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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-07 · 6 (7.2.1908) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
6 (7.2.1908)
Date
1908-02-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ar 6 Seite 95 Vr. Bloches Institute, in den Armee- und Seedienst und man findet keine Spur mehr von der gepriesenen Emanzipation, trotz der von Ministern und Bürgermeistern so oft beschworenen Staatsgrundgesetze, die grundsätzlich verletzt werden! „Die Juden haben den Deutschen." heißt es dort weiter, „mit ihrer Gefolgschaft einen schlechten Dienst erwiesen. Die Deutschen wollen sich ihre Angelegenheit selbst besorgen, nicht von deutschsprechenden Juden besorgen lassen." Und was sagen dieselben Arier, wenn ihnen bei Wahlen von den Juden keine Gefolgschaft geleistet wird? Daß sie Baterlandsverräter seien! Dies erinnert mich an ein hübsches Lied im jüdischen Jargon, in welchem eine junge Frau ihrem Gatten klagt, daß sie seiner Mutter nichts recht machen könne, mag sie tun was immer: „Geh' ich langsam, sagt sie, ich kriech', Geh' ich geschwind, sagt s i e, ich zerreiß' die Schüch (Schuhe)." Schließt sich der Jude der Majorität an, so sagt man, er sei aufdringlich, tut er es nicht, macht man ihm den Vorwurf, er sei landesfremd und indifferent — er kann es eben nicht recht machen, wie jene Schwiegertochter, ob sie nun läuft oder kriecht. Die ganze Broschüre, mit der uns Frau Theimer beglückte und mit der sie die Judenfrage großmütig lösen will, ist in dieser Art gehalten. Auf Seite 19 sind ihr die Einen abstoßend stolz, die Anderen widerlich zudringlich. Besonders scharf ist sie gegen die jüdischen Journalisten. Man glaubt da Lueger zu hören. Sie wirft ihnen Einseitigkeit und Oberflächlichkeit vor, macht sie für den Antisemitismus in den intellektuellen Kreisen verantwortlich und stellt die sonderbare Behauptung auf, daß die Arier fast nie die antisemitischen Blätter lesen, die ausschließlich von Juden gelesen werden! Nach dieser Einleitung kommt die Verfasserin zur Lösung der Judeufrage und steuert direkt auf den Zionismus los. Von hier ab ist der Charakter der Schrift ganz verändert und einigermaßen konziliant. Die Zähigkeit, mit der die Juden ihre Eigenart erhalten, wird bewundert (S. 49) und versichert, daß kein gerecht denkender Mensch dem Juden, bloß weil er Jude ist, das Recht absprechen werde, im öffentlichen Leben des Staates, dessen Blut- und Geldsteuer er wie jeder andere Bürger entrichtet, mitzureden; sie ist von der Idee, für die Juden im fernen Osten eine neue Heimat zu gründen, begeistert, sie applaudiert den Zionisten ob ihrer Bravour, sie ermutigt die Zagenden, sie beredet die Gegner, sie stellt dem Unternehmen das günstigste Horoskop und erbittet sich im vorhinein als gute Katholikin, von ihren Lieblingen, den Zionisten, Schonung für die der gesamten Christenheit heiligen Stätten Palästinas! Frau Camilla Theimer ist nicht die Einzige, welche dem Auszuge der europäischen Juden nach Palästina freudig zustimmt. In dem Sammelwerke des Herrn Dr. Moses kommt dies siebzig- oder achtzigmal vor. „Hinaus nach Zion! Gott geleite Euch!" Ob man uns auch hi nein läßt? Das wollte niemand erwägen, ebenso wenig, ob das kleine Land genügt, ob der Boden fruchtbar, ob der Sultan geneigt, ob die christlichen Mächte gewillt, ob die in den vielen Kirchen und Klöstern wie in Zitadellen lebenden streitbaren Geistlichen und Mönche nicht die Gläubigen und Fanatiker der christlichen Staaten aufrufen werden, die Vertriebenen zu verjagen -Wie, wenn, nachdem die Schleusen aus Rußland und Rumänien geöffnet würden und ein Menschenstrom von Hunderttausenden sich nach dem Orient ergießt, der Sultan unter dem Drucke der römischen Kurie, des Heiligen Synods, der spanischen, griechischen, wohl auch der