschnitte dieses vielfach trefflichen Werkes, dessen Jnbalt er kurz skizzierte, einer eingehenden Kritik, wobei er zahlreiche Uebertreibungen zumal in Bezug auf die Beurteilung von Uebelständen im kulturellen Leben des modernen Judentums widerlegte und auf das richtige durch die Zeitverhältnisse bedingte Maß zurückführte. Insbesondere der heutzutage auch von sonst religiös indifferenten Juden betriebene übergroße Totenkultus findet in den jüdischen Satzungen keine Begründung, worin der Vortragende zumeist Obermaier bei stimmt, welcher in die lebensvollen Darstellungen seines Buches euren bei ihm zu Gaste weilenden Gelehrten aus Bagdad als Dolmetsch seiner eigenen Ansichten einführt und dessen Beobachtungen zum Ausgangspunkte seiner mitunter allzuherben und etwas weltfremden Kritik nimmt. Der Vortragende Dr. Pollak gibt dann auf Grund seiner in weiten Reisen selbst erworbenen Anschauungen ein farbenreiches, durch die Vorführung interessanter Erlebniffe an Plafiik und Reiz noch gewinnendes Bitd der Lebensführung im Morgenlande und weist auf, wie daselbst der positive Glaube, das ausschließlich religiöse Fühlen noch vorherrschen und alle sonstigen Verschiedenheiten überbrücken, daß — wie schon Ernst Renau meint — im Gegensätze zu hellenischem Wesen Gott wirklich hier die Voraussetzung der Kulturentwicklung sei. Der Redner berührt sodann einzelne Phasen der Religionsgeschichte, verweilt insbesondere bei der Charakterisierung des Prophetentums im Gegensätze zur Priesterkaste und setzt auseinander, wie die Religion eigentlich nicht ist, .sondern in steter Fortentwicklung immer wird, und daß auch die Zeremonialvorschriften zum mindesten Anspruch auf Achtung haben, weil gerade die vielfach um die grundlegende Lehre sich emporrankenden Formen und Bräuche, die zunächst nur für die jeweilige Zeit gedacht waren und zumeist auf mündlicher Tradition beruhten, das Judentum bis auf die Gegenwart unversehrt erhalten haben und. auch heute — ganz abseits von Fragen der Orthodoxie oder Reform — noch einen nicht zu unterschätzenden erziehlichen Wert haben, indem die Kenntnis und auch Liebgewinnung der überlieferten Bräuche der eigenen Religion zumal jene, die an gewiffen Formen hängen, vor Nachahmung und Aneignung fremdreligiöser Bräuche am wirksamsten schützen. Deshalb erscheint als erstes Gebot für die Erziehung der jüdischen Jugend die richtige Vermittlung der ungeahnte Schätze auf allen Wissensgebieten bergenden jüdischen Lehre, sowie jüdischen Geschichte, und wenn die Wissenschaft dazu berufen ist, zwischen wahr und falsch unnachsittig zu unterscheiden, so fällt der Religion die Aufgabe zu, den Unterschied zwischen Gut und Böse schon in das Herz des hiefür empfänglichen Kindes einzuimpfen. Innerhalb logisch, u Denk ns und ethischen Handelns kann dann jede Religion, deren äußere Formen ja nicht mehr prophylaktische Zwecke verolgen, in ihrem wesentlichen Kern neben der Wissenschaft unzweifelhaft ihren eigenen Platz einnehmen. Und auch das Judentum, schloß der Redner, ein vor Jahrtausenden gegründeter Verein zur Verbreitung des reinsten Monotheismus und wah-er Humanität, wird für sich weiter diesen Platz zu behaupten wissen. Der ungemein geist- und lichtvolle Vortrag des jungen Gelehrten aus der Schule Brentanos, eines Jüngers Steirrschneiders, Steinhals und Ludwig Steins, empfing seitens der überaus aufmerksam Lauschenden herzlichen und wohlverdienten Beifall. Anschließend an den Vortrag fand zu Ehren des Vortragenden und unter einträchtiger Teilnahme einer stattlichen Reihe von Gästen aller Richtungen ein Gesellschaftsabend statt, der von dem Vereinsobmanne Herrn kais. Rat F a l k o w i c z mit einem gehaltvollen Trinkspruche auf Herrn Dr. Pollak eröffnet wurde. Die