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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-01-31 · 5 (31.1.1908) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
5 (31.1.1908)
Date
1908-01-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 86 Dr. Mocv s MoedensLvriN. Nr. 5 verborgen werden, aus denen dann jede Rettung ausgeschlossen erscheint. Jetzt herrscht in der Warschauer Judengemeinde wieder große Erregung über den jüngsten „Fall". In der Mostawagaffe Nr. 8 wohnt der jüdische Kaufmann A. Widerschall mit seiner 15jährigen Tochter Franja, die eine Mittelschule besucht hatte. Am 16. Dezember ging das junge Rädchen wie gewöhnlich in die Schule, kehrte jedoch weder Mittags noch Abends ins Elternhaus zurück. Unter den Schulheften des Mädchens fand man einen Brief eines gewissen Nowakowsky, der bis vor Kurzem im Hause Widerschall bedienstet war, aus welchem hervorging, daß er sich nur zu dem Zwecke in das Haus des Juden eingeschlichen hatte, um seine Tochter in ein Kloster zu entführen. Aus diesem Briefe erfuhren nun die Eltern, daß Franja Widerschall in das unweit von Warschau im Dorfe Wiljanow gelegene und unter Aufsicht der „Barmherzigen Schwester" Ludowica stehende „Pensionat für katholische Mädchen" gebracht wurde. Die Eltern fuhren nach Wiljanow, verlangten eine Zusammenkunft mit ihrer Tochter, die ihnen jedoch verweigert wurde. Nun wandten sich die ihrer Tochter beraubten Eltern an einen Advokaten, dem es gelang, von dem Beichtvater der Anstalt ein Empfehlungsschreiben an die Oberin zu erhalten, in welchem diese aufgefordert wurde, den Eltern eine Zusammenkunft mit ihrer Tochter zu gestatten. Mit diesem Briefe ausgerüstet gingen die gramgebeugten Eltern wieder nach Wiljanow. Der Brief wurde ihnen abgenommen, aber der Einlaß ins „Pensionat" verweigert. Sie sollten vor der Klostertüre auf Antwort warten. Plötzlich öffnete sich ein Fenster und ein Zettel fiel vor den vor Angst und Hoffnung zitternden Eltern auf die Erde. Hastig griff Widerschall nach dem Zettel. In polnischer Sprache standen darauf die wenigen Worte: „Ich will euch nicht mehr sehen! Franja." Widerschall schrie und tobte in seiner Verzweiflung und beteuerte, daß seine Tochter diese Botschaft nicht habe ftciwillig schreiben können, da sie der polnischen Sprache gar nicht mächtig sei. Schon wollten die Eltern schluchzend und unverrichteter Dinge von dannen ziehen, da öffnete sich abermals ein Fensterflügel und die Stimme Franja's ward hörbar. In reinem Jargon rief sie hinunter-. „Ich habe es freiwillig getan, niemand hat mich dazu gezwungen!" Im nächsten Momente antwortete ein herzzerreißender Aufschrei der Mutter, sie fiel ohnmächtig zu Boden... Merkwürdig an der Geschichte ist, daß der seiner Tochter beraubte Widerschall selbst bei den sogenannten liberalen Warschauer Blättern vergebens anklopfte und um ihren publizistischen Schutz bat. Nur die „Nowa Gazeta" verurteilte den Vorfall in heftigen Worten und das jüdische polnische Blatt „Jsraelita" hat sich der Familie Widerschall angenommen. Zum Schluffe sei noch erwähnt, daß die Entführung jüdischer Mädchen ins Kloster so sehr überhandgenommen hat, daß sich in Warschau ein „Jüdischer Frauenverein zur Befteiung entführter Mädchen" gebildet hat, der nun die Affäre Widerschall in Behandlung nahm. Odessa. In einer Audienz soll der Zar angeblich dem neue« Generalgouverneur Telmaschew von Odessa den Befehl gegeben haben, die Ruhe in Odessa aufrecht zu erhalten. Diesen Befehl übermittelte Telmaschew in förmlicher Weise den Verbändlern. Wie diese gewillt sind, diesen Befehlen nachzukommen, zeigt folgendes Telegramm des Hilfsvereines der Deutschen Juden: Odessa, 23/11. 