deutschen und österreichischen Regierung ein energisches „Stopp!" rufen und eine eiserne Wehr aufrichten würde — was dann? Wo es sich um das Schicksal eines ganzen Volkes und um Wochenschrift. viele mühselig aufgebrachte Millionen desselben handelt, muß alles hundertfach erwogen und bedacht werden! Im letzten Abschnitt ihrer Publikation, deren feindseliger Anfang so ganz anders ist als der milde und versöhnende Ausgang, wird die Verfasserin sentimental und verklärt sich zur Seherin: „Ich träume einen schönen Traum. Von Burg Zion flattert die jüdisch-nationale Fahne. Es ist eine Fahne der Freiheit und des Fortschrittes. Der Jude bebauet wieder seinen Grund und Boden, seine angestammte Mutier Erde. Sein krummer Rücken ist gerade geworden, aufrechten Hauptes schreitet er einher. Er ist wieder selbstbewußt geworden und hat auch allen Grund dazu-In den arischen Kulturländern leben Juden und Arier friedlich nebeneinander. Der schütz- und wehrlose, der verhöhnte und verfolgte Jude gehört der Vergangenheit an-Jüdische Richter sprechen Recht über arische Bürger. Jüdischnationale Abgeordnete vertreten die Interessen ihres Volkes in den verschiedenen Parlamenten und arbeiten gemeinsam mit den arischen Volksvertretern, den Fortschritt in Zivilisation umzusetzen.- Daß dieser Traum sich dereinst erfüllen möge, wäre mein sehnlichster Wunsch!" Der meine auch. Leider sind Träume bloß Schäume! Meran. Leo Herzberg-Fränkel. vom Aadrmarkt des Lebens. Ein politischer Predigttext. Köln. Einer Berliner Meldung der „Köln. Volksztg." zufolge hat Kaiser Wilhelm für nächsten Sonntag als Grundtext für die Predigt in der Schloßkirche angegeben: Zweites Buch Moses 12, 49. Einerlei Gesetz sei dem Einheimischen und Fremdling, der unter euch wohnet. Der Text wurde vor längerer Zeit dem Hofprediger mitgeteilt. Auf die Rückfrage, wie ihn die oberste Kirchenstelle behandelt wissen wolle, ist geantwortet worden, er möge sich an den Geist der Heiligen Schrift halten, von welcher am Hofe kein Jota geraubt werden dürfe; das ganze preußische Staatsministerium wurde zu dem Gottesdienste befohlen. Wir können, schreibt die „Köln. Volksztg.", für obige uns aus guter Hand zugehende Mitteilung keine Gewähr übernehmen, bestätigt sie sich aber, würde sie vielleicht bedeutungsvolle Schlüsse zulassen. Wie dem sei, wir stehen vor einer hochwichtigen Entscheidung. Wenn bei irgend einer Frage, so ist hier das Staatsoberhaupt persönlich ganz ungewöhnlicherweise engagiert. Handelt es sich um das Verhältnis des Königs von Preußen zu seinen polnischen Untertanen, denen seine Vorfahren die bestimmte feierliche Versicherung gegeben haben, mit der die jüngste Polenvorlage gänzlich unvereinbar erscheint, sollte der Preußenkönig in zwölfter Stunde dagegen sein Veto einlegen, dann wäre mit einem Schlage das Verhältnis des Königs zu der polnischen Bevölkerung seines Landes wieder zu einem normalen geworden und das Vertrauen dieser Bevölkerung zu seinem König wiederhergestellt. Von welcher Bedeutung eine solche Wendung für die Festigung des Dreibundes sein würde, bedarf keiner weiteren Ausführung. Soweit die Meldung des Kölnischen Blattes, welches offenbar einem Witzbold aufgeseffen ist. Vom Melamed zum rumänischen Nationaldichter. Unter dem Schlagwort „Das Geheimnis eines Dichterlebens" brachte das „Neue Wiener Tagblatt" vom 29. Jänner 1908 folgende Mitteilung: Im Jahre 1877 tauchte in Bukarest ein 25jähriger Mann auf, der sich Ronetti Roman nannte. Er sprach kein Wort rumänisch, und da er infolge dieses Umstandes keine Beschäftigung finden konnte, schlug er sich als Lehrer der deutschen Sprache, die er völlig beherrschte, kümmerlich durch. Tagsüber gab er Stunden und Abends studierte er als Autodidakt rumänisch. Er trieb die rumänischen Sprach-

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