Professoren Dr. Risch und Hirsch schlossen sich in ergänzenden Ausführungen ernster und launiger Natur auf das Würdigste an und auch die Toaste der Herren Dr. Kohner, Lebenhart, Leipen und Dr. W e l t s ch feierten die glänzende Darbietung des Gastes nach Verdienst, wobei sich auch zur Besprechung aktueller Fragen und zu mannigfachen Anregungen erwünschte Gelegenheit ergab. Nachdem zum Schluffe Herr Dozent Dr. Pollak noch selbst Veranlassung nahm, den Rednern zu erwidern und hiebei neue Proben seines tiefgehenden philosophischen Wissens aufzuweisen. fand der so anregende, allseits als gelungen anerkannte Vereirksabeud in weit vorgerückter Abendstunde seinen Abschluß. Deutfchbrod Die hiesige Chewra-Kadischa veranstaltete am 26. Jänner d. I. aus Anlaß ihres 15jährigen Bestehens ein Festmahl, welches durch seinen Verlauf für lange Zeit den zahlreich anwesenden Mitgliedern in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Herr Rabbiner I. Singer eröffnete das Fest mit einer Ansprache, in welcher er die Bedeutung des Vereines und das harmonische Zusammenwirken der Mitglieder schilderte. Anlehnend an diese Worte hatte Herr Vizepräses, und verdienstvolles Vorstandsmitglied der isr. Kultusgemeinde Direktor Max L i l l i n g die großen Verdienste des Herrn Moritz Bauer als Präsidenten der Chewra-Kadischa um Gründung, Erhalten und Aufblühen des Vereines in schwungvollen Worten hervorgehoben. Herr Kultusvorsteher Fritz Roth spendete verdiente Anerkennung sowohl dem Herrn Präses als auch dem Herrn Vizepräses. Die Mitglieder verblieben in der angenehmsten Stimmung, welche durch Toaste und humoristische Vorträge der Herren Dr. F e i g l, Ingenieur Pollatsche k, Direktor S t ö ß l e r, Arthur Mahler und Moritz Hermann (Okrauhlic) gehoben wurde, lange Stunden beisammen. Unter den Anwesenden wurde ein namhafter Betrag zu wohltätigen Zwecken gesammelt. J. 8. Kolin. (Friedhofsverkauf, mipo der nttmp man') Zuerst das Geschäft, dann das Vergnügen, so könnte man, wenn, man die Ueberschrift dieses Berichtes ansieht, ausrufen, koch halt, ich will kein Mißverständnis aufkommen lassen, und erkläre gleich von vornherein, daß diese beiden Vorfälle in keinen Konnex zu einander zu bringen sind; denn der Friedhof wurde nicht verkauft, um die Kosten der rnil?D zu decken, nachdem doch diese statutengemäß festgesetzt ist und aus der Vereinskassa bezahlt wird. Der Verkauf eines großen Teiles des alten F.iedhofes mitsamt dem dazu gehörigen Gebäude ist eine Sache flir sich und hat mit der ,mj?D man gar nichts zu tu». Weshalb die Gemeinde den Friedhof verkauft hat, welches der zwingende Grund war, die Pietät so ganz außer Acht zu lassen, unsere viele hundert Jahre alte Grabstätte zu parzellieren, wir wissen cs nicht; wir finden auch keinen Grund dafür. Es werden wohl Stimmen laut, die Einen sagen, es haben einige Mitglieder der nttmp man und der Gemeindevertretung für den Verkauf gestimmt, um der Gemeindekassa Geldmittel zuzuführen, Andere angeblich deshalb, daß dadurch ihr Kultusbeitrag um einige Kronen herabgedrückt werden könnte, und der Rest, offenbar die Leute von gestern, dachten pi> Leicht gar, daß der Erlös direkt unter die Gemeindemitglieder verteilt werden könnte. Ob diese oder jene Version richtig ist, ich weiß es nicht, denn die Zeit der Generalversammlungen in der Gemeinde, in welcher jedes Gemeindemitglied Gelegenheit hatte, seine Wünsche, seine Beschwerden vorzubringen, überhaupt mitzuberaten über die Geindeangelegenheiten, diese Zeit ist vorüber, die mußte dem allgemeinen Statut für die Kultusgemeinden Platz machen; heute leitet der Vorstand bezw. die Vertretung die Gemeindeangelegenheiten, heute haben die Gemeinde-

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