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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-01-31 · 5 (31.1.1908) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
5 (31.1.1908)
Date
1908-01-31
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 5 Dr. Slocb s MocbenscbrM. ein Jude zu dem höchsten bürgerlichen Amte in Rom erkoren werden würde, so hätte man ihn für einen Narren gehalten. Wer weiß? Wer weiß? Vielleicht wird, ehe weitere vierzig Jahre vergangen sein werden, Rußland eine konstitutionelle Regierung haben, vielleicht werden russische Städte Bürgermeister haben und ein Jude zum Bürgermeister von St. Petersburg gewählt sein. Das Ghetto von Rom fiel erst im Jahre 1670, siebenunddretßrg Jahre später hat sich diese wunderbare Sache ereignet. Die Wahl Ernesto Nathans zum Bürgermelster vou Rom ist tatsächlich eines der romantischesten Ereignisse des modernen politischen Lebens. Welch ein Wechsel! Aus solchen Ereignissen können wir alle Vertrauen schöpfen für den unaufhörlichen Fortschritt der Menschheit, und wir Israeliten fühlen aufs neue, wie recht der Psalmensänger hat mit seinem unvergeßlichen Worte: „Siehe, es schläft nicht und es schlummert nicht der-Hüter Israels." „Ehrh." Daß die „Modernisten" jetzt voll Neid auf das Judentum blicken, i,t begreiflich. Ein französischer Gelehrter hat unter dem Pseudonym „Loetmol" im „Univers" eine längere Abhandlung über die „Kultusreform" veröffentlicht. Er schreibt zum Schluffe: „Alle diejenigen, welche heutigen Tages mit der religiösen Lage unzufrieden sind, haben eine Dankesschuld gegen euch, Israeliten, für den ungeheueren Dienst, den ihr der Menschheit geleistet habt, als ihr hartnäckig euch weigertet, ihre endgtltige Religion zu erblicken in den paulinlschen Theorien, in den hellenistischen Spekulationen oder in dem iheokratlschen Christentum Roms. Ich zweifle Nicht im geriugstiN daran, daß die Christen, die sich in einer Krisis ohne sichtbaren Ausgang bewegen, ichueßlich zu der Erkenntnis gelangen werben, daß ihr mit eurer aiigedlichen Verblendung im Rechte wäret und euch Dank dafür wissen werden. Mag nun aber der Tag dieser feierlichen Wiedergutmachung so vieler Fehler noch lange auf sich warten lassen, so wird es doch einer von ihnen, und mag er momentan auch von seinen Brüdern verleugnet werden, mit aller eurer Kirche, die Mutter aller mistigen, gebührenden Achtung und Liebe, euch hier gesagt haben: Habt Dank für eure Verweigerung der christlichen Taufe und dafür, daß ihr euch nicht durch uns habt verstümmeln und verschlingen lassen für euren Willen, euer eigenes Leben zu leben, obschon eure Existenz eine schwierige und schmerzvolle war, für eure Energie, mit der ihr den reinen und lebendigen Monotheismus verteidigt habt, obfchon euer Glaube, der als verbrecherische Hartnäckigkeit bezeichnet wurde, euch von uns nur Unbilden und Verfolgungen zuzog. Habt Dank für die dunkle aber fruchtbare Arbeit eurer Lehrer zu einer Zeit, wo wir unS noch wenig mrt der Wissenschaft beschäftigten. Dank für das vergossene Blut eurer Märtyrer, wo wir noch so töricht waren, zu glauben, daß wir ein dem Messias, den wir euch schuldeten, angenehmes Werk vollbringen, wenn wir euch töteten. Euch gebührt das Verdienst deS Mutes, der das Gewissen frei macht, und daS Verdienst der Treue gegenüber einem Ideal, das wir vorzeitig als verwirklicht erklärt hatten. Wrr aber, die wir heute unser ganzes Christentum in Frage stellen, wir müssen uns schämen, nicht sowohl weil wir unS getrrt haben, als weil wir so ungerecht waren gegen euch, indem wir auf unserem Irrtum beharrten." R. v. St. Der Erbauer des Döblmger Tempels ist Architekt Julius W o h l m u t h. L. Sch., Advokat, Konstantinopel. Wir können diese Polemik, welche weder den Interessen der Juden Konstantinopels, noch dem Ansehen des Gesamtjudentums dienlich ist, in den Spalten unseres Blattes unmöglich ins Endlose fortsetzen lassen. A. S. in R. 1881, bezw. 5651 war ein Schaltjahr und hatte einen doppelten Adar. Aufruf! P. T. Der Wohltätigkeilsverein „Dilettantenbühne" Sitz: Cafe Augartenbrücke, II., Uut. Augartenstr. 