08. Gestern abends begingen die Berbändler wiederum Exzesse. Eine Bande von ungefähr 20 Mann überfiel im Zentrum der Stadt ein jüdisches Restaurant, schlug dort die Fenster ein und mißhandelte einen greisen Juden sehr schwer. Nachdem sie durch ihre Untaten eine außerordentliche Panik hervorgerufen hatten, verschwanden sic. Später tauchte eine andere Bande auf dem Platze vor dem Hauptpolizeigebäude auf. Diese verprügelte alle vorübergehenden Juden. Schließlich trat die Polizei dazwischen und verhaftete 4 halbwüchsige Burschen. Der Pariser Rothschild i« Petersburg. Petersburger Blattermeldungen zufolge wird der Chef des Pariser Bankhauses Rothschild, Baron Edmond de Rothschild, in den nächsten Tagen in Petersburg erwartet, wo er auch vom Zaren in Audienz empfangen werden soll. Die Blätter meffen dieser Audienz eine große politische Bedeutung bei, wobei ausdrücklich betont wird, daß es sich nicht um die neue russische Anleihe handle. Gnade den Judenmördern. Das russische Blatt „Towarischtsch" weist in seiner Jahresbilanz über das Jahr 1907 nach, daß in diesem Jahre 32 Männern, die wegen nachgewiesener Beteiligung an den Pogroms gegen Juden von den Gerichten zu Freiheitsstrafen verurteilt wurden, auf Grund der kaiserlichen Begnadigung die ganze Strafe erlassen wnrde. Diese Zahl dürfte aber in nächster Zeit noch beträchtlich anwachsen, denn wie z. B. eine Meldung aus.Zitomir zu erzählen weiß, hat der russische Justizminister den Zitomirer Gerichten Auftrag erteilt, den Strafvollzug an der wegen Beteiligung an den dortigen Judenmetzeleien Verurteilten bis auf Weiteres aufzuschieben. Vermischtes. Kranzablösungsspendcn zugunsten der Chewra-Lladischa in Wien, I., Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sel. Julie Wolf: Von Familie Siegfried Lengsfelder K 10.—, Familie Sofie Bloch 5 —, Hermann Spitzer 10.—, Anton und Camilla Hirsch 10.—, Max Zerner 8.—, Moriz Quetsch 2.—, Ernst Steiner X 4.—. Zusammen K 49.—, Anläßlich des Ablebens des sel. Sigmund Hechinger: Von Max und Albert Hofmann X 20.—, Jakob Morberger 10.— , Personale der Fa. Jak. Morberger 10.—, Bertha Hechinger 10.— , Rausnitz 10. — , I. Engler und Frau 10.—, Helene Honig 16.—, B. Kahn-Hut X 5.—. Zusammen X 91.—. Anläßlich des Ablebens der iel. Bertha Straschnow: Von kais. Rat Messrnger X 10.—, Edmund Jmmergut 10.—, Hugo Straschnow K 20.—. Zusammen X 40.—. Anläßlich des Ablebens des sel. S i g m u n d v o n Go mp e r z: Von Dr. Armin Taster und Frau X 50.—, Dr. Adolf Leitner und Frau 40.—. Ernst und Emma Wolf 6".—, Dr. Siegfried Herzig X 30.—. Zusammen X 170.- . Anläßlich des Ablebens der sel. Mina Regine Robitschek: Von Sigmund Schafranek X 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Hermann Sonnenschein: Von Hugo Spitzer X 10.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Rosa Süß: Von Rosa und Sigmund Süß X 10.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Anna Fürst: Von Baurat Oskar Marmore! und Frau X 20.—, A. Wlaichin, Direktor der Anglo-Oesterr. Bank, Prag X 40.—. Zusammen X 60.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Bernhard Am st er: Von Eduard JonaS Schachtitz X 10.—, Dr. Emil Lemberger 20.—, Leo Türk X 10.—. Zusammen X 40. -. Anläßlich des Ablebens des sel. Hermann Subak: Von Samuel Kurz X 20.—, Josef Subak, Brünn 5.- , Alexander Subak. Jglau 5.—, Max Schlesinger 5.—, Leonhard und Berthold Subak 10.—, Adele Feldsberg 5.—, Alice Subak 5. —, Salo Fried, Trebltsch 10.—, Alois Subak, Brünn 10. — , Bertha Lichtenstern 10.—, Mali Wertheim 5.—, Ignatz Paschka X 5.—. Zusammen X 95.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Amalie Wechsler: Von Isidor von Löti X 20.—, Jenny Norbert 20.—, Bernhard Fürst 40.—, Regine Thenen 30.—, Ignaz Thenen 30.—, Isidor Mmz 10.—, Arthur I. Wechsler 100.—, Max Wechsler 100. —, Stanislaus Löwenberg 50.—, Dr. Friedrich Treitel, Berlin X10.—.Zusam. X 410.—. Anläßlich des Ablebens des sel. kais. Rat S a l o m o n K o h nb erg er: Von Albert Winterberg X 10.—, Max Schweiger 10.— , Julie Mandl 3 -, Arnold Mandl 50.—, Max Mandl 20.-, Bernhard Reicher 25.—, Leo Fürst 25.—, Salo und Camilla Cohn 30.—, Sigmund Popper X 30.—. Zusammen X 203.—. Anläßlich des Ablebens des sel Joachim Stiaßny: Von Alfred Stiaßny, Trebitsch X 20.—, Alois Stiaßny X 20.—. Zusam. X 40.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Leo Fleischner: Von Dr. Moriz Hellmann X 10.—, Leopold Perutz 10.—, Hermann Fleischner 40.—, Alfred Adelberg 20.—, Moriz Adelberg 40. - , Karl Adelberg 20.—, Karl Steiner X 20.—. Zusammen X 160.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Ignaz Kobn: Von Rudolf Weinwurm X 2.—, Dr. Leopold Kürt 10.—, Rudolf Weinwurm 2.—, Dominik Fillier X 2.—. Zusammen X 16.—.

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