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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-07 · 6 (7.2.1908) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
6 (7.2.1908)
Date
1908-02-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Mmiiiiaiii iii IIWTMWHftT>TWiT,BT,yilffT'i7*'Wfl Seite 94 Dr. Llocd's Mocbensedritt» Nr. 6 Von Bürgern aller drei europäischen Südstaaten also, in denen der Anarchismus entstanden ist und wo er heute noch fast ausschließlich Anhänger besitzt, die mit ihren Wahnsinnstaten Schrecken und Abscheu in der ganzen Welt erregen. In ihrer Abstammung liegt mehr als ein geographischer Begriff, liegt eine Tatsache, die uns Juden, uns anarchistische, revolutionäre Juden sehr nahe angeht. Wer ist es denn, der uns immerfort den Vorwurf des Hochverrates, der Zersetzung und des Willens zur Vernichtung macht? Regierungen, eine Presse und eine Partei, die sämtlich behaupten, zu mehr oder weniger radikalem Schutze des Christentums da zu sein und zu wirken. In allen ihren Kundgebungen betonen sie ihren christlichen Geist, loben sie das christliche Ideal, dem nachzueifern sie uns Juden gebieten. Es ist auch die höchste Zeit, daß wir mit unserer Verstocktheit aufhören und mit dem Nachahmen beginnen. Wo ist nun bekanntlich der christliche Geist am schönsten entfaltet, der christliche Glaube am tiefsten? Niemand wird leugnen, daß in Spanien, Italien und in Portugal ein geistlicher Kirchenstaat im weltlichen Staate besteht, daß in diesen Ländern die Macht der Kurie fast eine Allmacht über die Seelen ist. Wahrscheinlich ist das dem Mangel an Juden und den mit ihnen verbündeten Freimaurern zu danken, von denen sich in Italien wenige Hundert, in Spanien wenige Dutzend, in Portugal keine befinden. Dafür darf man eigene Dankgebete entrichten. Denn sind es nicht die Juden, welche die Bevölkerung überall unbarmherzig aussaugeu, welche sie künstlich dumm erhallen, ihre Anschauungen verwirren, damit der Raub umso leichter gelinge? Sind es nicht die Juden, welche den Samen des Zweifels beharrlich aussäen, bis sich die Frucht der Revolution mit blutigroter Farbe daraus erhebt? Die Italiener, die Spanier, die Portugiesen sind ihrer Masse nach blutarm, obwohl sie in einem Paradiese der Fruchtbarkeit leben. Sie leben wirklich in dunkler Nacht des Geistes, in Dummheit und Aberglauben. Um ein Stück Brot zu erreichen, um den Steuern ihrer Bedrücker zu entgehen, machen sie Hungerrevolten, während ihre Herren ihre eigenen Söhne gegen sie bewaffnen. Zu allem Unglück schleicht noch der Geist der Anarchie unter ihnen herum und reift zur blutigsten Frucht der Anarchie heran. Wahr, wahr, dreimal wahr! Aber weit und breit sind keine Juden, die an allem Schuld sind, keine anarchistischen, volksvergiftenden und verdummenden, ausbeuterischen Juden. Weit und breit atmet nur der christliche Geist, von dem wir lernen sollen, wie man uns gebietet. Im Zeichen der jüdischen Revolution fallen jüdische Jünglinge in russischen Städten, Helden, die ihr Teuerstes rächen wollen, unter den Kugeln von Bataillonen. Dom Carlos ward hinterrücks gemordet in einem Lande voll musterhaften, voll nachahmenswerten, voll arischen Geistes. - Antisemitismus und Natio«atf«i»rntnm. Ein arischer Beitrag zur Lösung der Judenfrage von Camilla Theimer. Das zwanzigste Jahrhundert steht unter der Herrschaft des Weibes, La femme partout! Frauen in den Post-, Telegraphen- und Telephonämtern, in den kaufmännischen und industriellen Bureaus, in den Hörsälen der Universitäten, an den Vorlese- und Seziertischen, in den Apotheken und chemischen Laboratorien und besonders in der — Presse! Wie es da in den Parterreräumen der politischen Journale und im ersten Stock der belletristischen Zeitschriften wimmelt! Jedes zweite Feuilleton wird von Damenhand gestrickt und fast alle Uebersetzuugen aus fremden Literaturen — weibliche Handarbeit! In den