2 hat den Zweck, arme, der Delogierung ausgesetzte, jüdische Familien, zu unterstützen und vor der Delogierung zu bewahren. Um den Unterstützungsfond zu vergrößern, veranstaltet das Komitee am 8. Februar d. I. im „Hotel Zentral" eine geschloffene Maskenredoute. Wir richten an alle Menschenfreunde die dringende Bitte, nicht achtlos an unserer Tendenz vorüberzugehen, weil wir sonst nicht in der Lage sind, den massenhaft etnlaufenden Gesuchen auch nur teilweise zu entsprechen und der Wohnungsnot zu steuern. Daß in Wien genug Not herrscht, daß Leute nichts zu essen oder zu leiden haben, das wissen edle Menschen und bemühen sich da hilfreich zu sein. Wenn aber diese hungernden, frierenden Familien kurzweg auf die Straße gestellt werden und nicht einmal des Abends, wenn auch oft hungernd, in ihre Wohnung gehen können, sondern hilf- und mittellos vor das Haus gestellt werden, das mit anzusehen, wird wohl Niemand imstande fein. Und solche Familien gibt es sehr viele! Wir brauchen daher die Mithilfe und pekuniäre Unterstützung aller Mitmenschen und bitten, uns eine wenn auch noch so kleine Spende güttgst einznsenden. Innigsten Dank im voraus für das Ball-Komitee: Arnold Lemberger. I Danksagung. Außer Stande, jedem einzelnen für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, welche uns anläßlich des Ablebens unserer unvergeßlichen Gattin und Mutter, der Frau Netü Peterselka, zuteil wurden, zu danken, bitten wir, auf diesem Wege unseren tiefgefühlten, innigen Dank entgegen zu nehmen. Familie Peterselka. Konkurs. Bei (1er tsrael. Kultusgemeinde in Jägerndorf gelangt die Stelle eines musikalisch gebildeten Kantors, Koreb, Schocket, welche Stelle durch die Pensionierung des bisherigen Kantors trei wird, zur neuerlichen Besetzung. Bewerber, welche österr. Staatsbürger sind, das 35. Lebensjahr nicht überschritten, die Befähigung haben, einen Chor mit Orgelbegleitung zu leiten, überdies den hebräischen Unterricht au den Volksschulen za erteilen, wollen ihre Besuche bis längstens Ende Febriler 1908 an den Unterzeichneten einsenden. Mit dieser Stelle ist ein fixer Gehalt von K 1600 und ein Wohnnngsbeitrag von K 150 nebst den üblichen Emolumenten verbunden. Nur Berufene werden zum Probevortrag zngelassen. Reisespesen werden nur dem Akzeptierten vergütet. Vorstand der Israel. Kultnsgemelnde der Vorsteher: z. 15, ex 1908. Julius Krämer. Kundmachung. In dem der Israel. Kultusgemeinde gehörigen, neu erbauten Jüdischen Gemeinde- und Natioualhause“ in Czernowitz gelangen zum Termine des 1. Mai d. J. folgende Lokalitäten zur Vermietung resp. Verpachtung: a) zwei im Parterre gelegene Frontgeschäftslokale, und b) eine Koscherrestauration, bestehend aus vier Räumen, darunter ein grosser Saal, samt Restaurationsküche und Speisekammer nebst einer aus zwei Zimmern und Vorzimmer bestehenden Restaorateurswohnnng, weiters Souterrain-Restaurationslokalitäten samt Kegelbahn, Küche, Dienstbotenzimmer, Speisekammer, Bier-, Wein- und Holzkeller, zwei getrennten Kellerränmen und Gemüsekeller; in allen diesen Räumen ist elektrische Beleuchtung und Zentralheizung eingerichtet. Ordnnngsmässige, mit den nötigen Behelfen adstrnierte Offerte sind bis spätestens 14- Febfliar 1908 in der ISPSSlItlSCllGll Kultus-Gemelßdekanziel Czernowitz, Schlllerpiatz, zu überreichen. Die Geschäftslokale ad a) werden entweder getrennt oder zusammen an Einen Abnehmer auf die Dauer von einem, zwei und eventuell drei Jahren, ebenso die Restaurationslokalitäten ad b) für ein, eventuell drei oder sechs Jahre vermietet, diese letzteren Objekte jedoch nur an Einen Abnehmer. In den Restaurationsräumen stellt die Vei pächterin etwa 200 Sessel, ferner gewöhnliche Tische, einige gepolsterte und einfache Wandbänke sowie Spiegel bei und werden diese Einr ichtungs gegenstände mit vermietet. Bewerber um das Restaurant müssen Restaurateure, bezw. Gastwirte sein und haben den Nachweis über ihre bisherige Tätigkeit in dieser Branche und fachliche Eignung zu erbringen. An Vadium in Barem oder öffentlichen Wertpapieren sind folgende Beträge zu erlegen, u. zw.: ad a). Für das grössere Geschäftslokal ein Betrag von K 200; für das kleinere Geschäftslokal hingegen ein solcher von K 100; für die Restaurationslokalitäten ein Betrag von 1000 Kronen. Weiters wird hervorgehoben, dass sich im „Gemeinde- und Nationalhause“ ein in die Vermietung nicht einbezogener vornehmer, grosser Festsaal mit Speisenaufzug in alle Stockwerke befindet, welcher Saal zu festlichen Veranstaltungen und Versammlungen von der Gemeinde selbst benützt oder auch an Andere gegen Entgelt überlassen werden wird. Etwaige auf diese Vermietungen Bezug habenden Auskünfte werden jederzeit während der gewöhnlichen Amtsstnnden (9—1 Uhr vorm, und 3—6 Uhr nachm.) in der Kanzlei der Unterzeichneten Kultusgemeinde, Czernowitz, Schillergasse 3 erteilt und können während dieser Zeit die zur Vermietung gelangenden Ubikationen besichtigt werden. GzerflOWltZ, 8. Jänner 1908. Vom Vorstände der Israel. Kultusgemeinde: Der Präses: 571 Dr. fitranclier.

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