politischen Parteiversammlungen der antisemitischen Häuptlinge führen Frauen das Wort und sie würden sich auch schon zu Amazonenkorps organisieren, wenn sie sich nicht davor scheuten, später Veteranenvereinen angehören zu müssen. Ist doch die Zeit nicht mehr ferne, wo Frauen in Talaren als Mitglieder des Barreaus mit ihren männlichen Kollegen vor den Geschworuen über Dinge disputieren werden, bei deren Verhandlung gewöhnlich die Oeffentlichkeit ausgeschlossen wird! In neuerer Zeit haben sich viele streitlustige Damen, mit dem Heft in der Hand, in die Arena begeben, in der um die Judenfrage gestritten wird. Bei dem neulich von Dr. Moses veranstalteten Renkontre erschienen acht gerüstete Damen und nun flattert in derselben Sache sogar eine von Frau Camilla Theimer zur Welt gebrachte und im Selbstverläge großgezogene Broschüre auf: „Antisemitismus und Nationaljuden tu m", die man lesen muß, erstens weil sie mit Geist geschrieben und zweitens voll von dem gediegensten Antisemitismus, den je eine behandschuhte Hand kredenzte! Um ehrlich zu sein, will ich gestehen, daß das kleine Buch eigentlich keinen Judenhaß enthält, dazu ist die Dame zu gebildet und vorurteilsfrei. Es ist vielmehr die tiefste Geringschätzung und die höchste Ueberhebung, denen wir in jeder Zeile begegnen. Wiewohl die Verfasserin mit frommem Augenaufschlag ihren Konnationalen den Vorwurf macht, daß sie die armen Juden mit ihrem Haß verfolgen, sie in ihrem Erwerbe beeinträchtigen und ihrer mühseligen Existenz schädigen, spricht sie ihre Entrüstung darüber aus, daß die Juden es wagen, sich den Ariern anbiedern und sich mit ihnen auf gleiche Stufe stellen zu wollen, als hätte die Emanzipation von 1848 sie ihnen wirklich gleich gemacht! „Der Arier fühlt im Juden instinktiv das ihm wesenfremde Element und btefe Empfindung ist so stark, daß sie zuerst immer die prädominierende ist." „Die Juden," heißt es weiter, „konnten sich an Anbiederungsversuchen an die arischen Völker gar nicht genug tun. Diese Anbiederung wurde zuerst höflich, dann entschieden und zuletzt derb zurückgewiesen.?,So war es nicht gemeint gewesen; nein, wirklich und wahrhaftig nicht.! Die Freiheit, neben ihnen ein menschenwürdiges Dasein' zu führen, ja, aber m i t ihnen — niemals!" Merkwürdig: Schon oft hörte ich gegen die Juden den Vorwurf erheben, daß sie sich absondern; durch Gewohnheiten, Sprache, Tracht, Speisegesetze sich isolieren, aber niemals hörte ich von der aufdringlichen „Anbiederung", über welche Frau Theimer so entrüstet ist. Natürlich gibt es einzelne Ausnahmen, für deren Torheit die Gesamtheit nicht verantwortlich gemacht werden kann; törichte, bornierte Menschen, die da glauben, gefürstet zu werden, wenn ihnen eine arische Hand eine Tasse Tee reicht oder ihnen eine Zigarre abnimmt. Gibt es nicht im arischen Bürgerstand genug Leute, die in Verehrung vor Mitgliedes der Aristokratie ersterben und in Servilismus vor ihnen aufgehen? „Bei Wohltätigkeits-Vorstellungen hat man zusammen Champagner ausgeschäukt, Würsteln verkauft, Theater gespielt, weil der Zweck es erfordert — dann aber _ _ _ii „Die Juden glauben durch die Emanzipation das Recht erlangt zu haben, überall dabei zu sein, überall mitzutun. Und dies Ueberalldabeisein und Mittun hat mehr zur Förderung des Antisemitismus beigetragen, als wirtschaftliche Momente." Dies ewige Hinweisen auf die gnädige Emanzipierung, der Juden, welche sich ohne Verschulden der gegenwärtigen Generation unserer arischen Mitbürger im Sturmjahre 1848 vollzog, muß schon ein bitteres Lachen Hervorrufen. W o i st diese hochherzige Emanzipation, mit der so protzig geprahlt wird? Sie ist platterdings eine Lüge! Sie existiert nicht!" Blicke man in die Staats- und Gemeindeämter, in die Bureaus der Bahnverwaltungen, in die Kommunal- und Bezirksanstalten, in die Administrationen der Landes-

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